Der Markt der unabhängigen Abfüller ist mittlerweile sehr breit aufgestellt und wächst dennoch immer weiter an. Zu den bekanntesten und alteingesessenen gehören Velier, Duncan Taylor, Berry Bros. & Rudd, Silver Seal, Bristol Classic und Samaroli. Zu den neueren unabhängigen Abfüllern mit mittlerweile sehr hohem Bekanntheitsgrad Compagnie des Indes, Rum Nation, S.B.S, Cave Guildive und natürlich auch die von uns sehr geschätzten Abfüller Rum Artesanal und The Rum Cask. Neben diesen sehr bekannten Abfüllern gibt es aber auch Abfüller die noch nicht so lange am Markt präsent sind und dementsprechend um die Aufmerksamkeit der Käufer kämpfen müssen, während sich die Abfüllungen der namenhaften Anbieter fast von allein verkaufen. Dazu gehören zum Beispiel die Flensburg Rum Company und Our Rum & Spirits. Letztere möchte ich euch heute vorstellen.

Our Rum & Spirits – die Marke

Christian Nagel ist eigentlich Koch und betreibt ein Restaurant. 1991 habe er laut eigener Aussage seinen ersten Rum im Glas gehabt und sei begeistert gewesen, jedoch sei es damals für ihn noch sehr schwer gewesen an Nachschub zu kommen. 2006 hat er dann sein erstes eigenes Restaurant eröffnet, in dem es zwei Rums auf der Speisekarte gab. Nach und nach versuchte er seine Gäste von dieser Spirituose zu begeistern. So richtig ernst wurde es aber erst 2011. In diesem Jahr eröffnete er neues Restaurant, in dem es nur noch Rum und deutsche Edelbrände gab.

Sein Konzept ging auf und es folgten regelmäßige Nachfragen, ob er denn auch Rum verkaufe. Das tat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dazu sollte es erst Mitte 2014 kommen. Als erste Abfüllung ließ er – in Fassstärke – einen 2003 Guyana Rum unter seinem neuen Label Our Rum & Spirits abfüllen. Die erste Auflage umfasste gerade einmal 60 Flaschen. Darauf folgte schnell die zweite Abfüllung, danach wurde das erste Fass erworben.

2016 meldete sich Nagel zum ersten Mal mit Our Rum & Spirits als Aussteller auf dem German Rum Festival an und überzeugte direkt die Fachjury des Festivals. Mit seiner Guyana 2003 – 2016 Abfüllung konnte er die Goldmedaille in den Kategorien „Single Cask Rum“ und „Best of Show“ erlangen. Angesichts der unglaublich großen Konkurrenz auf dem GRF eine beachtliche Leistung.

Es folgten weitere Abfüllungen in den nächsten Jahren, so zum Beispiel der Blend „Hildesheimer Rumtreiber“, eine Hommage an seine Heimatstadt und den Hildesheimer Seefahrer Ditrick Pinning. Im Januar 2018 gründete Nagel dann die RumTreiber UG und gliederte damit die Marke Our Rum & Spirits aus dem Restaurant aus. Seitdem verkauft Nagel auch Spirituosen anderer Marken. Unter dem Label Our Rum & Spirits werden jedoch weiterhin seine eigenen Abfüllungen vertrieben, jedoch nicht nur Rum. So finden sich beispielsweise auch Mirabellen- und Traubenbrand im Sortiment, zudem einige Liköre.

Tasting Our Rum & Spirits

Im Webshop von Our Rum & Spirits findet man neben den ganzen interessanten Abfüllungen auch ein kleines fertig zusammengestelltes Tasting-Set. Dieses kostet gerade einmal 21,40 Euro und beinhaltet vier der Single-Cask-Abfüllungen. Das fanden wir natürlich sehr interessant und haben uns dieses Set kurzerhand bestellt. Anbei unsere Eindrücke:

1. Guyana Diamond 2003-2017, Cask 75, 63,7%Vol.

ORS Diamond13 front
Our Rum & Spirits Diamond 13y

Mit dieser Abfüllung hat Our Rum & Spirits auf dem German Rum Festival 2017 eine Goldmedaille in der Kategorie „Single Cask Rum“ gewonnen. Es wurden 197 Flaschen a 0,7 Liter in Fassstärke abgefüllt. Der Rum wurde bereits in der Destillerie gefärbt. Es handelt sich um ein Column Still Destillat. Destilliert wurde er also entweder auf der French Savalle 4 Column Still, der 2 Column Coffey Still oder der berühmten Enmore Wooden Coffey Still. Ein Marque ist leider nicht mit angegeben. Die Reifung erfolgte für 2 Jahre in den Tropen, anschließend wurde der Rum nach Europa gebracht und lagerte zunächst bis 2013 in England. Anschließend kam er nach Deutschland. Der Rum kostet 72 Euro.

