Im Rahmen des diesjährigen, virtuellen Bar Convent Berlin hat uns eine äußerst interessante Flasche Gin erreicht – der Maharani Gin. Ich muss leider gestehen, das mich durch den Gin-Boom der letzten zehn Jahre Neuerscheinungen selten sonderlich reizen. Zuviele beliebige Produkte sind auf den Markt geströmt, zu selten kann ich die Vielzahl an eingesetzten Botanicals differenzieren. Am Ende ist es meistens „halt Gin“. Pur trinke ich Gin, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht besonders gern. Auch ein G&T wäre für mich kein Grund eine Bar aufzusuchen. In Cocktails sieht die Geschichte aber ganz anders aus.

Rebel City Distillery

Der Maharani Gin wird in der Rebel City Distillery in im irischen Cork City hergestellt. Die Rebel City Distillery wurde 2020 von Robert Barrett gegründet. Robert Barret ist Biochemiker, der früher Krebszellen erforschte. Anschließend absolvierte er noch eine Masterstudiengang in Brewing & Distilling und verbrachte dann zehn Jahre damit, Wissen über Destillation bei renommierten Destillerien in Irland und Kanada zu vertiefen. Der Maharani Gin ist das erste Produkt. Viele weitere Edelspirituosen mit Einflüssen aus der ganzen Welt sollen folgen. Ein indisch inspirierter Rum auf Basis eines unraffinierten indischen Zuckers, einem Jaggery, ist bereits in Planung. Sollte dieser ähnlich faszinierend sein wie der Maharani Gin, so viel sei an dieser Stelle bereits verraten, muss ich diesen Rum unbedingt probieren.

Rückseite Maharani Gin

Maharani Gin – Cork trifft auf Kerala

Der Maharani Gin soll die Kulturen von Robert Barnett und seiner Frau Bhagya verbinden. Roberts Frau ist im südindischen Bundesstaat Kerala aufgewachsen. Die keralanischen Frauen sind für ihre Stärke und Bedeutung in einer traditionell matriachalischen Gesellschaft bekannt. Bhagya ist selbst schon eine langjährige Kämpferin für die Rechte der Frauen. Deswegen wurde auch der Name des Gins sehr bewusst gewählt. Maharani bedeutet „Königin“, mit diesem Namen soll der Gin eine Hommage an alle revolutionären Frauen sein. Den Verschluss ziert das in Malayalam (keralische Sprache) gehaltene Wort „Befreiung“, das Etikett das Wort „Geist“. Die formschöne und toll designte Flasche wurde fast zwei Jahre entwickelt. Gefällt mir richtig gut.

Die eingesetzten Botanicals stammen aus einer Agrargenossenschaft in Bhagyas Heimat Kerala. In Wajanad fanden die beiden nach langer Suche eine Farm, die sich auf den biozertifzierten Landbau spezialisiert hat und von Frauen geführt wird. Im Maharani Gin befinden sich insgesamt neun Botanicals, allen voran selbstverständlich Wacholder. Aus Wayanad stammen Muskatnuss, Muskatblüte, Pomelo und Cassiazimt. Demnächst soll auch der bereits eingesetzte Kardamom aus Kerala stammen. Diese Botanicals werden durch Iriswurzel, Zitrone, Orange und Koriandersamen ergänzt.

Tasting: So schmeckt der Maharani Gin

Nase: In der Nase spürt man als erstes Zitrusaromen, Cassiazimt und Kardamom, gefolgt von leichtem Wacholder. Der Gin wirkt sehr gut balanciert und riecht für mich sehr angenehm.

Mund: Der Gin erzeugt ein cremiges Mundgefühl, sehr würzig, die Muskatnuss und Blüte erzeugen die größte Präsenz. Danach folgen angenehm zarte Zitrus – und Wacholdernoten. Nebenher schwingt leicht der Cassiazimt mit.

Der Maharani Gin hat mir sehr gut gefallen. Ich mag die Würzigkeit und den geringeren Wacholdergeschmack. Er ist auch nicht so überladen wie viele andere Gins, so dass ich die Aromen beim Verkosten klar benennen kann. Insgesamt wirkt der Gin sehr gut balanciert, nichts ist zuviel und nichts schmeckt anstrengend. Der Alkohol ist sehr mild eingebunden.

Maharani Gin in Cocktails

So ein Gin lädt selbstverständlich direkt zum Experimentieren ein. Einer meiner absoluten Klassiker-Drinks mit Gin ist der Gimlet. Er ist einfach zuzubereiten und überlässt der Basisspirituose die Bühne. Weiterhin lassen sich zusätzliche Aromen sehr gut hinzufügen. Spontan hatte ich irgendetwas mit Mandel im Kopf. Also habe ich einen Teil des Cordials durch Meneau Orgeat ersetzt und ein paar Milliliter frischen Limettensaft hinzu gegeben. Schmeckt hervorragend.

Mandel Gimlet

Mandel Gimlet
Mandel Gimlet mit Maharani Gin

Zutaten

  • 60 ml Maharani Gin
  • 10 ml Orgeat (Meneau)
  • 10 ml Limettencordial
  • 5 ml Limettensaft
  • 1 Kardamomkapsel
  • 1 gedörrte Limettenscheibe als Deko

Zubereitung

  1. Kardomomkapsel im Shaker kurz andrücken
  2. restliche Zutaten in den Shaker geben und mit viel Eis auffüllen
  3. 12 Sekunden kräftig shaken
  4. Cocktail in eine Coupette oder ein Nick & Nora Glas abseihen
  5. mit einer gedörrten Limettenscheibe dekorieren

Maharani Lassi

Ich habe einmal gehört, dass Joghurt eine der wichtigsten Zutaten in der indischen Küche ist. Und weil ich Lassi als Joghurtgetränk so sehr mit Indien assoziiere, habe ich einen alkoholischen Lassi-Cocktail gemixt. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

Zutaten

  • 50 g Joghurt (10%)
  • 80 ml Milc
  • 30 ml Maharani Gin
  • 5 ml Rosenwasser
  • 20 ml Zucker
  • 1 Dash Rosen – Kardamombitter
  • 1 angestößelte Kardamomkapsel

Zubereitung

  1. Joghurt und Milch in den Shaker geben und gut verrühren
  2. Kardamomkapsel anstößeln und dazu geben
  3. restliche Zutaten und Eis hinzugeben
  4. 12 Sekunden kräftig shaken
  5. in ein mit Eiswürfel gefülltes Pokal – oder Longdrinkglas abseihen
  6. mit 3 Kardamomkapseln und gemahlenem Zimt dekorieren

Cheers!

Transparenz-Hinweis: Die Flasche wurde mir dankenswerterweise vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Dabei wurde weder auf den Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen.

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