Die Produkte der Brennerei Feller sind seit einigen Jahren mehr als nur wiederkehrende Gäste – wann immer wir auf Werner Huber (dem Brennmeister) treffen probieren wir etwas und bleiben auch meistens eine Weile bei ihm hängen. Bislang galt unsere Aufmerksamkeit den Rumabfüllungen des Hauses, die mit Charakterstärke und einer eigenen Handschrift überzeugten.
Doch eine Brennerei lässt sich nicht allein an einer Kategorie messen. Wer das Handwerk einer Brennerei verstehen will, muss dorthin blicken, wo Destillation am unmittelbarsten wirkt: zu den Obstbränden.
Die Abfüllungen
Die Brennerei Feller teilt ihre Brände in zwei Kategorien:
- Premium Brände
- Edle Brände
Die Brände der beiden Kategorien gibt es jeweils in 200ml und 500ml Abfüllungen. Ich finde besonders die 200 ml Abfüllungen interessant, denn ich brauche nicht immer 500 ml zu Hause.
Der Test
Wir haben die Abfüllungen auf mehrere Tage aufgeteilt und, sofern möglich, mit Bränden anderer Hersteller verglichen. Das war uns aber leider bei den wenigsten Sorten möglich.
Premium Brände
Diese Destillate werden mit besonderen Früchten wie Blutorange, Mandarine, Goldaprikose oder Ingwer hergestellt und bis zu 6-fach gebrannt. Was es mit dem 6-fach Brand auf sich hat wird nicht näher erläutert. Das Etikett ist umlaufend und farblich aufwendiger gestaltet. Die 500ml Abfüllung erfolgt in eine kompakte, rechteckige Schulterflasche.
Feller Williams Birne
Die Birnen kommen aus dem Südtiroler Vinschgau. Preis: 18/39,50€. Der Alkoholgehalt beträgt 40%. Mehr Birnenbrände findet ihr hier.
Nase
Sehr klar und sortentypisch: reife Williams-Christ-Birne, Birnenschale, Birnensaft, ein Hauch Zitronenzeste. Die Nase wirkt frisch und saftig, mit leicht floralen Anklängen und einer Spur Kernaroma.
Gaumen
Die Frucht zeigt sich saftig und leicht süßlich. Birnenfleisch, feine Frische, eine super dezente Pfeffrigkeit. Die Textur ist weich. Keine Schwere. Der Alkohol trägt die Aromen und ist sehr gut integriert.
Abgang
Mittellang, trocken auslaufend. Birnenschale, Fruchtkern, ein Hauch Mandel. Der Nachhall bleibt klar und sortenrein, ohne bitter zu werden.
Fazit
Der Brand interpretiert die Sorte klassisch und zurückhaltend ohne künstliche Aromatik.
-8.5 von 10.0-
Feller Mirabelle von Nancy
Die Mirabelle von Nancy, ist nach der historischen Stadt Nancy in Tothringen benannt. Nancy ist eines ihrer Hauptanbaugebieten. Sie gilt als eine der aromatischsten Sorten. Der Alkoholgehalt beträgt 43%. Preis: 18/39,50€.
Nase
Reife Mirabelle, gelbfleischig, saftig, mit feinem Honigton. Darunter ein Hauch Aprikose, Mandelschale und ein fast buttriger Eindruck. Keine Überreife, kein Kompott.
Gaumen
Die Frucht wirkt rund, saftig und dicht, mit klarer Süße aus dem Fruchtfleisch, aber ohne übertriebene Zuckrigkeit. Typische Mirabellen-Aromen: gelbe Pflaume, Aprikosenkern, feine Marzipan-Assoziation. Der Alkohol ist vollständig integriert, die Textur cremig.
Abgang
Mittellang bis lang, sehr harmonisch. Gelbe Frucht, dezente Mandel, ein Hauch Blütenhonig. Der Nachhall bleibt warm, ruhig und elegant, ohne Bitterkeit oder Schärfe.
Fazit
Der Brand steht zwischen Fruchtfülle und Präzision. Klassischer Obstbrand-Stil, klar auf Sortentypizität ausgelegt. Kommt jedoch nicht an den Rochelt ran, kostet aber auch nur einen Bruchteil.
