Der Rob Roy ist ein klassischer Cocktail, der wohl auf der Karte jeder Bar zu finden ist, die in Sachen Whisky etwas auf sich hält. Er ist ein komplexer Drink, kräftig im Geschmack mit hohem Alkoholgehalt. Um ihn zu mögen, muss man Whisky lieben – doch ist man erst einmal ein Fan dieses Shortdrinks, dann kann man ihn in beinahe endlos vielen Variationen probieren. Denn seine Popularität verdankt er neben dem eingängigen Namen (dazu später mehr) vor allem der Tatsache, dass seine Basis-Spirituose der alles andere als leicht zu vermixende, jedoch sehr mannigfaltige Scotch ist.

Scotch – also schottischer Whisky – ist beliebter als je zuvor. Meist wird er pur oder auf Eis getrunken. Wer seinen Whisk(e)y jedoch nie als Cocktail probiert, verpasst etwas. Denn Drinks wie der Rob Roy sind eine interessante Gelegenheit, sich komplexen Spirituosen anzunähern. Wem ein Whisky etwa pur zu rauchig ist, findet in Kombination mit Eis, Wermut und Bitter womöglich leichter Zugang zu einer Spirituose.

Geschichte des Rob Roy

Doch zurück zum Rob Roy. Seine Geschichte reicht mehr als 120 Jahre zurück und führt, wie in so vielen Fällen, an die Ostküste der USA. Genauer gesagt nach New York. An den Tresen der Metropole stand damals der Manhattan-Cocktail hoch im Kurs. Bei ihm wird Rye Whiskey mit rotem Wermut und einem Schuss Bitter vermengt. Als Ende des 19. Jahrhunderts das schottische Unternehmen Dewar’s seinen Scotch Whisky in die USA brachte, sorgte das jedoch für den nächsten Whisky-Boom. Bis heute ist Dewar’s* dort einer der am meisten verkauften und konsumierten Blended Scotch Whiskys.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis jemand den Roggenwhiskey im Manhattan durch Scotch austauschte. Dies geschah, so will es zumindest die überlieferte Geschichte, erstmals 1894 im Luxushotel Waldorf-Astoria. Der Rob Roy war geboren, benannt nach der gleichnamigen Operette, die am 29. Oktober desselben Jahres ihre Premiere in der Stadt im Herald Square Theatre feierte.

In der Operette wird lose die Geschichte des Highland-Anführers Rob Roy MacGregor thematisiert, der aufrund seines Widerstandes gegen die englische Krone später zum schottischen Nationalhelden wurde.

Womöglich ist die Ursprungsgeschichte des Drinks komplexer, wie der Cocktailhistoriker David Wondrich umfangreich ausführt, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Sicher ist nur: Die Westküsten-Zeitung „The San Francisco Call“ berichtet bereits am 3. November 1895 über den neuen Cocktail namens Rob Roy, der „exzellent“ sei.

„A new cocktail called the ‚Rob Roy‘ is a Manhattan, made with Scotch instead of rye whisky. It is excellent.“

Rob Roy Detail

Rezept Rob Roy

In mehr als 120 Jahren kamen einige Rezepte zusammen. Im Grunde basieren die meisten auf dieser Formel aus dem „Cocktailian“-Barbuch:

  • 60 ml Blended Scotch Whisky
  • 30 ml roter Wermut
  • 2 Dashes Angostura Bitter

Alle Zutaten werden in einem Rührglas mit ausreichend Eis kombiniert, anschließend etwa 30 Sekunden lang kräftig gerührt und dann in ein gekühltes Glas abgeseiht. Serviert wird der Rob Roy in der Regel „straight up“, also ohne Eis. Das Glas wird meist mit einer Kirsche (oder auch drei, wie auf dem Bild) garniert.

Ihr seht: Beim Zubereiten des Rob Roy kann man nicht viel falsch machen, und das ist ein großer Pluspunkt. „Es ist zwar durchaus möglich, diesen Drink zu vermasseln, aber die Rezeptur ist so einfach, dass mit ein wenig Liebe zum Detail selbst der unaufmerksamste Barkeeper etwas Annehmbares zustande bringen kann“, schreibt der Autor Paul Clarke bei „Serious Eats„.

Die Wahl des Scotch …

Dem Rob Roy gelang als einem von wenigen Drinks das historische Kunststück, einerseits im Schatten des Originals zu bleiben (der Manhattan ist bis heute deutlich bekannter) und sich andererseits ebenbürtig auf den Cocktail-Karten rund um den Globus durchzusetzen. Manchmal ist der Remix eben mindestens so erfolgreich wie das Original. Das liegt neben der Einfachheit des Drinks auch an seiner Vielseitigkeit.

