Rum haftet bis heute ein Piraten-Image an. Was viele nicht wissen: Im ausklingenden 18. Jahrhundert wurde selbst in den höchsten Kreisen leidenschaftlich gern Rum getrunken. Als George Washington, dessen Antlitz bis heute auf den Ein-Dollar-Noten zu sehen ist, im Sommer 1789 als erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wurde, tranken die Gäste auf seiner Party – so belegen es Notizen aus jener Zeit – Rum aus Barbados. Die Insel war schon damals eine Hochburg der Rumproduktion, bis heute stehen die Abfüllungen bei Kennern hoch im Kurs. Neben der Foursquare Distillery mit ihrem Besitzer R.L. Seale gilt das vor allem für die Mount Gay Distillery. Seit 1703 steht die Mount Gay Brennerei oben auf dem gleichnamigen Hügel der Insel – das macht sie ältesten noch aktiven Rum-Brennerei der Welt. Wir sind große Fans der Marke und haben im Laufe der Zeit nahezu alle Abfüllungen von Mount Gay getestet. Lest hier unsere Tasting-Eindrücke.

Mount Gay – Abfüllungen im Vergleich

Alles begann bei uns mit einem kleinen Wettbewerb mit einem bekannten Hamburger Barbesitzer. Wir waren auf der Suche nach einem geeigneten Rum für einen Corn’n Oil, dem barbadischen Nationalgetränk. Eine einfache Mixtur aus Rum, Limette und Falernum*, einem Gewürzrum. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsdrinks und nervt mich nie, sofern er gut abgestimmt ist. Viele Varianten habe ich in verschiedenen Bars davon getrunken, allerdings waren die wenigsten gut. Einen Zugang zur Welt des Tiki sollte man als Bartender schon mitbringen, sonst wird das nichts! Dieser Drink wird auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Varianten zubereitet. Mal mit einem hellen Rum, einem gelagerten Rum, Süßrum oder aber auch Blackstrap Rum.

Zwangsläufig bin ich dadurch auf die Produkte von Mount Gay gestoßen. Ich hatte bis dahin keinen dieser Rums schon einmal gekostet. Einzig der Mount Gay Eclipse* war mir bekannt, diesen konnte ich mir aber so gar nicht in diesem Drink vorstellen. Zunächst kaufte ich mir den Mount Gay Black Barrel*, begeistert von seiner vielschichtigen und trotzdem so reinen und natürlichen Aromatik kam ich nicht drumherum auch noch den Mount Gay XO und den Mount Gay Triple Cask zu erwerben.

Mount Gay Black Barrel (alte Abfüllung)

Der Mount Gay Black Barrel* ist 2013 zum 310-jährigen Bestehen der Destillerie erschienen. Der Rum ist ein Blend aus 2- bis 7-jährigen Rums, die in Pot Still und Column Still destilliert wurden. Der Column Still Anteil wird natürlich den Hauptteil ausmachen. Nach der Hauptlagerung wird der Blend als Besonderheit nochmals zum Finish in besonders stark ausgebrannten Fässer gelagert. Da rührt dann auch der Name des Rums her. Abgefüllt wird er mit 43% und kostet um die 30 Euro.

In der Nase ist der Rum würzig mit viel Eiche, aber auch fruchtigen Noten. Man schmeckt das intensive Ausbrennen durch die ausgeprägten Röstaromen. Dazu finden wir Noten von Zimt und Nelke, angenehme und weiche Vanille, leicht süßliche Zuckerrohrnoten und eine dezente Säure. Er wirkt gut balanciert und weich.

Am Gaumen treten zuerst eine leicht süßliche Fruchtigkeit und Gewürze wie schwarzer Pfeffer in Erscheinung. Dann macht sich wieder eine schöne Vanille bemerkbar. Dazu Noten von Karamell, Mokka, Honig und Ingwer. Auch die Säure lässt sich wieder im Hintergrund ausmachen, aber ganz dezent. Der Abgang ist dann rauchig, holzig und würzig, wobei der Pfeffer kaum noch präsent ist, wir finden eher Nelken und Zimt. Der Alkohol ist dabei sehr gut eingebunden.

