Wer guten Whisky sucht, muss nicht mehr zwangsläufig nach Schottland oder Japan schauen. Manchmal findet man ihn direkt vor der Haustür. Denn auch in Deutschland gibt es exzellenten Single Malt, wie Slyrs vom Schliersee im bayerischen Oberland, der Aureum von Ziegler oder Stork aus dem Spreewald immer wieder beweisen. Deutscher Whisky hat eine ganz eigene Charakteristik.

Auch in Sachsen-Anhalt wird Whisky produziert. Gerhard Büchner brennt im Salzatal am Süßen See, westlich von Halle (Saale), in seiner Feindestille diverse Spirituosen. Die Brenntradition des Salzatals geht bis in das jahr 1855 zurück. Die Obstbauern vom Süßen See zählen zu den ertragreichsten in Deutschland. Neben Whisky produziert Büchner Brände, Liköre, Gin, Rum und auch Sherry. Er setzt auf regionale Zutaten, etwa Pilsner- und Karamell-Malz, welches aus der regionalen Mälzerei Landsberg nördlich vom Süßen See zugekauft wird. Destilliert wird dabei nicht auf einer Pot Still, sondern auf einer Obstbrennblase.

Salzatal Whisky aus Sachsen-Anhalt

Vermutlich haben selbst Whisky-Veteranen noch nichts von Salzatal gehört. Hendrik entdeckte die Abfüllungen eher zufällig und kaufte vor einiger Zeit in einem Laden in Halle neben Whiskys auch einen hausgemachten Rum, den wir euch in einem weiteren Beitrag vorstellen werden. Wir kommen aus der Region und wollten das örtliche Handwerk unterstützen.

Büchner versucht sich mit ungewöhnlichen Abfüllungen von den Mitbewerbern abzuheben. Vor allem experimentiert er mit unterschiedlichen Fassreifungen. So befüllt er etwa frische Fässer mit Obstwein, nach der Entleerung lässt er darin seinen Whisky reifen – ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland. In einem kurzen Gespräch beschreibt er sehr leidenschaftlich mit welcher Gewissenhaftigkeit er die Lagerung seiner Destillate betreibt. Ungefähr 150 Fässer zwischen 220 und 600 Liter nennt er sein Eigen. Darunter einige Raritäten.

So konnte er zum Beispiel während einer Piemontrundreise 15 Piemonteser Weinfässer erwerben. Die Fässer haben ein größeres Volumen als französische Barriquefässer, dadurch kann der Whiskey deutlich länger reifen, ohne zu starke Holznoten zu entwickeln. Der Wein reifte zuvor 20 Jahre in diesem Fass und das Aroma konnte sehr tief in das Holz einziehen. Bei allen Produkten, die er produziert, sei der Whisky das Hauptgeschäft und seine absolute Passion. Als Ziel habe er kein Geringeres als „den besten deutschen Whisky zu produzieren“. Dabei möchte er keinesfalls einen schottischen Whisky imitieren, sondern einen Whisky mit den eigenen Noten des Salzatals kreieren.

Destilliiert wird dabei nicht auf einer Pot Still, sondern ganz traditionell auf einer Obstbrennblase. Gerhard Büchner erzählt dazu: „Einem Obstdestillateur geht es um die Aromen, die sind normalerweise bei der Whiskeyherstellung zweitrangig“. Sein Destillationsystem sei deutlich aufwendiger und erhalte mehr Aromen im Destillat.

Im nächsten Jahr wird fleißig expandiert. Eine neue zusätzliche, vollautomatische Luxusdestille von Arnold Holstein wurde bereits erworben. Neue Lagerflächen für zusätzliche Fässer ebenso. Gerhard Büchner plant ab kommenden Jahr die Whiskyproduktion auf 40 Fässer pro Jahr zu steigern.

