Wenn man sich intensiver mit Rum beschäftigt landet man irgendwann zwangsläufig bei Rum aus dem kleinen südamerikanischen Land Guyana. Guyana bedeutet übersetzt „Land der vielen Wasser“. Es liegt direkt an der nordöstlichen Küste des Kontinents und grenzt an Venezuela, Brasilien und Suriname. Die Entfernung zum Äquator beträgt 350 Kilometer. Die Durchschnittstemperatur ist höher als auf den karibischen Inseln, weshalb der Angel Share ebenfalls höher ist. Das bezeichnet jenen Anteil des Rums, der im Laufe seiner Lagerung aus dem Fass verdunstet. Die verdunstete Flüssigkeit besteht dabei zu einem Teil Wasser sowie einem Teil Ethanol.

Rum aus Guyana ist Bestandteil der meisten Blends und des British Navy Rums. Deutlich interessanter sind jedoch die Single Estate oder Einzelfass- beziehungsweise Single-Cask-Abfüllungen. Dabei gibt es in Guyana eine Besonderheit.

Von den früher mehr als 100 Destillerien ist nur noch eine einzige verblieben, die Demarara Distillers Limited (DDL). In der DDL sind ein Teil der nützlichen Stills geschlossener Destillerien angesammelt wurden. Deswegen ist es auch heute noch möglich, sehr unterschiedliche Rums – insgesamt 24 Marques – in einer Destillerie zu produzieren. Warum das so gekommen ist und wie sich die Rumproduktion in Guyana entwickelt hat, habe ich recherchiert und im Rahmen unseres großen Guyana Rum Vergleichtastings zusammengefasst.

Unsere Eindrücke einiger Rum-Abfüllungen aus Guyana findet ihr nun direkt im Anschluss. Diese Liste wird fortlaufend ergänzt, wenn wir eine neue Abfüllung in die Finger bekommen. Außerdem erklären wir die Hintergründe und Besonderheiten von Rum aus Guyana und was es mit Bezeichnungen wie Enmore, Versailles-Still und Co. auf sich hat.

Tasting Guyana Rum

Folgende Guyana-Rum-Sorten haben wir bislang verkostet:

  • The Rum Cask Guyana Single Cask Rum 2008 Diamond Destillerie 9 Jahre (MPM)
  • That Boutique-Y Rum Company Diamond Distillery – PM – 11 Jahre Batch 2 Guyana (MPM)
  • The Rum Cask Guyana Single Cask Rum Diamond Destillerie „White“ 13 Jahre 2004 – 2017 (MDX)
  • The Rum Cask Guyana Single Cask Rum „Black“ Double Cask Diamond 16 Jahre (MDXC)
  • The Rum Cask Guyana Single Cask Pot Still Rum Uitvlugt Destillerie 23 Jahre (PM)
  • The Rum Cask Guyana Single Cask Pot Still Rum Enmore Destillerie 32 Jahre (MEC)
Guyana Rum Tasting

The Rum Cask Single Cask Rum 2008 Guyana Diamond Destillerie 9 Jahre (MPM)

Hierbei handelt es sich um einen jungen Rum aus der Port Mourant Stil (MPM). Der Rum wurde bereits in der Diamond Distillery hergestellt. Der Rum wurde in Fassstärke mit 62,2% abgefüllt.

Schon in der Nase merkt man, dass es sich um einen recht jungen Rum handelt. Sie wirkt ein wenig flach, aromatisch finden sich frisches Obst wie Aprikose, Mirabellen und auch Apfel. Dazu süßliche Vanille und ein wenig alter Dachboden. Insgesamt wenig komplex, dafür aber auch kaum alkoholisch. Am Gaumen schmeckt man dann wieder Äpfel, Aprikosen, Vanille. Der Rum zeigt eine gewisse Frische mit Heunoten, aber auch wieder nasses Holz – nicht besonders intensiv, aber es ist da. Das Finish ist kurz und trocken, es bleibt kaum Aroma zurück. Das hat uns nicht vom Hocker gehauen.