Im Glas ist der Rum durch die Färbung sehr dunkel. Beim Schwenken hinterlässt er langsam ablaufende Beine, das weist auf eine schöne Viskosität hin, typisch für die gefärbten Rums aus Guyana. Auch die zweite Guyana-Abfüllung bietet das gleiche Bild, das kann ich schon vorweg nehmen. In der Nase finden sich tropische Früchte gepaart mit einer relativ kräftigen Holznote. Zusätzliche finde ich Karamell , Kakao, Vanille und Gewürze wie Nelke und Anis. Dazu noch eine sauere Note. Der Alkohol ist auf jeden Fall wahrnehmbar, stört aber nicht.

Im Mund kommt zunächst eine Karamellsüße an, die sicher auf das Färbemittel zurückzuführen ist. Der Schwenktest hatte das ja bereits erwarten lassen. Auch finden sich wieder tropische Früchte und intensive würzige Aromen, zur Nelke und dem Anis gesellt sich noch Pfeffer. Ergänzt wird das ziemlich breite Aromenspektrum noch durch Kakao, Kaffee und nussigen Noten. Die bereits in der Nase wahrgenommenen Holznoten finde ich im Mund noch kräftiger. Es wird ein wenig bitter. Im Hintergrund schwingen noch Leder, Teer und eine medizinische Note mit.

Der lange Abgang ist trocken, kräftig, holzig und leicht bitter. Insgesamt ein sehr kräftiger Rum mit einem breiten Spektrum an Aromen, der Ecken und Kanten hat und einige Zeit im Glas benötigt. Das Marque kann ich nicht genau bestimmen, dafür fehlt es mir an Erfahrung mit reinen Column Still Destillaten der DDL.

– 78 von 100 –

2. Guyana Diamond 2003-2018, Cask 101, 64,5%Vol.

ORS Diamond14 front
Our Rum & Spirits Diamond 14y

Auch hierbei handelt es sich um ein Column-Still-Destillat. Es durfte ein Jahr länger im Fass liegen, es wurden 207 Flaschen a 0,7 Liter in Fassstärke abgefüllt. Interessanterweise hat dieser Rum etwas mehr Alkoholgehalt, trotz längerer Lagerung. Es könnte sich also um ein anderes Marque handeln. Auch diese Abfüllung wurde sehr wahrscheinlich schon beim Hersteller gefärbt. Die Reifung erfolgte genau wie beim ersten Guyana Rum. Der Rum kostet 77 Euro.

In der Nase finde ich ihn zunächst recht alkoholisch, es prickelt schon fast ein wenig in der Nase. Klar sprechen wir hier von einem Rum in Fassstärke und 64,5%, das habe ich aber bei vergleichbaren Rums schon milder erlebt. Auch nach einer 30-minütigen Ruhephase zum Atmen bleibt dieser Eindruck. Aromatisch finde ich Karamell, Schokolade, Kaffee und sehr präsente fruchtige Noten die an Rosinen und getrocknete Pflaumen erinnern. Neben diesen Hauptaromen nehme ich Leder und ein wenig Tabak wahr. Holz- und Röstaromen sind nicht so intensiv ausgeprägt.

Im Mund bestätigt sich dann der Eindruck aus der Nase, es bleibt fruchtig, Rosinen bestimmen den Geschmack, auch der Kakao ist wieder sehr intensiv ausgeprägt. Dazu passend gesellt sich wieder eine feine Süße. Aber auch der Alkohol bleibt spürbar, nicht so intensiv wie in der Nase, aber man bemerkt ihn auf jeden Fall. Ein paar Tropfen Wasser gefallen diesem Rum auf jeden Fall. Am Gaumen finde ich ihn würziger als in der Nase, leichte Pfeffernoten und etwas dezent Salziges ist zu schmecken, ebenso sind nun auch Tannine aus dem Fass vorhanden. Aber nicht so ausgeprägt wie beim ersten Guyana-Vertreter vom Our Rum & Spirits Tasting-Set. Der Rum gefällt mir sehr gut und ich finde ihn runder als seinen jüngeren Bruder.

Im Abgang bleibt eine Mischung aus Toffee, Kakao und Pfeffer zurück, ein wenig länger hätte der Abgang aber gern sein dürfen. Ebenso kein Rum zum schnellen Nebenhertrinken, weil er seine Zeit im Glas benötigt, um sich richtig öffnen zu können.

– 82 von 100 –

3. Panama 2004-2015, Cask 31, 52,7%Vol. (PMD)

ORS Panama front
Our Rum & Spirits Panama 11y

Die dritte Abfüllung vom Our Rum & Spirits Tasting-Set wurde 2004 in der größten Brennerei in Panama, der Don Jose Distillery, auf einer Column Still destilliert. Es wurden nach 11 Jahren Lagerzeit 247 Flaschen a 0,7 Liter in Fassstärke abgefüllt. Zur Lagerung wurden keine Angaben gemacht. Der Rum kostet 54 Euro. Für einen Column Still Rum hat der Rum erstaunlich wenig Prozente.

