Auch 2025 hatten wir wieder einiges im Glas, auch wenn wir, zumindest mit Tests auf diesem Blog, weniger aktiv als in den Vorjahren waren. In diesem Jahr hat uns leider ein wenig die Zeit gefehlt, alles auf das digitale Papier zu bringen. Unser Jahresrückblick für das Jahr 2025:
Dafür waren wir mehr auf Messen unterwegs und haben die Tarona in Erfurt, das Armagnac Festival in Stuttgart, das German Rum Festival in Berlin, den Barconvent Berlin und die gelungene Premiere der Whiskylive Deutschland in Hamburg besucht und viele gute Gespräche mit neuen, aber auch alten Bekannten geführt. Jede dieser Messen hatte ihren ganz eigenen Charme.
Im März zogen wir mehrere Tage in Hamburg durch die Bars. Direkt zu Hause gefühlt haben wir uns im Nick & Nora. Eine relativ neue Bar im Speakeasy-Stil – dunkel, mit indirektem Licht und einem Schallplattenspieler für die passende Atmosphäre. Der Bartender aus Berlin setzt einen starken Fokus auf Agaven-Spirituosen. Dort hatte ich dann auch meinen bisher besten White Mezcal Negroni. Fabelhaft!

Rum
Wie jedes Jahr macht der Rum den Anfang. Wir haben dieses Jahr weniger in der Breite, dafür über ausgesuchte Abfüllungen und Marken berichtet. Auf dem German Rum Festival haben wir Nina Vorster wieder zurück im Business begrüßt, die nun mit ihrer Marke Jack Crap Spirits Marken wie Honest, Dos Mares Rum, Ron Artesano und Yoshi Nama Gin vertreibt. Wir sind gespannt wie die Entwicklung weiter geht.
Rum, ungelagert
Platz 1: Honey Batcher Double Origins
Der Honey Batcher Double Origins ist eine dauerhaft verfügbare, ungelagerte Rumabfüllung, die erstmals auf dem Bar Convent Berlin vorgestellt wurde. Anders als klassische Single-Cask-Releases handelt es sich um einen Blend aus zwei Herkunftsregionen: etwa 60 % jamaikanische Rums und 40 % australischer Pot-Still-Rum aus der Killik Distillery.
Der jamaikanische Anteil stammt aus bekannten Brennereien wie Hampden Estate, Worthy Park und Clarendon Distillery, wobei Clarendon mit leichterem Kolonnenbrand für Balance sorgt. Abgefüllt wird der Blend ungelagert, ohne Zucker oder Farbstoffe und mit 58 % vol. Alkohol.
Sensorisch zeigt sich der Double Origins fruchtbetont und intensiv: In der Nase dominieren erdbeerige, marmeladige Noten, Vanille sowie typische jamaikanische Ester- und Tropenfruchtaromen. Am Gaumen wirkt der Rum etwas gezügelter, mit ölig-weicher Textur und klarer Frucht, bevor ein fruchtig-süßer, lang anhaltender Abgang folgt. Insgesamt ist die Abfüllung klar auf Mixability ausgelegt und eignet sich besonders gut für kraftvolle Cocktails.
-85 Punkte-
Platz 2: Famille Ricci “Divergence N°1”
Diese Abfüllung ist ein Blend aus 75 % Grogue Tarrafial Graciano von den Kapverden und 25 % jamaikanischem Rum aus der Hampden Distillery. Abgefüllt wurde sie mit 55 % vol., der Preis liegt bei 50 €, womit sie klar als kraftvoller, aber noch zugänglicher Weißrum positioniert ist. In der Nase dominieren typisch jamaikanische Ester mit reifer Banane, Ananas und fermentierten Tropenfrüchten, ergänzt durch eine frische, leicht grasige Note und etwas Zitrus. Der Alkohol ist präsent, bleibt aber kontrolliert. Am Gaumenzeigt sich der Rum kräftig und direkt, zugleich erstaunlich gut eingebunden: Banane, Mango und ein Hauch grüner Apfel treffen auf weiße Pfeffer- und Ingwerwürze, die Struktur und Spannung erzeugt. Der Abgang ist mittellang, fruchtig-würzig und endet mit einem dezenten, funkigen Hampden-Nachhall.
