Mit der mittlerweile 14. Ausgabe des Journal des Kirsch geht es nach Martinique. Der „French West Indies Rhum“ wurde 2019 destilliert und 2026 nach sieben Jahren Reifung als Single Cask mit 58 % Vol. abgefüllt. Die Brennerei wird dabei nicht genannt. Kirsch spricht lediglich von einer unabhängigen, familiengeführten Destillerie, deren Geschichte bis 1842 zurückreicht. Damit deutet eigentlich alles auf La Favorite hin. Offiziell bestätigt ist das allerdings nicht.
Die Brennerei
La Favorite gehört zu den letzten unabhängigen und familiengeführten Brennereien Martiniques. Ihre Geschichte reicht tatsächlich bis 1842 zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm Henri Dormoy den Betrieb, der sich bis heute im Besitz der Familie befindet.
Produziert wird klassischer Rhum Agricole aus frischem Zuckerrohrsaft. La Favorite gehört dabei sicherlich zu den traditionelleren Produzenten der Insel. Besonders bekannt ist die alte Dampfmaschine, die noch immer die Zuckerrohrmühlen antreibt. Nach der Fermentation wird auf kreolischen Kolonnen kontinuierlich destilliert.
Ob der Journal des Kirsch tatsächlich von La Favorite stammt, bleibt offiziell offen. Die Angaben zu Herkunft, Familienbesitz und Gründungsjahr machen die Zuordnung jedoch ziemlich naheliegend.
Die Abfüllung
Der Rhum wurde 2019 destilliert und 2026 abgefüllt. Seine Reifung erfolgte zunächst tropisch auf Martinique und anschließend kontinental in Deutschland. Als Fass kam ein ehemaliges Bourbon-Fass zum Einsatz. Abgefüllt wurde das einzelne Fass mit 58 % Vol., ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff. Gerade einmal 144 Flaschen sind daraus entstanden. Der Preis betrug 65€, denn nach meinem Kenntnisstand sind die Flaschen bereits vergriffen.
Tasting
Die Nase zeigt frisches Zuckerrohr, Gras und Kräuter treffen auf Zitrone und etwas unreife Ananas. Dahinter kommen Vanille, eine leichte Süße und trockene Eiche. Mit etwas Zeit wird die Nase erdiger und mineralischer. Feuchter Boden, grüner Pfeffer, Menthol und Würze.
Der Geschmack ist kräftiger als die Nase vermuten lässt. Etwas Zuckerrohr, Pfeffer und viele, teils herbe Kräuter kommen zuerst, anschließend Vanille, Karamell und etwas Honig aus dem Bourbonfass. Dazu gelbe Früchte, Zitrusschale und wieder diese leicht erdige, mineralische Seite und Aromen tropischer Reifung. Mit der Zeit wird die Eiche deutlicher und bringt eine angenehme Trockenheit mit. Trotz sieben Jahren Reifung bleibt der Agricole-Charakter erhalten und wird nicht komplett vom Fass erschlagen.
Der Abgang ist mittellang bis lang, trocken und würzig. Pfeffer, Kräuter und Eiche bleiben zurück, dazu etwas Zitronenschale, Vanille und frisches Zuckerrohr. Gegen Ende wieder leicht mineralisch und vegetabil.
-8.6 von 10.0-
Fazit
Der Journal des Kirsch No. 14 gefällt mir vor allem deshalb, weil das Bourbonfass nicht alles plattmacht. Das Zuckerrohr ist noch da, ebenso diese grünen, kräuterigen und leicht erdigen Noten, die ich bei Agricole gerne im Glas habe. Dazu kommen genügend Vanille, Eiche und Würze aus der Reifung, um dem Rhum zusätzliche Tiefe zu geben. Die 58 % Vol. passen ebenfalls gut. Er hat ordentlich Kraft, wirkt dabei aber nicht unnötig scharf. Ein paar Tropfen Wasser kann man ausprobieren, zwingend notwendig finde ich sie nicht. Bei ursprünglich rund 65 Euro für ein siebenjähriges Single Cask aus Martinique war auch der Preis mehr als fair.
Foto: Thomas Wille
Cheers!
