Ho, Ho, Hochprozentig – das scheint das Motto im Rum-Depot zu sein. Denn pünktlich zum Start der Adventskalender und der Vorweihnachtszeit bringt man gleich drei Flaschen in Fassstärke auf den Markt. Eine stammt aus Hawaii, eine aus Jamaika – und eine ist ein hausgemachter Blend.

Wir haben alle drei probiert, unsere Eindrücke lest ihr in diesem Artikel.

RumClub Koloa Single Cask
Der erste Single Cask Rum aus Hawaii

RumClub Edition 30 – Koloa Single Cask 5y

Die Koloa Distillery auf Hawaii haben wir euch bereits hier im Blog vorgestellt. Ich bin bereits seit vielen Jahre Fan der hawaiianischen Rums, neben der Kokosnuss- und der Kaffee-Variante habe ich vor Kurzem auch die neue Kakao-Edition sehr gefeiert. Nun brachte das Team von Spirit of Rum aka Rum-Depot eine Single Cask Edition von Koloa hierzulande auf den Markt.

Richtig gelesen: eine Einzelfassabfüllung aus Hawaii. Die erste überhaupt. Destilliert wurde der Rum im Juni 2017, abgefüllt im Juni 2022 mit 60,55%. Insgesamt gibt es 300 Flaschen.

Es hat einiges an Überzeugungsarbeit bedurft, um das zu realisieren, erklärte Dirk Becker auf dem Bottle Market in Bremen. Doch es hat sich sowas von gelohnt.

In der Nase wirkt das Ganze äußerst entspannt: Es entfaltet sich ein Mix aus Frucht, viel Vanille, etwas Muskatnuss, Holz, Blüten und gebranntem Zucker. Was für eine Einladung, den Rum direkt zu probieren.

Im Mund setzt sich dieser Eindruck fort. Angenehm würzig, dezente Kokosnuss-Noten, viiiieel Vanille, ein wenig Salz, junges Holz (damit nicht sehr bitter) und Milchschokolade, Lakritz und Bitterorange. Schmeckt wie ein Mix aus intensivem Spanier und Foursquare mit Salz. Der Koloa Single Cask hat etwas Nussig-Cremiges, die Textur erinnert uns ein wenig an Erdnussbutter.

Ein wahnsinnig leckerer Rum, von dem man sich fast direkt eine zweite Flasche gönnen und ins Regal stellen würde, läge der Preis nicht bei 100 Euro für 0,5 Liter. Das ist kein Schnäppchen, aber angesichts des famosen Geschmacks und der Exklusivität doch irgendwie gerechtfertigt.

Wer sich oder den Liebsten zu Weihnachten etwas gönnen möchte: Klare Kaufempfehlung!

-83 von 100 –

RumClub Navy Blend 31
Einen selbstgeblendeten Navy Rum gibt es auch im Jahresend-Trio

RumClub Edition 31 – Navy Blend Rum HQNB

Navy-Blends sind ja immer so eine Sache. In der Theorie eine ziemlich coole Angelegenheit, würzig und kräftig mit vielfältigen, komplexen Aromen. In der Praxis aber manchmal etwas drüber oder zu unspezifisch. Nun wagt sich auch das Team vom Rum-Depot an einen Navy Blend. „Ich blende halt einfach sehr gerne“, sagte Dirk Becker auf Nachfrage während des Bottle Markets in Bremen, wo wir diese Abfüllung probierten. Langjährige RumClub-Fans werden sich noch an Blends wie den tollen Nanny of the Marions erinnern.

Diesmal entstand ein Navy Blend Rum. Laut Etikett ein „High Quality Blend of Rums from 5 to 32 Years“ aus den Ländern Guyana, Jamaica und Guyana. Die Alkoholstärke liegt bei kräftigen und unverdünnten 64,35%, am Ende reichte es für gerade einmal 73 Flaschen.

5 bis 32 Jahre – das kann viel bedeuten. Dirk ist jedoch relativ transparent, was die Zusammensetzung angeht. Denn es handelt sich bei diesem Navy Blend gewissermaßen um Überbleibsel der Single-Cask-Abfülungen der vergangenen Monate. Vermählt wurden Rums aus den Jahrgängen 1990 (der HD C<>H, der weiter unten folgt), 1995 (müsste der Clarendon EMB sein), 1997, 1998, 1998 – allesamt drei Caroni-Jahrgänge – und 2000 (auch ein Monymusk).

