Vor einiger Zeit hatten wir euch ja bereits die Tastingbox des perolaeigenen Bellamy’s Rum im Test bei uns im Blog vorgestellt. Der unbestreitbare Vorteil einer solchen Probier-Box ist, dass man für überschaubare Kosten viele unterschiedliche, mitunter sogar hochpreisige Abfüllungen probieren kann und man am Ende nicht noch den ganzen Schrank voll angebrochener Flaschen hat. Deswegen haben wir auch noch bei der Tasting-Box für einige Ron-Cihuatan-Abfüllungen zugeschlagen. Diese haben wir dann mit Unterstützung von einem Freund und Christoph Hahn aus dem Colonne Morris verkostet. Besonders hat uns die Einschätzung eines Gastronomen auf die Abfüllungen interessiert, denn er schaut einfach nochmal mit einem anderen Blick auf Spirituosen.

Ron Cihuatán – Rum aus El Salvador

Cihuatán bedeutet „neben der Frau“ und alle Abfüllung nehmen bezug auf die Kultur der Maya. Master-Blenderin Gabriela Ayala hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Geschmack und den Charakter von El Salvador in die Welt hinaus zu tragen. Cihuatán ist die einzige Rum-Destillerie aus El Salvador, von hier stammt etwa auch der Basis-Rum für den Ron Colon. Seit 2020 erstrahlen die Abfüllungen in einem völlig neuen, ansehnlichen Design. Die bunten Etiketten sind definitiv Hingucker. Sämtliche Schritte werden in der Licorera Cihuatán selbst erledigt, das heißt vom Anbau bis zur Ernte des Zuckerrohrs über die Destillation und die Fasslagerung liegt die komplette Kontrolle in den Händen der Brennerei.

Ron Cihuatán Indigo

Der Ron Cihuatán Indigo ist die Einsteigerabfüllung. Indigo reift für mindestens 8 Jahre in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche. Sie wird mit 40Volumenprozent abgefüllt. Cihuatán Indigo ist eine Hommage an den mayanischen Gott Tlaloc, den Gott des Regens. Indigoblau ist seine Lieblingsfarbe, und so ist dann auch das Etikett gestaltet. Der Rum kostet im Fachhandel circa 30 Euro.

Die Nase des Rums startet typisch spanisch: Viel Vanille, Zucker, Marzipan und Pekannuss vermitteln eine süßen Eindruck. Alkohol ist kaum wahrzunehmen, im Hintergrund findet sich noch ein Hauch dunkle Schokolade. Eine Süße begleitet die Aromatik kontinuierlich.

Das Bild überträgt sich dann auch in den Mund. Marzipan, Milchschokolade, viel Vanille und Fassaromen dominieren das Aroma. Fassaromen, Kaffee und geröstete Mandeln ergänzen den Rum. Der Rum ist sehr mild. Der Abgang ist mittellang, Vanille und Schokolade wird von getoasteten Holz abgelöst.

Fazit: Der Ron Cihuatán Indigo ist ein prima Einstieg in das Tasting. Natürlich ist er nicht übermäßig komplex, das darf man für diesen Preis jedoch auch nicht erwarten. Doch er ist eine spannende Alternative für all jene, die nach ersten Erfahrungen mit Supermarkt-Rums tiefer in die Materie einsteigen wollen und neben Botucal, Zacapa und Don Papa nach weiteren Eindrücken lechzen.

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-71 von 100-

Ron Cihuatán Cinabrio

Der Name des Ron Cihuatán Cinabrio bezieht sich auf die rote Farbe des Minerals Zinnober. Rot ist die Farbe des Maya-Gotts der Sonne, in diesem Stil ist auch das Etikett gehalten. Der Rum reifte für 12 Jahre in ehemaligen Bourbonfässern. Ron Cihuatán Cinabrio 12 Years ist mit braunem Rohrzucker aus eigenem Anbau gesüßt. Dadurch erhoffen sich die Hersteller zur Süßung noch eine höhere Komplexität. Die Abfüllung erfolgte ebenso mit 40%. Der Preis beträgt ungefähr 42 Euro.

