Ich liebe Kaffee. Auch in Bars trinke ich sehr gern zu fortgeschrittener Stunde Kaffee. Auf die Idee, einen Espresso Martini zu bestellen bin ich jedoch nie gekommen. Bis zum Oktober 2019. Bei einer Tour durch verschiedene Berliner Bars bekam ich in unserer zweiten Lokalität, zum ersten Mal überhaupt, einen Espresso Martini in die Hand gedrückt. Ein Drink, der zu diesem Zeitpunkt nicht richtiger hätte sein können. Ein tolles Aroma von frischem Espresso, eiskalt und kein bisschen anstrengend oder nervig. Ein toller und auch einfacher Drink, der mich komplett abgeholt hat.

Ein Espresso Martini besteht im Original aus Kaffee, Likör und Schnaps. Während man bei den meisten Cocktailklassikern verschiedene Geschichten zu deren Entstehung recherchieren kann, ist sie bei diesem Neo-Klassiker ganz klar. Dick Bradsell kreierte den Cocktail 1983 in der Soho Brasserie in London. Ein nicht weiter benanntes, aber heute weltbekanntes Model habe einen Drink mit den Worten „who will wake me up und fuck me up“ bestellt.

Zunächst wurde der Drink „Pharmaceutical Stimulant“ dann „Wodka Espresso“ getauft, in den 90ern wurde aus ihm der Espresso Martini. Wobei der Drink mit einem klassischen Martini nicht viel gemeinsam hat. Außer dem Wodka. Und das Martiniglas in dem er serviert wird. Mit Blick auf einen klassischen Martini, natürlich mit Gin, bleibt nur das Glas.

Der Espresso im Martini

Ganz traditionell kommt hier Espresso (40 ml) zum Einsatz. Häufig wird dieser direkt gebrüht, noch heiß, in den Shaker gegeben. Beim Kaffee sollte auf eine gute Qualität geachtet werden, da dieser den wesentlichen Geschmack des Drinks bestimmt. Frisch gemahlen gibt die besten Aromen. Ein Besuch bei einer kleinen lokalen Rösterei lohnt sich hier. Ansonsten kann man hier seinen Vorlieben folgen. Ich besitze keine Espressomaschine und nehme kräftigen Cold Brew Kaffee oder Kaffee aus einem Mokkakocher, die Bohnen male ich frisch und war immer zufrieden mit den Ergebnissen.

Likör und Wodka

Neben dem Espresso ist der Likör die geschmacklich dominanteste Zutat. Standardgemäß wird hier zu Kahlua gegriffen, ein grundsolider Kaffeelikör mit einem kräftigen Kaffeegeschmack und schöner Textur. Kahlua ist auch der Likör der Wahl im Rezept der International Bartenders Association (IBA). Der Likör stellt eine sehr gute Möglichkeit dar, seinen eigenen Geschmack in den Drink zu bekommen, da eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Kaffeeliköre erhältlich sind. Mit geringerer Süße und einem sehr deutlichem Kaffeearoma hat mich Mr. Black Kaffeelikör* überzeugt. Der vielleicht beste Kaffeelikör, aber auch einer der teuerrsten. Ebenso hat mir der Cops Kaffeelikör* sehr zugesagt, dieser bringt durch Auszüge der Kolanuss eine eigene Facette in den Drink und ist deutlich günstiger als der Mr. Black. Ich ergänze meinen Espresso Martini noch sehr gern mit Cacao Bitters und ein wenig Haselnuss-Geist. In verschiedenen Bars kommt auch zusätzlich Galliano zum Einsatz, da dieser noch eine schöne Vanillenote liefert. Wer es gern kakaoig hat greift zu Dutch Cacao* oder Mozart Black*.

Kaffeelikör
Mr. Black und Cops Kaffeelikör

Der Wodka dient in erster Linie, um Alkohol in den Drink zu bekommen. Es sollte keinesfalls ein sehr billiger sein, das französische Edelprodukt muss es aber auch nicht sein. Sicher kann man auch hier mit der Spirituose sehr gut experimentieren. Im Hamburger Chug Club serviert man ihn natürlich mit Tequila anstatt Wodka. Simon Difford benennt Ketel One* in seinem Rezept. Auch Rum ist in diesem Drink sehr gut vorstellbar, wie man hier in unserem Beitrag über die Spiced-Rum-Marke Dead Man’s Fingers nachlesen kann.

Espresso Martini: Das Rezept

Die International Bartenders Association empfiehlt die Zubereitung mit 50 ml Wodka, 30 ml Kahlua* und einem Espresso. Bei Bedarf kann noch Zucker ergänzt werden. Mein Rezept lautet: 40 ml Wodka, 40 ml Kaffeelikör, 40 ml Espresso, 10 ml Haselnussgeist, 2 Dash Chocolate Bitters. Das Ganze füllt ihr mit sehr viel Eis in einen Shaker und schüttelt ohne Ende. Dann gießt ihr den Drink durch einen Strainer in ein Martiniglas oder Coupette.

Espresso Highball

Highball

Vor ein paar Wochen stand ein Rum-Tasting im privaten Kreis an. Auf meinem Schrank stand noch eine Flasche Mr. Black Kaffeelikör und ich hatte spontan Lust auf einen Espresso Martini. Leider hatte ich im Vorfeld keinen Cold Brew Kaffee vorbereitet, aber dafür war ich noch im Besitz von 2 Flaschen Thomas Henry Coffee Tonic. Beim Thomas Henry Coffee Tonic handelt es sich um ein Tonicwater, bei dem kräftige Tonicnoten auf Cold Brew Kaffee treffen. Ich wollte schon länger mal einen Longdrink damit mixen, bin aber nie dazu gekommen. Also schnappte ich mir diese Flaschen, plus Bitter, und eilte los.

Am Ort der Verkostung angekommen kostete ich als Erstes das Tonic. Ich war sehr positiv überrascht, das Tonic hatte ein sehr schönes Kaffeearoma, aber auch eine gewisse Würze mit einer angenehmen Spritzigkeit und Säure. Also mixte ich mir 40 ml Mr. Black, 2 Dash Cacao Bitter und einen Spritzer Limette in einen Shaker. Selbstverständlich kann man den Drink auch direkt im Glas auf Eis bauen, aber ich mag Schaumkronen! Dann gab ich Eis hinzu und schüttelte wie verrückt. Das Ganze hab ich dann in ein mit Crusheis gefülltes Longdrinkglas abgeseiht und mit Thomas Henry Coffee Tonic aufgefüllt. Fertig!

Auf den Wodka habe ich bei diesem Drink ganz bewusst verzichtet. Es war noch früh und ein Low ABV Drink ist oft ein guter Einstieg in einen langen Abend. Vorallem wenn er Kaffee enthält.

Transparenz-Hinweis: Uns wurde eine Flasche Mr. Black und Co’Ps vom Hersteller oder Importeur zur Verfügung gestellt. Es gab und gibt weder Verpflichtungen noch irgendwelche Bearbeitungen dieses Inhalts durch die Hersteller.

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