Der Bar Convent Berlin (BCB), eine der größten Fachmessen für die Bar- und Gastronomiebranche, fand in diesem Jahr vom 11.-13. Oktober wieder als klassische Messe statt. Im letzten Jahr fand der BCB pandemiebedingt digital statt. Um so erstaunlicher, das bereits in diesem Jahr eine Messe mit insgesamt 8000 Besuchern über drei Tage stattfinden konnte. Laut Veranstalter wurde dafür mit einem verkleinerten Konzept bezüglich der Ausstelleranzahl und Besucher gearbeitet. Gemerkt habe ich das an meinem einen Tag nicht, es gab auch so ausreichend zu sehen und vorallem zu kosten. In diesem Jahr war dann auch die Station Berlin nicht mehr der Veranstaltungsort, sondern die deutlich größere Messe Berlin.

Am Abend vor der Eröffnung des Bar Convent finden traditionell die Mixology Bar Awards und damit die jährliche Krönung der deutschsprachigen Cocktail- und Barelite statt. Schon allein deswegen befindet sich der Großteil der deutschlandweiten Barszene in Berlin. Abends wird also rund um die Messe in nahezu allen großen Bars der Stadt fleißig der Shaker geschüttelt. Markenabende und Tastings finden im gesamten Berliner Raum statt. Und so geht es bis zum Mittwoch weiter. Die Messe bietet neben den Ausstellungsflächen auch noch ein umfassendes Seminar- und Vortragsprogramm.

Am Mittwoch habe ich mich dann auch auf der Messe eingefunden und fand eine sehr entspannte Stimmung vor. Und viel Platz. Hier hatten die vorangegangenen Tage offenbar schon ihre Spuren hinterlassen und viele sind an diesem Tag schon gar nicht mehr vor Ort gewesen. Umso besser in pandemischen Zeiten.

Ein paar Highlights aus diesem Jahr möchte ich euch an dieser Stelle kurz vorstellen.

Rum

Natürlich habe ich die Augen am meisten nach unserer Lieblingsspirituose Rum offen gehalten und es gab viel zu entdecken. Darunter natürlich auch Marken die neu auf den Markt stoßen. So zum Beispiel die Marke „Pearl of Mauritius“, die auf dem BCB ihren deutschen Marktstart feierte.

Bei diesem Rum handelt es sich um einen Spiced Rum, dessen Basis ein nicht weiter definierter R(h)um aus Mauritius ist, der einige Jahre in Eichenfässern gelagert wurde. Danach wurden ihm Vanille und Haselnuss zur Mazeration zugefügt. Ein sehr spannendes Produkt wie ich fand. Ich bin sowieso ein Freund von Haselnuss und Vanille. Eingebettet in einen Rum funktioniert das ebenso sehr gut. Eine leichte Süße, Backaromen und Haselnuss samt dezenter Bitterkeit ergeben einfach einen enorm leckeren Tropfen. Dazu mit 42% abgefüllt. Ich denke, dass dieser Spiced Rum einige Fans bekommen wird.

PearlofMauitius
The Pearl of the Mauritius Spiced Rum

Gleich danach fand ich den Aussteller Tessendier. Eigentlich ein altehrwürdiges französisches Cognachaus, das in den letzten Jahren aber auch unter der Marke Saison Rum am Rummarkt aktiv ist. Dazu wird Rum aus Trinidad, Barbados und Jamaika importiert und in ehemaligen Cognacfässern gefinished.

Die mittlerweile acht Abfüllungen sind entweder Blends oder Single-Domain-Abfüllungen mit sehr interessanten Ageings. Da kommen selbstverständlich starke Parallelen zu Plantation auf. Und weil gerade niemand an diesem Stand war nahm man sich auch ausgesprochen viel Zeit für die Verkostung und erzählte mir eine Menge zu den verschiedenen Abfüllungen, weshalb ich auch zu diesen Rums noch einmal in einem gesonderten Beitrag etwas mehr schreiben werde.

Ein kleiner Schlenker zum Stand von Saint James ließ mich dann in den Genuss eines perfekt abgestimmten Corn´n Oil kommen. Mein Lieblingsdrink, der häufig nicht gut balanciert ist und ich auch noch nie mit einem Agricole getrunken habe. Das sollte ich in Zukunft ändern und an diesem Punkt etwas mehr experimentieren.

