It’s a Match: Würden sich Rum und Ananas auf Tinder begegnen, die Luft würde knistern. Die Kombination aus Zuckerrohrdestillat und tropischen Früchten ist ein Klassiker der Tiki-Welt und machte etwa die Piña Colada zum Everybody’s Darling (auch wenn der Drink meist eher schlecht als recht ist, aber das ist ein anderes Thema). Dabei ist die Vermählung von Rum und Ananas nicht erst in der Blütezeit der Tiki-Bewegung in den 50er und 60er Jahren entstanden. Sie reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Schon damals haben Brenner in der Karibik die Maische frischer Ananas in hochprozentige Zuckerrohr-Destillate verwandelt. Alternstiv haben sie Ananas in den Fässern eingeweicht, um Rum eine gewisse Süße und höhere Komplexität zu verleihen.

Historisch belegt ist das etwa in Charles Dickens erstem Fortsetzungsroman „Die Pickwickier“ (im Original „The Pickwick Papers: The Posthumous Papers of the Pickwick Club“). Darin ist Ananas-Rum das bevorzugte Getränk des fiktiven Reverend Stiggins. Der predigt zwar öffentlich Mäßigung, genießt aber heimlich seinen heiß geliebten Ananas-Rum, am liebsten gemischt mit heißem Tee. Eben dieser heuchlerische Reverend ist Namenspate für eine eigene Spirituose: den Plantation Pineapple „Stiggins‘ Fancy“ Original Dark Rum*. Es gibt ihn schon einige Jahre und er ist immer noch einer meiner absoluten Lieblings-Spirituosen der Barwelt.

Hinter dem Ananas-Rum steckt die Maison Ferrand aus der französischen Region Cognac. Die Rezeptur entwickelte Plantation-Master-Blender Alexandre Gabriel gemeinsam mit Cocktail-Historiker David Wondrich. Gabriel gilt in der Szene als Tüftler und Perfektionist, der stets das letzte Quäntchen aus Produkten herausholen will. 2012 zeichnete man ihn sogar mit dem “World’s Best Rum Award” aus. Auch wenn ich die zusätzliche Zuckerung vieler Plantation-Produkte kritisch sehe – der „Stiggins Fancy“ ist ein in meinen Augen rundum gelungenes Produkt. Warum, lest ihr in diesem Beitrag.

Tasting Plantation Pineapple Rum

Plantation Rum Pineapple Stiggins Fancy hoch

Optik und Duft:
Im Glas überzeugt der Ananas-Rum mit einem leuchtenden, kupferfarbenen Ton, der ein wenig an eine brandneue Cent-Münze erinnert. Beim Schwenken im Glas hinterlässt er dicke Schlieren. Das deutet darauf hin, dass eine gewisse Süße vorhanden ist. In der Nase bemerkt man sofort die jamaikanische Komponente: Zwischen den typisch kräftigen Rum-Aromen riecht man Karamell und Toffee, Vanille und Backgewürze wie Zimt, Muskatnuss und Nelken, die mit Orangenschalen und Aromen von Ananas einher gehen. Es riecht nach frischer Ananas und nicht nach den gezuckerten Scheiben aus der Dose.

Geschmack:
Beim ersten Schluck merkt man, dass es sich hier um einen jugendlichen, nicht allzu lang gelagerten Rum handelt (dazu später mehr). Er beißt und kratzt ein wenig, doch diese Spirituose wurde nicht zum Pur-Trinken, sondern mit Blick auf Cocktails kreiert. Ein Eiswürfel bändigt den jungen Wilden und macht den Plantation Rum Pineapple Stiggins Fancy gefälliger. Die Aromen am Gaumen stimmen gut mit der Nase überein. Die kräftig-würzigen Aromen des Rum und die Fruchtigkeit der Ananas ergänzen und verstärken sich auf fantastische Weise. Hinter den dominierenden Ananasnoten lassen sich noch weitere Früchte wie grüne Banane, vanillige Holznoten des Fasses und eine gewisse Butterigkeit ausmachen. Im Hintergrund finden sich Gewürze wie schwarzer Pfeffer und Gewürznelke.