-80 Punkte-

Platz 2: Lord Byron Fire Cane Spirit Overproof
Die Lord Byron Distillery ist ein familiengeführter Betrieb im australischen Küstenort Bayron Bay. Zuckerrohr aus unmittelbarer Umgebung, eigenes Wasser, die Wiederverwertung von Bagasse und Dunder sowie kurze Wege bilden einen geschlossenen ökologischen Kreislauf, der bewusst auf industrielle Zusätze verzichtet. Die Fermentation dauert bis zu zehn Tage. Destilliert wird auf kupfernen Brennblasen aus Portugal (zwei Pot Stills und eine Hybrid-Still), bevor der Brand ungelagert mit 63 % vol. abgefüllt wird.
Sensorisch zeigt sich der Overproof ausgesprochen eigenständig: In der Nase dominieren Karamell und intensive vegetale Aromen, fernab klassischer karibischer Frucht, ergänzt durch Vanille und umamiartige Anklänge, die an Baijiu erinnern. Am Gaumen wirkt der hohe Alkohol kraftvoll, aber überraschend gut integriert. Süße Zuckerrohrnoten, würzige Melasseassoziationen, salzige Akzente sowie Gras, Kräuter, Sellerie, Ingwer und Pfeffer erzeugen Tiefe und Spannung. Der Abgang ist lang, würzig-salzig, vegetabil und von umamihafter Intensität geprägt, mit mentholischer Frische im Nachhall.
-80 Punkte-
Nicht mehr auf den Blog hat es der Skunk Rum geschafft, er steht aber ganz auf der Liste für 2026. Der weiße Rum stammt aus Dänemark und zeigt, dass Rumproduktion längst über die Karibik hinausgeht. Inspiriert vom Stil jamaikanischen Rums basiert er auf unbehandelter Melasse und wird in Europa destilliert. Wir haben ihn hochprozentigen Overproof verkostet. Sensorisch präsentiert er sich intensiv, fruchtig, mit Anklängen von Mango, Banane und Karamell sowie deutlicher Alkoholpräsenz.
Rum, gelagert
Platz 1: Precious Liquors x The Bottle Shop Long Pond 2005 VRW
Die „Precious Liquors x The Bottle Shop Long Pond 2005 VRW“-Abfüllung ist ein herausragender Single-Cask-Rum aus der legendären Long-Pond-Brennerei in Jamaika, der 2005 im VRW-Mark (Vale Royal Wedderburn) auf einer Double-Retort-Pot-Still destilliert wurde und nach 12 Jahren tropischer Reifung zunächst nach Europa kam, wo er weitere 8 Jahre in einem Ex-Bourbon-Fass lagerte. Er wurde in Fassstärke mit 64,7 % vol. abgefüllt, war mit einem Preis von rund 140 Euro äußerst attraktiv und ist inzwischen vergriffen.
In der Nase zeigt sich ein intensives, fermentativ geprägtes Profil mit Aceton, Kokos und Süße, das sich mit Luft zu exotischen Früchten, Oliven, Papaya sowie tabakigen, ledrigen und rauchig-vegetalen Noten entwickelt. Am Gaumen wirkt der Rum ölig und komplex: zunächst dunkel-würzig mit Lack, Lakritze und Espresso, dann zunehmend fruchtig mit kandierten Zitrusfrüchten, Ananas, Karamell und Kokos, getragen von gut integrierter Eiche, Vanille und Honig. Der Abgang ist lang, trocken und mineralisch geprägt, mit Bitterschokolade, Eukalyptus und Leder. Der Rum ist extrem Komplex und aromenreich. Das Preis-Genuss-Verhältnis war sehr gut, was erklärt, warum sie so schnell vergriffen war.
-91 Punkte-

Platz 2: Wu Dram Clan Barbados 2007 (Foursquare Distillery)
Der Wu Dram Clan Barbados 2007 zählt zu den markanteren unabhängigen Rumabfüllungen des Jahres 2025. Destilliert in der Foursquare Distillery im Jahr 2007, reifte der Rum zunächst 12 Jahre unter tropischen Bedingungen auf Barbados und anschließend weitere 6 Jahre kontinental in England. 2025 wurde er in Fassstärke mit 59,5 % vol., ohne Zuckerzusatz und ohne Filtration, auf lediglich 244 Flaschen abgefüllt.