That Boutique-Y Rum Company Diamond Distillery Guyana – Port Mourant Still – 11 Jahre Batch 2 (PM)

Weiter geht es mit Port Mourant. Von diesem Rum wurden insgesamt 710 Flaschen nicht gezuckert und leicht verdünnt mit 56,4% abgefüllt. Der Hersteller verlangt dafür circa 45 Euro.

In der Nase finden wir wieder Aprikosen und Mirabellen, süßliche Vanille, Heu und Holz. Im Mund spiegelt sich auch hier der Eindruck aus der Nase wieder, er ist sehr fruchtig, Aprikose, grüne Noten und Vanille sind sehr präsent. Anders als beim 9-jährigen PM sind intensivere Pfeffernoten, eine leichte Röstigkeit und intensivere Holznoten zu schmecken. Durch die Süße und den verringerten Alkoholgehalt kann man fast schon (ganz vorsichtig) von einem Sipping Rum sprechen. Zumindest für Fassstärke-Trinker!

Rum aus Guyana
That Boutique-Y Rum Company Diamond Distillery Guyana – Port Mourant Still – 11 Jahre Batch 2 (PM)

The Rum Cask Guyana Single Cask Rum Diamond Destillerie „White“ 13 Jahre 2004 – 2017 (MDX)

Kommen wir nun zu einem anderen Guyana Stil. Das Mark MDX steht für die Versailles Still. Zusätzlich verrät es uns, dass es sich um die ungefärbte Version handelt. Dieser Rum ist ungefärbt und ungezuckert. Er wird in Fassstärke mit 61,2% abgefüllt. The Rum Cask verlangt dafür 46 Euro.

In der Nase zeigt er sich recht zurückhaltend. Wir finden würzige Pfeffernoten, zartes Holz, Vanille, esterig-fruchtige Banane und schwarzen Tee. Am Gaumen präsentiert sich der Rum sehr würzig, fast schon ein wenig scharf mit sehr präsenten Pfeffernoten und einer gewissen Bitterkeit mit viel Umami. Dazu kommen fruchtige Ananas – und Bananennoten, Vanille, Fassnoten mit einigen Tanninen und einer leichten Süße. Beim ersten Schluck brennt er schon ein wenig den Hals runter, das wird dann aber besser. Der Abgang ist recht lang und wieder sehr würzig. Der Rum gibt einen kleinen Ausblick darauf, was aus einem Rum mal werden kann. Dieser Rum hat uns gut gefallen.

The Rum Cask Single Cask Guyana Rum „Black“ Double Cask Diamond 16 Jahre (MDXC)

Auch dieser Rum kommt aus der Versailles Still. Das „C“ im Mark weisst darauf hin, dass dieser Rum bereits beim Hersteller gefärbt wurde. Nach 12 Jahren Reifung in einem Ex-Bourbon-Cask wanderte dieser Rum noch einmal für 4 Jahre in ein Ex-Sherry Cask. Er wird ungezuckert und in Fassstärke mit 61,7% abgefüllt und kostet circa 60 Euro.

Man riecht das Sherry-Fass sofort, schöne Aromen von roten Früchten, Rosinen und Holz verbinden sich mit Röstaromen und Gewürzen wie zum Beispiel Pfeffer. Im Hintergrund schwingen noch Lakritz und ganz zarte grasig-grüne Noten mit. Der Rum wirkt schon in der Nase sehr voll und rund. Beim ersten Schluck merkt man direkt eine gewisse Schwere des Rums, er ist eindeutig länger gelagert als seine Vorgänger. Man schmeckt wieder Sherry, Holz und eine Honigsüße. Dazu dunkle Schokolade, Röstaromen und getrocknete Früchte wie Dörrpflaumen. Zusätzlich ist der Rum adstringend. Der Abgang ist lang, das Aroma von Rosinen und Holz haftet am Gaumen. Dieser Rum ist ein erwachsener Rum. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis macht er auf uns einen ausgezeichneten Eindruck.