Bewertung:
Der Plantation Pineapple Stiggins Fancy ist nicht übermäßig komplex. Wer ausschließlich komplexe High-Ester-Rums (etwa von Hampden) oder Single-Cask-Rum in Fassstärke goutiert, hat an Reverend Stiggins‘ Lieblingsgetränk eher wenig Freude. Doch wer nicht so puristisch ist, wird mit diesem Rum unglaublich viel Spaß haben. Flavoured Rums haben nicht den besten Ruf, doch dieser hier kann Kritiker der Kategorie eines Besseren belehren. Das liegt daran, dass man hier nicht im großen Stil künstliche Aromen aus dem Chemielabor verarbeitet, sondern der Geschmack auf natürliche Weise entsteht

Wie kommt überhaupt die Ananas in den Plantation-Rum?

Alexandre Gabriel und David Wondrich griffen für den Stiggins Fancy auf ein Rezept aus dem Jahr 1824 zurück.
Das Ananas-Aroma gelangt dabei auf zweierlei Art in die Spirituose: Zunächst wird Ananas-Fruchtfleisch für mehrere Monate in den Plantation Original Dark Rum* eingelegt. Dieser Blended-Rum stammt ursprünglich aus Barbados und ist ein Klassiker des Plantation-Lineups. In seiner Heimat ruht er zunächst in ehemaligen, amerikanischen Bourbonfässern. Anschließend reist er weiter nach Frankreich, wo er in den Katakomben von Cognac Ferrand einige Monate in Cognacfässern nachreift.

Die Ananas-Schale der Sorte “Queen Victoria” (diese gilt als die Königin unter den Ananas-Sorten) wiederum wird im hellen Plantation 3 Stars eingelegt, einem weiteren Klassiker des Basis-Portfolios. Das Einlegen von Zutaten zur Aromenabgabe in Alkohol ist auch als Mazeration bekannt. Dadurch werden die aromareichen Öle – welche sich hauptsächlich in der Ananas-Schale befinden – gelöst. Beim Plantation 3 Stars* handelt es sich um einen Blend aus jungen Melasse-Rum aus Trinidad, ungereiftem Rum aus Jamaika und einem geringen Anteil zehn Jahre alten Jamaika-Rums. Nach einer Woche erfolgt die Destillation des aromatisierten Rums in Pot Stills.

Am Ende vermählt Gabriel die beiden Rums miteinander und lagert sie für drei weitere Monate in Eichenfässern. Ein aufwändiger Prozess, doch die Extra-Meile, welche Wondrich und Gabriel gegangen sind, lohnt sich geschmacklich für den Ananas-Rum. Das Abfüllen in 0,7-Liter-Flaschen geschieht mit einem Alkoholanteil von 40 Volumenprozent und einer Dosage von 20 Gramm pro Liter.

Plantation Pineapple Korken

Plantation Pineapple Stiggins Fancy in Cocktails

Der Ananas-Rum eignet sich hervorragend für klassische Cocktails wie eine Daiquiri, macht aber auch als Old Fashioned eine gute Figur. Das liegt vor allem daran, dass Plantations Interpretation eines aromatisierten Rums streng genommen eigentlich gar kein aromatisierter Rum ist. „Stiggins‘ Fancy* ist bei mir sehr beliebt, weil seine erdige Note einen so erfrischenden Kontrast zu all den kandierten, einseitigen Ananasprodukten auf dem Markt darstellt“, sagt etwa Martin Cate von der renommierten Bar Smuggler’s Cove in San Francisco. „Er bietet einen befriedigenden Kontrast zu der hellen, frischen Limette in einem einfachen Daiquiri”.

Unser Rezept der Plantation Pineapple Daiquiri

  • 50 ml Plantation Pineapple „Stiggins‘ Fancy“ Original Dark Rum
  • 20 ml frischer Limettensaft
  • 15ml Zuckersirup (1:1 Wasser zu Zucker)

Alle Zutaten mit ausreichend Eis shaken und doppelt in ein vorgekühltes Glas abseihen.

Espresso Martiki

  • 40 ml Plantation Pineapple Rum
  • 20 ml Kaffeelikör (zum Beispiel Mr. Black*)
  • 15 ml Orgeat (wir lieben das Orgeat von Meneau)
  • 25 ml Ananassaft
  • 25 ml frisch gebrühter Espresso

Alle Zutaten mit ausreichend Eis shaken und doppelt in ein vorgekühltes Glas abseihen. Mit drei Kaffeebohnen garnieren.

The Dickensian Villain

Ein interessanter Cocktail, in dem der Plantation Pineapple Rum auf Rye Whisky trifft. Hier findet ihr das vollständige Rezept.

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