Zwar scheint der Drink auf den ersten Blick in einem recht starren Korsett zu stecken, immerhin spielt die Hauptrolle stets ein schottischer Whisky. Jedoch dürfte die Vielfalt, die es im Scotch gibt, wohl kaum überblickt, geschweige denn probiert werden können. Kenner unterscheiden bis zu sechs Regionen (Lowlands, Speyside, Highlands, Campbeltown, Islands, Isle of Islay), jede besitzt einen eigenen Stil. Allein die unterschiedlichen Rauch- beziehungsweise Torf-Anteile erzeugen eine vollkommen unterschiedliche Erfahrung bei einem Rob Roy.

Welcher Scotch man nimmt, hängt sehr vom eigenen Geschmack ab. Wie immer gilt: Am besten lässt man sich vom Fachhändler seines Vertrauens beraten. Wer nicht weiß, wo er anfangen soll, dem lege ich den Glenfiddich 12* (40 %vol) ans Herz. Der Zwölfjährige ist ein sehr runder Whisky, blumig im Duft und mit wahrnehmbaren Noten von Apfel, Birne, Nuss und Würze im Geschmack. Der Rauch ist hier nur sehr dezent vertreten, was Einsteiger freuen dürfte. Ein Klassiker, der in jeder Homebar stehen sollte. Mit diesem Whisky empfehle ich folgendes Mengenverhältnis: 50ml Glenfiddich 12, 20ml Sweet Vermouth, 2 Dashes Angostura.

Eine gute, wenn auch etwas teurere Alternative ist der GlenAllachie 12* (46 %vol). Der Speyside-Whisky ist würzig, fruchtig mit Noten von Kaffee, Rosinen und Honig. Er passt in alle Klassiker wie einen Whisky Sour, Old Fashioned oder eben einen Rob Roy. Wer es nicht so streng mit den Traditonen nimmt, kann auch einen deutschen statt schottischen Whisky nehmen. Der Stork Club Single Malt Whisky* (43 %vol) hat Noten von Malz, Trockenfrüchten, Heu und Honig. Für einen Rob Roy sollte man 60 ml Stork Club Single Malt, 30 ml roten Wermut und 2 Dashes Angostura nehmen. Elegant weich wird der Drink mit einem Monkey Shoulder* (40 %vol), einer meiner absoluten Mix-Lieblinge, der mit ausgeprägten Vanillenoten punktet und eine angenehme Süße in den Drink bringt. Mit etwa 25 Euro ist er auch preislich attraktiv.

Natürlich kann man auch teurere und damit in der Regel hochwertige Whiskys nehmen. Wer seinen Macallan 12 gerne als Rob Roy zubereiten möchte – nur zu. Ich halte es grundsätzlich mit Jim Meehans These, dass ein Cocktail nur so gut ist wie sein schwächstes Glied. Ein besserer Scotch sorgt in der Regel auch für einen besseren Rob Roy. Umgedreht wird dieser Drink mit einem billigen Scotch nicht gut, egal wie viel Mühe man sich bei der Zubereitung gibt. Aber ein Scotch bis 30 Euro aus dem Einsteigersegment (in der Regel mit zehn bis zwölf Jahren Lagerzeit) ist in meinen Augen für diesen Drink vollkommen ausreichend. Ein Glenfiddich 12, Monkey Shoulder oder Dewar’s, mit dem dieser Drink zuerst hergestellt wurde, sind eine sichere Bank und können auch in anderen Scotch-Drinks verwendet werden.

Rob Roy mit Scotch

… und des richtigen Wermuts

Nicht nur der Whisky spielt eine große Rolle beim Aufbau des Drinks, sondern auch der ihm zur Seite stehende Wermut. Ich beobachte häufig, dass Menschen bei dieser Getränke-Kategorie am falschen Ende sparen. Sie kaufen einen Gin für 40 Euro je Flasche und nutzen dannbei einem Martini den billigsten Wermut. Dabei bekommt man hier für ein paar Euro mehr einen wesentlich größeren Geschmacks-Boost als beim Scotch. Beim Wermut sollte man wirklich nicht geizen.

Wichtig ist nur, dass dieser wirklich zum Scotch passt. Denn ein filigraner Wermut ist vergebens, wenn er etwa in Standardrezeptur einem fünfjährigen Ardbeg Wee Beastie entgegengesetzt wird. Umgedreht kann ein intensiver Carpano Antica Formula einen leichten Malt aus der Bahn werfen. Die Balance ist entscheidend.

