Auf meinem Tisch stand neulich eine grüne Sektflasche. Und den Namen darauf fand ich erst einmal komisch: „Drink Pray Love“ erinnerte mich irgendwie an Julia Roberts, die sich in „Eat Pray Love“ schwülstig quer durch Italien isst. Das lachsrosa Etikett zeigt eine Collage aus Blüten und einer Frau im Profil. Im Glas perlte ein blasses Lachsrosa, in dem es ordentlich arbeitete.
Alkoholfreie Aperitifs haben wir hier schon einige probiert, vom Herben Hibiskus von Dr. Jaglas bis zu den vier Flaschen von Lust & Feast. „Drink Pray Love“ hat meiner Frau und mir sehr gut gefallen.
55 Prozent Wein, 0,15 Prozent Lavendel
Was im Glas ist, verrät das Rückenetikett erfreulich unromantisch: „Aromatisiertes entalkoholisiertes weinhaltiges Getränk mit Rhabarbersaft und Lavendeltee“. Das klingt ein wenig nach Zollformular, gibt aber präzise wider, um was es sich hier handelt.
Die Zutatenliste liest sich wie folgt:
- 55 Prozent entalkoholisierter Wein, laut Etikett Chardonnay
- 20 Prozent Rhabarbersaft
- Zucker und Kohlensäure
- Karottensaftkonzentrat, vermutlich für die Farbe
- 0,15 Prozent Lavendeltee
Beim Lavendeltee sind das gut ein Milliliter pro Flasche. In jedem Duftkissen steckt also mehr Lavendel. Auf der Flasche selbst stehen weniger als 0,5 Prozent Alkohol, der Onlineshop des Vertriebs gibt 0,00 Prozent an. Vermutlich hat das rechtliche Gründe.
Pro 100 Milliliter enthält der Drink 29 Kilokalorien und 6,2 Gramm Zucker, das ergibt rund 46 Gramm pro Flasche. Zum Vergleich: Ein Sekt mit so viel Zucker hieße „mild“, das ist die süßeste Geschmacksstufe. Die Sorten von Lust & Feast hingegen liegen mit 8,9 bis 10,5 Gramm pro 100 Milliliter noch deutlich darüber.
Im Glas: Lavendel mit Manieren
Die Nase zeigt sich sehr fruchtig und vielversprechend. Am Gaumen kommt dann zuerst der Rhabarber, fruchtig, aber ohne die Wucht einer fertigen Rhabarberlimo, die mir oft zu krass ist. Dann schiebt sich etwas Krautiges dazwischen, der Lavendel.
Ich bin kein großer Lavendel-Freund, und in Getränken finde ich das Aroma besonders heikel: Ein Hauch zu viel, und das Glas schmeckt nach Teebeutel. Hier schmecken wir ihn, aber er bleibt subtil im Hintergrund. Das Aroma ist so intensiv, dass die kleine Dosis vollkommen genügt. Den Chardonnay hätten wir ohne Etikett nicht erkannt. Als Rebsorte meldet er sich nicht zu Wort.
Die Perlage ist angenehm und hält lange, im Glas wie in der Flasche. Beim Nachschenken war noch ordentlich Kohlensäure drin.
Drink Pray Love ist deutlich süß, das muss man schon sagen. Für mich war das noch okay, einen Hauch trockener hätte ich ihn trotzdem gern gehabt. Lavendel und Rhabarber sind allerdings zwei Aromen mit Ellbogen, und vermutlich hält erst die Süße sie zusammen. Da unterstelle ich, dass das gut gedacht und gemacht ist.
Die Kellerei sitzt in Lettland
Auf der Rückseite stehen zwei Adressen. Vertrieben wird der Drink von Christoph W. Hammel aus Kirchheim an der Weinstraße in der Pfalz. Dessen Weine heißen auch mal „Ganz in Weiß“ oder „Ein Tag am Meer“. Da passt „Drink Pray Love“ ins Sortiment, ein Wink Richtung „Eat Pray Love“, dem Julia-Roberts-Film von 2010.
Hergestellt hat den Drink ABAVAS im lettischen Bezirk Tukums, rund 1.300 Kilometer Luftlinie nordöstlich. Familie Barkāns hat das Weingut laut meiner Online-Recherche 2010 gegründet. Der Weinberg im Abava-Tal bei Sabile misst 3,5 Hektar und zählt laut dem Tourismusportal Lauku ceļotājs zu den größten des Landes.
Niklass Barkāns, Sohn des Gründers Mārtiņš, ist ausgebildeter Winzer. Sein Rotwein aus der Rebsorte Rondo holte 2024 nach Angaben des Hauses Bronze bei Decanter. ABAVAS füllt außerdem für kleine Marken und Start-ups ab und entwickelt mit ihnen Rezepte. Nach eigenen Angaben läuft dafür seit Ende 2023 eine neue Anlage für bis zu drei Millionen Einheiten im Jahr.
Im eigenen Onlineshop verkauft das Haus dieselbe Kombination aus Rhabarber, Lavendel und Chardonnay als „Dzirkstošā tēja“, also prickelnden Tee, in der 0,375-Liter-Flasche. Ob auch die Rezeptur übereinstimmt, geht aus dem Shop nicht hervor.
Der Preis hierzulande liegt bei 9,95 Euro, was ich in Ordnung finde, vor allem wenn man bedenkt, dass einige alkoholfreie Mitbewerber mittlerweile locker 15 bis 20 Euro verlangen. Paper & Tea hat mit seinen alkoholfreien Aperitifen jüngst die 20-Euro-Marke geknackt, was ich ehrlich gesagt krass finde.
Als Nächstes wollen wir die zweite Sorte von Drink Pray Love probieren, sie hat Aromen von Quitte, Verbene & Chardonnay. Laut Hammel-Shop enthält sie 5,9 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, also etwas weniger als die Rhabarber-Variante. Vielleicht ist das der Hauch trockener, den ich mir gewünscht habe.
Kurz & knapp
| Produkt | Drink Pray Love – Rhabarber, Lavendel & Chardonnay |
| Was es ist | Aromatisiertes entalkoholisiertes weinhaltiges Getränk |
| Alkohol | < 0,5 % vol. laut Etikett, 0,00 % laut Shop |
| Zucker / Energie | 6,2 g / 29 kcal pro 100 ml |
| Hersteller | ABAVAS, Bezirk Tukums, Lettland |
| Vertrieb | Christoph W. Hammel, Kirchheim an der Weinstraße |
| Preis | 9,95 € für 0,75 l im Hammel-Shop |
| Trinktemperatur | 6–8 °C |