Nach einer längeren Armagnac-Test-Pause haben wir mal wieder zwei herausragende Armagnac-Single-Casks im Test: Den Grape of the Art – Baron Gaston Legrand 1986 und den Domaine Couzard-Lassalle 2005.
Grape of the Art- Baron Gaston Legrand 1986
Bei dem Baron Gaston Legrand 1986 handelt es sich um einen Bas-Armagnac. Destilliert wurde er 1986 im traditionellen Armagnacais-Alambic aus Baco und Uni Blanc-Trauben und anschließend in französischen Eichenfässern eingelagert. Eine Besonderheit betrifft die spätere Reifung: Seit 1998 lagern die Fässer in den Kellern von Lhéraud in der Charente. Möglich ist dies durch eine historische Genehmigung des BNIA (Bureau National Interprofessionnel de l’Armagnac), die es dem Haus erlaubt, Armagnac außerhalb seines eigentlichen Herkunftsgebiets weiter reifen zu lassen. Abgefüllt wurde der Armagnac ungefärbt, ohne zugesetzten Zucker und in natürlicher Fassstärke mit 47,1%. Der Preis beträgt 135€.
Schon der erste Eindruck der Nase zeigt viel Reife, ohne dass das Fass die Kontrolle übernimmt: Eiche, Kakao, viel Karamell und eingekochter Apfel bilden den Auftakt. Dahinter folgen getrocknete Feigen und Rosinen. Mit etwas Zeit im Glas entwickeln sich noch Vanille und dunkler Honig. Trotz der langen Fassreife bleibt die Frucht jederzeit präsent und sorgt dafür, dass die Aromatik offen und erstaunlich frisch wirkt.
Der Antritt am Gaumen ist weich. Apfel, wieder viel Karamell und geröstete Mandeln gehen in Schokolade und Eiche über. Immer wieder zeigen sich kandierte Orangenschalen sowie etwas Pflaume. Mit zunehmender Zeit entwickelt sich eine würzige Seite mit Muskat, weißem Pfeffer und etwas Zimt. Dahinter bleiben feine Röstaromen erhalten. Der Abgang ist lang und trocken. Geröstete Nüsse, Kakao, Leder und Orangenschale bleiben lange erhalten.
-8.8 von 10.0-
Besonders gelungen ist bei dem Armgnac die Einbindung des Holzes. Nach fast vier Jahrzehnten wirkt der Armagnac weder besonders trocken noch tanninbetont. Der Baron Gaston Legrand 1986 ist ein Armagnac, der seine lange Fassreife erkennen lässt, dabei aber jederzeit ausgewogen bleibt. Das Holz liefert Tiefe, ohne die Frucht zu verdrängen. Die Früchte sind heller und leichter als bei vielen anderen Armagnac.
Domaine Couzard-Lassalle 2005
Hinter dem eher unscheinbaren Namen Couzard-Lassalle verbirgt sich eine Domaine, die vielen Armagnac-Freunden unter einer ganz anderen Bezeichnung wesentlich vertrauter sein dürfte: Lous Pibous. Lous Pibous war der Name, unter dem L’Encantada Armagnacs dieses inzwischen geschlossenen Betriebs veröffentlichte. Die Abfüllung ist eine Kooperation von Shane Pearlman von The Distillates und Sascha von Armagnac.de. Das Fass wurde im April 2026 nach rund 20 Jahren Reifung mit 49,5% vol. in Fassstärke abgefüllt. Grundlage sind ausschließlich Folle-Blanche-Trauben aus dem Bas-Armagnac,.
Die Nase wirkt zunächst überraschend frisch und gelbfruchtig: Apfel, Mirabelle und etwas grüne Birne stehen zunächst im Vordergrund. Dazu kommen anisartige Aromen und frisch poliertes Holz. Mit etwas Zeit wird die Frucht reifer. Aprikosen erscheinen, dann Pflaumen, Datteln und kandierte Früchte. Altes Holz und warme Gewürze liegen darunter, ohne die Frucht vollständig zuzudecken.
Im Mund bekommt der Couzard-Lassalle mehr Druck, die Textur ist dicht und leicht ölig, ohne schwer zu werden. Zunächst wieder Frucht: Apfel, Aprikose und etwas Pflaumenmus. Dahinter kommen Honig und Walnuss. Dann übernimmt langsam das Holz: Dunkle Schokolade, Tabakblätter, etwas Lakritz und Röstnoten.
Der Abgang ist lang und warm. Wieder Steinfrucht, anschließend herbere Orangenschale, Lakritz, Tabak, dunkle Schokolade und Gewürze. Dazu Menthol und eine milde holzige Bitterkeit.
-9.0 von 10.0-
Der Domaine Couzard-Lassalle 2005 ist ein ausgezeichneter Armagnac, mit einem noch gar nicht so hohem Alter. Mehr Zeit im Fass hat er aber auch nicht gebraucht. Er ist würziger und etwas holziger als der GOTA, die Früchte wirken etwas dunkler. Im Vergleich mit mir bekannten Lous Pibous wirkt diese Abfüllung deutlich eleganter und zugänglicher.
Cheers!