Insgesamt besteht der Rum laut Herstellerangaben zu 82% aus Rums, die mindestens 26 Jahre oder länger im Fass ruhten. Und 95% der Bestandteile sind älter als 20 Jahre. Ergibt im Umkehrschluss: Lediglich 5% der Anteile sind jünger. Das sind unter anderem einige Demerara und Worthy Parks.

Der Rum liest sich gewissermaßen wie ein Best of. Doch schmeckt er auch so?

Die tiefdunkle Farbe im Glas macht auf jeden Fall sehr neugierig. In der Nase finde ich zunächst Jamaika, die vollreifen Früchte setzen sich gegen die anderen Aromen durch. Ein ganz anderes Bild dagegen im Mund: Hier dominiert Trinidad, mit leicht „dreckigen“ Aromen, viel Gewürzen, aber auch Pflaume, die man aus Guyana-Vertretern kennt. Riecht nach Ester, schmeckt nach Reifen, um es plump zusammenzufassen. Die bittere Note ist ausgeprägt, aber noch im erträglichen Rahmen.

Insgesamt ein krass-komplexer Rum. Es macht Spaß, die einzelnen Bestandteile zu dechiffrieren oder es jedenfalls zu versuchen. Er ist aber aufgrund des überbordenden Aromas auch etwas anstrengend und kein einfacher Sipper wie der Koloa Single Cask. Fraglos ein Rum für Kenner mit äußerst geringer Auflage, die so nie wieder reproduziert werden kann. Fraglos ein spannendes Experiment!

– 84 von 100 –

RumClub HD 1990
Ein 1990er Hampden ist eines der Highlights zum Jahresende

RumClub Edition 32 – Jamaica Rum HD 1990 C<>H

Der dritte und letzte Rum im Bunde ist ein Jamaikaner. Ein sehr alter Jamaikaner aus der allseits beliebten Hampden-Destillerie. Die Flasche trägt das Mark HD 1990 C<>H – ein sehr beliebtes Mark, welches genügend Ester und damit die typische Jamaika-DNA aufweist, ohne zu weit zu gehen.

Destilliert wurde der Rum im November 1990, in die Flasche gebannt im November 2022. Es handelt sich somit um den ältesten Vertreter des Jahrgangs 1990, der nunmehr 32 Jahre alt ist. Abgefüllt wurde er in Fassstärke mit 54,51%. Die Auflage liegt bei 274 Flaschen.

In der Nase begrüßt mich dieser Rum mit dem wohlbekannten Duft alter Hampdens. Man findet also keinen überreifen Obstkorb mehr, der aufdringlich in jede Ecke des Raumes strömt. Nein, nein, das hier ist eine gebändigte Fruchtigkeit. Allen voran Ananas, leicht flambiert. Habe ich jemals Ananas flambiert? Ehrlich gesagt nein, aber genau so stelle ich mir das vor. Ein wenig Funk, vergorene Mango, Ananas, etwas Klebstoff, Anis, geringer Fasseinschlag – einfach eine tolle Nase!

Im Mund findet man auch wieder viele tropische Früchte, dominiert von Ananas, Papaya und Limette, wodurch es einen leicht sauren Einschlag gibt. Der Rum ist adstringierend, man merkt förmlich wie der Speichel einfließt. Intensiv und ausdrucksstark mit einer leichten Süße, die einen aber nicht erschlägt. Sehr ausgewogener Mix mit Früchten, Gewürzen und Holzeinflüssen, Alkohol und Alter toll kombiniert. Nicht zu holzig, trotz des Alters. Ein geschmeidiger Gentleman mit einer bewegten Jugend.

Vielleicht nicht der beste 1990er Hampden, den wir je hatten, in meiner Erinnerung schnitt der 1990 HD von Rum Artesanal noch etwas besser ab. Aber dennoch zeigt dieser Rum, warum diese Destillerie – und vor allem dieser Jahrgang – so gefeiert wird. Mit 389 Euro für die Flasche muss man jedoch auch tief in die Tasche greifen. Aber es werden nunmal auch nicht mehr Fässer aus diesen Jahrgängen.

– 90 von 100 –

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