-74 von 100-

Mount Gay Black Barrel (neue Abfüllung)

Der neue Mount Gay Black Barrel* besteht aus einem höheren Pot-Still Anteil und einer verlängerten Reifezeit von 3-7 Jahren. Auch wurde die Zeit des zweiten Finishs in den stark ausgekohlten Fässern auf ein Jahr ausgebaut (zuvor sechs Monate). Es wird aber nur noch ein Teil des Rums gefinished, bei der alten Version wurde der gesamte Blend gefinished. Die UVP beträgt jetzt 36 Euro.

Im Glas wirkt der Rum etwas heller als die alte Version, das kann natürlich an der neuen Reifung liegen. In der Nase wirkt der Rum ebenso etwas leichter und noch ein wenig milder. Dafür kommen aber die Holzaromen ein ganz klein wenig besser zur Geltung. Hier scheint sich das minimal gesteigerte Alter bemerkbar zu machen. Dadurch wirkt die Nase besser balanciert. Aromatisch finden wir Vanille, Rauch, junges Holz, Zimt, Bourbon und ganz zarte Banane.

Am Gaumen setzt sich der Eindruck fort. Eine schöne Fruchtigkeit die an Dörrpflaumen und Banane erinnert wird von Toffee, Holz und Röstaromen getragen. Gewürze wie Zimt und schwarzer Pfeffer ergänzen sich harmonisch dazu. Ein wenig Ingwer ploppt zwischendurch noch auf. Der Rum wirkt insgesamt weicher und ein wenig komplexer als sein Vorgänger.

75 von 100 –

Mount Gay XO

Der Mount Gay XO* ist ein Blend aus 8- bis 15-jährigen Rums. Die Lagerung erfolgt in ehemaligen Bourbonfässern. Abgefüllt wird er mit 43% und kostet ungefähr 40€.

In der Nase startet der Rum mit den Fassaromen, man riecht Bourbon und Aromen von jungem Holz. Dann schieben sich feine Zitrusnoten, zarte Vanillenoten und Gewürze wie Nelke, Zimt und Pfeffer dazu. Im Hintergrund finden wir auch wieder die typische leichte Säure.

Im Mund zeigt er sich er sich zunächst würzig und vanillig, Bourbon ist hier kaum noch präsent. Dann geht es fruchtig weiter, Banane und Kokos spielen Ping Pong mit einer angenehmen Karamell- und Honigsüße. Gewürze wie Pfeffer und subtiler Nelke ergänzen die Aromatik. Im recht langen Abgang bleibt es holzig und vanillig. Insgesamt sehr harmonisch, vielschichtig und sehr homogen. Der Alkohol ist zwischendrin kurz zu spüren, was aber nicht weiter negativ ins Gewicht fällt. Ein sehr schöner Rum für Einsteiger und Fortgeschrittene.

-76 von 100-

Mount Gay XO Triple Cask

Der Mount Gay Triple Cask* wurde von der neuen Masterblenderin Trudian Branker aus 5- bis 17-jährigen Rums geblendet. Die Lagerung erfolgte in drei verschiedenen Fasstypen (Bourbon, Whisky, Cognac). Abgefüllt wird er ebenso mit 43%. Der Triple Cask kostet ungefähr 40 Euro.

In der Nase kommen zunächst Vanille, Nelke, Kaffee und dunkler Schokolade an. Dann folgen fruchtige Noten von Feigen, Bananen und Rosinen. Eiche und getoastetes Brot schwingen im Hintergrund mit. Der Rum wirkt schon in der Nase sehr gut balanciert.

