Barbados war früher eine Hochburg der Rumproduktion. Es gab eine Vielzahl an Destillerien. Heute gibt es nur noch 4. St. Nicolas Abbey, Foursquare Rum Factory & Heritage Pak, The West Indies Rum Distillery und eben Mount Gay Distilleries LTD.. Derzeit ist die Foursquare Distillery mit ihrem Besitzer R.L. Seale bei Rumkennern und Bartendern in aller Munde. Die limitierten Mark Editionen feiert die Rum-Community regelmäßig ab, Kollaborationen wie der Equiano Rum* vermarkten sich fast von selbst. Seit ihrer Wiedereröffnung 1996 gelten die Abfüllungen als absolute Geheimtipps. Die mittlerweile an Maison Ferrand (Plantation) verkaufte West Indies Rum Distillery gilt als die wichtigste Destillerie der Insel. Doch das war nicht immer so.

Seit 1703 wird im Norden der Insel, nahe St. Lucy, am Mount Gay kontinuierlich Zuckerrohr angebaut und der gleichnamige Rum produziert. Die Destillerie gilt damit als die Wiege der karibischen Rumproduktion, dem ältesten Rum der Welt. Angeblich wurde bereits 1637 durch englische Siedler das erste Destillat aus Melasse auf der Insel gebrannt. Als offizielles Datum gilt jedoch der 20. Februar 1703, an diesem Tag wurde in einem Dokument die erste Produktion von Rum auf einer Pot Still verbrieft.

Geschichte der Destillerie

Nachdem die Insel 1536 von portugiesischen Seefahrern entdeckt und die Bevölkerung versklavt und auf andere Inseln gebracht wurden, waren es die Engländer, die Barbados 1625 übernahmen und neu besiedelten. Die relativ flache Insel bietet mit ihrer jährlichen Durchschnittstemperatur von 26 Grad ideale Bedingungen für den Zuckeranbau. Das 280 Hektar große Zuckerrohranbaugebiet nannte man zunächst Mount Gilbou. William Sandifort, der es führte, verkaufte es 1747 an John Sober, welcher 1787 Sir John Gay Alleyne als Verwalter einsetzte, da er sehr selten auf der Insel verweilte.

Alleyne war viele Jahrzehnte Mitglied des Parlementes von Barbados und sehr erfahren mit dem Betrieb von Zuckkerrohrplantagen, es befanden sich mehrere Plantagen seit Beginn des 18. Jhr. im Familienbesitz. Zusätzlich war er ein großer Gegner der Sklaverei. Nach seinem Tod 1801 wollte der Besitzer die Plantage nach Alleyne benennen. Seine Familie führte aber bereits eine Mount Alleyne Plantage auf Barbados. Benannt ist die Plantage also nach seinem zweiten Namen Gay. Bis 1860 befand sich die Destillerie weiterhin im Besitz der Familie Sober, ehe sie an die Thornhill Familie wechselte. Die Thornhill Familie leitete die Destillery ausschließlich aus England und setzte dafür Verwalter ein.

Nahaufnahme Mount Gay

Der Aufstieg

1918 übernahm der Geschäftsmann Aubrey Fitzobert Ward das Unternehmen, zuvor hatte er 1908 bereits die Fairfield Sugar Estate (Jamaika) übernommen. Ward wollte die Unternehmen zu internationaler Größe führen und gründete 1926 mit seinen Partnern John F. Hutson und J.W. Brown die Mount Gay Distilleries in Bridgetown. Nach einer Gesetzesänderung von 1906 war es nicht mehr möglich den produzierten Rum direkt von der Brennerei als fertiges Produkt zu vertreiben. Um dies doch zu ermöglichen, musste eine Marke geschaffen werden, die als Handelsfirma berechtigt ist den Rum zu verkaufen.

In den nächsten Jahren wurde der eigene mit hinzu erworbenen Rum anderer Brennereien geblendet und international verkauft. J.W.Brown verlies das Unternehmen 1930 und in den folgenden Jahren wandelte sich das Unternehmen sehr stark. Der Bedarf an Zuckerrohr erhöhte sich kontinuierlich, sodass Melasse aus anderen karibischen Staaten wie zum Beispiel Guyana dazu gekauft werden musste. 1943 ging das Unternehmen in die „The Rum Refinery of Mount Gay Ltd.“ über.

Mount Gay Destillerie heute

Die Mount Gay Destillerie war bis zum Tod von Darnley DaCosta Ward im Jahr 1989 ein Familienunternehmen. Nach dem Tod wurde es an Remy Cointreau verkauft. Seitdem erweiterte man die Anbauflächen für Zuckerrohr, sodass es heute nicht mehr nötig ist, Zucker aus anderen Nationen zu importieren. Man legt großen Wert auf ein eigenes, typisch barbadisches Terroir und eine traditionelle Herstellung. Die Hefekulturen für die 72-stündige Fermentation züchtet man selbst und bewahrt sie in einem streng bewachten Labor auf. Das Wasser kommt aus einer eigenen Quelle und filtert man durch Korallen.

