Frischer Zuckerrohrsaft, eine vierzehntägige Fermentation und eine Ruhezeit in traditionellen Keramikgefäßen: HaLong Rum bringt einige vielversprechende Specs mit. Zum bisher verfügbaren Sortiment gehören ein weißer und ein fassgereifter Rum, eine Gewürzvariante sowie ein Kaffeelikör. Wir haben uns die Marke auf dem diesjährigen Barconvent in Berlin erneut angeschaut.
Die Brennerei
Die vietnamesische Marke entstand 2021 aus der Zusammenarbeit von Giang Nguyen und dem Schweizer Brennmeister Arno Bolliger. Produziert wird an der Ha-Long-Bucht im Norden Vietnams.
HaLong arbeitet direkt mit vietnamesischen Zuckerrohrbauern zusammen und bezahlt Preise oberhalb des Marktpreises. Außerdem kooperiert die Marke mit traditionellen Töpferdörfern. Das Zuckerrohr stammt aus Thạch Thành. Es wird von Hand geerntet und noch am selben Tag gepresst. Verarbeitet wird ausschließlich frischer Zuckerrohrsaft. Die anschließende Fermentation dauert 14 Tage. Das ist für Rum aus frischem Zuckerrohrsaft sehr lang. Danach folgt ein doppelter Brand auf zwei Anlagen. Zunächst wird der vergorene Zuckerrohrsaft in einer Kupferbrennblase, einer Copper Pot Still, destilliert. Der zweite Durchgang erfolgt in einer Säulenbrennanlage, einer Column Still.
Je nach Abfüllung ruht das Destillat anschließend in traditionellen vietnamesischen Tonkrügen oder reift in Holzfässern. Die handgefertigten Keramikgefäße sollen den Rum abrunden, ohne seinen frischen Zuckerrohrcharakter zu überdecken. Die Fassreifung findet nach Angaben von HaLong an der Ha-Long-Bucht statt in getoasteten Eichen-, Ahorn-, Mango- und Hickoryfässern (ein extrem festes Holz aus der Gattung der Walnussgewächse) statt. Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit prägen die Lagerbedingungen und erzeugen einen Angels Share von 8-9%.
Zum Selbstverständnis gehört der Verzicht auf künstliche Zusätze. Die Rums werden laut Hersteller nicht nachträglich gezuckert, nur beim Kaffeelikör ist Rohrzucker Bestandteil der Rezeptur.
HaLong White Rum
Der White Rum bildet die Grundlage des Sortiments, ohne Fasslagerung oder zugesetzte Gewürze. Nach der vierzehntägigen Fermentation und dem doppelten Brand ruht er laut Hersteller sechs Monate in vietnamesischen Keramikgefäßen. Abgefüllt wird er mit 40 Prozent Alkohol, ohne Zuckerung und künstliche Zusätze. Der white kostet knapp 30€.
In der Nase frisches Zuckerrohr, feine florale Noten und zurückhaltende tropische Fruchtaromen. Dazu aber auch eine gewisse Würzigkeit und dezent vergorene Aromen.
Am Gaumen weich und dominiert vom Zuckerrohr, wieder angegorenes Obst und Pfeffer. Der Abgang ist erfreulich lang. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Aromatisch zeigt der White zwar deutliche Anklänge an einen klassischen Agricole, vor allem die angegorenen Fruchtaromen verleihen ihm jedoch eine unverkennbare Handschrift und gehören zur ganz eigenen DNA der Brennerei. Eine spannende Alternativen zu den Zuckerrohrsaft Destillaten aus der Karibik.
HaLong Golden Rum
Beim Golden folgt auf den doppelten Brand zunächst eine sechsmonatige Ruhephase in Tonkrügen. Anschließend reift der Rum weitere sechs Monate in ehemaligen Bourbonfässern in ausgewählten, Abgefüllt wird der Golden mit 40 Prozent Alkohol. Kostet 33€.
In der Nase Vanille, Honig und geröstetes Holz, ergänzt durch Gewürze und dezente Noten getrockneter Früchte. Der frischen Zuckerrohraromen sind auch noch da.
Am Gaumen treffen Karamell und Vanille auf würzige Holznoten. Der frische Zuckerrohrcharakter bleibt auch am Gaumen erhalten. Bitternoten konnte ich nicht finden.
Die ersten beiden Abfüllung könnt ihr euch hier nochmal im Video-Test im Rumdepot anschauen.