Im Mund beginnt er mit dunkler Schokolade, Vanille, Kokosnuss und Banane, etwas Karamell und Mandel. Dann folgen Ingwer, Gewürze wie Nelke, Pfeffer und Muskat, etwas Rauch, ganz wenig Honigsüße und eine leichte Bitternote. Der Rum ist sehr zugänglich und ein Easy-Sipper. Der Abgang ist recht lang und geprägt von Fassaromen, ein wenig Tabak und einer dezenten Bitterkeit. Die gute Balance aus der Nase setzt sich auch am Gaumen fort, ein wirklich empfehlenswerter Rum, der zwar mit den verschiedenen Fässern moderne Wege bestreitet, jedoch seine Wurzeln ganz klar beibehält. Gefällt uns noch ein ganz klein wenig besser als der alte XO.

-77 von 100-

Mount Gay Master Select 1703

Mount Gay 1703 bottle

Der Mount Gay Master Select 1703* ist gewissermaßen das Flaggschiff des Destillerie und ein Blend aus 10- bis 30 Jahre alten Pot-Still- und Column-Still-Destillaten. Geblendet wurde dieser Rum noch von Allen Smith. Dafür hat Smith Rum aus 55 verschiedenen Fässern miteinander vermählt. Der Rum wird mit 43% abgefüllt und kostet circa 130 Euro.

In der Nase startet der Rum mit viel Toffee, Banane, Karamell , Gewürzen und Kokosnuss. Das Holz ist sehr präsent, wirkt aber sehr rund und sehr gut eingebunden. Wir finden beim häufigeren riechen noch Noten von Tabak, Leder und ein wenig Politur.

Am Gaumen landet als Erstes eine intensive Honigsüße und dazu sehr schön passende Kokosnuss und Banane. Die starke Holznote aus der Nase ist jetzt gar nicht mehr so präsent. Sie fügt sich mit einer tollen Würzigkeit (Pfeffer, Ingwer und wenig Zimt) ganz homogen in die Gesamtaromatik mit ein. Tabak, Leder, Karamell, Vanille, geröstete Mandeln und ein paar Bitterstoffe komplettieren den Geschmack. Das Mundgefühl des Rums ist sehr ölig und der Alkohol ist fantastisch eingebunden, hier zeigt sich das Alter der eingesetzten Rums und der höhere Pot Still Anteil. Einzig der Abgang könnte etwas länger sein.

Ein unglaublich schön balancierter Rum und ein echter Sipping Rum, den man immer trinken kann. Für Fans der Marke Mount Gay auf jeden Fall, trotz des hohen Preis, ein sehr interessantes Produkt. Ist einer meiner Lieblingsrums geworden.

– 80 von 100-

The Rum Cask Barbados Single Cask Pot Still

The Rum Cask Barbados

Hierbei handelt es sich um eine Mount Gay Einzelfassabfüllung des unabhängigen Abfüllers The Rum Cask. Der Rum reifte für 19 Jahre auf Barbados und wurde anschließend unverdünnt und ungefiltert mit 55,1% abgefüllt. Für 0,5 Liter verlangt The Rum Cask 69 Euro.

In der Nase zeigt er sich sehr reif und schwer, man erkennt sofort das es sich eindeutig um einen Pot-Still Rum handelt. Er ist honigartig süß, dazu kommen Noten von Kakao, Vanille, Kokos, würziger Zimt und Aromen getrockneter Früchte. Eine gewisse Standzeit sollte man dem Rum unbedingt geben.

Im Mund ist er intensiv würzig gepaart mit den bereits in der Nase wahrgenommenen Kokos-, Kakao- und Vanillenoten. Eine leichte Bitterkeit ist vorhanden, dazu Anis, angenehmes Holz, Marzipan, Nüssen und Röstnoten, die wunderbar in den Rum integriert sind. Der Alkohol ist definitv präsent, aber sehr gut eingebunden. Der Abgang ist würzig – holzig und mittellang. Leichte Alkohol – und Pfeffernoten bleiben kurz zurück.

