Das Cocktail-Jahr 2021 gehörte dem La Boum, einem Drink bestehend aus Cachaca und Wassermelonesaft. 2022 könnte die Erdbeere in der Barwelt den Ton angeben. Der Sundance Kid hat gute Chancen, die Cocktail-Neuentdeckung dieses Sommers zu werden. Gepusht wird er unter anderem von Jörg Meyer aus der Hamburger Bar Le Lion, der ihn einen „ganz großen Bourbon-Drink“ nennt und einen „wahnsinnig guten Summer Crusher“. Mehr Lob geht kaum.

Vereinfacht gesagt ist der Sundance Kid ein eleganter Mix aus Enzoni und Whisky Sour. Das Rezept lautet:

  • 2-3 Erdbeeren im Shaker zerdrücken
  • 22,5 ml Zuckersirup
  • 22,5 ml Zitronensaft
  • 15 ml Campari
  • 45 ml Bourbon (Overproof, also mehr als 40%, damit er gut durchkommt)

Alle Zutaten aus Eis shaken und doppelt durch einen Julep Strainer auf einen großen Eiswürfel im Tumbler abseihen.

Hinter dem Drink steckt Julian Neuberth. Im Gespräch mit uns verrät Julian, wie er auf die Idee kam und woher der Name Sundance Kid stammt.

Erzähl uns ein paar Worte über dich: Wer bist du, was machst du, wie ist dein Bar- bzw. Cocktail-Hintergrund?

Ich heiße Julian und komme aus dem sonnigen Baden. Meine Leidenschaft für Cocktails wurde entfacht, nachdem ich 2017 von einer Reise aus Peru zurückkam und voller Begeisterung den peruanischen National-Cocktail, einen „Pisco Sour“, für meine Freunde nachmixen wollte. Nachdem ich feststellen musste, dass vier Eiweiß für vier Drinks in einem einzigen Shaker das Gegenteil von Genuss bedeuten, habe ich angefangen mich mehr in das Thema einzulesen und die einschlägigen YouTube-Kanäle zu verschlingen. Nun wuchs über die Jahre die Hausbar und das Bücherregal, letztendlich hat dann eine Competition in der Facebook-Gruppe „Cocktails und Barkultur“ zur Kreation des „Sundance Kid“ geführt.

Der Sundance Kid wird gerade ein kleiner viraler Hit in der deutschsprachigen Cocktail-Szene. Du hast ihn für die Cocktail Rodeo Competition by High West entworfen. Wie kamst du auf die Idee zum Drink?

Die Vorgabe der Competition war es einen Twist eines Cocktails zu entwickeln und mit gut verfügbaren Zutaten zu arbeiten. Zunächst habe ich mich an Cocktails orientiert, die mir persönlich gut schmecken. Diese wollte ich nun mit der „Mr. Potato Head“ Methode von Phil Ward anpassen. Hierbei kam ich auf die Idee, die im „Enzoni“ enthaltenen Trauben durch saisonale Erdbeeren zu ersetzen. Nachdem ich nun auch noch den Gin durch Bourbon ersetzt hatte, war mir klar, dass der Whiskey insgesamt mehr im Vordergrund stehen muss. Das Ergebnis: ein runder, sehr erfrischender und fruchtiger Drink mit reduziertem Campari-Anteil. Der „Sundance Kid“ war geboren.

Was war die Inspiration für den Namen?

Als Filmliebhaber wollte ich dem Drink einen Namen aus einem in Utah gedrehten Film geben. Utah ist Sitz der High West Whiskey Destillerie, welche die Cocktail Rodeo Competition veranstaltete. Die Filmtitel „Easy Rider“, „Wind River“ und eben „Butch Cassidy & The Sundance Kid“ kamen bei mir hierfür in die engere Auswahl. Letztendlich machte der Rotschopf Sundance Kid das Rennen, ein Typ – so spritzig wie die Erdbeere selbst. Da der „Sundance Kid“ so gut ankam, werde ich wohl noch einen „Butch Cassidy“ in die Prärie schicken müssen!

