Das Jahr neigt sich dem Ende zu – und die Heinz Eggert GmbH haut mit ihrer Marke Rum Artesanal nochmal raus! Wie schon beim German Rum Festival werden erneut 4 unterschiedliche Rums auf einen Schlag veröffentlicht. Was mir direkt positiv auffällt: Es handelt sich nicht um die üblichen Hampdens, Guyanas und Co. (obwohl ich beide natürlich wahnsinnig schätze), sondern auch Abfüllungen aus kleineren Rum-Nationen sowie eine ganz besondere Rarität.

Die vier neuen Abfüllungen sind

  • Rum Artesanal Jamaika MRJB 05/1977 – 10/2022 (48,9%)
  • Rum Artesanal Trinidad Ten Cane Distillery 05/2008 – 10/2022 (58,2%)
  • Rum Artesanal Venezuela CADC Distillery 04/2005 – 10/2022 (57,8%)
  • Rum Artesanal Australien Secret Distillery 08/2007 – 10/2022 (67,5%)

Lest hier die Tests und Hintergründe zu den einzelnen Abfüllungen.

Rum Artesanal Jamaika MRJB 1977

Rum Artesanal Jamaika MRJB 1977

Das Highlight auf dem Papier ist ganz klar der 1977er MRJB. Damit ist er noch älter als der 1982er Blend aus der letzten Rum-Artesanal-Kollektion. Dieser haute uns angesichts des Preises von 449 Euro nicht ganz so vom Hocker, der Geschmack war insgesamt recht dünn (den Test findet ihr hier). Umso gespannter sind wir auf diese Flasche.

Der neue MRJB lagerte 45 Jahre, laut Hersteller die meiste Zeit davon direkt auf Jamaika. Der Rum selbst ist ein Blend aus Column- und Pot-Stills. Abgefüllt wurde in Fassstärke mit 48,9%. Die Destille darf nicht genannt werden. Die Abfüllung ist limitiert auf 288 Flaschen.

Wir gönnen diesem Destillat zunächst etwas Zeit im Glas, schließlich hat man einen 45-jährigen Rum nicht allzu oft im Glas. Dann präsentiert sich uns eine sehr schöne Nase mit einer dichten Aromatik. Ich würde sie als eine sanfte Mischung aus Früchten, Holz, Vanille und Gewürzen beschreiben.

Am Gaumen dann aber ein anderer Eindruck. Der Antrunk ist gefällig mit Vanille und Karamell, aber schon fast etwas schwach auf der Brust. Dann setzen sich aber röstige Noten durch und das Holz macht sich mit seinen Tanninen bemerkbar. Natürlich nicht so dominant wie bei einem KFM 1991 Rum. Aber es ist auch nicht zu leugnen. Im Abgang bleiben bittere Aromen. Aber leider auch kaum etwas anderes. Schade.

Ein leckerer Rum, ohne ein Komplexitätswunder zu sein. Die Kombination aus weichem Mundgefühl und bitterem Nachgeschmack ist zwar interessant, aber die Rum-Cracks verpassen auch nichts, wenn sie diesen Rum nicht im Glas hatten. Cognac- oder Whisky-Fans wird er vermutlich gefallen. Der Preis liegt mit 699 Euro für 0,5 Liter ganz am Ende der Fahnenstange. Für einen Rum aus dem Jahr 1977 in der Theorie vielleicht angemessen, aber mir persönlich viel zu teuer. Unabhängig vom Preis gefällt mir die 77er-Abfüllung dennoch etwas besser als der 82er MRJB, der im Mund einfach durchgerauscht ist. Ich vermute, sie wird aufgrund des Preisschildes dennoch ein Ladenhüter bleiben.

– 80 / 100 –

Rum Artesanal Trinidad Ten Cane Distillery 2008

Rum Artesanal Trinidad Ten Cane Distillery 2008

Rum aus Trinidad gibt es regelmäßig, erst im vergangenen Jahr veröffentlichte Rum Artesanal einen TDL aus dem Jahr 2002. Diesmal stammt die Abfüllung aus der Ten Cane Distillery. Dabei handelt es sich um eine Destillerie, die LVMH von 2005 bis 2015 auf dem Gelände der Trinidad Distillers Ltd. (TDL) betrieben hat. Dort wurde der Ten Care Rum aus Zuckerrohrsaft in einer Pot Still produziert. Damals war er nicht sonderlich beliebt, sodass die Produktion nach nur zehn Jahren eingestellt wurde. Heute zählen die Abfüllungen als kleine Highlights. Vom 2008er Jahrgang kommen nun einige auf den Markt – nun auch von Rum Artesanal. Dieser Rum ist limitiert auf 265 Flaschen.

In der Nase finde ich Süße, Gewürze, ganz leicht Menthol. Es fehlt jedoch das abgebrannte Autohaus eines Caroni. Im Hintergrund schimmern ganz dezent rote Früchte und dunkle Schokolade durch, der Alkohol ist in der Nase top-integriert. Das macht Lust auf mehr.

