Kartoffeln sollte man trinken und nicht essen – das hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll der polnische Wodka-Hersteller Vestal bewiesen. Mit seinem hochwertigen Wodka* machte sich William Borrell, der Gründer der Marke, schnell einen Namen in der Bar-Szene. Denn er macht keinen Hehl daraus, dass er nicht viel davon hält, was seine Vorgänger mit Wodka angestellt haben. In Gesprächen entschuldigt er sich erst einmal prophylaktisch beim Gegenüber „für die letzten 15 Jahre“ im Wodka-Bereich. Borrell ist der der Meinung, Wodkafirmen hätten „den Markt zum Einsturz gebracht und jeglichen Respekt der Verbraucher verloren.“ Das alles „sehr viel Bling-Bling“, aber leider wenig Substanz gehabt hätte. Mehr über die Geschichte des Unternehmens und dem Gründer habe ich hier für euch aufgeschrieben, lest doch mal rein.

Nun wagt sich das Unternehmen auf neues Terrain: Flavoured Vodkas. Es gibt zwei Varianten – eine mit dunkler Kirsche und eine mit Aromen von Himbeer und Schwarzer Johannisbeere.

Neuer Vestal Vodka mit polnischen Wurzeln

Wodka mit Geschmack – das verbindet man eigentlich eher mit Marken wie Smirnoff und Absolut, die in knallbunten Flaschen alles verkaufen, was das Labor zu bieten hat. Wie passt hier Vestal dazu? Zunächst einmal spricht das Business für diese Entscheidung: „Wodka ist in Deutschland auf dem absteigenden Ast“, so Borrell. Weltweit liegt das Wachstum ebenfalls bei überschaubaren ein Prozent. Flavoured Vodkas dagegen erwarten dagegen einen Zuwachs von 18 Prozent, und das innerhalb eines Jahres. “Die Zahlen zeigen uns, dass alles zyklisch verläuft. Alles kommt immer wieder, wie in der Mode oder der Kunst.“

„Es gab eine Zeit, da hatten wir jede Menge Wodkas mit Geschmacksrichtungen, und es wurde ein bisschen verrückt“, führt Borrell weiter aus. „Doch wir versuchen nur, auf die Daten zu reagieren, die besagen, dass es einen Wachstumsmarkt für Flavoured Wodkas gibt. Aber wir wollen es richtig machen!“

Leidenschaftlich erklärt er die Zusammensetzung seiner beiden neuen Produkte. Es handelt sich dabei keineswegs um bloße Produkt aus der Marktforschung, versichert er, sondern um ein Verfahren, das in Polen schon seit dem Mittelalter verwendet und als Nalewka bekannt ist. Das Wort stammt vom polnischen nalewać (deutsch: „hinzugießen“) ab. Anders als beim Obstbrand gewinnt man den Alkohol nicht aus dem Obst, sondern gelangt wie durch die Hinzugabe von Wodka oder anderen alkoholischen Getränke in die Nalewka.

Vestal Black Cherry Wodka

Kirschen und Himbeeren: Die neuen Vestal-Wodkas

„Für Vestal Black Cherry Vodka verwende ich polnische Kirschen. Etwas mehr als ein halbes Kilogramm je Flasche. Bei 80 Prozent entfernen wir die Steine, doch bei jeder fünften Kirsche bleibt er drin.“ Das sorgt für eine leicht nussige Note, die man schon in der Nase spürt. Bei der Herstellung gießt Borrell den Standard-Vestal anschließend direkt über die Kirschen, die nun für rund drei Woche ziehen – der Fachbegriff dafür lautet Mazerieren.

Nach dem Mazerieren wird die gesamte Flüssigkeit entfernt, die Kirschen bleiben jedoch im Behälter. Anschließend gibt Borrell etwas Zucker direkt auf die Früchte, „der Saft quillt dann geradezu heraus“. Beide Flüssigkeiten werden anschließend miteinander vermengt, wodurch sich das sehr fruchtige, leicht süßliche Aroma des Wodkas erklärt. Trotzdem ist er noch zweifelsfrei als solcher erkennbar, was auch an den 40 Volumenprozent liegt.

Damit man keine Abstriche beim Alkohol macht, gibt Borrell den Wodka mit 52 bis 55 Prozent Stärke in den Kirschsud, dieser reduziert sich anschließend auf 40 Prozent. Für den Standard-Vestal nutzt er übrigens eine Column Still, lediglich die Jahrgangs-Editionen verwendet er einen Hybrid aus Column- und Pot-Still.

Ähnlich wie beim Kirsch-Wodka verläuft die Herstellung der Variante mit Himbeer & Schwarzer Johannisbeere. Allerdings sind Himbeeren deutlich weicher, sodass mehr alkoholische Power beim Mazerieren benötigt wird. Das Verhältnis von Himbeeren zu Johannisbeeren liegt etwa bei 60 zu 40, mit einem Überhang für die Himbeeren.

Drink-Ideen für die neuen Vestal-Wodkas

Pur schmecken beide Varianten sehr lecker, weil die Frucht nicht zu dominant und der Wodka nicht zu süß ist. Sie lassen sich aber auch gut mixen. Für beide Varianten hat sich William Borrell eine simple Highball-Variante überlegt. 40 ml vom Kirsch-Wodka wird mit Cola und Eis aufgefüllt – sofort werden Erinnerungen an die Cherry Coke wach, die viele als Kind mochten. Mein Favorit war sie nie, und so holt mich auch dieser Drink nicht so richtig ab. Lecker, aber nach drei Schlucken habe ich auch genug.

Überzeugender fand ich den Himbeer-Wodka als Spritz, also 40 ml aufgefüllt mit Prosecco, Cremant oder Champagner und garniert mit einer Orangenzeste. Sehr erfrischend und deutlich trockener als der Cola-Konterpart. Vor allem auf Sommerpartys kann man mit diesem Drink denke ich nicht viel falsch machen.

Doch auch in klassischen Cocktails könnte ich mir beide Spirituosen vorstellen. Für den Kirsch-Wodka würde ich eine Variante des „Royal Toast“ entwickeln. Dabei handelt es sich um ein Rezept aus den späten 1930ern mit Wodka, Cherry Herring und Wermut – nun hätte man quasi zwei Zutaten bereits in einer. Entweder wird das Rezept so simpler oder man bleibt beim Dreiteiler und bringt eine völlig neue Note ein. Für den Himbeer-Wodka könnte ich mir eine Bramble-Variation sehr gut vorstellen.

Transparenz-Hinweis: Die neuen Vestal-Sorten habe ich ihm Rahmen eines Events verkostet. Dabei wurde weder auf den Artikel noch auf das Tasting Einfluss genommen.

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