The Rum Cask Guyana Single Cask Pot Still Rum Uitvlugt Destillerie 23 Jahre

Dieser Rum wurde 1997 noch in Uitvlugt auf der Port Mourant Still destilliert. 1997 gilt als sehr guter Jahrgang für Rums aus Uitvlugt. Das sah offensichtlich die Rum Community genauso, da dieser Rum – trotz einem Preis von 130€ – innerhalb weniger Stunden ausverkauft war. 23 Jahre durfte er ab der Destillation im Fass reifen. Abgefüllt wurde er ohne Zusätze in Fassstärke mit 54%.

Erstmal gebe ich dem Rum eine Stunde im Glas. In der Nase finde ich als erstes tropische Früchte und süße Dörrpflaumen. Dann setzen sich mehr und mehr Gewürze wie Nelke und Muskat durch, die von Oliven – und grünen Kräuternoten begleitet werden. Am Gaumen empfinde ihn zunächst sehr würzig mit einem Mix aus tropischen Früchten und grünen vegetalen Aromen. Beim zweiten Schluckfinde ich Pfeffer, Fassnoten und etwas salziges das mich wieder an Oliven erinnert. Der Rum ist komplex, reif und hat eine leichte Süße im Hintergrund. Der Alkohol ist gut eingebunden. Der Abgang ist trotz des Alters erstaunlicherweise nur mittellang mit leicht süßen Röst – und Kaffeearomen.

The Rum Cask 1988 Guyana Single Cask Pot Still Rum Enmore Destillerie 32 Jahre (MEC)

Dieser Rum wurde 2020 von The Rum Cask abgefüllt. Der Rum führt das Mark MEC. Zu dieser Bezeichnung habe ich keine Informationen finden können. Rein von den Daten her wird es sich um die berühmte Versailles Stlil handeln. Mir ist auf jeden Fall keine andere Pot Still in Enmore bekannt. Da Enmore erst 1994 geschlossen wurde, ist dieser Rum auch noch in Enmore destilliert wurden. Damit gehört dieser Rum zu einer aussterbenden Spezies. Er wird in Fassstärke mit 47,9% abgefüllt. Der Hersteller verlangt dafür 190 Euro. Viel Geld, aber dieser Rum ist nunmal auch historisch etwas Besonderes.

Der Duft von Rosinen, Pflaumen, Trauben und viel Melasse, gepaart mit Aromen von Nelken und einem Hauch Honig steigen in die Nase. Durch leicht dreckige Aromen, Holz und Leder aber auch zarte Noten von Tabakblättern wird der Geruch ergänzt. Der Rum riecht elegant und zeigt sich sehr ölig im Glas. Im Mund startet er bitter-süß mit vielen roten und getrockneten Fruchtnoten. Hinzu kommen trotz der 32 Jahre Lagerzeit sehr gut balancierte Fassnoten, er ist nicht zu holzig wie andere, ähnlich alte Abfüllungen. Abgerundet wird der Geschmack durch Noten von grünem Pfeffer, Malz, Tabak und Lakritz. Der Alkohol ist sehr mild. Der Abgang ist sehr lang und würzig. Ein unglaublich runder und edler Rum.

Guyana Rum Cask 32
The Rum Cask Guyana Enmore 32 Jahre

Die Geschichte der Rumproduktion Guyanas

Die Geschichte von Guyanas Rumproduktion ist von internationalen Konflikten geprägt und reicht bis ins 17. Jahrhundert mit der Gründung der niederländischen Kolonien Berbice, Essequibo und später im 18. Jahrhundert der Kolonie Demerara zurück. Die Angaben hierzu sind in verschiedenen Quellen sehr unterschiedlich, aber es ist davon auszugehen, dass die erste Zuckerrohrplantage in Guyana im Jahre 1658 gegründet wurde. 1664 folgte die erste Zuckermühle. 1691 waren es dann bereits bis zu 19 Plantagen, die sich in der Hand der niederländischen Westindischen Handelskompanie befanden. In einem historischen Schreiben aus dem Jahr 1701 wurde zum ersten Mal Rum und Melasse als Tausch- und Handelsware erwähnt, im Jahr 1706 ein Rum-Destiller. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch eine Karte mit 32 – 34 Zuckerplantagen in Essequibo erstellt.

