„Niemand ist wie du“ – so lautet der Slogan der Macher des Niemand Gins. Und auch von Niemanden ist die Geschichte wie die von diesem Gin, denn alles begann mit der Suche nach den besten Gewürzen zur Veredelung eines Gin Tonic. Nachdem diese gefunden waren brachten die beiden Gründer Sebastian Otto und Torben Paradiek 2014 mit dem Projekt „Gin Flights“ Würz-Sets für einen Gin Tonic auf den Markt. Als logische Konsequenz lancierten sie 2015 ihren eigenen Small Batch Gin – den Niemand Gin*. 2019 folgte ein Vodka*, der ebenso wie der Gin Sandelholz als prägendes Aroma enthält auf den Markt. Kurz darauf folgte schließlich ein spannender Likör auf Basis des Niemand Gin. Heute möchten wir euch den Gin und den Likör mit einem dazu passenden Rezept vorstellen.

Niemand Gin

Der New Western Dry Gin (im Gegensatz zum London Dry Gin liegt der Fokus nicht auf Wacholder, sondern anderen Aromen) wird wie bereits erwähnt in kleinen Chargen von Hand in Hannover hergestellt. Dafür werden die 10 Botanicals in Alkohol mazeriert und anschließend über acht Stunden destilliert. Bei den eingebrachten Botanicals handelt es sich um Wacholder, Lavendel, Rosmarin, Zimt, Sandelholz, Vanille, Apfel, Pinienkerne, Ingwer und Koriander.

Niemand Dry Gin
Das Design des Niemand Dry Gin ist auffällig

Die Flasche finde ich optisch sehr gelungen, sie ist klein und handlich und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Sie ist in einem zarten Rosa gehalten und mit großen schwarzen Lettern bedruckt. Verschlossen ist sie mit einem einfachen schwarzen Schraubverschluss.

Tasting Niemand Gin

Beim Schwenken im Glas zeigt sich der Niemand Gin ölig und schwer mit langen Beinchen. In der Nase ist er kräftig und wuchtig. Ich lasse ihn ein paar Minuten im Glas ruhen. Dann nehme ich zunächst Sandelholz gefolgt von floralen Lavendelnoten wahr. Begleitet wird das Ganze von Wacholder und würzig-kräuterigem Rosmarin, Zimt und fruchtigen Apfel-Ingwernoten mit einer ganz dezenten Zitrusnote. Der Gin baut beim Riechen eine gute Spannung auf und stimmt neugierig auf den Geschmack. Meiner Meinung nach profitiert dieser Gin davon, wenn man ihm ein paar Minuten im Glas zum Atmen gönnt. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass die floralen Aromen einen kleinen Moment benötigen, bis sie sich aus dem Glas herauskämpfen können.

Am Gaumen zeigt sich beim Pur-Verkosten dann ein ähnliches Bild wie in der Nase. Das Sandelholz marschiert mit dem Wacholder und Rosmarin vorneweg. Der Wacholder wirkt jedoch zu meiner Freude nicht zu dominant. Das holzig-harzige Sandelholz gibt mit dem Rosmarin ganz klar den Ton an. Ansonsten finden wir wieder Lavendel und eine leichte, sehr angenehme Ingwerfrische. Zitrusnoten nehme ich nur leicht im Hintergrund wahr. Auch den Zimt schmecke ich erst wieder ganz subtil im sehr langen Abgang. Hier macht sich der Alkoholanteil aromatisch positiv bemerkbar. Die Aromen verbleiben lange im Mund. Trotz 46 % ist der Niemand Gin mild zu trinken, der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Der Niemand Gin* ist definitv ein sehr eigenes Produkt. Das zeigen schon die eingesetzten Botanicals. So verzichtet der Hersteller zum Beispiel auf klassische Zitrusnoten aus Zitrusschalen. Dafür bringt er mit Vanille, Pinienkernen und Sandelholz hochwertige und auch recht ungewöhnliche Botanicals in sein Produkt. Und erschafft so ein ganz spezielles Aroma, das ich so auch noch nicht im Glas hatte. Aufgrund der nicht so ausgeprägten Wacholdernote kann ich mir jedoch gut vorstellen, das dieser Gin bei Liebhabern eines klassischen Gins für Diskussionen sorgen kann – Christoph zum Beispiel ist kein Fan des Niemand Gin geworden. Mir gefällt er aber wirklich sehr gut. Er erinnert mich ein wenig an ein schönes Parfüm. Man könnte zusammenfassend sagen: „Niemand ist im Glas wie du“.

Niemand Likör

Der Niemand Likör 2020 auf den Markt. Als Basis dient der Niemand Gin. Dieser folgt der Tradition, ungewöhnliche Zutaten miteinander zu kombinieren. Bei Gin-Likör denke ich sofort an Sloe Gin, schließlich ist das ja auch seit einiger Zeit ein kleiner Trend auf dem Gin-Markt.

