Nach einem Monat Pause folgt der nächste Grape of the Art, ein Jean-Luc Pasquet. Okay, wir geben es zu, wir sind sofort Fans der Stuttgarter Schnaps-Connoisseure von Grape of the Art geworden. Und ja wir fiebern den Abfüllungen, die da noch kommen werden, schon entgegen. Um so schöner, dass wir die nächste Veröffentlichung diesmal bereits einige Zeit im Voraus in unsere Gläser füllen durften und euch somit einen Test bereits vor dem Release am 29.4. präsentieren können.

Die bisherigen Abfüllungen umfassten zwei Armagnacs, einen Le Freche aus dem Jahr 2007 und einen Seailles aus dem Jahr 2000. Dazu kam noch ein Chairmans Rum, der in Kooperation mit der App RumX herausgebracht wurde. Alle Abfüllungen waren nach kurzer Zeit restlos ausverkauft.

Nun folgt mit dem Jean-Luc Pasquet Lot. 68 – 72 erstmals ein Cognac aus der Fins Bois, einem der sechs Cru-Regionen. 0,7 Liter dieses Tropfens werden diesmal 330 Euro kosten. Klingt erstmal sehr viel, ist aber ein fairer Preis. Wie immer wurde auch hier wieder viel Kreativität in das Etikett gesteckt, diesmal aber deutlich leichter verständlich als bei den beiden Armagnacs. In Anlehnung an Jean-Luc (Pasquet/Picard) ziert ein Flugobjekt, das der Enterprise zum Verwechseln ähnlich sieht, das Etikett. Das ist schon ziemlich nerdig, gefällt mir aber trotzdem, auch wenn ich kein großer Fan der Serie bin.

Tasting: Grape of the Art Jean-Luc Pasquet Lot. 68 – 72

Pasquet hochkant

Die Zahlen 68 – 72 weisen dabei auf die beiden Jahrgänge der Destillate hin, die bereits in den späten Achtzigern zu einem Blend gemischt und in ein Fass abgefüllt wurden. Es handelt sich also um einen mindestens 50 Jahre alten Cognac. Das ist ja schonmal eine Ansage. Wie bei GOTA üblich wurde auch dieser Cognac in Fassstärke abgefüllt. Dadurch bringt er stolze 66.6% auf die Waage bzw. die Spindel. Als Basis diente Wein aus Ugni Blanc Trauben. Destilliert wurde in einer verhältnissmäßig kleinen 1000-Liter-Destille.

Der Cognac zeigt sich im Glas ölig mit einen sehr schönen Bernsteinfarbton. Aufgrund des hohen Alters überrascht mich die vergleichsweise helle Farbe ein wenig. Über die letztendliche Qualität sagt das aber natürlich überhaupt nichts aus. Gleich nach dem Eingießen zeigt sich der Cognac erst einmal relativ verschlossen, also gönnen wir ihm eine halbe Stunde zum Atmen.

Die halbe Stunde hat ihm sehr gut getan. Der Pasquet hat sich geöffnet und präsentiert mir ausgeprägte helle Fruchtaromen wie Pfirsisch, Aprikose, Marille und auch Minze. Dafür erstaunlich wenig Holz. Das hätte ich so keinesfalls erwartet. Zu den Früchten finde ich noch etwas, das mich an Marzipan und Gebäck erinnert. Und noch Klebstoff. Alles wirkt schon in der Nae sehr gut blanciert und ausgeglichen, auch den Alkohol nehme ich nicht überpräsent wahr.

Am Gaumen geht es dann mit der gleichen fruchtig-frischen Aromatik aus der Nase weiter, nur das am Gaumen der Alkohol deutlich mehr ins Gewicht fällt. Fast 67% lassen sich nicht leugnen, sind aber trotzdem ziemlich gut eingebunden, auch wenn sie beim ersten Schluck etwas fordernd sind. Spätestens beim zweiten Schluck hat sich der Mund aber so langsam an den Alkohol gewöhnt und man kann auf Entdeckungstour gehen. Auch am Gaumen fällt die wenig ausgeprägte Fassaromatik auf. Im Hintergrund finde ich noch eine ganz dezente Würzigkeit und auch wieder Minze. Der Abgang ist relativ lang und fruchtig.

Der Cognac ist insgesamt sehr harmonisch und komplex. Nicht so „ruppig“ und „in your face“ wie seine Armagnac-Vorgänger (nicht falsch verstehen, ich feiere die beiden Armagnacs sehr), sondern edel und grazil, wenn man ihm viel Zeit zum Atmen lässt und man sich erst einmal an den Alkoholgehalt gewöhnt hat. Die über 50 Jahre im Fass merkt man ihm ausschließlich durch die nahezu perfekte Balance der Aromen an. Nichts ist überholzt, bitter oder muffig. Ein Cognac der zum entspannten Entdecken einläd und für den man sich Zeit nehmen muss.

-91 von 100-

Cheers!

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