1741 wurden dann die ersten Ländereien auch an britische Bürger vergeben, diese kamen überwiegend von den englischen Kolonien Barbados und Antigua. Ein Jahr später durften diese Siedler teilweise auch mit englischen Schiffen handeln und wurden für 10 Jahre von den Abgaben gegenüber der niederländischen Stadthalter befreit. In den englischen Kolonien musste sie hohe Abgaben entrichten und zusätzlich galt der Boden in Guyana als deutlich fruchtbarer.

Durch diese Maßnahmen entwickelte sich die Region sehr stark, was auf der einen Seite eine starke Wirtschaft generierte. Auf der anderen Seite jedoch den Einfluss der Niederländer immer mehr verringerte und den der Engländer vergrößerte. Innerhalb kurzer Zeit zeigten sich die Niederlande unzufrieden mit der Entwicklung der Kolonien und forderten vom Kommandeur entgegen der wirtschaftlichen Vorstellungen der englischen Farmer eine vermehrte Produktion von Zucker anstatt Rum und Melasse.

Es geht hin und her in Guyana

Die Region Demarara kam dann im Jahr 1746 hinzu. Innerhalb von 6 Monaten entstanden 18 große und weitere kleine Zuckerrohrplantagen. Bis 1748 wuchs die Anzahl der Plantagen auf insgesamt 110 an. Aufgrund des sinkenden Einflusses der niederländischen Verwalter kam es zu immer mehr Betrügereien der englischen Farmer um die strenge Regulation der Westinden Kompanie zu umgehen. Es wurden Waren am Zoll vorbei geschleust oder Waren falsch oder gar nicht deklariert. 1770 entschied schließlich der Stadthalter der niederländischen Republik per Schiedsspruch, nach sehr langem innerpolitischen Streit zwischen der zeeländischen Kammer der Westinden Kompanie und dem Hohen Rat, dass die zeeländische Kammer nicht allein über das Handelsmonopol der Kolonie Essequibo zu entscheiden haben. Als Kompromiss wurden jedoch verschiedene Privilegien eingeräumt. So hatte zum Beispiel die zeeländische Kammer jedes Jahr das Handelsmonopol, bis das 16. Schiff mit zeeländischen Waren die Kolonie erreichte.

Der Hohe Rat von Holland, Zeeland und Westfriesland (Hoge Raad van Holland, Zeeland en West-Friesland) war von 1581 bis 1795 das höchste Gericht in diesen Provinzen und war auch in den Kolonien zuständig. Die Westinden Kompanie war ein Zusammenschluss verschiedener Gesellschaften mit einem durch die niederländische Regierung ausgestatteten Handelsmonopol und war in 5 Kammern (nach 5 niederländischen Handelszentren), u.a die zeeländische Kammer, aufgeteilt und folgte damit dem Vorbild der Niederländischen Ostindien Kompanie. Die Kammern standen regelmäßig in gegenseitiger Konkurrenz.

Historische Karte von Guiana und der Amazonas-Region von 1649
Historische Karte von Guiana und der Amazonas-Region von 1649

Zu dieser Zeit gab es an den Ufern des Essequibo 60 Plantagen, während sich an der Küste nur 12 – 14 Baumwollplantagen befanden. In der Region Demarara bereits 130, von denen circa ein Drittel den Engländern gehörte. Mit dem Schiedsspruch endete der Streit jedoch nicht und 1773 wurde die Region Demarara letztendlich durch den Hohen Rat von der Region Essequibo abgetrennt. 1775 begann dann der amerikanische Bürgerkrieg und damit auch die Positionierung der beteiligten europäischen Nationen zu einer Seite der Kriegsparteien England und Amerika. Das zog dann wiederum zwischen 1780 und 1784 den Vierten Englisch-Niederländischen Krieg nach sich, was auch abermals Krieg in die niederländischen Kolonien brachte.

Zwischen Februar und März 1781 eroberten die Briten zunächst die Regionen Demarara, Essequibo und Berbice. Die Franzosen eroberten, als Verbündete der Niederlande, die Regionen zwischen Januar und Februar 1782 zurück und gründeten die Stadt Longchamps. Mit dem Frieden von Paris endete 1783 der Unabhängigkeitskrieg und die Regionen wurden 1784 an die Niederlande übergeben. Die Stadt Longchamp wurde in Stabroek umbenannt und fungierte nun als Haupstadt der vereinten Kolonien Demarara und Essequibo. Damit wurde die Trennung der beiden Regionen rückgängig gemacht. Jedoch war nun Demarara das Zentrum der Kolonie.