Der Falernum war selbst gemacht, die Rumbasis war der Saint James VSOP. Für um die 30 Euro ein gelagerter Agricole, mit dem man in meinen Augen nichts verkehrt machen kann.

Eine unerwartet interessante Rum-Erfahrung machte ich am Stand von Humbel, den ich eigentlich aufsuchte, weil ich schon viel von Humbel gelesen habe, aber noch nie einem Brand im Glas hatte. Vor allem gilt das Unternehmen als Weltmeister der Kirschverarbeitung. Am auch sehr mäßig frequentierten Stand traf ich auf Pascal Kählin, Inhaber des Spirituosengeschäfts J.B. Labat und vor allem der Marke Cave Guildive. Schnell waren wir also beim Thema Rum und Einzelfassabfüllungen und so wurden mir drei extrem spannende Produkte ins Glas gegeben.

Den Start machte ein Kirschbrand, der für einige Zeit in einem ehemaligen Port-Mourant-Fass lagerte. Dadurch ergab sich ein kraftvoller Brand mit einem Kirsch- und Waldbeerenaroma und intensivem würzigen Mundgefühl. Leichte Erinnerungen an einen Enmore-Rum wurden in der Ferne wach, nur mit sehr viel mehr Frucht. Diese experimentellen Abfüllungen werden bei Humbel in limitierter Stückzahl unter dem Label Cask Adventures auf den Markt gebracht.

Darauf folgte das Cask Adventure mit der Nummer sechs, bei der in der Schweiz produzierter Rum zunächst für sechs Jahre in einer 350-Liter-Eichenstande und anschließend für ein Jahr in 135-Liter-Fässern aus Tokajiholz gelagert wurden. Dadurch entstand ein ebenso würziger Rum mit einem ungewöhnlichen Aroma. Sehr reif und weich, trotz der mittelmäßigen Lagerzeit.

Der dritte im Bunde war das Cask Adventure 10 – ein Rum, der zunächst für 5 Jahre in einem 400 Liter Cognac-Tonneaufass von Pinard und anschließend noch einmal ein Jahr in ein 110 Liter Kastanienholzfass, in dem auch Kastanienbrand gelagert war, gelegt wurde. Hier entstanden die für mich unerwartetsten Aromen. Viel Holz, viel Dörrfrucht, erdig, fast schon torfig und eine nussige Kastaniennuance.

Großartige Produkte, die jedoch ihren Preis haben, die in Deutschland zudem teilweise recht schwierig zu erhalten sind. Jede dieser Abfüllungen erfüllt den Bio-Standard. Am Ende der Verkostung kam noch Fabian von Rum-Bar dazu und präsentierte mir noch begeistert den Cachaça Iguaçu. Aromatisch ein weicher fruchtiger Cachaca mit intensiven, typisch süsslichen Geschmack nach Honig und Zuckerrohr und auch getrockneten Rosinen. Macht sich bestimmt ganz hervorragend in Drinks.

Geiste und Brände

Meine eigentliche Reise zu Humbel fand ja eigentlich wegen der Kirschbrände statt, deswegen mache ich gleich weiter mit den Schweizern. Als Erstes habe ich die mittlweile recht bekannte Basler Langstieler Kische mit der Nummer zwei gekostet. Dieser Brand wurde auch über das Freimeisiterkollektiv zugänglich gemacht. Klare Kirscharomen und etwas Beere, dazu eine leichte Mandelnote und eine ausgeprägte Würzigkeit zeichnen diesen Brand aus. Für zu Hause bekam ich noch ein 2cl Fläschchen der Bio Kirsch (Knospe*) mit. Zu den Kirscharomen gesellen sich hier mineralische Aromen, Bittermandel und Kakao. Nach dem ich am Vormittag den Stand von Humbel besucht habe kehrte ich am Nachmittag zurück um mir noch von Sven Goller einen Cocktail aus der Basler Langstieler Kische, Verjus, Peychaud und Vermouth mixen zu lassen. Allein am Stand von Humbel hätte man vermutlich einen Tag zubringen können.