In der Nase zeigt sich ein dichtes, klassisches Foursquare-Profil mit Vanille, getoasteter Eiche, Karamell, Orange und Kokos, ergänzt durch mokaartige und leicht lösungsmittelige Reifearomen. Am Gaumen ist der Rum kraftvoll, ölig und strukturiert, mit dunklem Zuckerrohr, Datteln, Gewürzen, Vanillemark sowie Espresso- und Kakao-Noten, getragen von trockener Eichenwürze. Der lange Abgang verbindet süßliche Vanille- und Toffeeanklänge mit Pfeffer, dunkler Schokolade und einer subtil salzig-mineralischen Note.
-87 Punkte-
Auf dem dritten Platz folgt, mit 85 Punkten, der Planteray One Time Trinidad 2003. Ein wunderbar balancierter Trinidad-Rum mit den typischen Noten, der Charakter und Kraft trotz der vermuteten Verdünnung vereint. Das Cognac-Finish wirkt fein dosiert – es bügelt nichts glatt, sondern rundet die Kanten behutsam ab. Für rund 65 Euro ein ausgesprochen starkes Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Altersklasse und Kategorie.
Knapp dahinter folgt der Killik Gold Aged Rum aus Südaustralien mit 84 Punkten. Der Killik Gold Aged ist kein klassischer Rum im Sinne der großen karibischen Vorbilder, sondern eine australische Interpretation. Aromatisch wandelt er zwischen Jamaika und Reunion. Ebenfalls 84 Punkte sammelte der lange tropisch gereift Worthy Park WPL 17 years von Wolfgang Klotz Spirits.
Direkt zu Beginn des Jahres überzeugte der English Harbour High Congeners 2nd Release 2014 mit 83 Punkten. Ein wunderschöner Rum mit einem sehr guten Preis-Genuss-Verhältnis. Erinnert an einen Mix aus Foursquare und der Travellers Brennerei mit einem ausgeprägten Bourbonfassaroma.
Im März brachte Hampden den Hampden 1753 auf den Markt. 82 Punkte bekam er bei uns im Test. Dieser noch junge Jamaikaner zeigt sich überraschend mild und zugänglich, ohne die typischen Markenzeichen der Brennerei zu verlieren. Der mittlere Estergehalt macht ihn zu einem gelungenen Kompromiss: einsteigerfreundlich genug, um nicht mit übermäßigem Funk zu überfordern, zugleich aber komplex genug, um auch erfahrene Rumtrinker bei der Stange zu halten.
Überrascht haben uns im Herbst die beiden Abfüllungen Killowen Spectrum I & II. Einem Highester Rum aus der kleinsten Brennerei Nordirlands. Das besondere ist die Reifung in zwei komplett unterschiedlichen Fässern. Ein Rum reifte in einem Sauternes Cask, der zweite in einem Coffee Stout Cask, das zuvor mit einem Peated Whiskey der Brennerei vorbelegt war.
Ein absolutes Highlight war auch die Messe-Abfüllung vom Rumdepot: ein Trinidad-Blend der in kleinster Auflage nur auf dem German Rum Festival verfügbar und binnen kürzester Zeit ausverkauft war.
Rhum / Agricole
Platz 1: The Virtues – Charity Rhum Agricole Savanna 2008–2024
Die Abfüllung „The Virtues – Charity“ Rhum Agricole Savanna 2008–2024 gehört zu den profiliertesten limitierten Rum-Releases des Jahres 2025. Sie eröffnet die neue Serie The Virtues, die der unabhängige Abfüller Distilia gemeinsam mit Rob Bauer entwickelt hat und die konzeptionell an die frühere The Sins-Reihe anknüpft. Destilliert wurde der Rum im August 2008 aus frischem Zuckerrohrsaft in der Savanna Distillery auf La Réunion. Nach 15 Jahren tropischer Reifung in einem Ex-Cognac-Fass erfolgte im Mai 2024 die Abfüllung in Fassstärke mit 68,3 % vol., ohne Zusätze und als streng limitiertes Single Cask mit nur 113 Flaschen. Sensorisch zeigt sich der Charity äußerst dicht und reif: In der Nase dominieren dunkle Holznoten, karamellisiertes Zuckerrohr, Lakritz, reife tropische Früchte und Schokolade. Am Gaumen verbindet er trotz hoher Alkoholstärke Fruchtsüße und intensive Holzprägung mit Zitrus-, Steinfrucht- und floralen Nuancen. Der lange, komplexe Abgang ist von Leder, Tabak, Zitrusschalen und Sandelholz geprägt.
