Nach einigen sehr alten Jamaikanern und Demararas und einem 1999er Caroni eröffnete Distilia mit dem Chaconia seine „Floral Rum Series“ und setzt passenderweise die Nationalblume von Trinidad und Tobago, die Chaconia, dafür in Szene. Als zweite Abfüllung folgte mit dem Dwarf Poincana ein Barbade von Foursquare. Beide Abfüllungen entstanden in Kooperation mit Catawiki, einer sehr bekannten Auktionsplattform für Spirituosen.

Distilia ist ein Händler, der sich darauf spezialisiert hat mit seltenen Spirituosen zu handeln und rare Fässer abzufüllen. Federführend für die Auswahl sind die beiden Connoisseure Jakub Baginiski und Piotr Kossowski.

In der Whiskywelt ist Distilia schon einige Jahre sehr präsent und für seine exquisiten Abfüllungen bekannt, so wurde zum Beispiel ein 48-jähriger Karuizawa aus dem Jahr 1964 oder aber auch ein 58-jähriger Glenfarclas aus dem Jahr 1953 abgefüllt. Nun versucht man auch in der Rumwelt Fuß zu fassen. Wie beim Whisky folgt man dem Anspruch seltene und sehr lang gelagerte Rums abzufüllen.

Chaconia 1998 Caroni 24yo

Bild: RumX

Der Chaconia wurde 1998 in der seit 2002 geschlossenen Caroni-Brennerei auf Trinidad auf einer Column Still mit dem Mark HTR (Heavy Trinidad Rum) destilliert. Vor dem Transport nach Europa lagerte der Rum für 10 Jahre in den Tropen. In Europa bekam der Rum weitere 14 Jahre Reifezeit. Das Fass beherbergte danach noch den Inhalt für 139 Flaschen mit 700ml. Die Abfüllung erolgte in Fassstärke mit 60.2%. Eine UVP sucht man für diesen Rum vergeblich, denn der Rum ging im oben genannten Online Auktionshaus über den digitalen Tisch und kostete was eben die Kunden bereit waren zu zahlen.

Im Glas zeigt sich der Chaconia schwer mit einer sehr kräftig braunen Farbe. Die erste Nase präsentiert einen sehr ausgewogenen Caroni. Der Rum ist fruchtig, mit Aromen von Mango, dunklen Beeren und Steinobst, eingebunden in die typisch „dreckigen“ Esteraromen, die an Diesel und Gummi erinnern, Holz und Vanille. Die Ester dominieren aber nicht die Aromatik. Dazu werden bei mir Erinnerungen an erdigen Patchouli, Rosenholz und Kräuter wach. Der Chaconia wirkt dadurch ein wenig blumig-ätherisch. Eine sehr schöne und komplexe Nase, die den Alkohol sehr gut versteckt.

Der Antrunk ist erstaunlich rauchig und holzig, jedoch ohne Bitterkeit. Die Konsistenz ist ölig und voll. Beerenmarmelade mit Vanille, Tabak, minimal Lakritz, dunkle Schokolade, schwarzer Tee und wieder etwas Gummi dominieren den ersten Schluck. Beim zweiten Schluck finde ich nich medizinische Noten. Die Ester empfinde ich ein Stück weniger präsent als in der Nase, der Rum lässt aber für mich persönlich keinesfalls zu sehr die Caroni-DNA vermissen. Ganz im Gegenteil, ich empfinde ihn sehr gut balanciert und elegant. Die Alkoholeinbindung ist auch am Gaumen sehr gut.

Der lange Abgang ist ebenso perfekt balanciert mit einer leichten Fruchigkeit, rauchigen Zedernholz, etwas Vanille und einem Hauch Caroni-Dreckigkeit. Bitternoten ploppen kurz auf, verbleiben aber nur mild im Hintergrund.

Ein extrem guter Caroni, der mir vor allem aufgrund seiner perfekten Balance und der ausgezeichneten Reifung sehr gut gefallen hat. Sowohl die Nase als auch der Geschmack befindet sich auf sehr hohem Niveau. Vor allem durch seine ätherische Blumigkeit hebt er sich von anderen Caronis die ich bisher probiert habe ab. Keine Ahnung, in welchem Duftprofil die Chaconia verortet ist, Blumen sind aber auf jeden Fall ein kleiner Teil Aromenspektrums. Den kürzlich getesteten S.B.S Caroni desselben Jahrgangs lässt er ein ganzes Stück hinter sich.

-90/100-

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