Durch zahlreiche Verluste, vorallem durch die Besetzung Guyanas von 1781 – 1784, war die Westindien Kompanie nicht mehr solvent. Auch durch die große finanzielle Unterstützung der Sieben Vereinigten Provinzen von Holland im Jahr 1784 konnte die Auflösung der Westindien Kompanie nicht verhindert werden. Und so wurde sie zum 31.12.1791 aufgelöst. Am 1.1.1792 wurden die Regionen Stadthalter der Republik unterstellt und die strenge Handelsregulation der Westindien Kompanie endete damit.

Die Gründung von Georgetown

Es blieb jedoch weiter unruhig in Guyana und vorallem Europa. 1793 erklärte Frankreich der niederländischen Republik den Krieg und eroberte diese auch 1795. Das führte zum Nachfolgestaat, der Batavischen Republik. Die Batavische Republik musste ein Bündnis mit Frankreich eingehen und Frankreich bei seinem bereits seit ebenfalls 1793 andauernden Krieg gegen England unterstützen. Im April 1796 eroberten dann nach gerade einmal zwei Tagen die Engländer die Regionen Demarara und Essequibo. Im Mai kapitulierte auch die Region Berbice.

1802 wurden alle drei Regionen durch den „Frieden von Amiens“ an die Niederlande zurückgegeben. Der Frieden hielt nur bis 1803, dann eroberten die Engländer zwischen dem 19. und 26. September die Gebiete erneut. 1814 gingen die Gebiete im Britisch-Niederländischen Vertrag an England über.

Zu Ehren des britischen Königs wurde die Stadt Stabroek am 12. Mai 1812 in Georgetown umbenannt. Diesen Namen trägt die Hauptstadt von Guyana noch heute. Der Sklavenhandel wurde durch die Briten bereits 1809 abgeschafft. Am 17. August 1823 kam es dann in den Kolonien, in der Erwartung einer baldigen Abschaffung der Sklavenarbeit, zu einem Sklavenaufstand und es wurde zwei Tage später das Kriegsrecht ausgerufen. Bereits am 21. August stand die britische Armee ungefähr 2000 Aufständigen gegenüber. Diesen wurde am 22. August eine Begnadigung angeboten, sofern sie den Aufstand beenden. Die Drahtzieher des Aufstands wurden jedoch erhängt.

1831 wurden dann die drei Kolonien zusammengeführt und am 21. Juli 1831 wurde der erste Gouverneur von British Guayana vereidigt. Im Jahr 1833 wurde der „Act of Emancipation“ verabschiedet. Daraus sollte ein Ende der Sklavenarbeit zum 1. August 1834 resultieren. In der der Realität setzte sich jedoch die Lobby der Pflanzer durch. Man benannte die Sklaven einfach in Lehrlinge um. Diese „Lehrlinge“ arbeiteten aber weiterhin ohne Lohn für 6 Jahre in einem „Ausbildungsverhältnis“. Da diese Lehrlingszeit alle Sklaven ab 6 Jahre betraf war also auch Kinderarbeit inbegriffen. In den folgenden Monaten änderte die britische Regierung diese Lehrzeit auf 4 Jahre und schlussendlich wurde die Sklavenarbeit zum 31. August 1838 in den Kolonien abgeschafft.

