Es gibt viele Dinge, die am Sommer großartig sind. Abends ist es lange hell, die Temperaturen erreichen meine persönliche Komfortzone, man muss nicht umständlich Schicht um Schicht anziehen und Bars und Restaurants öffnen ihre Außenflächen. Und wenn man sich auf eins verlassen kann: Sobald die Temperaturen über die 20-Grad-Marke klettern, zieht es die Menschen in Scharen ins Freie, in die Parks, auf die Terrassen. Dann schlägt die Stunde des Aperitifs.

Ein Aperitif, in Süddeutschland und der Schweiz gelegentlich auch Apero genannt, ist die wohl schönste italienische Gepflogenheit, die es über den Brenner in unsere Gefilde geschafft hat. Wenn man mit Freunden zusammen sitzt, plaudert, lacht und dabei ein Glas in der Hand hält, ist das ein Moment voller beschwingter Leichtigkeit. Längst hat sich der Aperitif, ursprünglich Auftakt für das folgende Dinner, vom Essen entkoppelt: Immer häufiger sieht man in den Großstädten im Sommer Menschen beisammen sitzen, die statt eines Kaffees oder Feierabendbieres direkt zum Aperol Spritz oder Martini Fiero greifen. Wer tagsüber Alkohol trinkt wird häufig merkwürdig beäugt, in Form eines Aperitifs strahlt man jedoch aus, dass man das Leben in vollen Zügen genießt.

Nun gibt es einen neuen Anwärter für den Sommer: Der Quadro Nuevo lockt mit fruchtig-frischen Rhabarbernoten und bitterem Wermutaroma und interpretiert den Aperitif damit neu. Mit nur 18 Volumenprozent könnte er diesen Sommer leichtes Spiel haben. Warum, erkläre ich in diesem Beitrag.

Bio-Spirituosen als Erfolgsgeschichte

Hinter dem Quadro Nuevo stecken Monika und Ludger Teriete von der Dwersteg-Destillerie in der Nähe von Steinfurt. Sie setzen schon seit vielen Jahren auf Bio-Spirituosen, was früher von vielen belächelt wurde (von einigen bis heute), doch die beiden blieben ihren Grundsätzen treu. Dafür auf jeden Fall Respekt. Ich kenne nicht das gesamte Dwersteg-Portfolio, konnte jedoch einmal den Ingwerlikör probieren und der hat mich sehr überzeugt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt fahre ich gerne einmal ins Münsterland um mir einen größeren Überblick zu verschaffen.

Den Quadro Nuevo, der als „fruchtig-leichter Aperitif“ beworben wird, entwickelten die beiden gemeinsam mit dem Hamburger Barbesitzer Jörg Meyer („Boilerman Bar“, „Bar Le Lion“). Er ist bekanntermaßen ein Fan der Destillerie. Den Mo Gin findet man etwa in beiden seiner Bars, zudem vertreibt er ihn über seinen Shop Trinkabenteuer. Auch einige der Liköre kommen gelegentlich in den Hamburger Bars zum Einsatz.

Aus einem Wermut wurde Quadro Nuevo

Meyer und die Terietes wollten schon länger einen Bio-Aperitif produzieren. Ursprünglich sollte es ein eigener Wermut werden. Diese Spirituosenkategorie ist derzeit angesagt und wächst beständig, wenn auch auf niedrigem Niveau. Doch auch nach vielen Experimenten waren sie nicht vollends überzeugt.

Also wählten sie einen anderen Angang: Die Basis ist ein Weizendestillat (selbstverständlich in Bioqualität), darin werden wie bei einem Gin diverse Botanicals mazeriert.

Die offizielle Zutatenliste lautet: Wasser, Rhabarbermuttersaft, Weizenfeindestillat, Zucker, natürliches Wermut-Aroma. Alle Zutaten stammen dabei laut Aussage des Herstellers aus kontrolliert biologischem Anbau. Auf seinem Online-Shop Trinkabenteuer geht der Hamburger Barbesitzer Jörg Meyer noch weiter ins Detail, die Liste der Botanicals wird wie folgt angegeben:

  • Angelikawurzel
  • Koriander
  • Tausendgüldenkraut
  • Melissenblätter
  • Kalmuswurzel
  • Kardamom
  • Ceylon-Zimt
  • Enzian-Wurzel

Dann wird etwas Wermut hinzugegeben, der dem Drink eine erwachsene Bitterkeit verleiht. Zum Schluss wird Rhabarbermuttersaft dazugegeben. Der verlieht nicht nur die golden-schimmernde Farbe, sondern auch eine leichte Fruchtsüße, die zusätzlich von Rübenzucker flankiert wird. Verdünnt wird der Rhabarber-Wermut – so flapsig fasse ich den Quadro Nuevo nun einfach mal zusammen – auf 18 Volumenprozent.

