Luxardo Maraschino Likör ist wohl eine der wenigen Flaschen, die sich in jeder gut sortierten Bar finden lässt. Und trotzdem ist ihr selten, ja eigentlich nie, der Platz im Rampenlicht vergönnt. Ihr Schicksal ist es, in der zweiten Reihe auszuharren und im richtigen Moment einer anderen Spirituose unter die Arme zu greifen. In einem Drink soll sie die Aromen herausarbeiten und zusätzliche Komplexität verleihen, ohne sich in den Vordergrund zu drängeln – jedenfalls bei richtiger Anwendung. Gewissermaßen ist Maraschino für einen Drink das, was Sam für Frodo ist: Ein Helfer, ohne den man nicht ins Ziel kommt.

Maraschino, so heißen auch die knallroten, beinahe chemisch aussehenden Cocktailkirschen Doch zum Glück haben sie nicht direkt etwas mit diesem Likör zu tun, der als einer der ganz wenigen Liköre auf der Welt destilliert wird (und zwar aus Maraska-Kirschen). Viele andere Produkte werden lediglich künstlich aromatisiert. Die meist namensgleichen Cocktail- oder Belegkirschen sind in der Regel eine andere Sorte, welche erst in einer Salzlake und anschließend in Malzzucker, Aromastoffen und Lebensmittelfarbe eingeweicht und als „Maraschino“ verkauft werden.

Luxardo – sechs Generationen im Familienbesitz

Der international bekannteste Maraschino stammt von Luxardo, einem italienischen Spirituosenhersteller aus Torreglia bei Padua. Dessen Geschichte geht zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert. Girolamo Luxardo stammte aus Genua und wurde 1817 als Konsul des Königreichs Sardiniens nach Zadar (liegt im Süden des heutigen Kroatiens in Norddalmatien) entsandt. Dort beschäftigte sich seine Ehefrau Maria Canevari mit der regionalen Küche, unter anderem brannte sie nach Landesart Likör aus Maraska-Kirschen. Das ist eine kleinere und herbere Variante der Sauerkirsche.

Für die Herstellung des kristallklaren Luxardo Maraschino Likörs wird ausschließlich aus Maraska-Kirschen gewonnenes Destillat verwendet. Dieses reift zwei Jahre lang in finnischen Eschenholzfässern und wird anschließend verdünnt und gezuckert. Eine Besonderheit: Die Kirschkerne werden in der Frucht belassen, wodurch der Likör einen nussigen, leicht mandelähnlichen Geschmack erhält. Ein Prinzip, dass sich Vestal-Gründer William Borrell etwa für seinen jüngst auf den Markt gebrachten Cherry Wodka abgeschaut hat. Das genaue Rezept von Luxardo ist ein Familiengeheimnis.

Mittlerweile befindet sich das Unternehmen in sechster Generation im Familienbesitz (hier die offizielle Webseite). Die Firma besitzt mehr als 20.000 (einige Quellen sprechen auch von fast 30.000) Maraska-Kirschbäume, was es zur größten Kirschplantage der Europäischen Union macht. Eine zweite Produktlinie für Gourmets umfasst neben den originalen Maraschino-Kirschen auch Marmeladen und alkoholhaltige Fruchtsirups sowie Likör-Konzentrate für Bäckereien und Speiseeishersteller.

Luxardo Maraschino Etikett

So riecht und schmeckt Luxardo Maraschino

Abgefüllt wird Luxardo Maraschino* in 0,7-Liter-Flaschen mit 32 Volumenprozent. Er besitzt ein ganz eigenes Aroma. Das Cocktailportal “Difford’s” beschreibt es als “ähnlich wie Kirsch-Eau-de-vie mit starker Alkoholnote (was angesichts des Alkoholgehalts überraschend ist) mit Noten gerösteter Nüsse und schwach ausgeprägtem Rauch”. Andere assoziieren Kiefer, Baumrinde und Zitrusfrüchte.

Im Mund besitzt der Luxardo Maraschino eine sirupartige Textur. Beim ersten Probieren erwartete ich einen Geschmack von reifen Kirschen. Ich hätte nicht falscher liegen können. Man spürt zunächst eine starke Alkoholnote, Blumen und Wälder, dann eine subtile Nussigkeit, die von den Kirschkernen stammt. Im Hintergrund schmeckt man leichte Kirschnoten, die ins Bittere abdriften. Als würde man einen Kirschkern im Mund lutschen. Am Gaumen bleibt schließlich eine pfefferminzbonbonartige Frische. Ein äußerst vielschichtiger Likör mit einem überraschend langanhaltenden Aroma.