Niemand Likör
Der Niemand Likör

Anders bei Niemand. Hier bleibt man sich treu und bringt ein Produkt auf den Markt, das sich von der Masse absetzt. Als Botanicals kommen Gurke, Petersilie, Bergamotte, Kamille, Grapefruit, Mandel und nochmal zusätzlicher Wacholder zum Einsatz. Klingt ein bisschen wie eine Mischung aus dem Spreewald und Kalabrien. Dazu kommt selbstverständlich noch Zucker. Mindestens 100 Gramm pro Liter muss er enthalten, um sich Likör nennen zu dürfen. Und süß ist er auf jeden Fall, das können wir schon vorweg nehmen. Abgefüllt wird er mit 20%.

Auch der Likör kommt in einer schlanken Flasche mit einem einfachen Holzverschluss nach Hause. Der Likör schimmert golden in der Flasche. Die Flasche ist diesmal nicht rosa, sondern knallgelb bedruckt. Das Muster des Drucks ist im Design der Marke gehalten.

Tasting Niemand Likör

Nach dem Eingießen habe ich sofort ein ausgeprägtes Gurken- und Petersilienaroma über dem Glas hängen. Ich muss sofort an den Winter-Hopper-Cocktail und den Le Gurk denken. Neben Gurke und Petersilie nehme ich außerdem Bergamotte und Grapefruit wahr. Die Kamille verbindet sich mit der Würzigkeit des enthaltenen Gins.

Beim Kosten fällt natürlich zuerst die Süße auf, es handelt sich schließlich um einen Likör. Wieviel Zucker der Likör genau enthält habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können. Aber es ist alles noch im erträglichen Maß, der Likör ist nicht pappsüß. Ist der Zucker erstmal über den Gaumen gerutscht füllt sich der Mund wieder mit ausgeprägten frischen Gurken- und würzigen Petersilienaromen, die von feinen Zitrusaromen umspielt werden. Mandel kann ich nicht differenziert herausschmecken. Die Farbe des Likörs spiegelt auch dessen Aroma ziemlich gut wieder, leicht und hell mit viel Zitrusfrucht.

Der Niemand-Likör ist ein Produkt, das uns beiden sehr gut gefällt. Genau wie bei seinem großen Bruder geht Niemand seinen eigenen Weg und probiert aromatisch einiges aus. Als Cocktailzutat kann man mit derm Likör sicher viel herum experimentieren und interessante Aromen-Pairings schaffen.

Niemand-Produkte im Cocktail

Ein Gin oder auch ein Likör mit einer solch eigenen Aromenpalette ist für Cocktails sehr gut geeignet und bringt eine schöne Abwechslung in die Welt der vielen gleich oder ähnlich abgestimmten Gins. Mit dem Niemand-Gin kann man wohl fast jeden klassischen Gin-Cocktail neu interpretieren. Ich kann mir den Gin zum Beispiel ganz hervorragend als Martini, Water Lily oder auch im Aviation vostellen. Der Hersteller hat uns einen Gimlet mit diesem Gin ans Herz gelegt.

niemand-gimlet
Ein Gimlet mit dem Niemand Dry Gin

Wir haben uns aber etwas noch etwas ganz anderes überlegt und greifen dem bereits vorhandenen Bergamottenaroma des Likörs unter die Arme und intensivieren es mit Vanille. In der Aromatherapie sind Bergamotte und Vanille Aromen die sich sehr gern haben und gegenseitig suchen. Wir haben uns für eine Variante eines Fizz entschieden – den Bergamia Fizz.

Bergamia Fizz

Der Bergamia Fizz ist nach der Bergamotte (citrus bergamia) benannt und ein eher säuerlicher und frischer Drink, der perfekt zu einem warmen Sommertag passt. Je nach Aroma des Bergamottengeistes reichen 5-10 ml. Generell gilt: Bei der Bergamotte ist weniger mehr, da sie ein intensives Aroma hat, das bei Überdosierung leicht ins Seifige abdriften kann. Der Drink wird je nach Geschmack mit Soda oder Tonic aufgefüllt. Wir haben uns für Tonic entschieden, da wir die Bitterkeit des Tonics als Gegenspieler sehr passend empfanden.

Niemand Gin und der Bergamia Fizz
Der Bergamia Fizz ist sehr süffig

Zutaten

Zubereitung

Alle Zutaten mit viel Eis shaken und anschließend in ein mit Eis und einer langen Zitronenzeste gefülltes Longdrinkglas abseihen. Mit Soda oder Tonic auffüllen. Mit Rosmarin dekorieren.

Cheers!

Transparenz-Hinweis: Die Flasche wurde uns freundlicherweise vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Dabei wurde weder auf den Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen.

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