Ich falle direkt mit der Tür ins Haus: Tequila zählt nicht zu meinen Lieblings-Spirituosen. Wie die meisten Menschen hierzulande erlebte ich zwischen Abitur und Studium ein Sierra-Trauma, infolgedessen ich jahrelang keinen Tequila mehr anrührte – einzige Ausnahme war der Paloma-Cocktail mit Salz und Grapefruit-Limonade.

Mein Interesse an Agavendestillaten wurde erst wieder so richtig durch Betty Kupsas „Chug Club“ angefacht, eine fantastische Hamburger Bar im Herzen von St. Pauli. Hier kann man für kleines Geld neue, kreative Drinks ausprobieren. Super-interessant, dennoch konnte ich mich nie durchringen, mir hochwertige Tequilas für die Home Bar zuzulegen. Klar, ein 100% Agave Blaco Tequila war immer da, allein für die Buttermilch-Margarita, aber im Vergleich zu Rum & Co. war der Tequila-Bestand überschaubar.

Doch man soll sich ja immer wieder mit Neuem auseinandersetzen, und als Betty Kupsa aufgrund der Corona-Einschränkungen ihre benachbarte „Plata o Plomo“-Bar kurzerhand in einen Shop verwandelte, in dem neben allerlei Getränkezubehör auch diverse Tequila-Tastingsets angeboten werden, schlug ich zu. Wir – Hendrik, unser guter Freund Benjamin und ich – haben zwei Sets verkostet. Eine tolle Gelegenheit, um sich einen Überblick über das weite Feld der Tequilas zu probieren. Insgesamt landeten sechs Tequilas – jeweils zwei Blanco, zwei Reposado und zwei Anejo – in unseren Gläsern. Folgende Sorten haben wir im Rahmen eines Tastings probiert.

Alacran El Auténtico Tequila Blanco (ca. 40 Euro, 0,7 Liter)

Wir sind alle drei keine Tequila-Experten und waren überrascht, wie rund der Geschmack des Alacran El Auténtico Tequila Blanco* ist. Kein Vergleich zum roten Mexikanerhütchen! Uns begeisterte der interessante Mix aus Kräutergarten und Würzigkeit. Bestimmt ein guter Mix-Tequila, der uns direkt Lust auf eine Margarita macht.

Don Julio Reposado (ca. 40 Euro, 0,7 Liter)

Der Don Julio Reposado ist sehr weich, fast zu dünn im Nachgeschmack – da waren wir uns alle drei einig. Lässt in der Nase mehr erwarten, als er dann auf der Zunge einhält. Hat uns nicht so richtig abgeholt.

Sierra Milenario Anejo Tequila (ca. 45 Euro, 0,7 Liter)

Oha, ein Sierra – aber diesmal das Premiummodell! Wir sind gespannt, zumal der Preis einiges erwarten lässt im Vergleich zum gängigen Supermarktmodell. Der Geruch erinnert uns ein wenig an Vanille und Tabak. Man wähnt sich gedanklich in einer alten Raucherlounge mit schweren Sesseln. Im Mund gibt es direkt eine Aromen-Explosion, man schmeckt Kaffee, Vanille, vor allem doch begeistert der Sierra Milenario Anejo* mit einem sehr langen Nachhall von Kakao. Er ist erstaunlich mild. Ein tolles Exemplar für alle, die wie wir schlechte Erfahrungen in der Jugend mit Tequila hatten und sich nun einen gehobenen After-Dinner-Tequila gönnen wollen.

Tequila im Glas
Jedes Set besteht aus einem Tequila Blanco, Reposado und Anejo

Tequila Fortaleza Blanco (ca. 65 Euro, 0,7 Liter)

Kalk trifft Olive – das ist das Motto des Fortaleza. Mit seiner dominanten mineralischen Note ist er ein sehr spannender Vertreter der Blanco-Tequilas. Er ist weich und warm, ohne jeglichen harten Biss im Rachen. Er ist unglaublich sauber gearbeitet, besitzt dezent grasige Noten, ist fast zitrusartig in der Nase mit einem leicht erdigen, pflanzlichen Abgang für einen echten Geschmack der Agave, aus der er hergestellt wird. Ohne Frage einer der besten Tequilas, die wir bislang hatten. Es lohnt sich, ihn ein wenig zu zelebrieren, sich ein gutes Glas zu besorgen, ihn bei Zimmertemperatur einzugießen und ihn ein paar Minuten im Glas durchatmen zu lassen. Sehr pfeffrig im Abgang. Der Preis ist hoch, doch man wird vom Tequila Fortaleza Blanco* nicht enttäuscht.

Patron Tequila Reposado (ca. 45 Euro, 0,7 Liter)

Ein Klassiker der Barwelt, der sechs Monate im Eichenfass reift. Im direkten Vergleich hat der Patron Tequila Reposado* es nicht einfach: Er wirkt schnörkellos, verharrt an der Mittellinie und bricht in keine Richtung aus. Der Tequila ist ungemein weich im Geschmack, mit einer leicht süßlich-hölzernen Note. Man kann ihn pur – dann ohne Salz und Zitrone – genießen. Er passt aber auch in jeden Tequila-Drink. Er ist ein guter Allrounder, Everybody’s Darling. Aber im Vergleich zum Fortaleza ist er dann doch weniger aufregend. Für alle, die einen gehobenen Tequila wollen, ohne anzuecken.

José Cuervo Reserva de la Familia Extra Añejo (100 Euro, 0,7 Liter)

Die erste Überraschung kommt direkt nach dem Eingießen: Der Geruch erinnert uns an alles, nur nicht Tequila. Würden wir es nicht besser wissen, man könnte denken, einen experimentellen Whisky im Glas zu haben. Und auch der Geschmack macht deutlich, dass es sich hierbei um ein besonderes Exemplar handelt, immerhin brilliert der Reserva de la Familie Extra Anejo von einer schmeichelnden Holznote. Er ist sehr gut gealtert im Stil eines hochwertigen Single Malts oder Blends, man hat Assoziationen zu einem gehobenen Highland Park der Chivas 25y. Der José Cuervo Reserva de la Familia Extra Añejo* ergibt vermutlich eine fantastische Margarita, wenn es nicht beinahe ein Frevel wäre, diesen Tequila in einem Cocktail zu vermixen. Er dürfte vermutlich eine völlig neue Zielgruppe an Tequila heranführen, ist mit mehr als 100 Euro aber auch ein echtes Pfund.

Fazit

Die Tasting-Sets sind ideal für all jene, die ihr Verständnis von Tequila ausbauen wollen. Die Auswahl wirkt wohlüberlegt, mit nur sechs Proben bekommt man einen guten Eindruck über die Bandbreite, die möglich ist – von Blanco bis hin zu viele Monate gelagerten Destillaten. Einige Sorten wie den Fortaleza würde ich mir definitiv noch einmal genauer anschauen.

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