Beim ersten Grape of the Art Release im Januar hatten wir mit dem Le Frêche einen Armagnac aus der Bas-Armagnac, dem Top Anbaugebiet für Armagnacs. Beim Séailles haben wir es nun mit einem Exemplar zu tun, das in der Ténarèze produziert wird. Allgemein gilt die Ténarèze als das zweitwichtigste Anbaugebiet für Armagnac, was natürlich am Ende nichts mit der Qualität zu tun hat.

Die Domain liegt in der Gemeinde Mouchan im Department Gers in der Region Okzitanien, sie gehört zum Arrondissement Condom und zum Gemeindeverband La Ténarèze. Mouchan hat 397 Einwohner.

Die Domaine Séailles produziert Wein als familiengeführtes Unternehmen seit 1961, seit 2002 sogar Bio-zertifiziert. Bereits seit 1998 wird jedoch schon auf chemische Düngemittel, Unkrautvernichtungsmittel, Insektizide und synthetische Chemikalien verzichtet. Auf insgesamt 26 Hektar Anbaufläche entfallen 2 Hektar auf den Anbau von Ugni Blanc Trauben für den Armagnac.

Der Anbau erfolgt auf den für die Ténarèze typischen lehm- und kalkhaltigen Böden. Die Destillation erfolgt wie bei viele Armagnacs über eine mobile Still, weil die Domain über keine eigene Still verfügt. Die Lagerung erfolgt anschließend in 300-400-Liter-Fässern aus Gascogne Eiche. Der Armagnac wird immer unverdünnt in die Fässer gefüllt und nach unterschiedlichen Reifezeiten verdünnt oder auch unverdünnt abgefüllt.

Tasting Grape of the Art Séailles

Der Grape of the Art Séailles wurde im Jahr 2000 auf einer Alambic Armagnacaise von Jean Laberenne destilliert und durfte ab diesem Zeitpunkt 21 Jahre im Fass schlummern. Im November letzten Jahres wurde er in Fassstärke mit 54% abgefüllt. Gerade einmal 195 Flaschen mit 700 Milliter Inhalt kamen davon in den Verkauf. Nach 21 Minuten waren dann auch alle verkauft. Auch bei dieser Abfüllung wurde das Etikett wieder sehr schön designt.

Der Armagnac zeigt sich im Glas ölig mit einer wunderschönen kräftigen und dunkelbraunen Farbe mit leichtem Rotschimmer. In der Nase weckt auch diese Abfüllung sofort Erinnerungen an einen Demarara Rum. Die Diamond Distillery und deren Coffey Still kommen mir in den Sinn. Rote und gelbe Früchte wie Pflaumen und Mango, Kleber, Kaffee, Kakao, blumig-zitrisches Bergamotte, Kräuter wie Rosmarin und gut eingebundene Zedernholznoten kommen kräftig in der Nase an.

Nach dieser schon sehr vielversprechenden Nase bin ich natürlich gespannt auf den ersten Schluck. Am Gaumen startet der Séailles mit einer Mischung aus Kakao, Zitronenzeste und ein paar Rosinen. Dann kommen wieder Aromen von Kleber und Espresso dazu. Das Mundgefühl ist cremig, sehr komplex und mundfüllend. Dabei aber etwas leichter als der Le Frêche, dafür aber fruchtiger. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Ich persönlich mag aber auch Abfüllungen in diesem Prozentbereich, da sie meistens sehr entspannt und trotzdem noch sehr aromatisch daher kommen. Sozusagen der perfekte Sweetspot für mich.

Im Abgang zeigt der Armagnac dann, dass es sich um ein lang gelagertes Destillat handelt. Neben den bereits bekannten Aromen gesellt sich eine leichte, aber sehr angenehme Bitterkeit dazu. Der Abgang ist sehr lang und eine leichte Frische bleibt lang am Gaumen erhalten.

-93 von 100-

Grape of the Art Séailles nah

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