Meiner Vorliebe für Haselnussdestillate konnte ich am Stand von Bockfieber frönen. Ein noch junges Unternehmen aus dem Schwarzwald, dessen Besitzer ein passionierter Jäger ist und dadurch viel Zeit im Wald verbringt. Nach der Jagd trinkt man traditionell einen Kräuterlikör. Die Sorten am Markt haben Holger Härter aber nicht gefallen, deswegen hat er einfach selbst einen entwickelt und 2015 mit seiner Tochter Bockfieber gegründet. Die Nüsse für den Bockfieber Haselnussgeist kommen aus der Türkei. Ich war wirklich sehr angetan von diesem Geist und eine Flasche davon wird ganz sicher bei mir zu Hause einziehen. Die Destillation erfolgt bei einer namentlich nicht genannten schwarzwälder Brennerei. Der Geist hat eine klare Haselnussaromatik, die sich eher weniger im Nougatbereich, sondern tatsächlich mehr bei der Nuss bewegt. Eine schöne ölige Konsistenz erzeugt dazu ein tolles Mundgefühl. Neben dem Nussgeist gibt es noch vier Liköre, darunter der Kräuterlikör, zwei Brände und einen Geist des Kräuterlikörs. Die Geiste und Brände des Unternehmens wurden erst dieses Jahr auf den Markt gelauncht.

BockfieberBCB
Bockfieber

Schon vor dem BCB war ich nach unserem Besuch bei Lantenhammer auf den neuen Blutorangengeist gespannt. Thomas erzählte uns bei unserem Besuch davon. Und auch hier war ich begeistert. Herb-säuerliche Blutorange in der Nase, süß-säuerlich am Gaumen. Sehr zestig und klar. Ein tolles Produkt und eine absolute Alternative für Freunde der Blutorange zu den bisherigen Platzhirschen. Naja, und wenn ich schon einmal da war, kostete ich auch nochmal die Himbeere aus dem Sherryfass. Auch wenn ich sie schon kannte. Sie schmeckt mir aber einfach sehr gut. Memo an mich selbst: Muss auch noch in meinen Schrank einziehen!

LantenheammBlutorange 1
Lantenhammer Blutorangen Geist

Gin

Das Angebot war selbstverständlich auch beim Gin sehr breit aufgestellt. Mein Interesse richtete sich jedoch zunächst auf zwei alkoholfreie Varianten. Eine Messe ist ein geeigneter Ort, um solche Produkte zu kosten. So muss man sich nicht zu Hause eine Flasche aufmachen und sie dann aufgrund der kurzen Haltbarkeit extrem schnell austrinken. So habe ich zwei Vertreter dieser Kategorie gekostet. Als Erstes den The Dukes Entgeistert. Gewürz- und Kräuterdestillate werden mit Zitronensäure und 20 Gramm Waldhonig vermählt.

Im Gespräch erzählte man mir, dass die Haltbarkeit des Produkts gegenüber den Mitbewerbern erhöht sei, das wäre ja sehr erfreulich für die Homebartender. Bio-Qualität hat der Duke auch noch. Geschmacklich hat er mir erstaunlich gut gefallen, schön kräutrig mit einer guten Dosis Wacholder und Zitrus, gibt sicher auch eine schöne Basis um ihn nur mit Soda anstatt mit Tonic zu trinken.

DukesentgeistertBCB

Der zweite Vertreter aus dieser Gattung war der Boar GNZERO. Ich mag ja den Boar Gin sehr, auch die fassgelagerte Variante. Also interessierte mich natürlich auch der Vergleich bezüglich der Aromatik. Auch der Boar ist in Bio-Qualität produziert und soll laut dem Hersteller durch ein eigens entwickeltes Verfahren zur Aromenextraktion hergestellt werden.

Anders als der The Duke ist der Boar nicht gezuckert. Aromatisch trifft kräftiger Wacholder auf Lavendel, Thymian, Zitrus und Koriander. Eine schöne frische Geschichte mit einem durch den Lavendel leicht erdigen Unterbau. Den Trüffel aus dem Boar Gin konnte ich jedoch nicht ausmachen, wahrscheinlich wurde dieser durch den Lavendel ersetzt. Beim Boar ist die Haltbarkeit klassenüblich mit drei Wochen angegeben. Mit Tonic und einer Limettenzeste wurde der Drink extrem limettig und frisch, sicherlich ganz lecker, aber es blieb erstaunlich wenig vom Boar übrig. Ohne Zeste paste das meiner Meinung nach deutlich besser.

