Bei Campari läuft längst nicht jede Flasche gleich gut. Der Mailänder Konzern hinter Aperol, Campari, Espolòn, Wild Turkey, SKYY und Grand Marnier hat Ende Oktober seine Zahlen für die ersten neun Monate 2026 vorgelegt. Unterm Strich wächst Campari weiter, im dritten Quartal um 3,4 Prozent (ohne Wechselkurseffekte und verkaufte Marken). Der Blick auf die einzelnen Marken zeigt aber ein geteiltes Bild: Aperitifs und Tequila legen zu, Bourbon und Wodka schwächeln.
Aperol bleibt der Star
Die Aperitif-Sparte mit Aperol und Campari ist das mit Abstand größte Geschäft des Konzerns, knapp die Hälfte des Umsatzes kommt von hier. Im dritten Quartal wuchs sie um rund 13 Prozent, über die ersten neun Monate um 6,7 Prozent.
Getragen wurde das vor allem von Europa, Camparis wichtigster Region. Über den Sommer legten die Aperitifs hier im mittleren einstelligen Prozentbereich zu, im dritten Quartal entwickelten sich laut Campari alle Marken und Formate positiv. Besonders gut lief es in Italien und Großbritannien.
Deutschland: Spritz vom Fass und aus der Flasche
Für Deutschland fällt die Bilanz verhaltener aus. Der Markt leide weiter unter der Kaufzurückhaltung der Konsumenten, schreibt Campari. Etwas Rückenwind kam von zwei Neuheiten:
- Aperol Spritz On Tap: Seit Mai 2026 gibt es den Aperol Spritz für die Gastronomie aus dem 20-Liter-Einwegfass. Gedacht ist das System für Festivals, Stadtfeste, Arenen, Konzerthallen und Biergärten, laut Campari geht der Ausschank damit bis zu dreimal schneller. Für Endverbraucher ist das Fass nicht vorgesehen.
- Campari Spritz Ready-to-Serve: Seit April steht der Campari Spritz fertig gemixt im Supermarktregal, in kleinen Einzelportionsflaschen. Die Rezeptur folgt laut Campari dem Bar-Klassiker aus Prosecco, Campari und einem Schuss Soda. Serviert wird auf Eis mit Orangenscheibe.
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Bourbon in der Flaute
Am deutlichsten bergab ging es in der Sparte Whiskey & Rum, zu der Wild Turkey, Russell’s Reserve und der jamaikanische Rum Appleton Estate gehören. Im dritten Quartal sank der Umsatz um rund 17 Prozent, nach neun Monaten steht ein Minus von 10 Prozent.
Als Gründe nannte Konzernchef Simon Hunt im Gespräch mit Analysten vor allem Probleme beim Bourbon. Bei Russell’s Reserve ist die Ware trotz hoher Nachfrage knapp, mehr Nachschub soll es ab Anfang 2027 geben. Wild Turkey kämpft dagegen in einem vollen Markt: Bourbon-Marken, die früher nur in kleinen Mengen zugeteilt wurden, stehen inzwischen wieder ganz normal im Regal. Auf Jamaika, der Heimat von Appleton Estate, legte Campari dagegen zu.
SKYY: Wodka hat es schwer
Auch beim Wodka läuft es nicht rund. Wodka sei zwar die größte Spirituosenkategorie, leide aber am stärksten unter der angespannten wirtschaftlichen Lage, sagte Hunt mit Blick auf die USA. Das treffe SKYY. Weil einzelne Kategorien im zweiten Halbjahr schwächeln und das Vorjahr stark war, rechnet Campari in den USA für das Gesamtjahr mit einem leichten Umsatzminus, obwohl Aperitifs und Tequila dort wachsen.
Tequila läuft, Grand Marnier soll zurück an die Bar
Gut entwickelt sich der Tequila: Die Agave-Sparte rund um Espolòn wuchs im dritten Quartal um rund 6 Prozent, in Australien legte Espolòn sogar zweistellig zu. Der Cognac Courvoisier wächst in Osteuropa und Südafrika.
Wild Turkey, Courvoisier und Grand Marnier sollen künftig wieder öfter in Bars und Restaurants auftauchen. Bei Grand Marnier will Campari laut Hunt vor allem die Mixbarkeit wieder stärker in den Vordergrund rücken. Gute Nachrichten für alle, die ihre Margarita oder ihren Sidecar gern mit dem Orangenlikör mixen.
Abschied von Averna, Cinzano und Rhum agricole
Hunt setzt auf weniger, dafür größere Marken. Deshalb trennt sich Campari von kleineren Labels: Cinzano wurde 2025 verkauft, der Amaro Averna ging im Mai 2026 an Illva Saronno (wir berichteten).
Für Rum-Fans interessant: Auch die Rhum-agricole-Marken Trois Rivières, Maison La Mauny und Duquesne aus Martinique sollen den Konzern verlassen. Seit Juli verhandelt Campari darüber exklusiv mit einem französischen Unternehmen. Abgeben will der Konzern außerdem den Cognac Bisquit & Dubouché und den Tequila Cabo Wabo.
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Quellen: Pressemitteilung der Campari Group zu den Neunmonatszahlen und zu den Markenverkäufen (Halbjahresbericht), ESM Magazine zum Campari Spritz Ready-to-Serve.