Disaronno ist eine der bekanntesten Spirituosen überhaupt. Der italienische Likör, dessen Aroma stark an Marzipan erinnert, steht als Absacker beim Italiener um die Ecke hoch im Kurs. In Bars ist die auffällige Flasche ebenso häufig vertreten – doch Drinks mit Disaronno finden sich vergleichsweise selten auf den Menükarten. Marcus Wolff will das ändern. Seit 2017 reist er als Brand Ambadssador für Disaronno durch die Bars der Bundesrepublik und beweist, dass man mit Disaronno famose Drinks zubereiten kann. Wir trafen ihn in der Hamburger Puzzle Bar zum Gespräch.

Hallo Marcus, erzähl uns doch erst einmal kurz etwas über dich. Wie wurdest du Markenbotschafter für Disaronno?

Meine Ausbildung habe ich in einem kleinen Berliner Hotel angefangen. Dabei begeisterte ich mich schnell für die Bar. Um mehr zu lernen zog ich kurz darauf nach Wien und arbeitete dort in einem 4-Sterne-Businesshotel. Hier traf ich viele der alten Granden und ich sog deren Wissen förmlich auf. Meine nächste Station war als Barchef im Hilton Frankfurt, danach ging es für mich zurück nach Berlin. Hier eröffnete ich die Bar Marques. Bis heute wahrscheinlich mein Karriere-Highlight. Von dort ging es weiter nach Stuttgart, hier startete ich bei Disaronno als Freelancer. Als 2019 der Disaronno-Vertrieb von Kammer-Kirsch zu Borco wechselte, widmete ich mich Vollzeit der Marke. Seitdem darf ich durch die Bars der Republik reisen.

Welche Marken betreust du?

Mein Schwerpunkt liegt auf Disaronno, ich betreue zusätzlich noch Tia Maria und seit Kurzem den Irish Whiskey The Busker. Und ohne zu viel aus dem Nähkästchen plaudern zu wollen: Wenn alles nach Plan läuft, steht nächstes Jahr schon das nächste Baby in den Startlöchern.

Du hast mit Busker einen Whiskey und Disaronno im Portfolio – steht auf deiner Visitenkarte nun Godfather?

Seit der Einführung des Irish Whiskey The Busker unterschreibe ich viele Emails mit The Wolff of Buskerville, aber Spaß bei Seite. In der Barwelt kennen mich die meisten nur unter “der Wolff”. Aber um zum Godfather zurückzukommen: Ich möchte diesem Drink wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. In den meisten Bars lieben sie es, einen Old Fashioned, Manhattan oder Sazerac zuzubereiten. Da passt der Godfather meiner Meinung nach prima dazu. Er ist dem Manhattan gar nicht so unähnlich, der Disaronno ist ja im Grunde eine Art Sweet Bitter.

Mit Betonung auf Sweet …

Klar, aber von den Zutaten passt er schon in die Richtung. Am Ende kommt es auf das Mischungsverhältnis an.

Disaronno ist für viele der Prototyp eines Amaretto. Dabei steht dieses Wort gar nicht auf der Flasche. Kannst du uns die Hintergründe erläutern?

Gerne. Disaronno hat die Kategorie der Amaretti gegründet, aber sieht sich heute nicht mehr darin. Und wie du richtig sagst steht es auch nicht auf der Flasche. Denn ein typischer Amaretto ist ein Mandellikör, aber unsere Flasche hat nicht eine Mandel gesehen. Stattdessen geben Aprikosenkerne, Vanille und andere ausgewählte Inhaltsstoffe den Geschmack.

Waren da früher einmal Mandeln drin?

Nein, noch nie. Disaronno besteht insgesamt aus 17 Zutaten. Die wichtigsten sind Aprikosenkerne und Vanille, die anderen 15 sind geheim. Das Rezept ist ein über viele Jahre gehütetes Geheimnis.

