Dänischer Whisky – bis vor ein paar Wochen wusste ich noch nicht einmal, dass es so etwas gibt. Dabei haben es die schwedischen Nachbarn mit Mackmyra und Unternehmen wie Stork in Deutschland bereits erfolgreich vorgemacht, dass guter Whisky nicht zwangsläufig aus Kanada, Irland, Schottland oder den USA stammen muss. Umso erfreuter war ich über die Einladung von von Stauning Whisky, die hier in Hamburg ihre neuen Flaschen vorstellten.

Whisky-Nerds dürfte die Destille ein Begriff sein, denn lange produzierte sie Flaschen in geringer Auflage. Manchmal gingen gerade einmal 75 Stück pro Batch über die Tresen. Dementsprechend wurden die Flaschen zu teils horrenden Preisen auf Plattformen wie Ebay verkauft. Doch im Mainstream ist die Marke deshalb auch nie angekommen. Selbst viele gut sortierte Bars experimentierten kaum damit. Denn wer entwickelt schon aufwendig einen Drink mit einer Basis-Spirituose, von der man nie sicher sein kann, dass man sie vorrätig hat? Bei Stauning zeigte sich, dass Verknappung ein Produkt besonders begehrenswert machen, aber es zugleich auch abschreckend sein kann. Das soll sich nun ändern.

Seit wenigen Wochen sind die drei wichtigsten Stauning-Produkte im neuen Design und endlich in ausreichender Stückzahl im deutschen Fachhandel verfügbar. Dass die Flaschengröße bei gleichem Preis von 0,5 auf 0,7 Liter zulegt ist ein netter Nebeneffekt. Der Importeur ist hierzulande Kirsch Whisky.

Alex Munch Jörg Meyer
Jörg Meyer (links) und Alex Munch von Stauning

Die Geschichte von neun Ahnungslosen

Nun finde ich Whisky pur grundsätzlich spannend. Ich schätze ihn jedoch auch sehr in Cocktails. Gut zubereitet kommen die individuellen Noten in meinen Augen in Drinks noch besser zur Geltung, etwa die Rauchigkeit in einem Penicillin oder Schoko- beziehungsweise Vanillenoten in einem Old Fashioned.

Das Stauning-Launch-Event fand in einer meiner Lieblings-Bars statt, dem Le Lion in Hamburg. Hier servierte das Bar-Team um Inhaber Jörg Meyer jede der drei Spirituosen zunächst pur, anschließend konnten die Whiskys in jeweils zwei Drinks die Muskeln spielen lassen. Zur Begrüßung gab es einen Rob Roy, ein Klassiker der Cocktail-Welt, der mir persönlich aber etwas zu bitter und stark war. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Die kommenden fünf Drinks holten mich deutlich mehr ab.

Doch zunächst erzählte Alex Munch – einer der neun Stauning-Gründer und ein extrem sympathischer, hemdsärmeliger Kerl – die beeindruckende Geschichte, wie er gemeinsam mit acht Freunden 2005 voller Tatendrang die Destille in Langeland an der Westküste Dänemarks gründete (“Da will niemand wohnen, aber es ist wunderschön dort”), jedoch niemand von ihnen Ahnung hatte, wie man eine Spirituose überhaupt herstellt. Mit viel Experimentierfreude und Innovationen gelang es ihnen, der Whisky-Welt einen eigenen Stempel aufzudrücken. 2011 wurden sie sogar der Whisky der Wahl im renommierten Kopenhagener Restaurant Noma, das viermal zum besten Restaurant der Welt gekürt wurde. Gibt es ein größeres Lob? Mehr zur Geschichte von Stauning gibt es beim stern nachzulesen.

Doch nun zu den Tasting-Notes der einzelnen Spirituosen.