Ein wirklich toller Rum, der sein Geld absolut wert ist. Im Vergleich zu den anderen Abfüllungen aber natürlich kein Daily Sipper den man mit auf eine Party schleppt. Dafür ist der Rum einfach zu komplex, benötigt eine lange Standzeit und ist einfach nicht so weich und elegant wie die Blends von Mount Gay. Auf der anderen Seite bekommt man hier aber auch die volle Pot-Still DNA von Mount Gay um die Ohren gehauen.

– 84 von 100-

Mount Gay Pure Pot Still

Mount Gay Master Blender Collection Pot Still Rum

Bei dieser Abfüllung handelt es sich um reinen Pot Still Rum, der 2009 destilliert wurde und anschließend 10 Jahre in ehemaligen Bourbon-Fässern gelagert wurde. Trudiann Branker wollte damit zu den Wurzeln der Destillerie zurückkehren. Es wurden 4920 Flaschen mit 43% angefült. Die UVP beträgt 130 Euro.

In der Nase kommt der Rum sehr wuchtig an, Aromen von Vanille, Kokosnuss und Toffee dominieren die erste Nase. Leichte Erinnerungen an eine frisch abgebrannte Creme Brulee werden wach. Dahinter finden wir noch junges Holz, Zitrusfrüchte, Leder und Rauch

Im Mund dann zunächst ein ähnliches Bild. Viel Kokos, Vanille und eine sehr schöne Süße von gebranntem Zucker und Honig machen sich im Mund breit. Dazu gesellen sich nach und nach Milchschokolade, Zitrusfrüchte, Gewürze wie roter Pfeffer und Rauch. Der Rum hat ein sehr schönes öliges Mundgefühl und ist rund und toll balanciert. Im Abgang ist er weiterhin angenehm süß mit Aromen von Kokos, Nüssen und jungem Holz. Ganz zum Schluss finden wir noch Limetten und einen Hauch Minze.

Diese Abfüllung zeigt ebenso was ein reines Pot-Still Destillat von Mount Gay kann. Kräftig, vollmundig und schwer liegt er in der Nase und am Gaumen. Sicherlich absolut kein Schnäppchen, dafür aber auch etwas ganz Besonderes. Die Rum-Cask-Abfüllung hat mir ehrlich gesagt jedoch besser gefallen. Und günstiger ist diese auch noch.

– 81 von 100-

Mount Gay Port Cask Expression

Diese Abfüllung aus der Masters Collection besteht aus 5-jährigen Column-Still Rum der in Tawny Port Casks reifte und 14-jährigem Pot-Still-Rum, der in Whiskeyfässern und anschließend nochmal ein Jahr in Tawny Port Casks reifte. Es wurden 6570 Flaschen abgefüllt. Die Abfüllung erfolgt mit 55%. Der Preis beträgt ungefähr 140 Euro.

Auffällig war bereits die Farbe des Rums im Glas. Ein sattes Rot, das die Reifung im Portwein-Fass nicht verbergen konnte. Auch in der Nase ergab sich dadurch ein komplett neues Bild. Pflaumen, Feigen und rote Beeren gaben den Ton an. Zimt, Muskat und Vanille ergänzten die Nase zusammen mit Aromen von braunem Zucker und Schokolade. Den höheren Alkoholgehalt konnte man zwar wahrnehmen, das störte aber keinesfalls.

Am Gaumen machte der Rum dann richtig Spaß. Getrocknete rote Früchte, frische Beeren, Portwein, Schokolade und Vanille ließen Assoziationen an Gebäck aufkommen. Ingwer, Piment, Holz und gebrannter Zucker schafften eine weitere Geschmacksebene. Der Alkohol ist wunderbar eingebunden. Im langen Abgang bleibt es sehr fruchtig und leicht holzig mit einer leichten Lakritznote am Ende. Ein sehr komplexer und runder Rum, der etwas von der Mount Gay DNA abgibt, dafür aber sehr viel mehr dazu holt. Für mich bisher der vielschichtigste und beste Mount Gay.