Nach der Abschaffung der Sklavenarbeit verließen die Sklaven die Farmen und es mussten andere billige Arbeitskräfte verpflichtet werden. Dadurch gelangen in diesem Jahr die ersten indischen und chinesischen Arbeitskräfte nach Guyana. Auch Arbeitskräfte von Madeira kamen in großen Zahlen. Bis 1917 immigrierten insgesamt 238.909 Inder. Die Arbeitsbedingungen änderten sich in der Folgezeit aber nicht wirklich, so das die Todesraten unter den Arbeitern sehr hoch war. Das führte dazu, dass immer mehr Arbeiter benötigt wurden. In der Folge untersagte Indien zwischen 1839 bis 1844 und zwischen 1848 bis 1851 die Auswanderung, für Jamaika sogar bis 1860. 1878 erreichten dann auch keine chinesischen Arbeiter mehr die britischen Kolonien. Ab 1884 wurde die Produktion aufgrund der internationalen Zuckerkrise immer mehr auf Reis anstatt Zucker umgestellt.

Guyana wird unabhängig

In den folgenden Jahren gab es immer wieder Aufstände aufgrund der Arbeitsbedingungen und schlechter Löhne. So z.B. 1869 auf der Plantage Leonora, 1872 in Essequibo, 1873 auf der Uitvlugt Plantage, 1896 auf der Non Pareil Plantage. 1924 entwickelte sich dann aus einem Streik in Georgetown ein Aufstand. Das Militär stoppte dabei aus dem Süden kommende Arbeiter und gab den Schussbefehl. 13 Menschen wurden getötet und 18 verwundet. Durch die große Depression in den 30ern und den damit verbundenen geringen Exportertrag verloren viele Menschen ihre Arbeit. Das zeigte den Menschen sehr deutlich, dass ihre Interessen nicht politisch vertreten werden. Daraus resultierte ein weiterer Aufstand auf der Leonora Plantage im Jahr 1939 mit 4 Todesfällen. Im April 1948 kam es auf dem Enmore Anwesen zu einem Streik mit 4 Todesfällen. Aus diesem Ereignis resultierte die Gründung der linksgerichteten People’s Progressive Party (PPP).

Die PPP löste 1953 dann auch eine große politische Krise aus, als sie die ersten Wahlen in Guiana am 27. April gewann. Durch eine Verfassungsänderung wurde ein neues politisches System, bestehend aus Ober- und Unterhaus, eingeführt. 18 von 24 Sitzen im Unterhaus gewann die PPP bei den Wahlen. Jeddi Chaggan wurde zum Prime Minister gewählt. Da die PPP in Europa als kommunistische Partei eingestuft wurde reagierte Winston Churchill, indem er Truppen nach Guiana entsandte und die neue Regierung wieder absetzte. Die Briten übernahmen wieder die Regierungsgeschäfte bis 1957. Die Bestrebungen zur Unabhängigkeit hielten aber auch in den nächsten Jahren an. Und so war es dann am 26. Mai 1966 soweit und Guiana erklärte als Guyana seine Unabhängigkeit.

Ungefähr 10 Jahre nach der Unabhängigkeit veränderte sich das gesamte industrielle Wesen in Guyana. Die sozialistisch geprägte Regierung verstaatlichte den größten Teil der Industrie und mit ihr auch die Zucker- und Rumindustrie. Es entstand die Guyana Sugar Corporation (GuySuCo), bestehend aus drei Brennereien:

  • Diamond Liquors Limited (DLL) – Diamond Distillery – im Besitz von Jessels Holdings
  • Guyana Distillers Limited (GDL) – Uitvlugt Distillery – im Besitz von Booker Bros.
  • Demerara Distilleries Ltd – Enmore Distillery – eine Tochtergesellschaft von Guyana Distillers Limited

Die Gründung der DDL

Jedoch nahm die Nachfrage permanent ab und so wurde 1975 Yesu Persaud für die nächsten 4 Jahrzehnte Geschäftsführer von Diamond Liquors Limited. Persaud fusionierte Diamond Liquors Limited und Guyana Distillers Limited zu einem einzigen staatlich regulierten Unternehmen. Anschließend verkaufte er das Unternehmen wieder in Privatbesitz und schloss alle weiteren Rumbrennereien, außer der Diamond Distillery. Der Staat verkaufte die Anteile auf über 3000 guyanische Privataktionäre und behielt zwischen 60 und 80 Prozent der Anteile. Zur Verwaltung und Lenkung der Aktivitäten der drei Destillen wurde eine Holdinggesellschaft gegründet, die Guyana Liquor Corporation. 1983 fusionierten dann die Unternehmen DLL und GDL zur Demarara Distillery Limited (DDL).