Die 0,7-Liter-Flasche kostet circa 25 Euro. Das ist kein Schnäppchen verglichen mit anderen Wermuts. Doch man sollte bedenken, dass es sich um Bio-Qualität handelt und kein XXL-Konzern dahintersteckt.

Quadro Nuevo Aperitif Etikett
Das Etikett des Quadro Nuevo zeigt ein maritimes Bild und macht Lust auf Meer

Quadro Nuevo – Tasting

Und wie schmeckt das nun? Zunächst muss ich einräumen: Ich bin ein großer Fan von Rhabarber. Ich nutze regelmäßig einen von Hendrik selbstgemachten Rhabarber-Bitter, um Drinks eine spielerische Fruchtigkeit zu verleihen, ohne ins Süße abzudriften. Einer meiner All-Time-Favorites in der Cocktailwelt ist der Rhabatini der Brooklyn Burger Bar, der geschickt Rhabarber und Tonka vereint.

Deshalb läuft der Quadro Nuevo bei mir im Grunde offene Türen ein. Die Rhabarbernote ist deutlich spürbar, aber nicht aufdringlich. Ebenso gibt es durch den Wermutanteil eine feine Bitterheit. Mit 18 %vol hat er auch nicht zu viel Alkohol, sodass man von ihm gefahrlos auch zwei Quadro-Tonics trinken kann, ohne dass man es am nächsten Tag bereut.

Das Wechselspiel aus Frucht und Bitterheit schmeckt vorzüglich pur (gerne auf Eis) und auch aufgefüllt mit Tonic oder Soda macht man definitiv nichts falsch. Doch man kann damit auch exzellente Cocktails zubereiten. Zwei stelle ich euch nun vor:

Cobbler (entworfen von Swetlana Holz, Bar Le Lion, Hamburg)

Zutaten:

  • 60 ml Quadro Nuevo
  • 30 ml Dubonnet*
  • Brombeeren
  • Orange

Brombeeren und 1/8 Orangenstück in den Shaker geben und mit einem Stößel leicht andrücken (muddlen). Nun Quadro Nuevo, Dubonnet und ausreichend Eis hinzufügen. Etwa fünf Sekunden kräftig shaken und in ein gekühltes, mit Crushed Eis gefülltes Glas doppelt abseihen. Mit Strohhalm und Beeren verzieren.

Garden Sour

Zutaten:

  • 40 ml Mezcal*
  • 20 ml Quadro Nuevo
  • 20 ml Zitronensaft
  • 15 ml Zuckersirup (2:1)
  • 2 Dash Celery Bitter*
  • Soda

Die ersten fünf Zutaten mit viel Eis shaken und in ein mit Eis gefülltes Longdrinkglas abseihen. Dann mit Soda auffüllen und vorsichtig umrühren.

Quadro Nuevo – woher kommt der Name?

Der Name dieser Spirituose ist ziemlich ungewöhnlich. Er klingt weder nach Rhabarber noch Wermut, sondern erinnere durch die spanischen Wörter eher an eine Tequila, hörte ich desöfteren. Doch wer weiß, vielleicht verhaftet der Name gerade deshalb?

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Die Hintergründe führen aber wieder zu Monika und Ludger, den beiden Betreibern der Dwersteg-Destillerie. Beide haben eine ausgeprägte Leidenschaft für Tango, dabei lernten sie auch die deutsche Band „Quadro Nuevo“ kennen und lieben. Deren Cover des Albums „Mare“* wurde daraufhin das Etikett des Aperitifs, gezeichnet wurde es übrigens vom Künstler Pietari Posti, der in Barcelona lebt. So schnell geht es von Hamburg in den Süden Europas.

Also ein Glas einschenken, am besten auf einen großen, langsam schmelzenden Eiswürfel, Spotify oder Apple Music anmachen und entspannt der Weltmusik von Quadro Nuevo lauschen. Klingt zumindest nach Sommer.

Cheers!

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Der La Mancha Roja mit Patron Tequila

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