Der unabhängige Abfüller Barikenn hat in der Rum-Szene zuletzt für Aufmerksamkeit gesorgt. Nicht nur aufgrund der wunderschön gestalteten Etiketten – in Zeiten von sozialen Netzwerken definitiv ein Pluspunkt -, sondern auch aufgrund vielversprechender Abfüllungen von klangvollen Namen wie Foursquare und Worthy Park. Allerdings sind die Flaschen hierzulande kein Schnäppchen, gehandelt werden sie zwischen 80 und 99 Euro. Einen Blindkauf wagte ich deshalb nicht.

Umso erfreuter war ich, als das Team um Dirk Becker vom Rum-Depot ein spezielles Online-Tasting für gleich drei Barikenn-Rums anbot. Es fand pandemiebedingt am 11. Februar via Zoom statt. Nicolas Marx, der Kopf hinter der Marke, schaltete sich persönlich aus der Bretagne in das Tasting dazu und stand Rede und Antwort.

Der Rum-Mittelweg

Nicolas erklärte uns nicht nur die Details der einzelnen Abfüllungen, sondern auch seine persönliche Rum-Philosophie. Seiner Meinung nach dominieren in der Szene derzeit zwei Moden: Einerseits gibt es die Casual-Marken, die um die 40 Volumenprozent aufweisen. Sie sind gut trinkbar, richten sich aber an die Masse der Konsumenten. Auf der anderen Seite stehen bei einem speziellen Publikum Abfüllungen in Fassstärke, am besten unverdünnt, ungezuckert und nicht-kältefiltriert hoch im Kurs. Beide Lager sind im Grunde unvereinbar.

Nicolas peilt mit Barikenn einen Mittelweg an: Zwei der drei verkosteten Rums besitzen um die 55 Volumenprozent, wodurch sie gerade noch für jedermann zugänglich sind und gleichzeitig genug Power für Rum-Liebhaber erhalten. Er habe keine Lust, einen Rum immer erst zwei Stunden im Glas atmen zu lassen, bis er trinkbar sei, sagte er im Tasting. Deshalb sei ein Rum um die 55 Prozent für ihn häufig der sweet spot zwischen Komplexität und Trinkbarkeit.

Das Tasting führte uns geschmacklich in drei populäre Gebiete der Rum-Welt: Barbados, Guyana und Jamaika. Welcher Rum uns am besten gefallen hat lest ihr in diesem Review.

Barbados Foursquare MBFS 2011/2019 mit 54,4 %vol

Der Barbados-Rum mit der einsam durchs türkisblaue Meer ziehenden Schildkröte auf dem Etikett war der erste Rum, den Nicolas Marx abfüllte und vertrieb. Er reifte 5 Jahre auf Barbados und dann weitere 3,5 Jahre kontinental in einem stark getoasteten Fass.

Wie fast immer bei Foursquare stammt auch dieser Rum aus einem Column und Pot Still Blend. Sein junges Alter macht ihn weniger komplex als andere Vertreter, man denke nur an den großartigen Detente, doch das macht ihn nicht unspannend.

Beim Verkosten fällt direkt auf: Das ist kein klassischer Barbados-Rum. So fehlen hier etwa die häufig landestypischen Kokosnuss-Noten. Er besitzt jedoch eine angenehme Süße und ist angesichts der kurzen Lagerung überraschend intensiv. Der Abgang ist jedoch nicht sehr lange präsent, hier fällt er im Vergleich zu älteren Foursquares ab. Als Einsteiger-Rum für all jene, die noch keine Erfahrungen mit Foursquare haben, ist er aber gut geeignet.

Ursprünglich besaß dieser Rum 65% Alkohol, erklärt Nicolas, er verdünnte ihn jedoch nach und nach auf 54,4 Prozent. Und das “nach und nach” ist wörtlich zu nehmen: Er erzählte, dass er sich bis zu drei Monate Zeit nimmt, um den Rum zu verdünnen.

-80 von 100-

Barikenn Probe nah

Guyana Diamond VSG 2012/2020 mit 58,9 %vol

“Als ich diesen Rum probierte, dachte ich erst, das Etikett hat einen Fehler” – mit diesen Worten eröffnete Nicolas die Verkostung des Guyana Rums aus dem Hause Barikenn. Ein Schluck, und man weiß sofort was er meint: Man glaubt, einen Rum um die 50 Volumenprozent im Mund zu haben, doch tatsächlich ist der Guyana Diamond VSG 2012/2020 mit 58,9 %vol in unverdünnter Fassstärke abgefüllt. Der Alkohol ist ziemlich gut eingebunden.