Die Nase ähnelt der des Indigo (der Einsteigerabfüllung), wir finden wieder Vanille, geröstete Nüsse und Milchschokolade, jedoch etwas weniger intensiv wie beim Vorgänger. Zusätzlich gibt es dafür leichte Noten von Dörrpflaume und Orangenschale. Der Rum ist auf jeden Fall süßer als der Indigo, was mir an sich weniger gut gefällt, da er wahrscheinlich einfach mehr gezuckert wurde.

Am Gaumen dominieren Orangenschale, Toffee und Gewürze. Fassaromen und Dörrpflaume finden wir noch. Auch diese Abfüllung ist dank des Zuckers sehr mild. Der Vorgänger dieses Rums enthielt 15g/Liter, ich denke das sich dieser Rum in einer ähnlichen Dosage bewegt. Der Abgang ist leider recht kurz.

Fazit: Die Orangennote dominiert diesen Rum, jedoch nicht ganz so aufdringlich wie beim Pyrat XO. Die Toffee- und Gewürznoten haben uns prima gefallen, insgesamt ist uns dieser Rum aber zu süß und zu flach. Schade. In der gleichen Preisrange würden wir wohl eher zu einem Plantation XO greifen.

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-66 von 100-

Ron Cihuatan Tasting

Ron Cihuatán Nikte

Der Ron Cihuatán Nikte ist eine Special Edition, die auf 17.914 Flaschen limitiert ist. Dieser Rum nimmt bezug auf Kay Nikte, ein Blumenfest. Bei diesem Fest beschenkten die Mayas ihre Mondgöttin im Schein des sichelförmigen Mondes mit heiligen Blütenblättern. Der Rum ist mit 19g/Liter zusätzlich gezuckert. Die Abfüllung erfogte nach einer Reifezeit von 12-15 Jahren mit 47,5%. Für 0,7 Liter muss man ungefähr 65 Euro einplanen.

Die bereits bekannten Aromen von Kakao, Toffee und Mandeln strömen uns diesmal tatsächlich etwas kräftiger in die Nase, fruchtige Noten von Kirschen und Sherry geben eine willkommene Abwechslung.

Der erhöhte Alkoholanteil gefällt uns erstmal sehr gut, er gibt den Aromen von Toffee, Schokolade, Espresso und Nüssen mehr Raum. Die starke Süßung lässt Assoziation zu Marzipan und Honig aufkommen. Auch am Gaumen finden sich wieder die fruchtigen Aromen aus der Nase. Der Abgang ist mittellang und es bleiben röstig-fruchtige Noten zurück.

Fazit: Beim Ron Cihuatán Nikte sind wir ehrlich gesagt etwas hin- und hergerissen. Einerseits gefallen uns die erhöhte Trinkstärke von 47,5% und die spannenden Aromen von Sherry und Kirsche. Andererseits ist auch hier eine starke Süßung vorhanden. Dadurch trifft auch dieser Rum nicht vollends unseren Geschmack. Aber ich bin mir sicher: Dieser Rum wird seine Fans finden.

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-71 von 100-

Ron Cihuatán Sahumerio

Beim Ron Cihuatán Sahumerio handelt es sich um die zweite Limited Edition in dieser Tasting-Box. 19.682 Flaschen wurden mit 45,2% und 20g/Liter Zucker abgefüllt. Damit befindet sich dieser Rum genau an der Grenze der gesetzlichen Bestimmungen. Ein wenig mehr und diese Abfüllung dürfte sich nicht mehr Rum nennen – das nur einmal zur allgemeinen Einordnung. Der Rum reifte vor der Abfüllung 12-14 Jahre. Der Preis beträgt circa 70 Euro.

In der Nase präsentiert er sich etwas anders als die bisherigen Abfüllungen: Wir finden getrocknete Früchte, Orangenschalen und gerösteten Zucker mit einer leichten Vanille.