Dass man für einen sehr guten roten Wermut kein Vermögen hinlegen muss, zeigte kürzlich ein Tasting-Vergleich der deutschen Fachzeitschrift „Mixology„. Hier schnitt der Martini Riserva Speciale Rubino* (18 %vol) mit 95 von 100 Punkten am besten ab. Dabei kostet die Flasche gerade einmal rund 15 Euro für 0,75 Liter. Der rubinrote Wermut dufte „weinig, klar und aromatisch nach Sauerkirsche“, befanden die Experten. Am Gaumen zeige sich „ein leichter, fruchtbetonter Körper, der elegant von Tanninen und etwas Säure untermalt wird“. Angesichts des Preises eine Allzweckwaffe in der Bar.

In meinen Augen ist Carpano Antica Formula* eine gute Wahl für sehr dominante Whiskys. Er ist mit rund 20 Euro ein bisschen teurer, aber den Preis definitiv wert. Er hat einen schweren Körper mit Noten von Himbeer, Vanille, Marzipan und markanter Süße.

Eine Empfehlung ist laut „Mixology“ noch der Berto Superiore Rosso für knapp 24 Euro. Der Wermut vereint Myrrhe, Patschouli und Weihrauch, Liebstöckel und Kiefer, Salmiak und Eukalyptus. Eine Spirituose „mit hohem Wiedererkennungswert, denn eine solche Aromenkombination findet sich in der Kategorie selten“, attestieren die Tester. Ich habe ihn zugegebenerweise noch nicht probiert, wollte euch diesen „Geheimtipp“ aber nicht vorenthalten.

Bitter und Deko

Obwohl ein ungefähres Verhältnis von 2:1 Scotch zu Wermut der allgemeine Standard ist, lohnt es sich mit dem Mischungsverhältnis und verschiedneen Zutaten zu experimentieren, um den eigenen Lieblings-Rob-Roy zu entdecken.

Das i-Tüpfelchen ist der passende Bitter. Bevorzugt man eher einen leichten Rob Roy, empfehle ich einen fruchtigen Apfel- oder Orangenbitter*. Setzt man jedoch auf einen schweren, torfigen Scotch wie etwa einen Lagavulin 10 als Basis, greift man lieber zum würzigen Angostura Bitter.

Wer den Drink wirklich perfektionieren möchte, sollte unbedingt die hochwertigen, konservierten Kirschen besorgen anstelle der in Salzlake eingeweichten und gefärbten Kirschen zu verwenden. Cocktail-Historiker und Autor David Wondrich empfiehlt dagegen, die typische Kirschgarnitur wegzulassen und stattdessen eine Zitronenzeste zu verwenden. Wir sind aber ganz klar Team Kirsche.

Spannende Varianten des Rob Roy

Im Laufe eines Jahrhunderts entwickelten sich viele Varianten des Drinks. Zwei interessante stelle ich euch hier vor.

Reverse Rob Roy

Beim Reverse Rob Roy wird das Verhältnis von Scotch und Wermut vertauscht. Das ergibt einen Cocktail mit einem geringeren Alkoholgehalt. Da es sich nun im Grunde um einen Wermut-Cocktail handelt, solltet ihr den besten süßen Wermut verwenden, den ihr in die Finger bekommen könnt.

Der Reverse Rob Roy ist eine ausgezeichnete Wahl für einen Pre-Dinner-Cocktail und eignet sich auch, um Whisky-Neulinge an die Spirituose anzunähern.

Zutaten

  • 60 ml roter Wermut
  • 30 ml Scotch
  • 2 Dashes Angostura Bitter

Gebt die Zutaten in ein mit Eis gefülltes Rührglas. Rührt etwa 30 Sekunden, bis die Flüssigkeit kalt ist. In eine gekühlte Coupette abseihen und mit einer Maraschino-Kirsche garnieren.

Perfect Rob Roy

Charles Schumann wählt in seinem Cocktailbuch* ein leicht variertes Rezept des Rob Roy, die in anderen Werken mit dem Namenszusatz „perfect“ vermerkt wird. Statt ausschließlich rotem, süßen Wermut wird hier zu gleichem Anteil noch trockener, weißer Wermut hinzugefügt. Schumann reduziert zudem den Scotch-Anteil, wobei ich persönlich hier etwas großzügiger wäre. Aber ich gebe das Rezept hier im Original wieder:

  • 15 ml trockener Wermut
  • 15 ml roter Wermut
  • 30 ml Scotch
  • 1 Dash Angostura Bitter

Cheers!

Kennt ihr noch weitere Varianten des Rob Roy, gar mit ungewöhnlichen Zutaten? Dann schreibt sie uns in die Kommentare. Wir freuen uns über Feedback!

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