-93 Punkte-
Platz 2: The Sins – Sloth
The Sins – Sloth steht exemplarisch für die kompromisslosen, handwerklich geprägten Rum-Abfüllungen des Jahres. Die sechste Edition der The-Sins-Serie basiert auf einem 2012 destillierten Rum von Marie-Galante, der nach 13 Jahren tropischer Reifung im Ex-Bourbon-Fass in Fassstärke abgefüllt wurde. Mit lediglich 185 Flaschen und einer klaren Sammlerpositionierung richtet sich die Abfüllung an erfahrene Genießer.
Hergestellt aus frischem Zuckerrohrsaft, langer Fermentation und einer ungewöhnlichen Pot-Still-Destillation, verbindet Sloth intensive Aromen mit bemerkenswerter Eleganz. Aromatisch zeigt er reife Frucht, florale und nussige Nuancen, feine Holzwürze und Rancio-Anklänge, die in einem langen, trockenen Abgang ausklingen.
-93 Punkte-
Mit 84 Punkten konnte uns der Oaks & Âmes Hors d’Âge überzeugen. Der Oaks & Âmes Hors d’Âge bewegt sich stilistisch zwischen Rhum Agricole und klassischem Rum. Zwar basiert er auf Zuckerrohrsaft, doch Fermentation, Destillation und Fassmanagement orientieren sich stärker an melassebasierten Rumstilen. Das Ergebnis ist ein reifer, handwerklich geprägter Rum mit aromatischer Tiefe.
Mit dem Scaramanga fanden wir auch einen neuen ungelagerten Agricole an dem wir viel Freude hatten. Der Scaramanga ist ein Agricole-Rum aus Guadeloupe, komponiert als Blend aus Agricole-Destillaten dreier Brennereien. Der Rhum verbindet unterschiedliche Terroirs und Brenncharaktere. Aromatisch bietet er grüne Kräuter, Zuckerrohr, Zitrusschalen und eine feine pfeffrige Schärfe.
Whisky
Platz 1: The Sins – Envy – Springbank 1994
Der „The Sins – Envy – Springbank 1994“ ist eine streng limitierte Single-Cask-Abfüllung innerhalb der The Sins-Reihe und thematisiert die Todsünde Neid. Ausgewählt wurde bewusst ein 30 Jahre alter Single Malt aus der traditionsreichen Springbank Distillery, einer der letzten vollständig handwerklich arbeitenden Brennereien Schottlands. Der Whisky wurde 1994 in Campbeltown destilliert und reifte drei Jahrzehnte in einem Refill-Sherry-Fass, bevor er 2024 mit 48,6 % vol. in Fassstärke abgefüllt wurde. Mit rund 112 Flaschen war die Edition bereits vor Veröffentlichung ausverkauft.
Sensorisch zeigt Envy eine Balance aus sanftem Rauch und reifer Fruchtigkeit. In der Nase verbinden sich dezente Torfnoten mit Bergamotte, Yuzu, Honig, Vanille und Anklängen von frischem Roggenbrot. Am Gaumen wirkt der Whisky elegant, mit gut integriertem Rauch, Zitrusfrische, minzigen Akzenten und balsamischer Holzwürze. Der lange Abgang führt Rauch und Frucht harmonisch zusammen.
-93 Punkte-
Platz 2: Wu Dram Clan Glen Garioch 2003/2024
Der Wu Dram Clan Glen Garioch 2003/2024 ist eine charakterstarke Single-Cask-Abfüllung eines klassischen Highland Single Malts. Destilliert im Jahr 2003 in der Glen Garioch Distillery, reifte der Whisky 21 Jahre lang in einem First-Fill-Oloroso-Sherry-Fass und wurde 2024 in Fassstärke mit 53,9 % vol. abgefüllt. Die Edition umfasst 681 Flaschen, teils exklusiv für den deutschen Markt.
Sensorisch zeigt sich der Whisky tief und sherrybetont. In der Nase dominieren oxidativ geprägte Trockenfrüchte wie Rosinen, Pflaumen und Kirschen, ergänzt durch dunkle Schokolade, Honig und frische Zitrusnoten, bei sehr gut eingebundenem Alkohol. Am Gaumen wirkt er weich, ölig und ausgewogen, mit Kakao, gerösteten Nüssen, getrockneten Früchten und karamelliger Vanille. Der lange, trocken-würzige Abgang bietet Eiche, kandierten Zitrusschalen, Leder und eine feine Bitterkeit.
