Das war es also das Jahr 2021. Ein für mich auf persönlicher Ebene sehr anstrengendes und durchwachsenes Jahr, dafür ein spirituosentechnisch sehr interessantes und vielfältiges Jahr mit sehr vielen Neuentdeckungen und super spannenden Reisen zu einigen Destillerien (zum Beispiel zu Lantenhammer und zu Hans Reisetbauer). Auch gab es nach einem Jahr Pause endlich wieder Messen, unter anderem das German Rum Fest, den Bar Convent Berlin und den Bottle Market in Bremen. Es ist schon erstaunlich wie schnell man gewohnte Dinge vermisst und wie man sie dann wieder wertschätzt. Um es mit euch noch einmal Revue passieren zu lassen habe ich mir den Kopf zerbrochen und meine Highlights zusammen getragen. Viel Spaß beim Lesen!

Rum des Jahres: Rum Artesanal REV 1994

Die Kategorie Rum des Jahres war die Kategorie, bei dir mir die Entscheidung am schwersten fiel. Wir haben dieses Jahr einfach viel zu viele sehr gute und sogar einige gigantisch gute Rums im Glas gehabt. Deswegen befanden sich hier eine Reihe an Rums auf der Shortlist, wie zum Beispiel der RA Barbados 1986 Rockley Style Rum, der RA Jamaica HD 1989 oder auch der Velier Caroni 35th Release HTR. Und da sind wir nur bei den Single-Cask-Abfüllungen, die für die meisten Endverbraucher gar keine Rolle spielen. Es gab auch einige herausragende Blends.

Am Ende ist es für mich aber der Rum Artesanal 1994 REV geworden, auch wenn die erstgenannten Abfüllungen von uns allesamt höher bewertet wurden. Guyana ist einfach genau mein Ding und wenn der Rum dann auch noch aus Enmore kommt sind die Voraussetzungen für ein perfektes Match sehr gut. So auch bei dieser Abfüllung, die auf dem 10. German Rum Festival gelauncht wurde. Dazu war er mit 199 Euro auch noch erschwinglich (ja ich weiß, die Preise sind irre geworden), was man von den anderen genannten Abfüllungen keinesfalls behaupten kann.

Trotz des Preis wurde diese Abfüllung schon während des GRF komplett ausverkauft und es ging entsprechend keine Flasche mehr in den stationären Handel. Schade eigentlich, dass es von solch genialen Abfüllungen immer nur so wenige gibt, sofern man dann am Ende überhaupt noch an die Flaschen kommt.

Whisky des Jahres: Stauning Calvados

Die regelmäßigen Leser unseres Blogs werden wahrscheinlich schon festgestellt haben, das wir ganz regelmäßig Abfüllungen von Stauning im Glas haben. Durch ein Tasting im Le Lion kamen wir auf den Geschmack und seitdem hat uns das Thema Stauning nicht mehr los gelassen. Vor allem Christoph ist zum Sammler der teils sehr experimentellen Abfüllung der Dänen geworden und zählt zuhause bereits fast ein Dutzend Flaschen. Eine dieser Abfüllungen ist mein Whisky des Jahres geworden – der Stauning Heather Calvados. Bei diesem Einzelfass, das von Kirsch Whisky in Fassstärke abgefüllt wurde, fand die Reifung eines leicht torfigen Whiskys zunächst in einem ehemaligen Makers-Mark-Fass und danach in einem ehemaligen Calvadosfass statt. Dadurch entstand ein fruchtig-rauchiger Whisky der an ein Stockbrot mit Apfel erinnert.

Gin des Jahres: Niemand Gin und Freimeisterkollektiv Haselnuss – Wacholder

Niemand ist wie du! Und wirklich niemand schmeckt wie dieser Gin. Ausgeprägte ätherische Öle, viel Power und ein sehr eigenes Aroma haben mich von diesem Gin überzeugt, auch wenn sicher nicht jeder seinen Spaß an diesem Gin hat. Mir hat er gefallen. Passend dazu gibt es noch den ebenso spannenden, aber etwas weniger intensiven Niemand Likör. Beides ist für den Einsatz mit Tonic konzipiert. Funktioniert aber auch in Cocktails wunderbar.

Ende des Jahres hat das Freimeisterkollektiv noch ein paar neue Abfüllungen präsentiert. Eine davon der von Georg Liebl produzierte Haselnuss-Wacholder. Es finden Piemonteser Haselnüsse, Wacholder, Vanille und Kakao zusammen. Natürlich ist diese Spirituose nicht als Gin klassifiziert, trotzdem kommt es einem Gin sehr nahe. Zumindest hängt der Wacholder-Geschmack extrem lange am Gaumen und bildet neben schwarzen Pfeffer, Pinie und gerösteten Nüssen den Hauptteil des Abgangs.

