Nicolas Kröger und seine Marke Wagemut kennen die regelmäßigen Blog-Leser mittlerweile, deswegen wollen wir ihn an dieser Stelle auch nicht noch einmal vorstellen. Was wir jedoch vorstellen wollen ist die neue Wagemut-Tastingbox. Seit diesem Jahr gibt es den Zugang zu limitierten Abfüllungen im Abo. Dazu muss man ein Member in der Selected Cask Community sein, was ab 195 Euro pro Jahr möglich ist. Ein Konzept, das man auch schon bei dem Brandenburger Whiskyunternehmen Stork kennenlernen durfte. Sozusagen Crowdfunding mit Schnaps!

Was bekommt man dafür? Als Erstes eine Flasche Wagemut PX Cask. Dazu die neueste SCC Abfüllung, bei der ein 100% Pot Still Barbade einer nicht näher benannten Destillerie mit einem ausgeprägten Kokosaroma mit einem 3-monatigen Port-Finish in Fassstärke in die Flasche gebannt wurde. Rumliebhaber ahnen sicher schon um welche Destillerie es sich handelt. Eine wahre Rarität auf dem Markt!

Völlig überraschend wohnte den beiden Flaschen eine Tastingbox bei. Optisch erinnerte sie sofort an die alte Tastingbox. Der Inhalt unterscheidet sich aber fundamental. Sie beherbergte sechs bisher unveröffentlichte Abfüllungen verschiedener Rums, allen voran der barbadischen Marke Foursquare, die allesamt mit einem eigenen Finish daherkommen. Aber nun schauen wir in die Box und fangen an zu kosten!

Wagemut Tastingset im Glas

Tasting Wagemut SSC Tastingbox

Wagemut Cask 01 – Foursquare 100% Column Still 11y + Madeira Finish 53,2%

Das Tasting startet mit einem elfjährigen 100% Column Still Rum aus der barbadischen Destillerie Foursquare. Da Nicolas erst dieses Jahr auf großer Barbados-Rum-Tour war gehe ich davon aus, dass es sich um tropisch gelagerten Rum handelt. Ich kann mich aber natürlich auch irren. In der Nähe von Hamburg erfuhr der Rum dann noch ein 3-monatiges Finish in einem Madeirafass. Ob es sich dabei um tatsächliche Madeirafässer oder, wie er gern selbst sagt, „geimpfte“ Fässer handelt, weiß ich nicht. Der Rum wurde mit 53,2% abgefüllt. Ich gehe also davon aus, dass er verdünnt wurde.

In der Nase startet der Rum erstmal relativ flach. Tief im Glas wirkt er sogar etwas „sprittig“. Die Kolonne ist definitv unstrittig. Leichte weinige Aromen und nach etwas Standzeit auch leicht süßes Gebäck bilden die Basis der Nase. Dazu zarte Fassaromen. Viel mehr können wir aber nicht finden.

Am Gaumen ist dann schon etwas mehr los. Das Finish setzt sich sofort in die Front. Madeira gefolgt von einem leicht honig-süßen Teig, Vanille und Holztanninen. Sollte der Rum verdünnt worden sein ist die angebotene Trinkstärke sehr gut gewählt, denn der Rum trinkt sich entspannt und leicht. Ein Aromenspektakel ist er aber nicht. Soll er aber auch wahrscheinlich nicht sein. Ein clever gewählter Opener für das Tasting.

-68 von 100-

Wagemut Cask 02 – Foursquare Column & Pot Still 12y + Chateau d’Yquem 61,7%

Wir bleiben bei Foursquare. Flasche zwei beihnaltet einen typischen Column/Pot Blend, der zuvor zwölf Jahre lagerte, um dann in ein Fass umzuziehen, das vorher einen Weißwein aus dem berühmten Chateau d’Yquem beherbergte. Habe ich zwar noch nie getrunken, die Bewertungen in Weinführern sprechen aber für sich. Die Abfüllstärke beträgt diesmal 61,7%. Jetzt gehts also nach einem kurzen Vorspiel los mit den Fassstärken.

Die Aromen sind in der Nase tatsächlich direkt etwas intensiver. Wieder Keksteig, Kakao, etwas Kokos und minimal Nelke. Dazu eine dezente Säure. Der Alkohol wirkt noch etwas unelegant eingebunden. So richtig holt uns das zugegeben noch nicht ab, geht aber schon in eine gute Richtung.

Beim Verkosten ändert sich jetzt endlich der Eindruck. Eindeutig Foursquare: Honig, Kokosmakronen, schöne Würze und eine angenehme ölige Textur. Das Finish? Ich sag wie es ist, ich kann es nicht schmecken. Die zarte Säure aus der Nase habe ich auf der Zunge nicht. Weßwein schmecke ich auch nicht. Dafür aber einen relativ langen alkoholischen Nachbrand. Die bereits in der Nase vermutete unelegante Einbindung des Alkohols hat es auch an den Gaumen geschafft. Nicht wirklich extrem störend, aber leider zerstört das für mich ein wenig den schönen Antritt des Rums. Etwas Zeit im Fass hätte dem Rum sicher gut getan.