Nach 10 Jahre sozialistischer Führung befand sich die Regierung Mitte der 80er Jahre durch Korruption, schlechtes staatliches Management und die Rückführung der Industrie in staatliche Kontrolle in einer finanziell sehr schwierigen Situation. Anders als beispielsweise in Kuba wurden die vorherigen Besitzer entschädigt, was die Staatskasse extrem belastete. In der Konsequenz musste die Regierung schlussendlich 1989 einer Veräußerungspolitik im Rahmen der Weltbank empfohlenen Strukturanpassungen zustimmen, weil das Land bereits seit 1985 als nicht mehr kreditwürdig galt. Dadurch wurden die Unternehmen schrittweise verkauft. Bereits 1988 sank der Anteil der Regierung an der DDL auf 47 Prozent, bis sie Anfang der 90er wieder in komplett privater Hand wahr. Zu diesem Zeitpunkt wurden dann auch das neue Prestigeprodukt der DDL vorgestellt – der El Dorado Rum.

El Dorado 12 und 15
Copyright: Aneil Lutchman / Creative Commons

Seit dem geht die Entwicklung der DDL steil bergauf. 2014 wurde Persaud von Komal Samaroo abgelöst. Mittlerweile ist die DDL nicht nur eine Brennerei, sondern zum Beispiel auch Franchisenehmer für die Produktion von Pepsi, Seven Up, einer lokalen Sodamarke und Fruchtsäften. Trockeneis und Kohlendioxid zur Karbonisierung gewinnt die DDL aus der Rumproduktion. Weiterhin bietet die DDL Versand- und Lagerservice für Unternehmen wie Nestle oder Johnson & Johnson an. Ungefähr 60 Prozent des Rums werden an Partnermarken oder als Bulkware verkauft. Der Rest bleibt für die eigenen Abfüllungen zurück. Zusätzlich ist das Unternehmen zu einem Drittel an National Rums of Jamaica mit den Brennerein Long Pond und Clarendon beteiligt.

Weitergenutzte Stills aus geschlossenen Destillerien bei der DDL

Doch wie kam es denn nun dazu, dass die DDL heutzutage so viele völlig unterschiedliche Rumstile produzieren kann? Eingangs hatte ich bereits erwähnt, dass die DDL die einzig verbliebene Stätte für Rumproduktion ist. Alle anderen Destillierien mussten im Laufe der Jahre schließen. Im folgenden Kapitel möchte ich kurz die wichtigsten ehemaligen Destillierien in Guyana kurz vorstellen.

Die genaue Anzahl der Destillerien herauszufinden scheint heutzutage kaum noch möglich zu sein. Auch finden sich bei der Recherche extrem unterschiedliche Zahlen. 1880 seien es in der Spitze bis zu 109 Destillerien gewesen, heißt es. Diese Zahl ist aber schnell wieder gesunken. 20 Jahren später gab es um die Jahrhundertwende noch ungefähr 50 Destillerien. Zum Ausbruch des Ersten Weltkrieg waren es noch 36. Im Jahr 1921 sollen es noch 30 gewesen sein, 1938 sollen nur noch 9 Destillierien überlebt haben. Ab dem Jahr 2013 gab es dann wie bereits erwähnt nur noch eine Destillerie.

Geschichtlich betrachtet gab es auf Guyana nahezu alle Typen von Destillierapparaten. Es fanden sich Pot Stills, Vat Stills und Column Stills. Heute finden sich in der DDL folgende 3 Typen: Vat Stills, ab den 50ern die John Dore Double Retort Pot Still (DHE – Highester) und Column Stills. Die beiden Vat Stills aus Port Mourant und Versailles werden aber zumeist den Pot Stills hinzugerechnet, was aber an sich nicht ganz korrekt ist, da bei einer Vat Still ausschließlich der Hals und der Kopf aus Kupfer ist. Der Körper besteht aus einem sehr großen Fass aus guyanesischem Greenheart Holz.