Wodka des Jahres: Berliner Brandstifter

Nunja, Wodka fristet bei uns eher ein Schattendasein und ist entsprechend auf diesem Blog extrem unterrepräsentiert. Auch in Drinks spielt dieses Destillat bei uns keine Rolle. Einzig der Harvey Wallbanger Cocktail hat mich in diesem Jahr sehr positiv überrascht. Von einem Freund bekam ich den Berliner Brandstifter Vodka geschenkt. Und Geschenke kostet man natürlich auch. In der kurzen Recherche fand ich heraus, das dem Vodka nach seiner Destillation einige Botanicals zugefügt werden. Und das schmeckt man auch. Dezent blumig und leicht frisch kommt der Berliner Vodka am Gaumen an. Eine gewisse Süße scheint auch präsent zu sein. Hat mir tatsächlich sehr gut gefallen und wird auch noch einen eigenen Blogbeitrag bekommen.

Obstbrand des Jahres: Reisetbauer Rote Williams

Bei unserem Besuch von Hans Reisetbauer in Axberg wurden uns die brennereieigenen Williamsbäume voller Stolz präsentiert und die gesamte Produktionsanlage gezeigt. Ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Die Hingabe zum Produkt war jederzeit vollumfänglich zu spüren. Ein absoluter Brenner aus Passion. Und das schmeckt man auch bei jedem seiner Produkte. Himbeer, Vogelbeere und ein super seltener Brand aus spanischen Orangen waren nur einige der Highlights. Ganz besonders nachhaltig hat mich aber der Brand von der roten Williams begeistert. Auch in unserem Vergleichstest mit zusätzlichen Testern konnte das Reisetbauer Produkt mühelos den Thron besteigen. Ein absoluter Ausnahmebrand.

Aperitiv des Jahres: Friedensreiter Erdbeer & Rose

Mit den Friedensreiter Aperitiven ist dieses Jahr ein junges und kleines Unternehmen an den Start gegangen, die sich guten Spirituosen in Bio-Qualität verschrieben haben und dabei die Geschichte ihrer Heimat in Ehren halten wollen. Und um dieses Ziel umzusetzen wurde eine Zusammenarbeit mit der Bio-Destillerie Dwersteg angestrebt, die kurz zuvor bereits mit dem in Zusammenarbeit mit Jörg Meyer entstandenen Quadro Nuevo für Aufsehen gesorgt hat und nebenher noch die Rechte am Namen Friedensreiter besaß. Die Basis ist die Gleiche. Nur das zugefügte Aroma unterscheidet sich.

War es beim Meyerschen Produkt Rhabarber, kommt bei den Friedensreitern Quitte und Erdbeer & Rose zum Einsatz. Beide Produkte sind hervorragend, die Quitte hat für mich die bessere Mixability. Pur schmeckt mir aber die Erdbeere etwas besser. Deswegen habe ich mich schlussendlich für die Erdbeer & Rose Variante entschieden. Auch weil sie in meinen Augen durch das selbst destillierte Rosenöl etwas aufwendiger produziert wurde.

Friedensreiter Greven Drink

Experiment des Jahres: Razel’s Rumlinie

Perola hat in der zweiten Jahreshälfte groß aufgespielt und zwei ganz hervorragende Cocktailspirituosen auf den Markt gebracht. Mit den Razel’s Rums werden amerikanische Süßspeisen in trinkbare Form gebannt. Den Start machte dabei der Peanutbutter Rum, der wenige Tage später von einer Variante mit Choco Brownie ergänzt wurde. Dabei kommen keine billigen Aromastoffe, Basisalkohol und eine Masse an Zucker zum Einsatz, sondern aufwendig produzierte Geiste, karibischer Rum und hochwertige Gewürze. Klar wird dabei auch gesüßt, aber das stört uns bei den Produkten gar nicht, weil es einfach gut dazu passt. Uns haben die Razel’s in einen wahren Rausch von Dessertdrinks geführt.

Produzent des Jahres: Nicolas Kröger

Der umtriebige Tausendsassa Nicolas Kröger hat dieses Jahr zu seinem Jahr gemacht. Einige neue Produkte strömten auf den Markt, allesamt mit hoher Qualität wie wir finden. Dann wurde die Mission Armagnac gestartet, mit der er der ältesten Spirituose Frankreichs wieder auf die Beine helfen will. Und nebenher wurde noch die Produktion von Berlin in die Nähe von Hamburg verlegt. Naja und gereist wurde im Auftrag das guten Geschmacks auch noch. Aber wahrscheinlich wird es auch im nächsten Jahr nicht ruhiger im Leben des Nicolas Kröger werden. Wir verfolgen das Ganze!