Der Rum liegt bernsteinfarben im Glas, beim Schwenken hinterlässt er feine Schlieren. Man riecht sofort das es sich um einen typischen Rum im spanischen Stil handelt. Vanille, Karamell, Holz, Ananas und leichte Zitrusfrüchte bestimmen die Nase. Dass dieser Rum aus der Kolonne kommt ist nicht zu verleugnen.

Am Gaumen dominieren zunächst Ananas, Zitrusfrüchte und Holznoten, die von süßem Karamell und subtiler Vanille ergänzt werden. Das Mundgefühl ist auffallend cremig. Der Alkohol ist hier relativ gut eingebunden, man spürt den Alkohol aber trotzdem.

Der Abgang ist recht lang und süß-würzig. Der Rum wirkt sehr rund und gut gereift, jedoch nicht sonderlich komplex. Der Rum ist ein toller Einstieg in die Welt Fassstärke Rums. Vorausgesetzt, man kann sich an einem klassischen Rum im spanischen Stil erfreuen.

– 72 von 100 –

4. Trinidad 2003-2019 T.D.L., 62,8%Vol.

ORS TDL16 front
Our Rum & Spirits T.L.D. 16y

Die neueste Abfüllung des Our Rum & Spirits Sets kommt aus Trinidad. Auch diese Abfüllung wurde ausgezeichnet. 2019 erhielt sie die Silbermedaille auf dem GRF in der Kategorie „Single Cask Rum“. Die Destillation erfolgte ebenso auf einer Column Still. 308 Flaschen a 0,5 Liter wurden in Fassstärke abgefüllt. Die Lagerung erfolgte 12 Jahre in den Tropen und weitere 4 Jahre in Europa. Our Rum & Spirit verlangt dafür 69 Euro.

Der Rum liegt sehr dunkel im Glas, ob dies allein auf die größtenteils tropische Lagerung zurückzuführen ist kann ich so nicht sagen. Dafür fehlt es mir an Erfahrung mit Rums aus der TDL. Die Nase finde ich zunächst ein wenig unspannend. Holz- und Röstnoten kommen in Verbindung mit Mango und Kräutern bei mir an. Dazu etwas Nussiges. Also lasse ich den Rum noch etwas länger atmen, was die Aromen intensiviert. Nun finde ich auch Noten von Teer und Rauch.

Im Mund finde ich ihn dann deutlich intensiver. Fast schon ein bisschen zu intensiv. Er ist würzig, mineralisch und leicht fruchtig. Im Hintergrund finde ich noch Leder und Teer. Zarte Erinnerungen an einen Caroni werden wach, aber nicht so intensiv wie bei seinem berühmten ehemaligen Inselnachbarn. Der Rum profitiert unserer Meinung deutlich von einem kleinen Schluck Wasser, das macht ihn gefälliger und hilft ihm seine feinen Nuancen besser zur Geltung zu bringen.

Der Abgang ist sehr lang, trocken und leicht bitter. Der Rum ist eine gefühlte Ewigkeit zu schmecken.

– 81 von 100 –

Fazit

Zweimal Guyana mit 2 verschiedenen Lagerungszeiten, je einmal Trinidad und Panama. Ein sehr interessantes Tasting von Our Rum & Spiritsmit Höhen und Tiefen. Wobei man natürlich auch nicht von wirklichen Tiefen sprechen kann. Jeder Rum hatte seinen eigenen Stil. Und da gehen die Geschmäcker bekanntlich auseinander. Der klare Vergleichssieger ist für mich die 2003er Diamond Abfüllung, die 14 Jahre im Fass reifen durfte, gefolgt von der sehr intensiven Abfüllung aus Trinidad. Wäre der Abgang bei den beiden Guyana-Abfüllungen noch ein wenig länger hätte es auch hier noch ein paar Punkte mehr gegeben. Ich bin gespant was in der nächsten Zeit noch von diesem Abfüller auf den Markt gebracht wird.

Lest auch:

Alles, was ihr über Guyana-Rum wissen müsst

Mount Gay – Alle Abfüllungen im Test

Rum au Fiji – der Hidden Champion

Clairin – das müsst ihr über Haitis National-Rum wissen

Der La Mancha Roja mit Patron Tequila

Abonniert unseren Newsletter

Wir schicken euch unsere Spirituosen-Tests, Lieblingsrezepte und Hintergrund-Artikel bequem und direkt in euer Postfach. Kein Spam. Versprochen.

Du hast den Newsletter erfolgreich abonniert

Pin It on Pinterest

Share This