-90 Punkte-
Ebenso faszinierend waren der 20-jährige Springbank aus der Awakening Serie vom Whisky Druide für die Whiskylive Deutschland und der Cotswolds aus dem Rumfass, den wir auf der gleichen Messe probieren konnten, aber nicht als Test auf dem Blog hatten.
Der Springbank 20 Years aus der limitierten Awakening Series ist ein Campbeltown-Single-Malt, abgefüllt von Best Dram für Kirsch Import, mit 54,6 % vol. aus einem 1st-Fill Oloroso Sherry Hogshead. Der Whisky zeigt sich als kraftvoller, sherrybetonter Malt. In Nase und Gaumen dominieren dunkle Früchte, Schokolade, Nüsse und Leder, getragen von Würze und dezentem Torfrauch.
Der Cotswolds Rum Cask ist ein limitierter englischer Single Malt mit 55,6 % vol., gereift in französischen Eichenfässern, die zuvor karibischen Rum beherbergten. Der Cotswolds präsentiert sich fruchtig-süß und zugänglich: Rumrosinen, Vanille und brauner Zucker treffen auf reife Birne, Butterkeks und sanfte Eichenwürze. Vollmundig, weich und ausgewogen, mit einem angenehm fruchtigen, leicht würzigen Finish.
In der Rubrik deutscher Whisky durften wir uns auf einem Blending-Workshop von den Fassstärke-Qualitäten von Stork Whisky überzeugen und am Ende unseren eigenen Blend erstellen. Die Stork-Abfüllungen gab es natürlich auch zu kosten.
Weinbrand
Die Weinbrände sind nach den vorangegangen Jahren weniger präsent gewesen. Das was wir getestet haben, war aber durchgängig von sehr hoher Qualität.
Cognac
Platz 1: The Sins – Vanity
Der „The Sins – Vanity“ ist eine der elegantesten Abfüllungen der The Sins-Reihe und zählt zu den herausragenden Spirituosen-Releases des Jahres. Es handelt sich um einen Vintage-Cognac aus dem Hause Lhéraud aus der Petite Champagne, der 1980 aus Ugni-Blanc-Trauben destilliert und anschließend 44 Jahre in französischer Eiche gereift ist. Die Abfüllung erfolgte 2025 in Fassstärke mit 46,3 % vol., ohne Zusätze, streng limitiert auf 188 Flaschen.
In der Nase verbinden sich exotische Früchte wie Mango und Papaya mit Bratapfel, Zitrusschalen, Rosinen sowie teigigen Noten, getragen von fein integriertem Holz mit Anklängen von Milchschokolade und Nüssen. Am Gaumen wirkt der Cognac reif, harmonisch und tief, mit eingelegten Pflaumen, Karamell, feiner Würze und einer eleganten Bitterkeit, die an schwarzen Tee und Zartbitterschokolade erinnert. Der lange Abgang vereint Frucht, edles Holz und subtile Bitterkeit zu einem sehr ausgewogenen, klassischen Gesamteindruck.
-95 Punkte-


Platz 2: Journal des Kirsch 8 – Rémi Landier L72–73 Très Vieux Fins Bois Cognac
Der Rémi Landier L72–73 – Journal des Kirsch N.8 ist das achte Kapitel der Journal des Kirsch-Serie von Kirsch Import und vereint zwei sehr alte Cognacs aus den Jahrgängen 1972 und 1973. Beide stammen aus der Fins Bois-Cru der Charente und wurden zunächst getrennt in 450-Liter-Fässern aus Allier- und Limousin-Eiche gereift, bevor sie vermählt, lange trocken gelagert und ab 2012 in Glasballons weiterentwickelt wurden. Die naturbelassene Abfüllung erfolgte 2024 in Fassstärke mit 52,5 % vol., limitiert auf rund 150 Flaschen.