Filler / Non-Alc des Jahres: KiuKiu – the Latin Cocktail Element

KiuKiu ist der neueste Wurf von Jörg Meyer und Chloe Merz. Kakaopulpe, Saft der Kakaopulpe, Acerolapüree und rosa Pfefferbeeren werden zu einem schlotzigen und hocharomatischen Saft, der Cocktails bereichert, aber auch mit Tonic oder Soda aufgefüllt ein exotisches alkoholfreies Getränk zaubern kann. Hat uns sehr gut gefallen und ist in die Heimbar eingezogen. Natürlich noch verschlossen, denn alkohol- und zuckerfreie Lebensmittel halten sich leider nicht ewig. Auf der nächsten Tikiparty wird die Flasche aber wieder zu Gast sein.

Made in Germany des Jahres: Destillerie Lantenhammer

Das zweite Mal in Folge deutsche Destillerie des Jahres, das schafft nicht jeder. Bei Lantenhammer werden durchgängig gute und vorallem ehrliche Produkte – von Obstbränden, Likören über Gin bis zu Rum – mit einer extrem hohen Transparenz und großer Leidenschaft destilliert. So wünscht man sich das überall. Uns haben die Destillerie und die Menschen die uns dort begegnet sind bei unserem Besuch komplett überzeugt und nachhaltig in ihren Bann gezogen.

Überraschung des Jahres: Spiritus Rex Sudachi

Das die Produkte von Spiritus Rex absolute Oberklasse sind war natürlich keine Überraschung, der Geist von der Sudachi jedoch schon. Ein Geist der Superlative mit einem Aroma das niemand so erwartet hat, einfach schon allein weil wahrscheinlich auch so gut wie niemand jemals Kontakt zu dieser außergewöhnlichen Zitrusfrucht hatte. Die Sudachi von Spiritus Rex ist mit nichts vergleichbar das ich kenne.

Flaschendesign des Jahres: Eminente

Der Eminente Rum aus Kuba ist für uns einer der großen Gewinner des Jahres. Kubanische Rums haben bei uns bisher ein eher untergeordnetes Interesse gefristet, das hat der Eminente verändert. Ein toller Rum mit einer ausgezeichneten Mixability und einer noch schöneren Flasche. Das Design der Flasche, die für mich schon eher an Dekanter als eine Flasche erinnert, spielt dabei auf ein Krokodil an. Das hat zwei Gründe: Zum einen erinnert die Form der Insel Kuba an ein Krokodil und zum Zweiten leben auf Kuba zwischen 3000 und 5000 Kubakrokodile.

Die Flasche zeichnet aber nicht nur ihr Design, sondern auch die gesteigerte Nachhaltigkeit aus. So besteht das Flasche aus zu 100 Prozent recycelten Glas und das Etikett wird zum Teil aus Baumwollabfällen der Textilindustrie hergestellt. Auch die Fertigung erfolgt in Mexiko um die Transportwege kurz zu halten.

Bar-Drink des Jahres: WinterWonderland

WinterWonderland Milkpunch

Dieses Jahr war ich gar nicht so viel in Bars unterwegs. Das ist schade, aber das ging aus verschiedenen Gründen dieses Jahr nicht anders. Einige Drinks hatte ich aber dennoch und ein Drink ist mir davon ganz besonders in Erinnerung geblieben. Der WinterWonderland aus meiner Stammbar, dem Colonne Morris.

Christoph hat sich für seine Winterkarte mal an einen Milkpunch gewagt. Ein Novum in meiner Heimatstadt. Und auch wenn das für viele schon wieder ein alter Hut ist, findet man das in meiner Heimat sonst nirgends auf der Bar-Karte. Warum das so ist weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich fehlt den Barbetreibern einfach der Mut für solche Experimente. Hier wurde der Mut aber eindeutig belohnt, weshalb ich diesen Drink mit in diese Liste nehme. Freundlicherweise wurde mir das Rezept zur verfügung gestellt:

Zutaten

  • 200 ml Stork Club Straight Rye
  • 200 ml Tawny Port 10y
  • 80 ml Zitronensaft
  • 100 g Ahornsirup
  • 500 ml Homemade Chai*
  • 300 ml Haferdrink (3,5%)

Alle Zutaten außer der Hafermilch verrrühren und anschließend in die Hafermilch füllen. Danach das Ganze eine Weile ruhen lassen bis sich die Bestandteile optisch aufgetrennt haben und durch einen Kaffeefilter o.ä. filtern.

* 500 ml Wasser, 25 g Ostfriesenmischung, 1 TL Zimt, 1 Sternanis, 1 Lorbeerblatt, 2 Nelken, 1 Kardamom, 1 MSp Vanillemark, 20 ml Agavendicksaft

So, das waren die Highlights des Jahres, auch wenn ich die Liste noch ewig hätte fortführen können. Denn es gab noch viele weitere Vertreter auf der Shortlist – Stork mit ihrem Cereal Killer, der Maharani Gin, den süffigen La Boum Cocktail und und und. Nun bin ich gespannt was das neue Jahr so für Schätze und Neuentdeckungen bereit hält! Kommt gut ins neue Jahr!

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