– 86 von 100-

Die Geschichte von Mount Gay

Barbados war früher eine Hochburg der Rumproduktion. Es gab eine Vielzahl an Destillerien. Heute gibt es nur noch 4. St. Nicolas Abbey, Foursquare Rum Factory & Heritage Pak, The West Indies Rum Distillery und eben Mount Gay Distilleries. Derzeit ist die Foursquare Distillery mit ihrem Besitzer R.L. Seale bei Rumkennern und Bartendern in aller Munde. Die limitierten Mark Editionen feiert die Rum-Community regelmäßig ab, Kollaborationen wie der Equiano Rum* vermarkten sich fast von selbst. Seit ihrer Wiedereröffnung 1996 gelten die Abfüllungen als absolute Geheimtipps. Die mittlerweile an Maison Ferrand (Plantation) verkaufte West Indies Rum Distillery gilt als die wichtigste Destillerie der Insel. Doch das war nicht immer so.

Seit 1703 wird im Norden der Insel, nahe St. Lucy, am Mount Gay kontinuierlich Zuckerrohr angebaut und der gleichnamige Rum produziert. Die Destillerie gilt damit als die Wiege der karibischen Rumproduktion, dem ältesten Rum der Welt. Angeblich wurde bereits 1637 durch englische Siedler das erste Destillat aus Melasse auf der Insel gebrannt. Als offizielles Datum gilt jedoch der 20. Februar 1703, an diesem Tag wurde in einem Dokument die erste Produktion von Rum auf einer Pot Still verbrieft.

Der Aufstieg von Mount Gay

Nachdem die Insel 1536 von portugiesischen Seefahrern entdeckt und die Bevölkerung versklavt und auf andere Inseln gebracht wurden, waren es die Engländer, die Barbados 1625 übernahmen und neu besiedelten. Die relativ flache Insel bietet mit ihrer jährlichen Durchschnittstemperatur von 26 Grad ideale Bedingungen für den Zuckeranbau. Das 280 Hektar große Zuckerrohranbaugebiet nannte man zunächst Mount Gilbou. William Sandifort, der es führte, verkaufte es 1747 an John Sober, welcher 1787 Sir John Gay Alleyne als Verwalter einsetzte, da er sehr selten auf der Insel verweilte.

Alleyne war viele Jahrzehnte Mitglied des Parlementes von Barbados und sehr erfahren mit dem Betrieb von Zuckerrohrplantagen, es befanden sich mehrere Plantagen seit Beginn des 18. Jhr. im Familienbesitz. Zusätzlich war er ein großer Gegner der Sklaverei. Nach seinem Tod 1801 wollte der Besitzer die Plantage nach Alleyne benennen. Seine Familie führte aber bereits eine Mount Alleyne Plantage auf Barbados. Benannt ist die Plantage also nach seinem zweiten Namen Gay. Bis 1860 befand sich die Destillerie weiterhin im Besitz der Familie Sober, ehe sie an die Thornhill Familie wechselte. Die Thornhill Familie leitete die Destillery ausschließlich aus England und setzte dafür Verwalter ein.

Mount Gay GRF

1918 übernahm der Geschäftsmann Aubrey Fitzobert Ward das Unternehmen, zuvor hatte er 1908 bereits die Fairfield Sugar Estate (Jamaika) übernommen. Ward wollte die Unternehmen zu internationaler Größe führen und gründete 1926 mit seinen Partnern John F. Hutson und J.W. Brown die Mount Gay Distilleries in Bridgetown. Nach einer Gesetzesänderung von 1906 war es nicht mehr möglich den produzierten Rum direkt von der Brennerei als fertiges Produkt zu vertreiben. Um dies doch zu ermöglichen, musste eine Marke geschaffen werden, die als Handelsfirma berechtigt ist den Rum zu verkaufen.