Am Ende kam dann doch noch ein normaler Gin dazu. In den sozialen Netzwerken ist man ja in den letzten Monaten nicht am Sir Edmond Gin vorbei gekommen, so präsent war er in diesen. Und zugegeben interessiert hat er mich tatsächlich. Gin mit Vanille, das klang für mich vielversprechend, auch wenn es eigentlich ein eher untypisches Botanical für Gin ist. So gut wie nicht destillierbar, färbt bei der Mazeration die Spirituose und möchte sinnvoll dosiert werden. Auch das Pairing mit den klassischen Botanicals stelle ich mir kompliziert vor, das machte mich neugierig wie das wohl umgesetzt wurde.

Das man keinen Standard-Gin mit einer zusätzlichen Vanillenote herstellen sollte dachten sich die Entwickler wohl auch. Also wurde ein New Western Gin bei der bekannten niederländischen Brennerei Herbert Jansen in Schiedam destilliert, der nicht vom Wacholder dominiert wird. Vielmehr ergibt sich aus den Botanicals Wacholder, Zimt, Angelikawurzel, Kardamom und Ingwer eine Spirituose die eher an ein leicht würziges, aber weniger süßes, Dessert erinnert mit einer leichten Ingwerschärfe am Gaumen. Die Vanille dominiert alle Aromen und wird aber trotzdem nicht penetrant oder muffig.

Klar, einen richtigen, wacholderliebenden Gin-Enthusiasten lockst du damit sicher nicht hinter dem Ofen vor. Aber mir hat er sehr gut geschmeckt. Auch das cremig-weiche Mundgefühl fand ich super. Im Drink habe ich ihn nicht gekostet, gehe aber davon aus, dass er einen gigantisch guten Espresso Martini oder auch Pornstar Martini abliefert. Eine leichte goldene Verfärbung ist durch Mazeration der Vanille nach der Destillation beim genaueren Hinsehen doch zu sehen. Das war mir bisher auf Fotos nicht aufgefallen.

Andere Spirituosen

Ganz besonders gespannt war ich auf die neuen Bitter-Aperitive von Stephan Hinz. Alle drei Varianten konnten auch auf der Messe probiert werden. Ich habe aber nur den Camela gekostet, weil mich das Flavouring bestehend aus Zitrone, Granatapfel, Bitterorange und Safran am meisten angesprochen hat. Und ich muss sagen, dass es ein sehr ansprechendes Produkt geworden ist. Sehr fruchtig, ein wenig scharf und doch auch süß. Eine ideale Cocktailzutat um eine orientalische Note in einen Drink zu bekommen. Die anderen beiden muss ich bei Gelegenheit unbedingt noch einmal nachholen!

In der Vor-Recherche der Aussteller fiel mir bereits der O/Purist Tsipouro ins Auge. Ein griechischer Tresterbrand, der von 10 Bartendern für Bartender entwickelt wurde. Vom Griechen um die Ecke kenne wir ja alle Ouzu, der dort in rauen Mengen ausgeschenkt wird. Von einem Griechen haben wir aber einmal erfahren, dass in Griechenland jedoch eher Tsipouro und Mastiha getrunken wird. Also wurde es Zeit dieser grappaähnlichen griechischen Spezialität etwas näher zu kommen.

Für den O/Purist werden die regionalen Rebsorten Malagousia, Roditis und Ugni Blanc, in Column Stills destiliert. Und zwar jede Sorte einzeln. Nach einer Reifezeit von einem halben Jahr werden diese dann verblendet und mit allerlei Botanicals vermählt und erneut destilliert. Unter den Botanicals befinden sich zum Beispiel Carob, Quitten, Heidelbeeren, Birnen, verschiedene Kräuter wie Anis und Fenchel und auch Zwiebel. Klingt abgefahren und schmeckt auch so. Trauben- und Fruchtnoten spielen mit Mineralien, Würze und Brotaromen.

Am Stand von 1423 World Class Spirits wurde von Nina Vorster und Fabian Hess wieder fleißig gemixt und Rum in rauen Mengen ausgeschenkt, so kennt man die beiden. Der Star des Stands war aber diesmal ein neuer Whiskey, denn die mittlerweile schon sehr breite Rammstein-Spirituosen-Range wurde um einen irischen Whiskey erweitert.

Und das war meine kurze Reise über den Bar Convent. Natürlich gab es noch extrem viel mehr zu entdecken und auch noch ein paar kleine Samples zum Mitnehmen, das heißt es wird auch in den nächsten Wochen noch ein paar Vorstellungen hier im Blog geben. Und in 11 Monaten steht ja dann auch schon wieder der nächste Bar Convent vor der Tür!

Cheers!

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