„Barrel Aged Mind“ folgert in seinem Artikel, dass im Jahr 1938 die beiden Vat Stills von Port Mourant und Versailles bereits die letzten aktiven Pot Stills in Guyana waren, bis die John Dore Still in Betrieb genommen wurde. Das ist insofern interessant, als das in der Vergangenheit überwiegend Pot Stills oder beide Arten von Stills in den Destillerien zum Einsatz kamen. Nun aber den kleinsten Anteil darstellen. Auch war es in Guyana lange Tradition, Column Stills vor Ort aus Greenheart Holz zu bauen. Kupfer als Material kam erst deutlich später zum Einsatz. Heute ist ausschließlich die Enmore Wooden Continues Still (EHP) übrig geblieben.

Port Mourant

Die Destillerie wurde entgegen der Angaben der DDL irgendwann zwischen 1813 und 1821 gegründet und 1955 geschlossen. Die Double Wood Vat Still mit dem Mark PM hat nach der Schließung der Destillerie eine lange Reise hinter sich. Zunächst wurde sie in die Albion Destillerie gebracht und tat dort bis zur Schließung von Albion im Jahr 1968 ihren Dienst. Von dort aus ging es nach Uitvlugt und dann an ihren heutigen Standort. Die Port Mourant Still hat ein unverwechselbares Aroma.

Versailles

Die Versailles Distillery war die kleinste der verbliebenen Destillerien. Es deutet vieles darauf hin, dass sich ausschließlich die berühmte Single Wooden Vat Still in Versailles befunden hat. Diese wurde 1890 in Betrieb genommen. Nach der Schließung 1978 wurde diese zur Enmore Distillery gebracht. Nach der Schließung von Enmore 1994 ging sie in den Besitz der DDL über. Dort wurde sie 2006 saniert. Diese Destille wird unter dem Mark VSG und MDX geführt.

Uitvlugt

Die Uitvlugt Distillery wurde zwischen 1759 und 1776 gegründet und 1999 geschlossen. Die beiden 2 Säulen French Savalle Stills wurden mitsamt der Port Mourant Double Wooden Pot Still zu DDL überführt. Möglicherweise stammt eine der French Savalle noch aus dem Bestand der Blairmont Estate. Die French Savalle bestehen nicht aus Kupfer, sondern Stahl. Die beiden Stills können 9 verschiedene Mark herstellen, darunter die Nachbildungen von Rum lange geschlossener Destillerien.

Marques: ICBU and UMS (Uitvlugt), Skeldon (SWR, SM, CG), La Bonne Intention (LBI), Blairmont (), Albion (AN)

Enmore

Für die Rums aus Enmore finden sich eine Vielzahl an Marks: EHP (Enmore Henry Porter – der Gründer) bezeichnet höchstwahrscheinlich die ursprüngliche hölzerne Column Still, MXE (Plantage Mon Repos) + KFM (Plantage Lusignan, Kenneth Francis Mackenzie) fusionierten 1930 und gehörten ab 1948 zu Enmore, das Mark KFM bezeichnet dabei höchstwahscheinlich in Enmore auf der Versailles destillierten Rum. ELCR bezeichnet einen leichten Enmore Rum, REV ist ungeklärt. Enmore nahm zunächt die Versailles Still auf und bei der Schließung 1994 gingen beide Stills zur DDL über.

Diamond Distillery

In der Diamond Distillery befanden sich traditionell zwei Continuous – Metal Coffey Stills mit dem Mark SVW und eine Batch – Metal Double Retort zur Erzeugung eines High – Ester Rum mit dem Mark DHE. 2011 kam eine Dritte hinzu. Diese ist jedoch für die Herstellung von komplett neutralem Alkohol ausgerichtet. Ebenfalls 2011 wurde eine Continuous – Metal Multicolumn (5 Columns) mit der Bezeichnung MPRS (Multi-pressure Rectification Still) und den Marks UN, LSR, GS20, DLR in Betrieb genommen.

Wer sich noch deutlich vertiefender mit der Geschichte Guyanas auseinander setzen möchte kann dies auf barrel-aged-minds machen. Meine Ausarbeitung dazu ist überwiegend diesem wunderbaren Artikel zu diesem Thema entnommen.

Cheers!

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