Sensorisch zeigt sich der Cognac ausgesprochen vielschichtig und reif. In der Nase verbinden sich helle Steinfrüchte wie Birne, Pfirsich und Aprikose mit mineralischen Anklängen, Traubenmost und feinen Wachsnoten. Am Gaumen entwickelt er eine überraschend tropische Tiefe mit Kokosnuss, Mandelmousse, Maracuja und reifer Mango, getragen von Nougat- und Vanilleakzenten. Insgesamt präsentiert sich der L72–73 als äußerst dichter, eleganter Cognac mit ausgeprägtem Reifecharakter und bemerkenswerter aromatischer Frische.
-93 Punkte-
Kurz vor Jahresende füllte Nicolas Kröger einen Lheraud-Blend für die The Spirit Traveller-Reihe ab (92 Punkte). Und sicherte sich damit den 3. Platz in diesem Jahr. Der Spirit Traveller No. 7 ist ein Cognac, der Klarheit und Reife überzeugend verbindet. Fruchtige Frische, sanfte Würze, dezente Süße und eine sehr fein integrierte Holznote greifen harmonisch ineinander.
Auch auf einem sehr hohen Niveau war der Cognac aus dem Haus Jean-Louis Pasquet aus der Awakening Serie der in unserem Test mit 90 Punkten abgeschlossen hat. Der Jean-Luc Pasquet Lot 86 ist ein weicher, fruchtiger und lieblicher Cognac.
Auf dem Armagnac Festival in Stuttgart hatten wir unzählige weitere Cognacs im Glas, auch hier stachen vor allem die Abfüllungen von Lheraud hervor. Die aromatische Sperrspitze im Lheraud-Lineup war für mich der Pineau Francois 1er Tres Rare 50ans.
Armagnac
Platz 1: Distilia x The Bottle Shop Domaine de Sancin 1989
Dieser Armagnac aus dem Jahr 1989, hergestellt aus Baco-Trauben, wurde nach 34 Jahren Fassreife in Fassstärke mit 50,12 % vol. abgefüllt. Das Fass ergab lediglich 122 Flaschen à 700 ml, mit einem Preis von 115 Euro.
In der Nase zeigt sich der Armagnac zunächst sehr intensiv mit deutlichen Klebernoten, begleitet von Rosinen, Pfeffer und Zitronenschalen. Mit Luft wandelt sich das Profil: Gewürze gewinnen an Tiefe, Rosinen werden zu Pflaumenmus, Zitrus verschiebt sich von Zitrone zu Orange, ergänzt durch schwarzen Tee. Trotz der aromatischen Wucht wirkt der Alkohol erstaunlich zurückhaltend, die Nase insgesamt schwer, reif und vielschichtig.
Am Gaumen bestätigt sich der Eindruck mit Pflaumenmus, Orangenschale und einer hervorragend eingebundenen Würze aus Zimt, Nelke und Pfeffer. Ledrige Noten und Holz sorgen für Struktur, eine leichte Bitterkeit bleibt stets kontrolliert. Der Abgang ist lang, trocken, würzig und leicht fruchtig mit feiner Säure, deutlich gereift.
-90 Punkte-
Platz 2: The Spirit Traveller No.2 -Séailles Lot 75 & 85
Der Spirit Traveller No. 2 – Séailles Lot 75 & 85 ist eine charakterstarke Armagnac-Abfüllung. Für diesen Blend kombinierte Nicolas Kröger zwei sehr alte Jahrgänge der Domaine Séailles: einen 1975er Armagnac sowie einen 1985er, der zusätzlich ein einjähriges Finish im Rivesaltes-Fass erhielt. Rund zwei Drittel des Blends entfallen auf den 1985er. Abgefüllt wurden 527 Flaschen mit 47,3 % vol. zu 99 € pro 0,5 l.
Sensorisch zeigt sich der Armagnac ausgesprochen reichhaltig und vielschichtig. In der Nase dominieren reife Trauben, Rosinen sowie würzige Noten von Piment und Vanille, ergänzt durch firnisartige Holzaromen, die an alte Möbel erinnern. Mit Luft entwickeln sich dezente Frucht- und leichte Rumanklänge. Am Gaumen stehen Rosinen, Pfeffer- und Melassewürze sowie Kakao im Vordergrund, getragen von markanter, aber gut eingebundener Holzwürze und feiner Bitterkeit. Der sehr lange Abgang verbindet Traube, Karamell und Würze zu einem eleganten, ausgewogenen Gesamteindruck.