-8.6 von 10.0-
Feller Mandarinenbrand
Eine absolute Rarität. Oder hat jemand von euch schonmal einen Brand, keinen Geist (!), von der Blutorange getrunken? Der Brand hat 40%. Preis: 21/49€.
Nase
Frisch geriebene Mandarinenschale, saftiges Fruchtfleisch, ätherische Öle. Weniger süß als erwartet, stattdessen zestig, lebendig, leicht floral, aber nicht überladen.
Gaumen
Die Frucht wirkt kernig statt marmeladig: Mandarinenzeste, Bitterorange, feine Grapefruit-Anklänge. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden, trägt die Aromen ohne Druck. Textur eher schlank als cremig.
Abgang
Mittellang, frisch, leicht herb. Zitrusschale, ätherische Öle, ein Hauch Bitterkeit im positiven Sinn. Kein süßer Rückhall, sondern sauberer, trockener Zitrusausklang.
Fazit
Der Mandarinenbrand steht deutlich näher an klassischen Obstbränden als an Zitrusgeisten. Er arbeitet nicht primär mit Schalenaromatik, sondern mit dem Gesamtbild der Frucht. Die mehrfach wiederholte Destillation sorgt für Reinheit, ohne die Frucht auszudünnen.
-9.1 von 10.0-
Feller Blutorangenbrand
Ebenso eine absolute Rarität. Der Brand hat 40%. Preis: 21/49€.
Nase
Klar, frisch, sehr ätherisch-zitrisch mit ausgeprägter Orangenzeste, aber auch Albedo. Nicht aufdringlich oder künstlich.
Gaumen
Kräftige Frucht, schöne Balance zwischen Süße und Bitterkeit. Ausgeprägte Blutorange. Harmonisch, etwas scharf, kompakter dichter Körper. Florale und leicht parfümiere Aromen schwingen mit. Schmeckt mir ausgezeichnet.
Abgang
Zestig, fruchtbetont, mit langem Nachklang.
Fazit:
Ein frischer, aromatischer Edelbrand, bei dem natürlich die Zitrusaromen im Fokus stehen. Diese wurden wie bei der Mandarine extrem sauber und klar eingefangen. Sehr gelungen. Die Mandarine würde ich minimal vorziehen, mein mittranker bevorzugte die Blutorange.
-9.0 von 10.0-
Feller Johannisbeerbrand Titania 2009
Die Titania Johannisbeere gilt als sehr groß und aromatisch. Die Beeren bleiben sehr lange am Strauch. Der Brand wurde im Jahr 2009 destilliert und reifte dann viele Jahre. Der Alkoholgehalt beträgt 40%. Preis: 21/49€.
Nase
Cassis, Johannisbeerblatt. Weniger Fruchtsüße, mehr vegetabile Frische.
Gaumen
Die Frucht wirkt säuregetragen: frische Beerenhaut, Kernigkeit, feine Bitterkeit. Schlanker Körper. Leichte Pfefferanflüge.
Abgang
Lang, kühl, leicht herb. Johannisbeerblatt, Beerenkern, mineralischer Nachhall.
Fazit
Kein gefälliger Beerenbrand. Kein Crowd-Pleaser, aber ein Brand für erfahrene Gaumen. Aromatisch nicht so richtig mein Brand. Qualitativ aber hochwertig.
-8.2 von 10.0-
Feller Hagebuttenbrand
Der Alkoholgehalt beträgt 45%. Preis: 25/59€.
Nase
Getrocknete Hagebutte, Hagebuttentee, feine Kräuter, ein Hauch Zimt, etwas Marzipan.
Gaumen
Die Frucht zeigt sich teeartig, leicht süßlich ohne Zucker, mit Noten von Apfelkern, Hagebuttenmark. Weiche Textur, gut integrierter Alkohol.
Abgang
Mittellang bis lang, warm, leicht adstringierend. Kräuter, Kernöl, dezente Bitterkeit.
Fazit
Aromatisch sehr interessant und eigen. Qualitativ hochwertig.