Stauning Whisky

Stauning Rye: Flüssiges Roggenbrot

Der Klassiker des Portfolios ist der Stauning Rye. Er besteht zu 70 Prozent aus lokal angebautem, gemälztem Roggen und 30 Prozent lokaler, gemälzter Gerste – das Mischungsverhältnis allein ist ungewöhnlich für die Produktkategorie. Stauning setzt dabei auf das sogenannte “Floor Malting”, darunter versteht man traditionelle Form das Mälzens, welches heute in Whisky-Brennereien eher die Ausnahme als die Regel ist. Beim Floor Malting wird die mit Wasser vollgesaugte Gerste auf einem speziellen Boden oder in einem Raum in einer ungefähr 20 bis 30 cm hohen Schicht zum Keimen gebracht. Dabei wird die Gerste regelmässig mit einer Maschine gewendet, um die Qualität zu verbessern. Alex Munch erklärte stolz, dass die bei Stauning verwendete Maschine eine Eigenentwicklung sei.

Vikings Blood
Viking’s Blood

Mit 3,5 Jahren Lagerung ist der Stauning Rye vergleichsweise jung. Doch das ist in Munchs Augen kein Nachteil: “Whisky erfindet sich derzeit auf der ganzen Welt neu. Er muss keine 25 Jahre mehr alt sein, um ernst genommen zu werden”, sagt er. Am Ende komme es auf den Geschmack und nicht auf das Alter auf dem Etikett an.

Gelagert wird er in neuen amerikanischen Eichenfässern. Mit 48 Volumenprozent ist der Rye kräftiger als viele Mitbewerber. Aber der hohe Alkoholgehalt ist in meinen Augen eine gute Entscheidung, denn mit Wasser verdünnen kann man ihn schließlich immer noch.

Geschmacklich wird er von Roggenaromen dominiert, die an frisch gebackenes Brot erinnern. Daneben gibt es Noten von getrockneten Früchten, Vanille und Pfeffer. Der süße Abgang macht den Stauning Rye zu einem gefälligen Vertreter, der ihn prädestiniert für all jene, die eher selten Whisk(e)y im Glas haben. Mit 60 Euro ist er allerdings kein Schnäppchen.

Cocktails mit Rye

Mit dem Rye wurden zwei Drinks serviert: Der Viking’s Blood, bei dem es sich um eine Variante des Roman Sour (Whisky, Zucker, Zitronen- und Rote-Bete-Saft) handelt und The Fallback Cocktail (bestehend aus Rye Whisky, Calvados, Amaro, Wermut und Bitter). Dieser war mein persönliches Highlight des Abends, selten habe ich Calvados und Whisky so elegant miteinander verwoben gehabt. Das Originalrezept werde ich mir nochmal besorgen!

Stauning Kaos
Die Flaschen sind aufwendig verziert

Stauning Kaos: Über Bord mit den Konventionen!

Beim Stauning Kaos* handelt es sich um einen Blend verschiedener Fässer. Die Mischung setzt sich aus drei Fässern Rye, zwei Fässern peated und einem Fass nicht-peated Single-Malt-Whisky zusammen. Zudem kommt noch heather-smoked Whisky in die Mischung, also ein Whisky mit Heidekraut-Aromen. Alex Munch: „Wir haben herausgefunden: Peat ist guter Whisky, Heather ist guter Whisky, aber 1+1 ergibt in dem Fall 3. Das ist nicht typisch, vor allem bei Whisky.”

“Für die Whisky-Welt ist es super-chaotisch, Rye Whisky mit Single Malts zu verblenden”, erklärt Alex. Daher also der Name. Es gibt aber auch noch eine andere Geschichte, verrät er: „Stauning or Chaos”, (im Original “Stauning eller Kaos”) ist ein berühmter dänischer Wahlslogan aus den Parlamentswahlen von 1935, bei denen der Sozialdemokrat Thorvald Stauning für seine Wiederwahl warb.

Beim Kaos kommen neben den 1st Fill Makers-Mark-Fässern auch schwer ausgekohlte neue Fässer aus amerikanischer Eiche zum Einsatz. Auch hier setzt das Unternehmen auf lokal angebaute Gerste und Roggen, die zu 100 Prozent in der Destillerie gefloor-malted wird. Der Whisky selbst wird zweifach in Pot Stills destilliert.

