Sublime 100: Die Barwelt bekommt die nächste Bestenliste

Zwei ehemalige 50-Best-Macher starten 2027 die Sublime 100. Vier Kategorien sollen unterschiedlichen Bars mehr Chancen geben. Ein interessanter Ansatz – in einer Branche, deren Auszeichnungen zunehmend um die Wette glänzen.
BKK Bar in Bangkok
Inhalt

Roger Betriu und Mark Sansom haben mit Sublime 100 ein neues internationales Auszeichnungsformat angekündigt. Beide waren zuvor für die 50-Best-Organisation tätig. Ab 2027 sollen zunächst jeweils 100 Bars und Cafés ausgezeichnet werden; innerhalb der folgenden fünf Jahre sind weitere Listen für Restaurants, Hotels und Nachtclubs geplant. Das berichten Drinks International und das Schwestermagazin CLASS nach einem Gespräch mit den Gründern.

Der Auftakt ist für den 5. bis 7. Juli 2027 in Barcelona vorgesehen. Als Veranstaltungsort ist das Museu Marítim angekündigt. Zum Gründungsteam gehört auch Cristina Jolonch, Gastronomieredakteurin der spanischen Zeitung La Vanguardia.

Das Team des BKK Social Club in Bangkok hinter dem Tresen der Hotelbar
Hotelbars sollen bei Sublime 100 eine eigene Kategorie erhalten. Archivbild: das Team des BKK Social Club in Bangkok.

Vier Kategorien mit jeweils 25 Plätzen

Die Bar-Liste soll sich aus vier gleich großen Gruppen zusammensetzen. So wollen die Initiatoren verhindern, dass sehr unterschiedliche Betriebe unter denselben Voraussetzungen gegeneinander antreten müssen:

KategorieVorgesehene Plätze
Bars in Städten mit mehr als einer Million Einwohnern25
Bars in kleineren Städten und Orten mit weniger als einer Million Einwohnern25
Hotelbars25
„Lifestyle-Bars“ mit höherem Gästeaufkommen25

Für die Bar- und die Café-Sparte sind jeweils 1.000 Abstimmende vorgesehen. 70 Prozent sollen aus der Branche kommen, 30 Prozent aus dem Kreis der Gäste.

Nach Angaben des Fachmediums Coqtail sollen Besuche nachgewiesen und Interessenkonflikte kontrolliert werden. Abstimmungen über Betriebe mit direkten Verbindungen zu den jeweiligen Juroren sollen ausgeschlossen sein. Das vollständige Regelwerk, das sogenannte „Voting Manifesto“, soll erst in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

Ein sinnvoller Gedanke – mit offenen Fragen

Die Aufteilung ist der interessanteste Teil des Konzepts. Eigene Plätze können solchen Unterschieden mehr Raum geben. Die Aussicht, auch jenseits der üblichen Metropolen entdeckt zu werden, ist für viele Betriebe durchaus relevant.

Allerdings schafft die Einteilung neue Fragen: Eine Hotelbar kann ebenso in einer Millionenstadt liegen wie eine stark besuchte Lifestyle-Bar. Wie werden solche Überschneidungen aufgelöst? Und wie verhindert das Verfahren, dass innerhalb der vier Gruppen wieder vor allem jene Adressen profitieren, die international ohnehin besonders sichtbar sind? An solchen Details wird sich entscheiden, wie viel der Ansatz tatsächlich verändert.

Wie viele Bestenlisten helfen noch?

Sublime 100 trifft auf ein bereits dicht besetztes Feld. The 50 Best Bars, früher World’s 50 Best Bars, beruht auf Expertenstimmen ohne einheitlichen Kriterienkatalog. Top 500 Bars verarbeitet unter anderem Rankings, Medienberichte und Online-Bewertungen per Algorithmus. The Pinnacle Guide vergibt ein bis drei Pins nach Bewerbung und Prüfung, zu der anonyme Barbesuche gehören. Schon diese Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen.

Wir sehen die wachsende Zahl solcher Auszeichnungen deshalb zunehmend kritisch. Jede neue Liste verspricht Orientierung und verlangt Gästen zunächst ab, noch ein Bewertungssystem zu verstehen. Was wie ein eindeutiges Qualitätsurteil aussieht, hängt wesentlich davon ab, wer abstimmt, welche Adressen überhaupt erfasst werden und was das jeweilige Format belohnen will.

Natürlich kann eine Auszeichnung großartige Arbeit sichtbar machen und Menschen zu einer Bar führen, die sie sonst nie entdeckt hätten. Doch mit jeder zusätzlichen Bestenliste droht auch der Druck zu wachsen, für Jurys, internationale Aufmerksamkeit und die nächste Preisverleihung interessant zu bleiben. Wie viel Aufmerksamkeit bleibt dann für die Qualität eines ganz gewöhnlichen Abends? Wie stark internationale Vorbilder den Baralltag prägen, beschäftigt uns auch in unserer Debatte über Minimalismus und Barkultur.

Sublime 100 hat mit seinen vier Kategorien einen plausiblen Ansatz. Ob daraus ein Gewinn für die Barkultur wird, entscheidet sich daran, welche bislang übersehenen Betriebe tatsächlich auftauchen und wie nachvollziehbar die Auswahl ausfällt. Eine weitere Liste mit 100 Namen allein wäre dafür zu wenig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Suche schließen
↑
Schließen

Für Leute mit Geschmack

Wir servieren dir gut geschüttelte Newsletter-Inhalte rund um Barkultur, Spirituosen und das gepflegte Trinken.

Abbestellen geht immer. Aber dann verpasst du vielleicht den besten Rum deines Lebens.

Mit der Anmeldung willigst du ein, dass wir dir den Newsletter über Mailchimp schicken und auswerten, ob er geöffnet und welche Links angeklickt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner