Es gibt Flaschen, deren Etiketten erzählen tolle Geschichten. Da geht es um Rezepte, die angeblich auf dem Dachboden der Urgroßmutter herumlagen, mal um rührende Anekdoten. Einige sind wahr, die meisten wohl eher nicht. Und dann gibt es Flaschen, die stecken voller Geschichte. Eine von ihnen ist der Equiano Rum – ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Produkt. Hier sind die Hintergründe mindestens ebenso spannend wie der eigentliche Rum.

Hinter dem Equiano stecken zwei Namen, die in der Rum-Szene großes Ansehen genießen: Ian Burrell, weltweiter Rum-Botschafter (klingt nach einem Traumjob, oder?) und Richard Seale, Master Distiller der renommierten Foursquare Distillery auf Barbados.

Equiano Rum – Afrika trifft Karibik

Der Equiano wird als erster Afro-Karibik-Rum der Welt vermarktet. Es handelt sich um einen Blend aus zwei Regionen: Zunächst reift Melasse-Rum aus der Gray’s Distillery auf Mauritius in französischen Limousin- und ehemaligen Cognac-Fässern, anschließend reist dieser nach Barbados. Dort wird er mit Foursquare-Rum vermählt, der zuvor acht Jahre in Ex-Bourbon-Fässern ruhte. Das Blending der in zwei unterschiedlich tropischen Zonen gereiften Rums findet ebenfalls in ehemaligen Bourbon-Barrels statt.

Die Gray’s Distillery ist nicht allzu populär, obwohl sie schon beinahe ein Jahrhundert alt ist. Sie nutzt eine kreolische Säule zur Herstellung ihrer Produkte. Erst seit 2003 stellt sie Hausmarken für den Export her, zu den bekannteren zählen “Lazy Dodo Rum” und New Grove. Auch S.B.S. verwendete bereits Rum der Gray’s Distillery.

Equiano Rum Schriftzug

Wie bei allem, wo die Foursquare Distillery prominent ihre Finger im Spiel hat, kommt dieser Rum ohne Zugabe von Zucker oder anderen Zusatzstoffen aus. Abgefüllt wird mit einem Alkoholvolumen von 43 Prozent in 0,7-Liter-Flaschen. Die Flasche ist ein Hingucker. Sie ist schlicht und elegant gestaltet und gespickt mit tollen Details. Die Koordinaten auf der Rückseite stehen für die beiden Destillerien – 20°05’56″S 57°34’19″E (Gray’s auf Mauritius) und 13°06’19″N 59°28’57″W (Foursquare auf Barbados).

Equiano Rum – Tasting

Equiano Koordinaten

Der Equiano Rum* hat im Glas eine kastanienbraune Farbe und verströmt den Duft von Toffee und etwas Banane. Ganz dezent rieche ich auch Gewürze. Doch erst im Mund geht die Party los: Zunächst spüre ich eine Schärfe, die ich nicht richtig einordnen kann. Ist der Alkohol zu dominant, bei “nur” 43 Prozent? Doch es ist keine sprittige Schärfe, das würde bei einem Rum dieses Kalibers auch überraschen. Es ist die trockene Schärfe von schwarzem Pfeffer. Ich fühle mich an meinem Besuch einer Kampot-Pfefferplantage in Kambodscha erinnert. So intensive Gewürznoten erlebe ich selten.

Der Mund hat sich daran gewohnt, und beim zweiten Schluck kann ich die süßen Karamell- und Fruchtnoten wiedererkennen, die ich in der Nase wahrgenommen habe. Ich finde Butter, Rosinen und Demeraranoten. Im Abgang meldet sich schließlich das Holzfass, welches sich mit einem bitteren, trockenen und leicht rauchigen Finish am Gaumen zeigt. Den Pfeffer merke ich bis zum Schluss.

Ein spannender, rauer Mix mit ausgeprägten Gewürzaromen, sehr gut geblendet und definitiv mal etwas anderes. Der Equiano ist kein Sipper, den man uneingeschränkt Rum-Neulingen empfehlen kann. Dafür ist er zu kantig, komplex und trocken. Wer sich mit der Materie schon auseinandergesetzt hat, erhält für unter 50 Euro einen authentischen Rum, in dem man viel entdecken kann. Er könnte vor allem für jene interessant sein, die gesüßte oder aromatisierte Rums trinken und noch nicht bereit sind für trockene Kehlenkratzer in Fassstärke.

Die Geschichte hinter Equiano

Benannt ist der Rum übrigens nach Olaudah Equaino, einem Mann aus dem 18. Jahrhundert, welcher als zehnjähriger Junge von Sklavenhändlern gefangen und von Nigeria auf die Westindische Insel Barbados verschleppt wurde. Er verbrachte viele Jahre in der Sklaverei, als Diener nahm er von 1757 bis 1762 sogar im Siebenjährigen Krieg in Amerika teil. Danach wurde er erneut an einen Plantagenbesitzer verkauft und auf die Westindischen Inseln zurückgebracht. Dort kaufte er sich schließlich frei, das Geld dafür verdiente er unter anderem mit dem Verkauf von Rum. Als freier Mann reiste Equiano auf Handelsschiffen ins Mittelmeer und die Arktis, später wurde er zum Vorkämpfer des Verbots des Sklavenhandels. 1777 verschlug es ihn nach England, wo er eine Frau heiratete und zwei Töchter bekam.

Eine bemerkenswertes Leben, welches Equiano in einer Autobiographie für die Nachwelt festhielt. Bis heute gibt es allerdings Theorien, dass er nicht in Afrika geboren und von dort verschleppt wurde, sondern dass er diesen Teil lediglich ausschmückte, um mehr Bücher zu verkaufen.

So oder so: Mit seiner Bewegung gegen den Sklavenhandel setzte sich Equiano für eine bessere Welt ein. Dieses Erbe führen die Rum-Macher weiter: Ein Teil des jährlichen Gewinns (ich habe die Angabe von fünf Prozent entdeckt) des Equiano Rum* spenden sie unter anderem an die gleichnamige Foundation. Diese unterstützt 2021 etwa eine Organisation, die sich für die Abschaffung der modernen Sklaverei einsetzt.

Der Equiano Rum kostet circa 50 Euro für eine 0,7-Liter-Flasche.

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