Unsere große Begeisterung für Rum dürfte euch nicht verborgen geblieben sein. Im vorangegangen Jahr haben wir uns an Fassstärken und High Ester Rum (auch Funky Rum genannt) herangewagt. Als bekannteste Rumdestination mit hohen Esteranteilen ist Jamaika bekannt, weswegen man diesen Rumstil auch häufig als Jamaika-Stil bezeichnet. Jedoch werden High Ester Rums nicht nur auf Jamaika produziert. In der Savannah Distillery auf La Reunion werden sowohl Agricole als auch Ester-Rumsorten aus Melasse produziert. Die High Ester Sorten werden hier als Grande Arome bezeichnet. Auch Martinique produziert Grande Arome Rums. Nun habe ich beim Stöbern ein meiner Meinung nach extrem spannendes Produkt entdeckt, dass ich euch in diesem Beitrag vorstellen möchte – den südafrikanischen Mhoba Rum.

Was sind Ester?

Als Ester werden spezielle chemische Verbindungen bezeichnet, die ganz besondere Duft- und Aromastoffe bilden. Ester sind natürliche Verbindungen, die bei der Fermentation der Maische durch Hefe entstehen. Es gibt lang- und kurzkettige Ester, je nach Art des Esters kann das Aroma an Ananas, Zitrus, Beeren, Äpfel oder auch Mandeln, Nüsse und Karamell erinnern. Ethylbutrat (Aroma von Ananas und exotischen Früchten) und Ethylacetat (Aroma von grünem Obst und Nagellackentferner) sind die häufigsten Vertreter bei der Rumproduktion. Die Destillation erfolgt idealerweise in einer Pot Still, da durch die geringere Rektifikation mehr dieser Esteraromen im Destillat verbleiben.

Wie bereits geschrieben entstehen Ester beim Fermentationspozess. Die Menge und Art der Ester wird durch die Reinheit und Dauer der Fermentation im Zusammenspiel mit den eingesetzten Hefen beeinflusst. Bei vielen Rumherstellern beträgt die Fermentationszeit gerade einmal 24 Stunden. Die Hampden Estate auf Jamaika, als bekanntes Beispiel für Esterbomben, fermentiert ihre Melasse zwei bis drei Wochen. Dabei kommen überwiegend „wilde“ Hefen zum Einsatz, also Hefen die bereits in der Umgebung der Maischesilos natürlich vorhanden sind.

Diese sogenannte unkontrollierte Fermentation birgt einige Risiken und setzt einen sehr erfahrenen Master Distiller voraus, erzeugt aber einen unverwechselbaren Geschmack der Region – ein ganz eigenes Terroir. Vergleichbar mit dem Wert ppm für getorften Maltwhiskey wird der Estergehalt beim Rum mit g/hl angegeben. Die Jamaikaner haben ein allgemeines System zur Klassifizierung standardisiert. Jeder Hersteller hat nochmal eigene Abstufungen mit eigenen Bezeichungen definiert. So wird die höchte Stufe des Estergehalts bei Hampden als DOK (Dermot Owen Kelly – Lawson, ein ehemaliger Destillateur) angegeben. Long Pond bezeichnet diese Stufe als TECC Rum (Bedeutung ist mir leider nicht bekannt) und differenziert ihre Rumstile in insgesamt 12 Stufen.

Esteranzahl in g/hlBezeichnung
80 – 150Common Clean
150 – 200Plummer
200 – 300Wedderburn
700 – 1600Flavoured
Standard Klassifizierung des Esteranteils im Rum

Mhoba Rum Distillery

Die MHOBA Rum Distillery wurde 2013 gegründet und befindet sich – mit ihrer eigenen biozertifizierten Zuckerrohrplantage – am Onderberg in der Provinz Mpumalanga im Nordosten von Südafrika. In kleinen Batches werden in Handarbeit zehn verschiedene Single Estate oder Single Sugarcane (eine einzige Sorte Zuckerrohr) Rumsorten hergestellt. Der Rum wird nicht wie circa 90 Prozent der Rumsorten auf dem Markt aus Melasse, sondern aus dem Zuckerrohrsaft hergestellt. Es handelt sich also um einen Agricole.

