Meist geht es in diesem Blog um Spirituosen, Drinks, die man aus jenen Spirituosen mixt oder Orte, an denen eben jene Drinks serviert werden. “Geschichten von guten Drinks, Spirituosen und Bars”, so lautet unser Slogan. Doch heute widmen wir uns einem ganz anderen, nicht weniger wichtigen Thema: dem Glas. 

Es geht dabei nicht um irgendein Glas. Sondern um das 1920s Professional Blender’s Glass. Und um die Frage, wie gut das teure Original gegen einen 75% günstigeren Fake aus China im direkten Vergleich abschneidet

Falls du dich auch schon gefragt hast, ob man sich in so einem Fall wirklich das Original kaufen sollte oder nicht doch lieber ein paar Euro spart und zum günstigeren Nachbau greift – genau das finden wir in diesem Artikel heraus. 

Das 1920s Blender’s Glass

In der Rum- und Whisky-Szene gilt das 1920s Blender’s Glass als das Nonplusultra (bitte nicht mit der gleichnamigen A.H. Riise Edition verwechseln). Es ist gewissermaßen der Porsche unter den Tasting-Gläsern. Sage nicht ich, sondern die Profis. Es sei “das Highend-Tastingglas schlechthin”, schreibt deinwhisky.de. Der Fachhändler whic lobt die “besonderen sensorischen Eigenschaften”, die “für viel Furore” sorgten. 

Die Besonderheit des Glases ist die ungewöhnlich große, bauchige Form, wodurch die Spirituose eine große Oberfläche erreicht, die mit Sauerstoff interagieren kann. Zugleich konzentriert die schmale Öffnung die Aromen, wodurch der Geruch besonders intensiv ausfällt. 

Das hat natürlich seinen Preis: 25 Euro kostet ein Glas. Günstig geht anders. 

  • 1920 Nosing Glas mit Flensburg Rum
  • 1920 Nosing Glas mit Flensburg Rum nah

Wie alle begehrenswerten Dinge wird auch das 1920s Blender’s Glass in Fernost kopiert und für einen Bruchteil des Preises angeboten, etwa auf AliExpress. Ich habe für meine Fakes knapp 6 Euro inklusive Porto bezahlt – weniger als ein Viertel des Preises. Und als nach knapp 4 Wochen die Gläser eintrudelten, war die Freude groß. 

Denn wie groß kann schon der Unterschied bei einem Glas sein, fragte ich mich. Noch dazu bei einem, was fast identisch aussieht.

Nun, wie sich herausstellte: immens.

Original versus China-Fake – was ist besser?

Damit der Test nicht rein subjektiv ausfällt, holte ich mir fachkundige Unterstützung: Dominik Marwede, ehemals der kreative Kopf hinter Rum Artesanal und leidenschaftlicher Spirituosen-Genießer (er besitzt natürlich die Originalgläser) unterstützte mich sofort bei diesem Vergleich. Danke an dieser Stelle!

Jeder von uns schnappte sich einmal das Original 1920s Glas und einmal die Fälschung. Schon in der Hand spürt man den Unterschied. Das Original ist schwer und wirkt wertig, der China-Fake ist dünn und leicht. Wirkt beinahe zerbrechlich. Ein Klassenunterschied. Zwar ist das leichtere Gewicht beim längeren Halten durchaus angenehm, doch wie lange hält man seinen Caroni in der Hand und stellt ihn nicht einfach ab? Eben. Punkt für das Original.

Doch die wahre Stärke des 1920s Professional Blender’s Glass ist die durch die extreme Tulpenform begünstigte Sensorik. Also schenkt sich jeder von uns einen kräftigen Schluck Flensburg MBFS 2005 in Fassstärke ein – und dann ging es erst einmal ans Riechen.

Oha.

Obwohl die Gläser fast identisch aussehen und man deshalb eine ähnliche Aromatik erwarten dürfte, ist der Unterschied in der Nase frappierend.

Beim Original kommt sofort Barbados-Feeling auf: tolle Aromen von Vanille, Holz, Banane und Früchten umschmeicheln die Nase und verstärken sich gegenseitig. Ganz anders beim Fake: Auch hier riecht man Früchte, Vanille, aber viel subtiler. Stattdessen spielt der Alkohol (der mit 62,9% üppig vorhanden ist) deutlich dominanter auf. Beinahe sprittig. Wenn ich nicht wissen würde, das in beiden Gläsern exakt der gleiche Inhalt ist, würde ich es nicht glauben. 

Auch Dominik ist überrascht: “Ich hätte nicht erwartet, dass der Unterschied so deutlich ist. Wahnsinn.”

Am Gaumen gibt es dagegen keinen nennenswerten Unterschied, da sind wir uns beide einig. Und nach 10 Minuten im Glas egalisiert sich der Unterschied beim Geruch weitgehend.

Doch jeder, der leidenschaftlich Rum, Whisky, Tequila und Co. verkostet, weiß: Die volle Aromatik einer Spirituose erschließt sich nur mit Zunge UND Nase. Man benötigt alle Sinne. Und will man wirklich erst 3, 5 oder 10 Minuten warten, bis man die volle Experience hat? Ich nicht. Insofern hat das Original 1920s Blender’s Glass für mich sprichwörtlich die Nase vorn.

Eins steht fest: Nach diesem Test werde ich mir das Original zulegen müssen.

Habt ihr schon einmal solche Erfahrungen mit Original versus Fälschung gemacht? Dann schreibt uns gerne in die Kommentare.

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