-89 Punkte-
Untergegangen sind leider auch die Brandys von Villa Zarri. Villa Zarri ist ein traditionsreicher italienischer Brandy aus der Region Emilia-Romagna. Der Brandy entsteht aus italienischen Trebbiano-Wein, der in einer traditionellen Charentais-Kupferbrennblase destilliert wird und anschließend über viele Jahre in französischer Eiche (Allier und Limousin) reift. Den Test holen wir auf jeden Fall nach.
Brände & Geiste
Wenn auch nicht so stark vertreten trotzdem eine unserer Lieblingskategorien.
Platz 1: Distilia x The Bottle Shop Calvados Domaine De la Flaguerie 1988
Der Distilia x The Bottle Shop Calvados Domaine de la Flaguerie 1988 ist eine gereifte Einzelfassabfüllung aus der Normandie. Der Calvados reifte 35 Jahre in einem einzelnen Fass und wurde anschließend 2024 in Fassstärke mit 49,9 % vol. abgefüllt. Mit nur 70 Flaschen handelt es sich um eine extrem streng limitierte Rarität. Produziert wurde er auf der Domaine de la Flaguerie, einem bio-zertifizierten Traditionsbetrieb innerhalb der AOC Calvados Pays d’Auge, der mit vielfältigen lokalen Apfelsorten, langer natürlicher Gärung und doppelter Destillation arbeitet.
Sensorisch zeigt sich der Calvados sehr tief und reif. In der Nase verbinden sich getrocknete Apfelschalen und Apfelmost mit Walnuss, Möbelpolitur, Tabak, Quitte und Bananenbrot, getragen von würzigem, aber gut integrierem Holz. Am Gaumen entfaltet sich ein breites Apfelspektrum von frischer Schale über cidrige Säure bis zu getrockneten Apfelringen, ergänzt durch Röstaromen, Zimt, Unterholz und strukturierte Tannine. Der Abgang ist lang, trocken und würzig, bevor erneut Apfel, Vanille und süßlicher Most an Kompott erinnern. In Relation zur Qualität gilt der Preis von rund 150 € als ausgesprochen fair.
-90 Punkte-

Platz 2: Wolfgang Klotz Spirits Drouin 1988
Diese Einzelfassabfüllung von 1988 reifte 36 Jahre im Fass und wurde anschließend in Fassstärke mit 47,8 % vol. in 500-ml-Flaschen abgefüllt. Kostenpunkt: 199€.
In der Nase zeigt sich ein reifes, edel oxidatives Profil mit Apfelkompott, kandierten Orangenschalen und Zigarrenkiste, ergänzt durch rancioartige Cognac-Anklänge, gedörrte Quitte, Mürbeteig und feine Möbelpolitur. Am Gaumen präsentiert sich die Abfüllung samtig, zugleich spannungsvoll: süß-würzige Eichenwürze trifft auf reife Apfel- und Quittennoten, Streuobstwiesenmost, geröstete Mandeln, dunklen Honig und einen Hauch Lakritz. Die oxidative Tiefe bleibt stets ausgewogen und lässt der Frucht Raum. Der Abgang ist lang, warm und würzig-trocken, mit Anklängen von altem Armagnac, Walnuss und getrocknetem Rosmarin.
-89 Punkte-
Zu Weihnachten haben wir uns mit eingehend mit verschiedenen Obstbränden von der Brennerei Feller beschäftigt. Besonders fasziniert hat uns die Eberesche und der Brand von der Mandarine. Mehr dazu folgt im nächsten Jahr. Wir können aber schon Spoilern das uns die Brände sehr angesprochen haben.
Aperitif
Hier haben uns die Abfüllungen vom Mauritius Sundowner auf der German Rum Festival abgeholt. Auf dem Barconvent Berlin haben uns die Van Nahmen Sparkling Juicy Tea Abfüllungen und der alkoholfreie Carissima Aperitivo absolut überzeugt. Leider haben wir aus Zeitgründen nicht gesondert über sie berichtet.
Mauritius Sundowner
Der „Mauritius Sundowner – Rum, Tonic und Botanicals“ ist ein moderner, destillatbasierter Aperitif, der sich bewusst von klassischen Wein- oder Spritzkonzepten absetzt. Grundlage ist Rum aus Mauritius, kombiniert mit Tonic-Bitterkeit und ausgewählten Botanicals zu einem leicht perlenden Getränk mit rund 10 % vol. Entstanden ist die Serie aus einer Kooperation von Solveig Gerz (FFL – Spirit Brands), Reinhard Köhler (Best Wishes Bottled) und der Oxenham Distillery.