Im Unterschied zu klassischen Agricole (nach AOC) wird der Mhoba Rum auf selbstentwickelten und selbstgebauten Pot Still und Column Stills destilliert. Die AOC Regularien schreiben eine Destillation auf Column Stills vor. Vom Anbau des Zuckerrohr bis zur Etikettierung der Flaschen erfolgt jeder Arbeitsschritt per Hand. Beim Zuckerrohr handelt es sich um Nkomazi Zuckerrohr, einer südafrikansichen Sorte. Das Zuckerrohr wird per Hand geerntet und anschließend ausgepresst, mit den Überresten werden die Felder gedüngt und die Pot Stills beheizt. Die Fermentation findet in 12 großen Tanks statt. Zur Fermentation wird regionale Hefe verwendet, die Maischezeit beträgt je nach Produkt ein bis drei Wochen. Die Destillation erfolgt dann in Chargen von 20 bis 25 Litern. Auf Zusätze verzichtet der Hersteller.

Mhoba Pot Stilled High Ester Rum

Etikett

Der Mhoba Pot Stilled High Ester Rum ist ein ungelagerter, weißer Rum. Der Rum wird in Kleinserien ohne Blending abgefüllt. Jede Charge schmeckt also auch etwas anders. Ich verkoste die Charge 2019HE3. Diese wird leicht verdünnt mit 66,2 Vol% abgefüllt. Vorangegangene Chargen wurden teilweise im hohen 70er Bereich abgefüllt. Als Zuckerrohr kommt die Variation N57 zum Einsatz. Die Fermentationsdauer beträgt sehr lange 22 Tage. Die Fermentationsdauer ist mit der Hampden Estate vergleichbar. Genau wie beim Hampden Rum wird der Maische Dunder hinzugefügt. In diesem Fall 30 Prozent.

Dunder ist der saure und hefehaltige Rückstand in der Brennblase nach der Destillation. Diese wird gesammelt, luftdicht verschlossen gelagert und anschließend abgekocht der neuen Maische hinzugefügt. Dadurch entstehen besonders viele Esteraromen. Der Einsatz von Dunder ist mir in der Rumwelt aus der Hampden Estate, Longpond, Haiti (Clairin La Rocher), Martinique (La Galion) und eben La Reunion (Savannah) bekannt. Kommen wir zur Verkostung.

Tasting Mhoba Rum

Nase: Ich hätte ehrlich gesagt ein heftigeres Gefühl in der Nase erwartet. Der Mhoba Rum zeigt sich, trotz der 66,2 Vol%, erstaunlich zugänglich und mild in der Nase. Es handelt sich eindeutig um einen Agricole. Leicht grasige und grüne Noten sind zunächst zu vernehmen, dazu viel Aceton. Man spürt sofort, dass es sich um ein schweres Pot Still Destillat handelt. Dann dringen intensiv Ester in die Nase, leicht faule Fruchtaromen strömen aus dem Glas, hier riecht man wahrscheinlich den Dunder. Die Aromen sind sehr ungewöhnlich, anders als Rum aus Jamaika und La Reunion. Ich nehme rote Früchte wie Erdbeeren und Himbeeren wahr, dazu ein zarte Vanille und etwas Cremiges/Milchiges. Auf jeden Fall eine Menge „Funk“ und dann noch etwas Pfeffer und eine spürbare Säure.

Mund: Jetzt spürt man die vorhandenen Prozente deutlich, der Alkohol ist aber noch ganz gut eingebunden, weil sich der Rum auch insgesamt sehr ölig und voll darstellt. Der erste Schluck ist trotzdem heftig. Man sollte sich vorher unbedingt mit einem niederprozentigerem leichten Getränk am Gaumen „aufwärmen“. Dann setzt sich der Eindruck aus der Nase fort: Erdbeeren, Joannisbeeren, Sahne, eine gewisse Zitrussäure, ganz wenig Lakritz. Der Rum ist sehr trocken, Süße ist kaum spürbar. Beim zweiten Schluck werden die Esternoten noch präsenter, der Gaumen wirkt leicht parfümiert. Ein paar Tropfen Wasser stehen dem Rum sehr gut. Der Abgang ist sehr langanhaltend.

Fazit: Das schreit nach einer Daiquiri

Der Rum erinnert mich mehr an einen Savannah Rum als an einen Hampden. Ein tolles Produkt, dass man als Rum-Liebhaber gekostet haben sollte. Definitiv nichts für Einsteiger, aber sehr interessant für alle Fans eines hochprozentigen Funky Rums. Nun ist es an der Zeit den Rum in einem Cocktail zu testen. Solche Esterbomben schreien natürlich grundsätzlich nach einer Daiquiri, das werde ich testen!

Die von uns getestete Variante mit 66,2 Volumenprozent kostet knapp 70 Euro. Es gibt jedoch auch noch eine Version mit 58 Vol% für rund 48 Euro und eine erschwingliche Variate mit 43 Vol% für 30 Euro.

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