Beim Trinken finden wir Vanille, geröstete Mandeln, ein wenig Schokolade und Toffee. Frucht finden wir so gut wie gar nicht wieder. Auch sonst zeigt sich diese Abfüllung nicht sonderlich komplex, der Zucker scheint hier alles zu überlagern. Positiv kann man auch ihm seine ausgesprochene Milde attestieren. Im Abgang kommen dann doch ganz zarte fruchtige Aromen, die ein wenig an sehr süßen Sherry erinnern. So manches Aroma wirkt schon irgendwie ein bisschen künstlich. Die schlechteste Abfüllung des Tastings.

Fazit: Der Ron Cihuatán Sahumerio ist bei uns durchgefallen. Geschmacklich zu flach und viel zu süß. Für 70 Euro bekommt man schon deutlich komplexe Abfüllungen. Er könnte aber all jenen gefallen, welche einen höherpreisigen Zacapa oder einen A.H. Riise in ihrer Homebar stehen haben und nach Abwechslung suchen.

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-55 von 100-

Ron Cihuatán Xaman XO

Dieser Rum aus El Salvador wurde von der mayanischen Sage um Xaman, den Gott des Nordsterns und Beschützer des Cihuatán Tals, inspiriert. Der Cihuatán Xaman XO Rum reifte für 15 Jahre in ehemaligen Bourbonfässern und ein Jahr in Fässern aus Ceiba-Holz. Abgefüllt wurde er mit 40%. Der Preis beträgt circa 110 Euro.

Das Ceiba-Fassfinish hat hier seine Spuren zu hinterlassen. Neben den typischen Cihuatan-Aromen wie geröstete Mandel, Toffee und Kakao finden wir eine ungewöhnliche Specknote und Nelke.

Im Mund bleibt davon jedoch wieder nicht mehr soviel übrig, hier finden wir Dörrpflaume, kandierte Ananas, Toffee und wenige Röstaromen. Der Rum ist sehr süß, hat aber dafür ein angenehmes Mundgefühl. Der Abgang ist mittellang und mild. Kandierte Früchte bleiben zurück.

Fazit: Der Ron Cihuatán XO gefällt uns wieder besser als der Sahumerio, holt uns aber trotzdem nicht so richtig ab – vor allem nicht angesichts des Preises jenseits der 100 Euro. Die zunächst interessante Aromatik der Nase schafft es leider nicht an den Gaumen. Beim Flaggschiff-Produkt hätten wir eindeutig mehr erwartet. Insgesamt keine Empfehlung.

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-65 von 100-

Fazit

Mit viel Spannung sind wir an dieses Tasting gegangen, schließlich waren dies Abfüllungen allesamt sehr präsent in den sozialen Netzwerken – und wir hatten noch nie zuvor einen Ron Cihuatán im Glas. Umso ernüchternder fällt jedoch das Ergebnis aus. Der klare Gewinner ist für uns die Einsteigerabfüllung Cihuatan Indigo. Sie ist unserer Meinung nach noch das ehrlichste Produkt der ganzen Linie. Und hat vorallem aus Sicht eines Barbetreibers das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Alle anderen Abfüllungen sind uns einfach viel zu süß.

Das macht die Ron-Cihuatan-Rums natürlich für Einsteiger und Fans von Rums im Kaliber eines Botucal Reserva, Zacapa 23 oder Don Papa empfehlenswert. Für uns aber leider überhaupt nicht. Bei den teils deutlich hochpreisigeren Abfüllungen sehe ich am Ende keinen Mehrwert. Ganz im Gegenteil, wir haben das Gefühl, dass es einfach immer mehr Zucker und irgendwelche Additive sind, die uns das Gefühl geben sollen, dass es sich hier um einen qualitativ hochwertigeren Rum handelt. Hier hatten wir tatsächlich deutlich mehr erwartet. Schade.

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