Wir sind große Guyana-Fans und hatten wie es der Zufall will wenige Tage vorher ein ausführliches Guyana-Tasting absolviert, bei dem sich die Bandbreite von 9- bis 32-jährigen Rums erstreckte. Umso gespannter waren wir deshalb auf diese Abfüllung, schließlich waren die Eindrücke noch frisch.

Die zusätzlichen Bezeichnungen “Diamond” und “VSG” sind schon einmal vielversprechend. Guyana-Kenner wissen, dass dieses Destillat aus der alten, Holz-Pot-Still von Versailles stammt. Sie wurde im Laufe der Zeit nach Enmore verlegt, dann Uitvlugt und schließlich nach Diamond. Viele Wechsel, doch wie heißt es so schön in einem alten Sprichwort: Im alten Topf macht man auch eine gute Suppe.

Im Mund spürt man deutlich ausgeprägte Noten von salziger Lakritz und Kräutern. Der Rum ist gut balanciert, kraftvoll und hat einen langen Abgang. Gefiel uns prima, aber wir sind dennoch eher Fans der alten gelagerten Guyana-Rums. Mehr dazu lest ihr demnächst in einem weiteren Blogeintrag.

-78 von 100-

Jamaica Secréte WPL 2010/2019 mit 55% vol

Ich falle gleich mit der Tür ins Haus: Dieser Barikenn-Rum hat uns im Tasting am besten gefallen. Der Rum ist ein typischer Jamaikaner. Man riecht ein wenig den Alkohol, aber es wirkt relativ ausgewogen.Auch wenn es nur verklausuliert auf der Flasche steht, WPL steht ganz klar für Worthy Park. Er ist allerdings kein High-Ester-Vertreter, womöglich steht das L für Light? Genau das macht diesen Rum so angenehm. Er drückt einem die funky Aromen nicht ins Gesicht wie ein Hampden, sondern zeigt sich aromatisch, voll und rund. Die dominierenden Aromen sind Vanille, Zitrus und Früchte. M

Ursprünglich besaß der Rum 65 %vol, am Ende wurde er mit französischem Quellwasser innerhalb von drei Monaten um 10 Prozentpunkte auf gefällige 55 Prozent verdünnt. Natürlich könnte man diesen Prozess beschleunigen, doch für die bestmögliche Qualität sollte man sich Zeit lassen. Je langsamer man den Alkohol mit dem Wasser vermählt, desto geschmeidiger und zugleich komplexer wird der Rum. Um noch ein Sprichwort zu zitieren: Gut Ding will Weile haben.

Ein schöner Einstieg in die Welt des Worthy Park, ähnlich wie es beim Foursquare der Fall war.

-82 von 100-

Barikenn Rum im Glas

Die Zukunft von Barikenn

An dieser Stelle wollen wir noch einmal auf die Etiketten zurückkommen. Sie sind der Hingucker der Barikenn-Flaschen. Auf Nachfrage erklärte Nicolas, er wollte etwas schaffen, das sofort ins Auge sticht. Er selbst sei Fan der alten Silver-Seal-Abfüllungen und lässt sich seine Labels von einem Freund malen. Wer auch immer das ist, er macht einen verdammt guten Job.

Nicolas wolle sich in Zukunft noch mehr auf Pot-Still-Abfüllungen konzentrieren, wie er erklärte. Die nächsten Barikenn-Abfüllungen stehen bereits in den Startlöchern. Sie sollen eine ähnliche Qualität haben und auch preislich im gleichen Rahmen angesiedelt sein. Derzeit sitzt er noch am Feintuning, vermutlich ab April oder Mai könnten die Flaschen hierzulande aufschlagen. Fündig wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder im Rum-Depot, allerdings sollte man wohl nicht allzu lange grübeln – die hier getesteten Flaschen erschienen allesamt in kleiner Auflage und sind allesamt vergriffen.

Nicolas betreibt Barikenn bislang noch als fortgeschrittenes Hobby, hauptberuflich beschäftigt er sich mit Windkraftanlagen. Mit seinen drei Abfüllungen hat er ein gutes Händchen bewiesen und er wirkte sehr bodenständig. Wir wünschen ihm zukünftig viel Erfolg und behalten die weiteren Abfüllungen im Auge!

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