So schmecken die Salzatal-Whiskys Nr.1 und Nr.3

Wir probierten zwei Abfüllungen des Salzatal Whisky: Nr. 1 (Single Malt, 59 Euro für 0,7 Liter) und Nr. 3 (Single Malt, 49 Euro für 0,7 Liter). Beide sind mit 43 Volumenprozent auf Trinkstärke verdünnt.

Der Salzatal Single Malt Nr.1* wird dem Hersteller zufolge aus zwei Sorten Gerstenmalz hergestellt und reift mindestens zwei Jahre in einem Bourbonfass, zwei Jahre in einem Portweinfass und mindestens vier Jahre in einem Sherryfass. Klingt aufwendig, wird geschmacklich aber mit ausgeprägten Aromen von Schokolade und Vanille belohnt. Selten zuvor erlebte ich bei einem Whisky so schokoladige Noten. Das Schokoladenaroma entstammt dem gerösteten Karamalz. Der Einsatz von Karamalz ist vergleichsweise teuer, da diese Malzart sehr zuckerarm ist und entsprechend viel Malz eingesetzt werden muss. Der Alkohol ist elegant eingebunden. Dieser Whisky wurde 2019 von der DLG mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Das sagt nichts darüber aus, ob einem der Whisky schmeckt, aber zumindest an der Reinheit und handwerklichen Qualität gibt es offenbar nichts auszusetzen.

Nummer 3 wird aus dem eingangs erwähnten Pilsenermalz, Karamalz und getorftem, schottischen Malz produziert. Er reift mindestens drei Jahre in einem Rotweinfass und drei weitere Jahre im Sherryfass. Auch hier schmeckt man schokoladige Aromen, wenn auch dezenter, die jedoch einen fruchtigen Twist aufweisen. Das Raucharoma ist subtil und nicht so dominant wie bei vielen Islay-Whiskys.

Von Fass zu Fass

An Kreativität scheint es Büchner nicht zu mangeln. Mittlerweile bietet er eines seiner Meisterstücke an: Eine Limited Edition des Salzatal Whisky namens “Apricot Cask”. Dabei handelt es sich um einen acht Jahre gelagerten Whisky, der in vier Fässer umgebettet wurde: Seine ersten Jahre verbrachte er in einem Bourbonfass, anschließend zog er in ein französisches Rotweinfass um, von dort wurde er in ein Sherryfass umgebettet.

Salzatal Whisky Miniatur Nr. 1
Die Farben goldbraun, das Etikett ist allerdings sehr unübersichtlich.

Die letzten zwei Jahre wurde er in einem für die Branche mehr als ungewöhnlichen Fass veredelt, welches vorher zwei Jahre mit einem Aprikosenlikör belegt war. Diese süßen, fruchtigen Aromen sollen sich im Fass festgesetzt und auf den Whisky – der übrigens mit 54 Volumenprozent Fassstärke abgefüllt wird – übertragen. Probiert haben wir den Salzatal Apricot Cask* leider noch nicht, spannend ist das Experiment aber allemal.

Anfang nächsten Jahres soll die zweite Limited Edition folgen. Diesmal erfolgt das Finish in einem Fass, welches zuvor mit Kirschlikör belegt war.

Auch andere Whisky-Hersteller experimentieren zuletzt stärker mit neuartigen Fass-Finishes. Die dänische Stauning-Destille veröffentlichte etwa eine Sonderedition seines Rye Whiskys mit Rumfass-Finish. Bei den Fans kam es offenbar an: Innerhalb weniger Stunden war die limitierte Auflage vergriffen.

Insgesamt gefielen mir beide Varianten sehr gut, die Whiskys aus Salzatal müssen sich in meinen Augen nicht vor der hiesigen Konkurrenz verstecken. Am Etikett sollte Büchner meiner Meinung nach aber nochmal nachbessern, das Design wirkt altbacken und man kann die einzelnen Sorten kaum auseinanderhalten. Wenn das Fass-Management das Alleinstellungsmerkmal des Whiskys ist, sollte sich dieser Look dann nicht im Design widerspiegeln?

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