Pur ist Luxardo Maraschino nicht jedermanns Sache, und auch in Drinks sollte die Spirituose sparsam eingesetzt werden. Doch richtig dosiert verleiht sie Cocktails das gewisse Etwas, das schon Ernest Hemingway zu schätzen wusste. In seiner nach ihm benannte, herben Daiquiri-Spielart – auch als Papa Doble bekannt – ist Maraschino der entscheidende Sidekick. Hemingway war Diabetiker und ersetzte den Zucker durch Maraschinolikör und Grapefruitsaft.

Rezept Hemingway Daiquiri

  • 60 ml weißer Rum
  • 20 ml frischer Limettensaft
  • 15 ml Maraschino
  • 15 ml frischer Grapefruitsaft

Darum gehört Maraschino in jede Hausbar

Ein Likör, den man nur selten und dann in geringen Dosen braucht – manchmal benötigt man gerade einmal einen Barlöffel – wirkt auf den ersten Blick verzichtbar. Doch wer es mit seiner Homebar ernst meint, kommt über kurz oder lang nicht um eine Flasche Luxardo Maraschino herum. Mit rund 20 Euro ist sie kein Schnäppchen*, so viel geben die meisten Menschen nicht einmal für ihren Rum oder Whiskey aus. Aber man erhält nicht nur eine äußerst dekorative Flasche, die jede Homebar ziert (das auffällige Design mit umwickeltem Stroh wird übrigens seit 1821 verwendet), sondern sie hält auch wirklich, wirklich lange.

Wenn ihr eine Flasche besitzt, ist ein Aviation Cocktail ein guter Startpunkt. Dieser Cocktail funktioniert nicht ohne Maraschino Likör, ist äußerst lecker und ein Hingucker.

Aviation

  • 50 ml Dry Gin
  • 15 ml Luxardo Maraschino Likör
  • 7,5 ml Creme de Violette Likör
  • 15 ml frischer Zitronensaft

Alle Zutaten auf viel Eis schütteln und doppelt abseihen.

Last Word

  • 30 ml Gin
  • 20 ml Green Chartreuse
  • 20 ml Luxardo Maraschino
  • 20 ml Limettensaft

Alle Zutaten auf viel Eis shaken und doppelt abseihen.

Closing Argument (Last Word auf Mezcal-Basis)

  • 20 ml Mezcal
  • 20 ml Green Chartreuse
  • 20 ml Luxardo Maraschino Likör
  • 20 ml Limettensaft

Alle Zutaten auf viel Eis schütteln und doppelt abseihen.

Gonzo

  • 35 ml gelagerten Rum (zum Beispiel Bacardi 8)
  • 15 ml roter Luxardo Maraschino Likör
  • 7,5 ml Sherry
  • 2 Dash Grapefruit-Bitter
  • 120 ml Tonic

Rum, Maraschino, Sherry und Bitter miteinander auf Eis verrühren. In ein mit Eiswürfeln gefülltes Glas abseihen. Mit Tonic auffüllen.

Maraschino-Likör von anderen Herstellern

Wie immer wenn eine Zutat populär wird, dauert es nicht lange, bis weitere Hersteller auf den Zug aufspringen und eigene Produkte auf den Markt bringen. Inzwischen gibt es viele weitere Produzenten, die eigene Versionen dieses für viele Drinks essenziellen Likörs anbieten. Was auffällt: Der Maraschino-Likör unterscheidet sich geschmacklich je nach Hersteller deutlich. Das macht es umso komplizierter, wenn in einem Cocktail-Rezept lediglich von Maraschino die Rede ist, ohne dass explizit eine Marke genannt wird. Neben Luxardo sind die bekanntestn Alternativen …

Bols Maraschino

Der wohl günstigste Maraschino mit knapp 11 Euro je 0,7 Liter. Was direkt auffällt: Mit 24 Volumenprozent besitzt er deutlich weniger Alkohol als andere Varianten. Zudem riecht und schmeckt er sehr künstlich und ist generell ziemlich süß. Für den Obstsalat okay, für Drinks aber wirklich kein Highlight. Besser ein paar Euro mehr investieren und zu den höherwertigen Alternativen greifen.

Schladerer Maraschino

Die deutsche Firma Schladerer hat viel Erfahrung mit Obstbränden – und das merkt man auch dem hauseigenen Schladerer Maraschino Likör* (32 vol%) an. Hier steht die Kirsche geschmacklich deutlich mehr im Vordergrund verglichen mit dem würzigeren Luxardo, weil der traditionelle Maraska-Geist mit dem Destillat Schwarzwälder Sauerkirschen kombiniert wird. Die fruchtigere Note verleiht Drinks einen völlig anderen Twist. Hendrik ist jedenfalls ein großer Fan dieser Variante und gibt dem Schladerer Maraschino den Vorzug. Mit 17 Euro für 0,5 Liter ist er etwas teurer als der Marktführer von Luxardo.

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