Im Süden von Mauritius in der Nähe von Riviere des Anguilles befindet sich auf einer Plantage mit Herrenhaus und angeschlossener Teeproduktion die Destillerie Saint Aubin. Im Jahr 1819 wurde die Zuckerrohrplantage von Pierre de Saint Aubin gegründet. Damit ist sie eine der ältesten Betriebe der Insel. Wie auf Mauritius üblich wird der frische Zuckerrohrsaft in einer Kupferbrennblase (Pot Still) gebrannt. Dadurch handelt es sich um einen Rhum, jedoch streng genommen nicht um einen Agricole, weil Mauritius nicht zum Einzugsgebiet der französischen AOC gehört.

Die Grundidee der Rumproduktion geht jedoch noch auf die ehemalige französische Besatzungszeit zurück, die jedoch bereits 1810 durch die Eroberung der sogenannten „Isle de France“ durch das British Empire beendet wurde. Von den Briten wurde die Insel dann auch zu Mauritius umbenannt.

Traditionell verfügte das Unternehmen nur über die eine Kupferbrennblase. Zur Steigerung der Produktionsmenge kam aber im Verlauf noch eine Column Still hinzu. Das Zuckkerrohr wird immer noch am Morgen von Hand geerntet und anschließend sofort zur Zuckermühle gebracht. Dort wird es langsam und schonend ausgepresst. Den so gewonnenen Zuckerrohrsaft bezeichnet man auf Mauritius auch als „Fangourin“.

History Collection Cuvée Grande Réserve

Saint Aubin

Bei der Historical Collection handelt es sich um eine limitierte Edition, in dem Fall limitiert auf 5218 Flaschen, die an die Geschichte der Insel erinnern soll. Für das Cuvée Grande Réserve wurde in Pot Stills destillierter Agricole für sieben Jahre in Eichenholzfässern gelagert. Die Abfüllung erfolgte nur aus Rums des 2004er Jahrgangs mit 40%. 0,7 Liter kosten ca. 40€.

Der Rhum liegt beeindruckend dunkel, schön terracottafarben im Glas. Beachtlich, was in sieben Jahren in einem Fass passieren kann. Die Schlieren sind ölig. Die Nase startet fruchtig. Dörrobst und frische Früchte wie Papaya und Mango liegen in Holzaromen eingebettet in der Nase. Eine leichte Honig-/ Zuckerohrsüße lässt sich wahrnehmen, dazu etwas Rauch und im Hintergrund schimmert tatsächlich auch noch ein Hauch der typischen Agricole-Floralität hindurch. Das macht auf jeden Fall Laune auf den ersten Schluck. Alkohol kann ich in der Nase eigentlich gar nicht wahrnehmen.

Im Mund kommen als Erstes die Aromen aus der Nase an, dann wird es aber noch zusätzlich würzig. Zimt, Muskat, Lakritz, Vanille, schwarzer Tee und eine dezente Pfeffernote assistieren die Dörrfruchtaromen und die Zuckerrohrsüße sehr angenehm. Auch hier fügen sich die leicht bitteren Holz- und Raucharomen absolut stimmig mit in das Bild ein. Dadurch wirkt der Rhum erstaunlich komplex. Von den sonst so typischen Agricolearomen kann ich aber kaum etwas am Gaumen finden.

Die Lagerung hat dem Rhum auf jeden Fall einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Der Alkohol ist trotz 40% noch präsent, nicht besonders unangenehm, aber doch spürbar. Das Mundgefühl ist vollmundig und ölig. Der Abgang zunächst fruchtig – herb und dann am Ende leicht holzig mit Vanille und Lakritz. Vorallem die Dörrfruchtaromen haben mich überrascht, weil ich diese in ihrer Ausprägung bei einem gelagerten Agricole nicht unbedingt erwartet habe. Die Assoziation zu einen Demarara liegt hier für mich näher als zum Agricole.

-77 von 100-

Our Rum & Spirits Mauritius 2 Jahre

ORS Aubin

Bei dieser Flasche handelt es sich um eine Abfüllung des unabhängigen Abfüllers Our Rum & Spirits. Mehr Informtionen zu dem Abfüller und Christian Nagel könnt ihr hier erhalten. Als Basis für diesen Rhum diente ein ungelagerter Saint Aubin mit ursprünglich 50%. Nachdem der Rhum zwei Jahre vom 01.02.2018 – 10.03.2020 in einem kleinen Fass gelagert wurde, in dem vorher ein Jamaikarum reifte, erhöhte sich der Alkoholgehalt durch den Angel Share von 25% auf 65,7 % vol.. 0,5 Liter kosten bei Our Rum & Spirits 30€.

In der Nase zeigt er sich fruchtig mit Aromen von Mirabelle und Aprikosen und grasig mit leichten, typisch jamaikanischen Esternoten. Der Alkohol wirkt erstaunlich mild. Im Mund dann ein ähnlicher Eindruck. Aprikosen, Äpfel, frisch gemähtes Gras und florale Noten werden von dezenter Vanille und ganz zarten jamaikanischen Estern umspielt. Holzaromen sind nur sehr dezent ausgebildet. Der Alkohol ist durch seine 65,7% auf jeden Fall spürbar, ist aber relativ gut eingebunden. Für eine bessere Einbindung fehlt es ihm jedoch noch an Alter. Der Abgang ist recht kurz, grasig und fruchtig-pfeffrig. Hier hätte ich mir schon ein wenig mehr gewünscht. So fliegt der Rum ein wenig vorbei an den Synapsen ohne lange in Erinnerung zu bleiben.

Insgesamt nicht unspannend, aber auch nichts was mich vom Hocker reißt. Für Cocktails wie einer Daiquiri gut geeignet, sofern man Bock auf eine Daiquiri mit einem 65,7% Rhum hat. Und für 30€ ein guter Deal für einen Fasstärke Rhum mit einem speziellen Finish. Das Jamaikafinish hätte für meinen Geschmack gern noch etwas deutlicher sein können, vielleicht hätte dem Rhum gerenerell noch ein Jährchen ganz gut getan, das Potential wäre da gewesen. Auch der Abgang war etwas enttäuschend. So bleibt mein Eindruck etwas gespalten. Im direkten Vergleich gefällt mir das Cuvee doch deutlich besser.

-70 von 100-

Lest auch:

Guyana Rum – Wissenswertes und Tastings

Mount Gay im Test – Der älteste Rum der Welt

Rockley / Blackrock / WIRD Rum – Was hat es damit auf sich?