In der Nase ist der Whisky sehr interessant, neben Getreidearomen vernimmt man Schokolade und würzige Zimtnoten. Am Gaumen zeigen sich wieder die Vanillenoten, zu denen sich Lakritz und getrocknete Früchte gesellen. Dieser Whisky, das zeigte eine Verkostung im Freundeskreis, ist nicht jedermanns Sache. Er hat wenig Rauch, etwas Würze und ist wahnsinnig komplex. Durch die höhere Süße hinterlässt er ein anderes Mundgefühl. Wie der Rye ist er maximal 3,5 Jahre alt. Er kostet circa 70 Euro.

Rob Roy
Rob Roys wie am Fließband

Kaos-Cocktail

Mit dem Stauning Kaos* wurden zwei Drinks serviert – der eingangs erwähnte Rob Roy, der leider nicht mein Fall war, und der Kaos Kick. Hierbei handelt es sich um eine Variation des Camerons Kick, bei dem klassisch Scotch Whisky zum Einsatz kommt.

Das Rezept des Kaos Kick wie im Le Lion serviert:

80 ml Stauning Kaos Whisky
20 ml Meneau Orgeat
20 ml Zitronensaft

Alles kräftig auf viel Eis shaken und abseihen. Ich bevorzuge meine Drinks stark, aber mir persönlich gefällt er mit 65ml Whisky besser. Aber im Löwen ist man ja bekanntlich auch nach zwei Drinks versandfertig 🙂

Stauning Peat
Der Peat besitzt eine grüne Banderole auf dem Etikett

Stauning Peat / Smoke: Lagerfeuer-Flair im Glas

Wenn ich Alex richtig verstanden habe, war der Peat (heißt mittlerweile Smoke) das erste Produkt, welches die neun Gründer gemacht haben. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Freund stark-getorfter Whiskys, erst recht wenn es in Richtung Asche geht. Das, so viel sei direkt verraten, ist beim Stauning Smoke* zum Glück nicht der Fall.

Auch dafür gibt es Gründe: Wie bei den Schotten erhält dieser dänische Whisky seinen rauchigen Charakter, indem der Hersteller das Gerstenmalz vor dem Maischen und Fermentieren über einem Torffeuer trocknet (darrt). Der Torf für den goldenen Stauning Peat Single Malt Whisky stammt aus der Region um das 45 Kilometer entfernte Klosterlund Museum und ist ungefähr 10.000 Jahre alt. Wer wie ich keine Ahnung über das durchschnittliche Alter von Torf hat – das ist ziemlich viel. Und es wirkt sich auf den Geschmack aus: „Der Rauch ist völlig anders als bei Islay-Torf”, sagt Alex Munch. Dieses habe klassischerweise Noten von Salz und Seegras. “Unseres schmeckt mehr nach Highland-Torf, also entspanntem Rauch. Wer dieses Küstenaroma nicht mag, ist bei uns besser aufgehoben. “

Im Glas zeigt sich der Stauning Smoke* fruchtig-süß, aber mit einem deutlichen Beiklang von Rauch. Er ist jedoch nicht rau oder aufdringlich wie etwa ein Ardbeg, sondern kommt mit weniger Ecken und Kanten daher. Statt Aschenbecher wirkt er eher wie ein Lagerfeuer in einer langen Mittsommernacht. Der Alkoholanteil liegt bei 47 Volumenprozent. Mit 79 Euro und aufwärts (je nach Shop) für 0,5 Liter ist er aber auch recht preisintensiv.

Passende Cocktails

An dem Abend im Le Lion wurden zwei Drinks mit Staunings Peat Single Malt Whisky serviert. Und obwohl ich wie gesagt eigentlich kein Fan der Torf-Whiskys bin, konnten diese beiden – es gab einen Blood and Sand und eine Variante des Penicillin (die Peaty Chillin getauft wurde) – ebenfalls überzeugen.

Das Rezept für den Blood and Sand:

50 ml Stauning Whisky Peat
20 ml Heering Cherry
20 ml Berto Rosso
20 ml Orangensaft

Alle Zutaten auf Eis shaken und abseihen.

Ebenfalls spannend:

Transparenz-Hinweis: Die neuen Stauning-Flaschen habe ich ihm Rahmen eines Events verkostet. Dabei wurde weder auf den Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen.

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Old Fashioned

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