Worauf muss man bei der Zubereitung deines Cocktails unbedingt achten?

Um ein Verstopfen des Fine Strainers durch die Erdbeerenteile zu verhindern, sollte dieser durch einen Julep Strainer ersetzt werden. Ein deutlich schnelleres, doch gründliches Abseihen des Drinks ist das Ergebnis.

Dein Drink wurde auf YouTube von Jörg Meyer heftig abgefeiert. Er ist eine Legende in der Cocktail-Welt. Was hast du empfunden, als du sein Video gesehen hast?

Ich war gerade mit Freunden auf einem Kurztrip, als das Video veröffentlicht wurde. Am Tag zuvor hatten wir noch über den „Sundance Kid“ und die Cocktail Rodeo Competition gesprochen. Natürlich haben wir dann alle zusammen das Video angeschaut und waren hellauf begeistert! Leider waren gerade weder Bourbon noch Erdbeeren in greifbarer Nähe, sonst wären die Saloon-Türen heftig geschwungen.

Was denkst du, wird der Drink bald im Le Lion serviert?

Da der „Sundance Kid“ sowohl Gelegenheitsgenießer als auch Cocktail-Enthusiasten gleichermaßen anspricht, könnte er sich tatsächlich als echter Crowd Pleaser offenbaren. Auf jeden Fall würde ich mich sehr geehrt fühlen meinen Drink in einer so erstklassigen Bar zu sehen und ich würde mich freuen wie ein Greenhorn.

Da du einen Bourbon-Drink entwickelt hast: Was ist dein persönlicher Lieblings-Bourbon?

Ich bin ein großer Fan des Elijah Craig 12 Year Straight Bourbon, der leider nicht mehr produziert wird und durch den (ebenfalls großartigen) Elijah Craigh Small Batch ersetzt wurde.

Elijah Craig Small Batch Kentucky Straight Bourbon Whiskey (1 x 0,7 l)
  • Father of Bourbon: Der Legende nach erfand der Baptistenprediger Elijah Craig den Bourbon Whiskey, der zugleich Namensgeber dieses...
  • Der Bourbon wird aus Mais, Roggen, Gerste und besonders weichem Quellwasser hergestellt / Er reift 8 bis 12 Jahre in erstmals...
  • Die einzigartige gold-braune Farbe verdankt der Straight Bourbon Whiskey der Lagerung in ausgekohlten Fässern, die ihm auch ein...

Zum Schluss fünf schnelle Fragen: Fassstärke oder Trinkstärke um die 40 Prozent?

Fassstärke.

Was ist deine Lieblings-Spirituose?

Gerührt: Whiskey

Geschüttelt: Rum

Beste Begleiter: Wermut & Amaro

Was ist dein Drink für die einsame Insel – außer dem Sundance Kid natürlich?

Am Strand unter Palmen würde ich mich denke ich für einen Smoky Margarita entscheiden:

  • 2oz. Blanco Tequila
  • 0,75oz. Limettensaft
  • 0,5oz. Agavensirup
  • 0,25oz. Mezcal Float
  • Prise Salz

Was war der kurioseste Cocktail, den du je getrunken hast?

Der „Colca Sour“ aus Peru ist aufgebaut wie ein „Pisco Sour“, verwendet aber Sancayo-Saft anstatt Limette. Diese Kaktusfrucht gilt als vergessene Frucht der Inkas. Den Drink bekommt man von Locals rund um den Cruz del Condor in der Region Caylloma.

Deine absolute Lieblings-Bar und warum?

Das „Tipsy“ in Yangon, Myanmar, verbinde ich mit einem wunderschönen Land und einer für mich großartigen Zeit. Die Drinks dort sind erstklassig, sie werden fantasievoll und originell serviert. Dort habe ich unter anderem den „Democracy“ Cocktail genossen, der hoffentlich heute immer noch trotz politischer Lage fester Bestand des „Tipsy“ ist.

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