Auf dem Bar Convent Berlin ist uns ein neuer Rum von Compagnie des Indes begegnet. Die französische Marke dürfte den meisten Rumfreunden längst ein Begriff sein. Ihre neue Abfüllung trägt den Beinamen Fata Morgana. Wir kannten sie noch nicht und wollen sie euch deshalb kurz vorstellen.
Das Prinzip: drei Fässer, zwei Länder, ziemlich unterschiedliche Charaktere. Und die Hoffnung, dass am Ende etwas herauskommt, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
Drei Fässer, zwei Länder
Zwei Fässer stammen aus Guyana, Jahrgang 2013, gebrannt auf den historischen Demerara-Stills. Dort stehen hölzerne Brennapparate und verschiedene Kolonnen nebeneinander – Gerätschaften, um die unter Rumliebhabern mitunter mehr Mythos kreist als um manche ganze Destillerie. Mehr dazu findet ihr in Hendriks umfangreichen Guyana-Artikel. Das dritte Fass kommt aus Venezuela, Jahrgang 2014, und enthält reines Kolonnendestillat.
Abgefüllt wird mit 43 Prozent Alkohol, ohne Kühlfiltration und in einer Auflage von 1.080 Flaschen à 0,7 Liter. In Frankreich kostet die Fata Morgana 74,90 Euro. Premiere feierte sie auf der Whisky Live Paris, seit Herbst ist sie im Handel.
So weit die technischen Daten. Spannender ist, warum diese drei Fässer überhaupt zusammengefunden haben.
Wenn der eine laut ist, muss der andere zuhören
Compagnie des Indes wurde 2014 von Florent Beuchet gegründet und gehört seit 2023 zu Terroirs Distillers. Der unabhängige Abfüller kauft Rum aus aller Welt und bringt ihn ohne Zusätze in die Flasche. „Wir importieren aus 15 verschiedenen Ländern“, erzählt man uns am Messestand.
Bekannt ist das Haus vor allem für seine Single Casks, also Abfüllungen aus einzelnen Fässern. Die Fata Morgana geht den umgekehrten Weg. Die beiden Guyaner übernehmen dabei die Hauptrolle. Sie liefern den typisch englisch geprägten Demerara-Stil, trocken und intensiv. Der Venezolaner ist der Gegenpart. Weicher, zurückhaltender und, wie unsere Gesprächspartnerin am Stand recht unverblümt zugibt, für sich genommen sogar ein bisschen flach.
Das klingt zunächst nicht gerade nach einer Empfehlung. Im Blend ist diese Zurückhaltung allerdings gewissermaßen die Stellenbeschreibung. Der Venezolaner gibt den beiden Guyana-Rums eine weichere Basis. Einer redet, der andere sorgt dafür, dass es ein Gespräch bleibt. So zumindest die Theorie.
Beuchet selbst hat Blending und Finishing einmal mit einem Geschmacksverstärker verglichen. Wie Salz oder Pfeffer beim Kochen. Oder ein paar Spritzer Bitter im Cocktail. Es geht nicht darum, noch mehr Geschmack hineinzupacken, sondern den vorhandenen besser zur Geltung zu bringen. Und der Name? Vielleicht ist der Venezolaner selbst die Fata Morgana. Man weiß, dass er da ist, bekommt ihn aber kaum zu fassen. Dabei wäre der Blend ohne ihn vermutlich ein ganz anderer.
Und wie schmeckt sie?
Unser erster Eindruck am Stand: Guyana gibt klar den Ton an. Schon in der Nase zeigt sich die trockene, intensive Demerara-Handschrift. Der venezolanische Anteil ist dagegen kaum einzeln herauszuriechen. Aber genau das scheint ja die Idee zu sein. Er soll verbinden. Am Gaumen ist der Rum okay, aber kein Highlight, das man probiert haben muss. Wir mögen die Demerara-Aromatik, aber insgesamt ist er für unseren Geschmack mit 43 Volumenprozent etwas zu dünn und die 75 Euro insgesamt nicht wert.
Wertung: 6.6/10 Punkten