-72 von 100-

Wagemut Cask 03 – Antigua Distillers Limited 6y + 50l PX Cask 55,1%

Nun geht die Reise weiter nach Antigua. Der Rum erhielt nochmal ein Finish in den typisch krögerischen PX-Casks. Abgefüllt wurde mit 55,1%.

Wir erwarten beide nicht zu viel, doch merken schnell: Oh, das gefällt uns! Eine wunderschöne „Rumnase“. Voll, schwer, Karamell, Holz, gebrannter Zucker, getrocknete Früchte, Vanille und alter Sherry. Ein bisschen „zornig“. So kann es weiter gehen.

Auf der Zunge kommt auch dieser Rum kurz etwas alkoholisch an, dann aber wird es würzig. Nelke, Pfeffer, Ingwer, gefolgt von Kakao, Rosinen, süßer Vanille und wieder Sherry- und Fassaromen. Hier hat das Holz schon erstaunlich gut gearbeitet. Der Rum wärmt auffallend gut durch den Körper. Eine angenehme Überraschung!

-77 von 100-

Wagemut Cask 04 – Foursquare Pure Pot Still 15y + Cognac-Finish 58,1%

Nun geht es wieder zurück zu Foursquare. Diesmal 100% Pot Still. Ich nehme es vorweg, diesen Rum hätte ich gern ohne Finish gekostet. Bevor er mit 58,1% abgefüllt wurde ruhte er jedoch einem Cognac-Fass.

Was für eine schöne Nase! Cognactypische Traube, die mit Kokosmakronen, getrockneten Früchten und sehr passenden Raucharomen spielt. Alles wirkt fast schon edel miteinander verbunden und nun auch butterweich in der Nase. Alkohol kann ich hier kaum wahrnehmen. Hoffentlich hält der Geschmack mit.

Das macht er! Wieder Trauben, Weihnachtsgebäck, Fassaromen und Rosinen. Die Textur ist ölig, weich und anmutig. Der Alkohol ist fantastisch eingebunden. Der Rum hat keine Ecken und Kanten. Das ist manchen sicher schon wieder ein bisschen langweilig, uns schmeckt das aber sehr sehr gut. Der Macallan der Rumwelt! Ein verdammt guter Rum, würde ich als Single-Cask-Abfüllung schonmal reservieren wollen an dieser Stelle. Die Ursprungsdestillerie ist hier zwar nur noch rudimentär mit der typischen Aromatik vertreten. Dafür ist jedoch ein Rum entstanden, der so wahnsinnig weich und trotzdem komplex ist. Sofern man ihm Zeit im Glas lässt. Für diesen Rum war das 2-cl-Sample definitiv zu wenig.

-85 von 100-

Wagemut Tastingset Jamaika Highester Finish

Wagemut Cask 05 – Jamaika High Ester 6m red wine 73,4%

Nun wird es funky! Wir reisen nach Jamaika. Immer eine gute Idee. Ein junger Highester Jamaikaner wurde sechs Monate mit einem Rotweinfass gekreuzt. Das Ganze wurde mit brachialen 73,4% abgefüllt. Die pure Essenz also. Na dann!

Unsere Nase nimmt sofort die typischen Jamaikaaromen wahr: vergorene Früchte wie Banane und Ananas. Leichte Gewürze und tatsächlich Wein. Wir vermuten von der Nase Worthy Park. Vielleicht auch als Blend mit etwas Hampden.

Auch im Mund kommt sofort die komplette Jamaikaessenz an. Und das für die ABV erstaunlich mild, das Finish „bügelt“ hier einiges glatt, lässt aber die Essenz da. Wir schmecken wieder Bananen, Trauben und noch mehr Gewürze wie Anis und Pfeffer als in der Nase. Trotz kurzer Lagerung ist auch ein Fasseinfluss vorhanden. Einer der besten jungen Jamaikaner, den ich je im Glas hatte. Das macht schon richtig Spaß und würde sich auch als große Flasche gut im Schrank machen.

-85 von 100-

Wagemut Cask 06 – Jamaika High Ester 6m peated whisky cask 71,9%

Und nochmal Highester Jamaika. Diesmal jedoch im Peated Whisky Fass. Abgefüllt wurde mit 71,9%.

Ein kompletter Kontrast zum Cask 05: Banane, Mineralien, Torf, Rauch, medizinische Ester bilden die Nase. Der Alkohol wirkt aber auch hier erstaunlich gut eingebunden.

Im Antrunk habe ich das Gefühl, einen Islay New Make zu trinken. Nicht, dass ich das schonmal im Glas hatte. Aber so stelle ich es mir vor. Früchte finde ich nur im Hintergrund, dafür wieder viele Mineralien, Torf und Salz. Ein bisschen wie ein Mixto Tequila, nur das die „Mixto“ Basis nicht Neutralkohol, sondern eben ein Islay New Make waren. Abgefahren, aber sowas von gar nicht unser Ding. Weshalb wir uns auch dazu entschieden haben den Rum nicht zu bewerten. Wir wollen ihm einfach kein Unrecht tun.

Cheers!

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