Die Reihe umfasst drei Varianten mit klar differenzierten Profilen:
- Gold Rum & Orange (12 Monate gereifter Pot-Still-Rum mit Orangenessenz),
- Lemongrass Rum & Holunderblüte (Zitronengras-aromatisierter Weißrum-Agricole)
- und White Rum & Bergamotte (klassisch-herber Agricole-Stil).
Gemeinsam ist allen Abfüllungen ihre frische, ausgewogene Aromatik zwischen Frucht, Bitterkeit und Rumstruktur. Mit einem Preis von etwa 20–21 € pro 0,7 l positioniert sich der Sundowner als hochwertige Aperitif-Alternative für Genießer, die Rum in leichter, zugänglicher Form erleben möchten.
Likör
Platz 1: Seven Keys Falernum
Der Seven Keys Falernum ist ein moderner Falernum-Likör auf Rum-Basis, der vom deutschen Distributor Perola eingeführt wurde und rasch Aufmerksamkeit in der Barszene erhielt. Grundlage ist ein Blend aus Rums aus Jamaika und Barbados, der mit sieben klassischen und ungewöhnlichen Gewürzen aromatisiert wird, darunter Ingwer, Mandeln, Zimt, Piment, Muskatnuss, Nelke und Tonkabohne. Abgefüllt mit 15 % vol., ohne Farbstoffe, positioniert sich der Likör preislich im moderaten Premiumsegment.
Im Tasting zeigt sich der Seven Keys Falernum klar limetten- und gewürzbetont. Am Gaumen wirkt er süß, aber ausgewogen, mit gut integrierter Würze und deutlicher Präsenz von Nelke und Limette. Insgesamt überzeugt er durch Balance und Mixability, während einzelne Aromaten wie die Tonkabohne eher subtil bleiben.

Platz 2: Chinola Liköre
Chinola ist eine Marke tropischer Fruchtliköre, die in der Dominikanischen Republik produziert werden. Alle Abfüllungen werden aus 100 % frischen Früchten hergestellt und kommen ohne künstliche Farb- oder Geschmacksstoffe aus. Die Herstellung erfolgt nach dem Prinzip „von der Plantage in die Flasche“, was für ein intensives, authentisches Fruchtaroma sorgt.
Die Chinola-Range umfasst derzeit vor allem drei fruchtige Liköre:
- Passionsfrucht-Likör
- Mango-Likör
- Ananas-Likör
Die Liköre überzeugen durch intensive Fruchtaromen, ausgewogene Süße und natürliche Säure. Sie lassen sich vielseitig in klassischen und modernen Mixgetränken einsetzen und verleihen Drinks ein sonniges, karibisches Profil.
Barzubehör
Vegg White
Vegg White ist ein pflanzlicher Eiweißersatz, der entwickelt wurde, um die funktionellen Eigenschaften von Hühnereiweiß in Küche und Bar möglichst exakt nachzubilden. Grundlage ist Aquafaba, die proteinhaltige Kochflüssigkeit von Hülsenfrüchten, die bei Vegg White standardisiert, konzentriert und mit pflanzlichen Stabilisatoren kombiniert wird. Dadurch lassen sich typische Eiweißfunktionen wie Aufschlagen, Binden, Stabilisieren und vorsichtiges Erhitzen zuverlässig reproduzieren.
Im Unterschied zu rohem Eiweiß ist Vegg White mikrobiologisch unbedenklich, frei von Cholesterin und ohne Risiken wie Salmonellenbelastung. In der Anwendung entsteht ein stabiler, feinporiger Schaum, der geschmacklich weitgehend neutral bleibt – ein klarer Vorteil gegenüber selbst gewonnener Aquafaba mit gelegentlichen Hülsenfruchtnoten. Das Produkt richtet sich nicht nur an vegane Anwender, sondern vor allem an Bars, Profiküchen und Bäckereien, die Wert auf konstante Ergebnisse, Lebensmittelsicherheit und gute Haltbarkeit legen.
Nächstes Jahr kommt dann aber voraussichtlich auch Misty Zest, von dem wir bereits auf unserem Post zum BCB berichtet haben, auf den deutschen Markt. Wir werden dann darüber berichten.
Cheers!
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