HaLong Spiced
Die Grundlage des Spiced bildet ebenfalls der doppelt gebrannte Rum. Nach drei Monaten in Keramik wird er mit mehr als zehn pflanzlichen Zutaten angesetzt. Genannt werden unter anderem Zimt, Sternanis, schwarzer Pfeffer, Ingwer, Orangenschale, Kardamom und Vanille. Die Alkoholstärke beträgt 40 Prozent. Der Spiced kostet ca. 36€.
In der Nase warme Gewürze und Orangenschale. Für mich sticht Sternanis am deutlichsten hervor. Erinnert insgesamt an weihnachtliche Gewürze. Am Gaumen der gleiche Eindruck. Dezente Bitternoten treten hervor. Pfeffer zeigt sich deutlicher als in der Nase.
Das fehlen von Zucker dürfte manchen Konsumenten irritieren, weil die bekannten Hersteller von Spiced Rums ihre Produkte meistens stark süßen. HaLong empfiehlt den Spiced Rum unter anderem mit Cola oder in einem Tropical Old Fashioned.
Dêm Vietnamese Coffee Liqueur
Für den Dêm verwendet HaLong seinen White Rum als Basis. Darin werden Arabica-Bohnen aus Sơn La und Robusta-Bohnen aus dem vietnamesischen Tây-Nguyên-Hochland angesetzt. Frische Pandanblätter und Rohrzucker ergänzen die Rezeptur. Der Kaffeelikör verbindet damit mehrere typisch vietnamesische Zutaten. Abgefüllt wird er mit 18 Prozent Alkohol.
In der Nase frisch gerösteter Kaffee, Kakao und Karamell, ergänzt durch warme Gewürznoten. Am Gaumen gerösteter Kaffee und frisches Zuckerrohr. Das Mundgefühl ist seidig und die Aromatik ist komplex. Der Pandan war für mich nicht identifizierbar.
Die Verbindung aus Arabica, Robusta und Pandan ist als Rezeptur interessant. Neben dem Genuss auf Eis bietet sich natürlich ein Espresso Martini oder andere klassische Kaffee-Cocktails an. Auch in der Schwemme an Kaffe-Likören, die der Markt mittlerweile bietet, bleibt der HaLong ein spannendes Produkt, das man als Kaffee-Fan einmal probieren sollte.
Auf dem Barconvent Berlin gab es auch noch die Möglichkeit weitere Abfüllungen zu probieren, die noch nicht auf dem deutschen Markt verfügbar sind. So gab es unter anderem den XO, den Dark Rum aus dem Mangoholz-Fass und eine Variante aus einem Portweinfass. Es wird also sehr wahrscheinlich noch weiter gehen mit der Entdeckungsreise nach Vietnam.
Fazit
HaLong zeigt, dass Rum aus Vietnam weit mehr sein kann als eine exotische Randnotiz. Besonders spannend finde ich, dass die Brennerei gar nicht erst versucht, bekannte karibische Stile möglichst genau zu kopieren. Frischer Zuckerrohrsaft, eine vergleichsweise lange Fermentation, der doppelte Brand und die Ruhe in vietnamesischen Keramikgefäßen sorgen für eine eigene Handschrift.
Am deutlichsten wird diese für mich beim White Rum. Die Verbindung aus frischem Zuckerrohr, Würze und leicht angegorenen Fruchtaromen erinnert zwar stellenweise an Rhum Agricole, entwickelt aber genügend Eigenständigkeit, um nicht wie eine bloße Interpretation davon zu wirken. Der Golden zeigt wiederum, dass sich dieser Grundcharakter auch mit Fassreifung erhalten lässt, während der Spiced erfreulich konsequent auf die sonst in dieser Kategorie fast obligatorische starke Süße verzichtet. Der Dêm geht schließlich noch einen Schritt weiter und bringt mit vietnamesischem Kaffee und Pandan ganz bewusst Aromen der eigenen Heimat ins Sortiment.
Gerade zu Preisen zwischen rund 30 und 36 Euro bieten die Abfüllungen einen unkomplizierten Einstieg in eine Rumregion, die hierzulande bislang kaum eine Rolle spielt. Und nachdem auf dem Bar Convent bereits weitere Varianten wie XO, Mangoholz- und Portweinfass zu probieren waren, dürfte HaLong noch längst nicht alles gezeigt haben. Vietnam hatte ich als Rumland bisher jedenfalls kaum auf dem Schirm. Das dürfte sich in Zukunft ändern.
Cheers!