In den nächsten Jahren wurde der eigene mit hinzu erworbenen Rum anderer Brennereien geblendet und international verkauft. J.W.Brown verlies das Unternehmen 1930 und in den folgenden Jahren wandelte sich das Unternehmen sehr stark. Der Bedarf an Zuckerrohr erhöhte sich kontinuierlich, sodass Melasse aus anderen karibischen Staaten wie zum Beispiel Guyana dazu gekauft werden musste. 1943 ging das Unternehmen in die „The Rum Refinery of Mount Gay Ltd.“ über.

Mount Gay Destillerie heute

Die Mount Gay Destillerie war bis zum Tod von Darnley DaCosta Ward im Jahr 1989 ein Familienunternehmen. Nach dem Tod wurde es an Remy Cointreau verkauft. Seitdem erweiterte man die Anbauflächen für Zuckerrohr, sodass es heute nicht mehr nötig ist, Zucker aus anderen Nationen zu importieren. Man legt großen Wert auf ein eigenes, typisch barbadisches Terroir und eine traditionelle Herstellung. Die Hefekulturen für die 72-stündige Fermentation züchtet man selbst und bewahrt sie in einem streng bewachten Labor auf. Die Fermentation erfolgt in Gärbottichen aus Holz oder Aluminium. Auf eine Temperaturregulation verzichtet Mount Gay. Am Ende der Fermentation hat die Maische 7-8% Alkoholanteil. Die Melasse kommt sowohl von Barbados, als auch anderen karibischen Inseln. Die zugekaufte Melasse kommt überwiegend aus Guyana oder der Dominikanischen Republik.

Das Wasser kommt aus einer eigenen Quelle und wird durch Korallen filtriert. Anders als viele karibische Insel ist Barbados nicht durch Vulkane entstanden, sondern durch unterseeische Riffkalke und Korallen. Dadurch hat auch das Quellwasser auf Barbados eine ganze eigene und hohe Qualität. Ein wichtiger Baustein bei der Rumproduktion.

Die Destillation erfolgt sowohl auf 2 Pot-Still- und auch 1 Column-Still-Anlage. Die Pot Still ist einer Brennblase aus dem Jahr 1760 sehr ähnlich. Die Column Still ist eine 2 – Säulenbrennanlage und wurde einer berühmten Aeneas Coffey Still von 1832 nachempfunden. Auf der Column Still kann der Alkoholanteil im Endprodukt auf bis zu 95% destilliert werden. Wie für Rumnationen nach dem britischen Rumstil typisch war die Pot Still die erste Art von Destillierapparaten bei Mount Gay. Eine Column Still wurde erst hinzugefügt, als die Nachfrage nach Rum in Europa zunahm und die Produktionsmenge stark gesteigert werden mussten. Aromatisch finden sich in Mount Gay Rums zumeist Aromen von Bananen, Vanille, Kaffee oder auch Pfeffer und Mandeln.

Die Lagerung erfolgt standardgemäß in ehemaligen Whisky Fässern von Jim Beam mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern. In den letzten Jahren wird aber auch bei Mount Gay mit anderen vorbelegten Fässern experimentiert. Mit dem Mount Gay XO Triple Cask wurde beispielsweise der erste Rum mit einem Anteil verblendet, der in ehemaligen Cognacfässern gelagert wurde. Mount Gay verdünnt den Rum vor der Einlagerung ins Fass auf 68%.

Das Lager hat viele kleine Öffnungen in den Wänden, damit die Luft ausreichend zirkulieren kann. Die Lagerung erfolgt ebenso im Norden der Insel, wo die Passatwinde sehr aktiv sind. Die Fässer werden maximal dreimal befüllt. Wie auf Barbados üblich, und auch gesetzlich geregelt, fügt man dem Rum keinen Zucker hinzu. Lediglich das minimale Zufügen von Karamellfarbe zur Färbung ist möglich. Dadurch ergibt sich bei Mount Gay Rums diese typische trockene Aromatik.

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