Es ist eine neue und durchaus schöne Tradition: Ende des Jahres bringt der Rum-Abfüller Nicolas Kröger eine limitierte Abfüllung auf den Markt, in diesem Jahr – Surprise, Surprise – die Wagemut Special Edition 2022. Dabei handelt es sich nicht um eine etwas aufgemotzte Variante des allseits bekannten Wagemut PX Cask, sondern um ein vollkommen eigenständiges Produkt. Im vergangenen Jahr brachte Nicolas eine Sherry-Bombe auf den Markt (lest hier unseren Test: Sherry Sherry Lady), dieses Jahr schaltet er einen Gang herunter, zumindest was die Extravaganz antrifft. Glücklichweise nicht bei der Qualität, wie unser Test zeigt.

Kommen wir zunächst zu den Fakten der Wagemut Special Edition 2022. Es handelt sich um 16 Jahre gereiften Rum aus Barbados – genauer gesagt: der Foursquare Distillery, mit der Nicolas ja häufiger experimentiert -, der für ein weiteres Jahr (streng genommen lag er also 17 Jahre in Fässern) in extrakleinen First Fill PX Sherry 50-Liter-Fässern lag. Gute Nachrichten für die Puristen unter den Wagemut-Fans: Es handelt sich diesmal um keine Experimente wie selbstgeimpfte Fässer oder gar Fässer, in denen Sherry „vergessen“ wurde. Alles ganz clean diesmal also.

Das Design orientiert sich am Vorjahr. Nicolas möchte jedes Jahr das Thema darauf abbilden, welches uns am meisten umgetrieben hat. Im vergangenen jähr waren es Menschen, die sich an den Händen halten, als Reminiszenz an die Geselligkeit nach den zahlreichen Corona-Lockdowns. Dieses Jahr prangt eine Friedenstaube mit Stacheldraht im Schnabel auf der Flasche – als Zeichen, dass auf jeden Krieg irgendwann der Frieden folgt. Hoffentlich eher bald als spät.

Die neue Flasche gibt es ab Mittwoch (30. November 2022) im Wagemut Members Club und ab Donnerstag (01. Dezember 2022) bei den einschlägigen Händlern erhältlich.

Der Hintergrund der kleinen Sherry-Fässer

Diese kleinen 50-Liter-Fässer sind in der normalen Sherry-Produktion gar nicht im Einsatz, weil sie für die Industrie überhaupt nicht rentabel wären. Sie werden von einer Spezialfirma hergestellt – eben für Menschen wie Nicolas Kröger, die gerne mit Fässern und Spirituosen experimentieren.

In eben jene Fässer wird der Barbados-Rum gegeben. Durch das kleine Volumen (50 Liter) ist das Verhältnis zwischen Holz und Flüssigkeit verhältnismäßig groß. Pro Liter Alkohol gibt es also viel mehr Kontakt mit der Flüssigkeit. Das macht sich natürlich im Geschmack bemerkbar: Die Sherry-Note ist sehr präsent.

Abgefüllt wurde der Wagemut Special Edition 2022 in Fassstärke mit einen Alkoholgehalt von 56,1%.

  • Die Flasche ist eine Abwandlung des normalen PX Cask
  • Wagemut Special Edition 2022 mit Friedenstaube
  • Der Korken
  • Das Etikett der Wagemut Special Edition 2022
  • Der Rum selbst ist nicht gefärbt
  • Wagemut Special Edition 2022

So schmeckt die Wagemut Special Edition 2022

Gießt man die Wagemut Special Edition 2022 ins Glas, fällt direkt auf: Die Farbe ist deutlich heller als bei der letztjährigen Sonderabfüllung. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, schließlich wurde 2021 der Rum mit echten Sherry veredelt. Die Farbe jetzt sieht sehr natürlich aus.

Aus dem Nosing-Glas strömen direkt intensive Holznoten. War 2021 das Jahr der Sherrybombe, ist 2022 das der Fassbombe. Erinnert mich ein wenig an alte Cognacs, jedoch ohne die mitunter muffigen Keller-Noten.

Der Geschmack ist komplex. Einerseits ist es ein unglaublich weicher Rum, der sehr gut trinkbar ist. Der Alkohol ist top-integriert. Klar schmeckt man die Fassstärke, aber im Blindtest würde ich ihn unter 56,1% einordnen. Ich hätte ihn dann auch nicht unbedingt als Vertreter aus Barbados erkannt, die häufig ja doch mit Noten von Vanille, Bananen, einem Hauch Kokosnuss erinnern. Ich hätte ihn im ersten Antrunk eher als einen ungewöhnlichen Nicaraguaner oder einem gezähmten Jamaikaner erkannt.

Denn man schmeckt in dem milden Wagemut Special Edition 2022 auch viele würzig-fruchtige Aromen, die sich aus dem Mix aus altem Holz (das 16-jährige Fass) und jungem Holz (First Fill PX Sherry mit 50 Litern) ergeben. „Der alte Rum kämpft mit dem jungen Holz“, wie es Nicolas formuliert. Dem können wir nur zustimmen.

– 84 von 100 –

Fazit: Nach dem Sherry kommt das Ahornsirupfass

Am Ende ist die Wagemut Special Edition 2022 eine völlig andere Kategorie Rum als das Vorjahres-Modell. Er ist nicht so aufdringlich süß und schmeckt nicht wie eine flüssige Rosine, sondern ist eher was für die Pur-Fraktion. Er ist jedoch schon deutlich kraftvoller als der „normale“ Wagemut PX Cask mit 40%. Doch darum geht es ja: Jedes Jahr neue Eindrücke bekommen.

Das wird auch 2023 der Fall sein. Denn auch wenn es noch etwas dauert, Nicolas hat bereits die Katze aus dem Sack Fass gelassen: Die Wagemut Special Edition 2023 reift bereits im Ahornsirupfass. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen, wie mir Stauning-Mitarbeiter auf dem Bottle Market in Bremen verrieten. Aber wenn es gelingt, bin ich großer Fan. Ich kann es schon kaum erwarten!

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