Ist das nicht nur eine PR-Geschichte? Heutzutage kann man die Zutaten doch kaum noch geheim halten.

Die Zutaten an sich vermutlich nicht, die werden auch andere kennen oder könnte man chemisch analysieren. Aber wie diese Zutaten am Ende genau gemischt werden ist das Geheimnis. Diese Rezeptur wird gut gehütet.

Fast jede Bar hat Disaronno, Drinks damit finden sich jedoch nur selten auf der Karte. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Disaronno hat immer noch ein Imageproblem. Wir sind da, wo der Wermut vor zehn Jahren war. Das Image ist angestaubt, nicht mehr sexy. Stattdessen arbeiten nun alle mit Portwein oder Sherry. Disaronno oder Amaretto steht in den Bars und die Barkeeper benutzen ihn nur in dem typischen Sour. Mein Job ist es, das zu ändern.

Disaronno Drink
Ospitali’ta: Ein Cocktail mit Disaronno und The Bushker Irish Whiskey, kreiert von Uwe Heine

Wir sitzen hier gerade in der Puzzle Bar, eine der renommiertesten Bars in Hamburg.

Und hier werden 2 der dauerhaft erhältlichen Drinks mit Disaronno zubereitet. Uwe Heine aus dem Jigger & Spoon in Stuttgart hat für die Gastschicht hier ebenfalls großartige Drinks mit Disaronno kreiert. Einer ist der Ospitali’ta, der aus The Busker Irish Whiskey, Disaronno, selbstgemachtem Lapsang-Schattenmorellen-Cordial, Limettensäure und Grapefruit-Limonade besteht. Wahnsinnig lecker!

Einer der berühmtesten Drinks mit Disaronno ist wohl der Morgenthaler Sour. Für euch war das doch ein unglaublicher Glücksgriff, oder?

Ja, klar. Jeffrey Morgenthaler ist ein Mega-Typ. Beim BCB kam er mal zu unserem Stand und unser halbes italienisches PR-Team ist ausgerastet. Der Drink ist auch wirklich geil. Ich bin froh über jede Bar, die Morgenthaler-Sours macht, aber für mich ist der Godfather mein Signature Drink. Er ist krass vielfältig – von rauchig bis smooth irisch. Man kann Stammgästen jedes Mal eine andere Variante mixen.

Wie trinkst du deinen Godfather eigentlich am liebsten?

Das Verhältnis Whisky zu Disaronno liegt bei drei zu drei, dann verwende ich einen vernünftigen, würzigen Scotch. Ein richtiger In-your-face-Islay ist ehrlich gesagt nicht so mein Ding, aber auch das ist möglich und findet seine Fans. Als Whisky nehme ich gerne einen Glengoyne 10, der viel Geschmack zum guten Preis liefert, wie gesagt im Drei-Drei-Verhältnis. Etwas Schmelzwasser tut dem Drink dann auf jeden Fall gut. Mit dem The Busker Whiskey (hier bei Amazon erhältlich*) würde ich im Verhältnis auf 4 cl Whiskey zu 2 cl Disaronno gehen. Beim Godfather kann man wie beim Old Fashioned auch wunderbar mit verschiedenen Bittern spielen.

Was ist der coolste Drink mit Disaronno, den du je serviert bekommen hast?

Den besten Sour hatte ich bei Arnd Henning Heissen im Curtain Club. Der Drink kam in einem normalen Tumbler, er sah aus wie ein normaler Sour. Arnd hat jedoch Brandy statt Bourbon genommen und etwas Birnensaft dazugegeben. Mega-lecker und total spannend. Ich war als Brand Ambassador auch schon auf Gastschichten von Nico de Soto und Eric Lorenz und habe da ebenfalls spektakuläre Drinks mit Disaronno getrunken. Da sehe ich immer wieder: Die Marke hat ihren Stellenwert und ihre Berechtigung. Viele Bars müssen einfach nur mutiger damit experimentieren.

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