Den ungelagerten Saint Benevolence Clairin hatte ich bereits vor einiger Zeit im Glas. Ein ziemlich eigenständiges Destillat, das mit Limetten, Oliven, Pfeffer, Olive und dieser typischen Mischung aus Zuckerrohr und Fermentationsaromen deutlich gezeigt hat, warum Clairin eine der spannendsten Kategorien innerhalb der Rumwelt ist. Inzwischen sind mit dem Aged Clairin und dem Saint Benevolence Mango zwei weitere Abfüllungen in Deutschland angekommen. Beide basieren auf diesem Clairin, gehen danach aber in vollkommen unterschiedliche Richtungen und sind nun auf dem German Rum Festival bei Haromex erhältlich.
Wer etwas tiefer in die Geschichte hinter Saint Benevolence einsteigen möchte, dem empfehle ich außerdem unser Interview mit Reverend Gueillant Dorcinvil. Darin geht es nicht nur um Clairin und dessen Herstellung, sondern vor allem darum, weshalb Saint Benevolence überhaupt existiert.
Die Brennerei
Produziert wird in der Dorcinvil Distillery in Saint Michel de l’Attalaye. Die Brennerei befindet sich mittlerweile in dritter Generation in Familienhand. Reverend Dr. Gueillant Dorcinvil ist dabei nicht nur Clairin-Produzent und Zuckerrohrfarmer, sondern auch Pastor und seit vielen Jahren in sozialen und medizinischen Projekten in Haiti engagiert. Ein Teil der Erlöse von Saint Benevolence fließt entsprechend in Hilfsprojekte vor Ort.
Interessanter finde ich an dieser Stelle aber die Produktion. Rund um die Brennerei wachsen mehrere traditionelle Zuckerrohrsorten. Verwendet werden Cristalline, Madame Meuze, Farine France und 24/14. Das Zuckerrohr wird von Hand geerntet und ohne Herbizide oder Pestizide angebaut.
Wie schon beim ungelagerten Saint Benevolence beschrieben, arbeitet Dorcinvil dabei nicht ausschließlich mit frischem Zuckerrohrsaft. Ein Teil des Saftes wird zu Sirup eingekocht und anschließend nach der lokalen Méthode Saint Michel fermentiert. Zuckerrohrsaft und Sirup werden getrennt vergoren und destilliert und anschließend miteinander vermählt.
Bei der Fermentationsdauer gibt es interessanterweise unterschiedliche Angaben. Saint Benevolence selbst nennt fünf bis sieben Tage, Dorcinvil sprach in unserem Interview von acht bis zehn Tagen natürlicher, offener Fermentation. Auf zugesetzte Reinzuchthefen wird verzichtet. Destilliert wird anschließend chargenweise in einer handgefertigten Brennblase in einem einzigen Durchlauf.
Die Abfüllungen
Der Saint Benevolence Aged Rum nimmt genau diesen Clairin und legt ihn für 18 bis 22 Monate in neue amerikanische Eichenfässer. Kein Ex-Bourbonfass, sondern Virgin American Oak, also einem neuen, nicht vorgelegten Fass. Das ist bei einem aromatischen Destillat durchaus spannend, denn neue Eiche kann innerhalb relativ kurzer Zeit ordentlich Einfluss nehmen. Abgefüllt wird anschließend mit 50 % Vol.
Der Saint Benevolence Mango geht einen ganz anderen Weg. Die Idee dahinter orientiert sich am haitianischen Brauch, Clairin mit lokalen Früchten anzusetzen. Dafür werden ungelagerter und gereifter Clairin verwendet und mit Mango kombiniert. Hinzu kommen etwas Limettenschale und Zimt. Die deutsche Produktbeschreibung von Haromex nennt eine 36-stündige Mazeration mit getrockneten Mangos. Die US-Unterlagen beschreiben den Herstellungsprozess etwas detaillierter und teilweise abweichend: Dort werden verschiedene Mangosorten – darunter Madame Francis – in hochprozentigem Zuckerrohrdestillat mazeriert und anschließend mit ungelagertem sowie gereiftem Clairin vermählt. Abgefüllt wird der Mango mit 42 % Vol., eine Dosage erfolgt nicht.
Tasting – Saint Benevolence Aged Clairin
In der Nase ist der ursprüngliche Clairin sofort wiederzuerkennen, allerdings deutlich gezähmter. Zuckerrohr, Limette und etwas salzige Olive treffen jetzt auf Honig, Vanille und frisches Holz. Dazu kommen Steinfrüchte, Essig und eine leichte Würze.
Am Gaumen kräftig und erstaunlich rund. Zunächst Karamell, Vanille und ein leichte Röstaromen, anschließend kommt wieder das Destillat durch. Zuckerrohr, grünes Obst und etwas Zitrusschale. Das neue Eichenfass bringt Würze und Tannine mit, erschlägt den Clairin aber nicht im Ansatz. Die wilde, grüne Aromatik des ungelagerten Saint Benevolence ist noch vorhanden, hat durch die kurze Reifung aber eine zusätzliche Ebene bekommen. Der Abgang ist mittellang, trocken und würzig, Eiche und etwas Vanille. Zum Schluss bleiben wieder Zuckerrohr und eine leichte vegetabile Note stehen.
-8.3 von 10.0-
Tasting – Saint Benevolence Mango
In der Nase gar nicht so viel Mango, aber glücklicherweise nicht diese künstliche Mangoaromatik, die man bei aromatisierten Spirituosen leider oft bekommt. Getrocknete Mango treffen auf Zuckerrohr und eine buttrig-vanillige Note. Dahinter etwas Limettenschale und eine sehr dezente Würze.
Auch am Gaumen steht die Mango mit den Aromen des Ausgangsdestillat aromatisch in der Waage, wirkt aber nicht klebrig oder likörartig, weil er eben auch nicht gezuckert ist. Frucht, getrocknete Mango und etwas Zitrus werden von der grasigen Clairin-Aromatik balanciert. Dazu kommen etwas Vanille und Zimt. Der Abgang ist überraschend trocken. Mango und Limette bleiben lange erhalten, dazu etwas Zuckerrohr, dezente Eiche und Gewürze.
-7.8 von 10.0-
Fazit
Beim Aged Clairin hatte ich zunächst etwas Sorge, dass die neue amerikanische Eiche zu viel Einfluss auf das Destillat nehmen könnte. Das passiert aber nicht. Natürlich sind Vanille, Holz und Gewürze vorhanden, trotzdem erkennt man den ungelagerten Saint Benevolence darunter problemlos wieder. Wer meinen damaligen Test kennt, findet hier viele dieser grünen, erdigen und leicht wilden Aromen wieder – nur etwas runder und zugänglicher.
Der Mango hat mich dagegen aus einem anderen Grund überrascht. Aromatisierter Rum ist normalerweise nicht unbedingt die Kategorie, bei der ich sofort neugierig werde. Hier funktioniert es aber erstaunlich gut, weil nicht versucht wurde, aus Clairin einen süßen Mangolikör zu machen. Die Frucht ist da, der Clairin ist aber ebenbürtig. Er hat aber bei weitem kein so dominantes Mango-Aroma wie zum Beispiel der Chinola.
Von beiden ist der Aged Clairin für mich sicherlich das spannendere Produkt zum puren Trinken. Der Mango dürfte dagegen in Cocktails richtig Spaß machen. Einen Daiquiri oder Ti’ Punch damit kann ich mir ziemlich gut vorstellen.
Cheers!