Die Destillation erfolgt sowohl auf Pot-Still- und auch Column-Still-Anlagen. Die Pot Still ist einer Brennblase aus dem Jahr 1760 sehr ähnlich. Die Lagerung erfolgt in ehemaligen Whisky Fässern von Jim Beam mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern. Das Lager hat viele kleine Öffnungen in den Wänden, damit die Luft ausreichend zirkulieren kann. Die Fässer werden nur dreimal befüllt. Wie auf Barbados üblich und auch gesetzlich geregelt fügt man dem Rum kein Zucker hinzu.

Mount Gay XO Black Barrel im Vergleich

Tasting Mount Gay Rum – 3 Abfüllungen im Vergleich

Angetrieben durch einen kleinen Wettbewerb mit einem namhaften Hamburger Barbesitzer war ich auf Recherche nach einem geeigneten Rum für einen Corn’n Oil. Dem barbadischen Nationalgetränk. Eine einfache Mixtur aus Rum, Limette und Falernum*, einem Gewürzrum. Nun gehört der Corn´n Oil zu meinen absoluten Lieblingsdrinks. Ich mag dieses Spiel aus gelagerten Rum, den Gewürzen des Falernum und Limette. Ein Drink der mich nie nervt, sofern er gut abgestimmt ist. Viele Varianten habe ich verschiedenen Bars davon getrunken, allerdings waren die wenigsten gut. Einen Zugang zur Welt des Tiki sollte man als Bartender schon mitbringen, sonst wird das nichts! Dieser Drink wird auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Varianten zubereitet. Mal mit einem hellen Rum, einem gelagerten Rum, Süßrum oder aber auch Blackstrap Rum.

Zwangsläufig bin ich dadurch auf die Produkte von Mount Gay gestoßen. Ich hatte bis dahin keinen dieser Rums schon einmal gekostet. Einzig der Mount Gay Eclipse war mir bekannt, diesen konnte ich mir aber so gar nicht in diesem Drink vorstellen. Zunächst kaufte ich mir den Mount Gay Black Barrel, begeistert von seinem Geschmack kam ich nicht drumherum auch noch den Mount Gay XO und den Mount Gay Triple Cask zu erwerben. Ich habe selbstverständlich jeden dieser Rums in einem Corn’n Oil gekostet – davon berichte ich euch aber in einem anderen Beitrag. Nun zum Tasting.

Mount Gay Black Barrel

Der Mount Gay Black Barrel* wird mit 43% abgefüllt. Erschienen ist er 2013 zum 310-jährigen Bestehen der Destillerie. Der Rum ist ein Blend, die Lagerung erfolgte in stark ausgebrannten ehemaligen Bourbon-Fässern.

Nase: würzig mit viel Eiche. Man schmeckt das intensive Ausbrennen durch die ausgeprägten Röstaromen. Insgesamt sehr ausbalanciert mit Noten von Zimt und Nelke, angenehme und weiche Vanille, leicht süßliche Zuckerrohrnoten, sehr weich

Geschmack: Eiche und Gewürze, ebenso wieder eine schöne Vanille bemerkbar. Dazu Noten von Karamell, leicht rauchig. Schmeckt nach einem Rum in der Pubertät

Abgang: lang mit viel Holz und etwas Rauch

Mount Gay XO

Der Mount Gay XO* ist mit 43 Vol% abgefüllt. Er ist ein Blend aus 8 – 15-jährigen Rums. Die Lagerung erfolgt in ehemaligen Bourbonfässern.

Nase: Man riecht das ehemalige Bourbonfass, feine Zitrusnoten, zarte Vanillenoten und wenig Zimt, dazu Gewürze, ein wenig Nelke und Pfeffer, gereifte Früchte, Eiche, ein wenig Röstkaffee. Vielschichtig, mild und sehr homogen. Wirklich angenehm

Geschmack: zunächst würzig und vollmundig mit viel Holz (Eiche) man schmeckt die Jahre der Lagerung in einem kleinen Fass. Es folgen wieder Vanille und Zimt mit leichten Zitrusnoten. Zimt, ein Hauch Kokosnuss zum Schluss. Sehr harmonisch

Abgang: leicht süß mit viel Fass und Gewürzen, sehr lang.

Mount Gay XO Triple Cask

Der Mount Gay Triple Cask* wurde von der neuen Masterblenderin Trudian Branker geblendet. Hat ebenso 43%. Lagerung in drei verschiedenen Fasstypen (Bourbon, Whisky, Cognac).

Nase: Kokosnuss, Bourbon, leichte Eiche, Früchte wie Feigen und Rosinen. Vanille und Gewürze, etwas Nelke, ziemlich gut balanciert

Geschmack: Beginnt mit dunkler Schokolade, Vanille und wieder Kokosnuss, etwas Karamell. Dann folgen Ingwer, Gewürze wie Nelke und Muskat, etwas Rauch, ganz wenig Honigsüße

Abgang: sehr langer Abgang mit Eiche, etwas Bitterkeit, wenig Tabak

Vergleich des alten und des neuen Mount Gay XO

Im direkten Vergleich nebeneinander sehen beide Mount Gay XO erstmal gleich aus. In der Nase sind beide sehr mild, jedoch ist der alte XO ein wenig aggressiver. Der neue XO kommt durch die zusätzliche Lagerung etwas süßer und ausbalancierter daher. Alles jedoch in kleinen Nuancen. Alle drei sind äußerst tolle Rums die man probiert haben sollte.

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