Auf der Zunge dann ein typischer Trinidad-Vertreter: Etwas dreckig, Menthol, Rauch, Leder, Gummi, dazu Früchte, Holz. Sehr viel Würze, Schärfe – teils Alkohol, teils aber auch die spezielle Schärfe von Ingwer und Chili, dazu holzige und karamellige Noten. Im Abgang bleibt etwas Minze. Würde man jeden Geschmack übereinander schichten, das Ding würde aussehen wie ein Baumkuchen.

Wenn ich diesen Rum in wenigen Worten beschreiben müsste, es wäre: Komplex, komplett, beinahe überschwänglich. Ich mag den Mix aus Gewürzen, Früchten, Holz und „Dreck“. Ein toller Trinidad-Rum, der zeigt, dass das Land noch viel mehr ist als nur Caroni. Aber sicherlich wird nicht jeder Rum-Fan mit diesem Profil warm. Dafür ist der Preis fair: 89,50 Euro für 0,5 Liter. Da hätte ich zugegeben mehr erwartet.

– 84 / 100 –

Rum Artesanal Venezuela CADC Distillery 2005

Rum Artesanal Venezuela CADC Distillery 2005

Bei Rum aus Venezuela bin ich ja zugegeben immer etwas voreingenommen: Oft finde ich die Abfüllungen süffig, aber auch unspektakulär. Im Frühjahr 2020 gab es ja bereits eine CADC-Abfüllung von Rum Artesanal, jedoch destilliert 2007 und damit insgesamt knapp 4 Jahre jünger. Diese besitze ich auch noch zuhause, weshalb ich beide Rums noch einmal im direkten Vergleich haben gegeneinander antreten lassen. Wen das interessiert, der möge hier klicken.

Es handelt sich beim 2022er Rum Artesanal CADC um einen Melasse-Rum, der in einer Column Still destilliert wurde. Der Alkoholgehalt liegt bei 57,8%. Die Menge ist begrenzt auf 342 Flaschen.

Also ab ins Glas damit. Reingeschnuppert, und ich glaube meinen Augen meiner Nase kaum: Wahnsinnig viel Fichte, Harz, Minze, ich komme mir vor wie … im Wald? Ich bin neugierig. Und auch am Gaumen: pure Erfrischung! Baumharz und Kräuter, wohin die Zunge auch wandert. In den Ecken verhalten ein paar tropische Früchte, etwas Holz, aber ansonsten Fisherman’s Friend! Das Aroma bleibt noch lange am Gaumen, faded aber langsam aus, ohne dass sich störende Noten dazumogeln.

Ein solches Aroma hätte ich bei einem CADC nicht erwartet. ich finde den Rum unglaublich spannend, aber ich persönlich möchte auch keinen Rum zuhause haben, der ein Mix ist aus fassgelagertem Mojito und Hustensaft. Aber dieser Rum wird sicherlich seine Fans finden. Zumal der Preis mit 69 Euro für 0,5 Liter angemessen ist.

– 81 / 100 –

Rum Artesanal Venezuela CADC Distillery 2005

Rum Artesanal Australien Secret Distillery 2007

Rum aus Australien dagegen macht mich immer neugierig. Wir haben bereits hervorragende Abfüllungen im Glas gehabt, etwa die von The Rum Cask, ein Beenleigh-Doppelpack von Velier oder vom RumClub in Berlin. Alles drei tolle Rums mit eigenem Charakter!

Der Rum Artesanal Australia wurde im August 2007 destilliert und im Oktober 2022 abgefüllt. 10 Jahre lang lagerte er in Australien, ab Ende 2017 fristete das Fass ein Dasein in Europa. Abgefüllt wurde am Ende mit brachialen 67,5% , was dennoch für 370 Flaschen reichte.

In der Nase präsentiert sich dieser Rum direkt fruchtig, neben Pfirsich findet man die leichte Säure von Zitrusfrüchten, ein wenig Apfel und Vanille. Eine üppige Nase mit viel Frucht.

Am Gaumen ist dieser Rum äußerst kräftig. Direkt im Antrunk die volle Ladung Aromen, ohne dass sie jedoch die Zunge überfordern. Auch hier sehr Pfirsich-lastig, dazu die elegante Süße von Holz. Ein langer Abgang, warm, würzig, leicht holzig. Macht Spaß! Die 0,5-Liter-Flasche kostet 79 Euro. Auch das ist mehr als fair für das Gebotene.

– 87 / 100 –

Fazit:

Insgesamt ein abwechslungsreiches Quartett, welches Rum Artesanal zum Ende des Jahres 2022 auf den Markt gebracht hat. Der Jamaika-Blend aus dem Jahr 1977 wird vermutlich kein großer Bestseller, allein aufgrund des Preises. Die anderen drei Abfüllungen sind mit 69 bis 89 Euro deutlich fairer bereits und ragen auf geschmacklich aus dem Einerlei heraus. Wer die Möglichkeit hat, an ein Sample-Kit zu kommen, sollte unbedingt zuschlagen.

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Letzte Aktualisierung am 29.11.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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