-8.6 von 10.0-
Feller Himbeerbrand
1 Tonne Himbeeren wurden für 8 Liter Himbeerdestillat benötigt. Der Brand stammt aus dem Jahr 2018 und reifte viele Jahre. Der Alkoholgehalt beträgt 43,3%. Preis: 28/69€.
Nase
Saubere, aromatische Himbeernoten, die direkt an frische Waldhimbeeren erinnern. Sowohl typische Geist-, als auch Brandaromen. Kein alkoholischer Überhang, sondern pure Frucht. Leicht floral.
Gaumen
Kräftig, feinfruchtig mit leichter nussiger Komponente von den Samen. Sehr ausgewogen zwischen Fruchtintensität und trockener Ausrichtung. Extrem gute Alkoholeinbindung.
Abgang
Lang und fruchtbetont. Deutlich länger als typische Himbeergeiste.
Fazit
Ein herausragender Himbeerbrand, der Fruchtreinheit mit feiner Struktur verbindet. Auffallend ist die Frische und die intensive Fruchtigkeit, die man sonst eher bei den Geisten findet. Das hat er sehr wahrscheinlich seiner langen Lagerung zu verdanken.
-9.2 von 10.0-
Feller Ebereschenbrand
Der Alkoholgehalt beträgt 45%. Preis: 33/79€.
Nase
Sehr charakteristisch und sofort erkennbar: Vogelbeere. Dazu getrocknete Orangenschale, Bittermandel, ein Hauch Kräuter und grüne Aromen.
Gaumen
Trocken. Die Frucht zeigt sich herb-bitter, mit Noten von Beerenhaut, Mandel und einer feinen, fast pfeffrigen Schärfe. Der Alkohol ist präzise eingebunden. Sehr intensiv.
Abgang
Lang, kühl und nachhaltig. Bitterorange, Vogelbeerenschale, Mandel, ein mineralisch-trockener Nachhall.
Fazit
Der Ebereschenbrand der Brennerei Feller verlangt Aufmerksamkeit und belohnt sie mit Tiefe. Hat uns von allen Abfüllungen aromatisch am besten gefallen. Gebt ihm aber Zeit im Glas.
-9.3 von 10.0-
Edle Brände
Die Brände werden aus Früchten aus eigenem Anbau hergestellt und 3-fach destilliert. Das Etikett ist schwarz mit silberner Aufschrift. Abgefüllt wird in eine kantige Quaderflasche mit kurzem Hals. Auch bei diesen Abfüllungen gibt es jeweils eine 200 ml und eine 500 ml Flasche. Sie verfügen unserer Meinung nach über ein extrem gutes Preis-Genuss-Verhältnis.
Feller Ringlottenbrand
Ich musste erstmal googeln was denn eigentlich eine Ringlotte ist. Ich fand heraus, das es sich dabei um die sogenannte Edelpflaume handelt. Die Pflaumen sind Wildpflaumen von der eigenen Streuobstwiese. Der Alkoholgehalt beträgt 43%. Preis: 12,95€/19,95€.
Nase
Gelbes Steinobst, Mirabelle, ein Hauch Blütenhonig. Darunter eine elegante Mandelkern-Note und etwas Apfel- und Orangenschale.
Gaumen
Saftiges gelbes Fruchtfleisch, dezente Süße aus der Frucht selbst, feine Kernwürze. Die Textur weich, fast schon cremig, der Alkohol sehr gut integriert.
Abgang
Mittellang bis lang, ruhig und harmonisch. Gelbe Frucht, Mandelschale, ein Hauch Kräuter. Sauberer, eleganter Ausklang.
Fazit
Der Ringlottenbrand von Feller ist ein klassischer, sortentypischer Steinobstbrand, der zwischen Mirabelle und Zwetschge pendelt. Er ist aromatisch sehr angenehm balanciert. Ein Brand, der seine Herkunft und Frucht klar zeigt, aber ohne Effekte.
-8.4 von 10.0-
Feller Zwetschgenbrand
Brand aus der alten schwäbischen Hauszwetschge. Der Alkoholgehalt beträgt 43%. Preis: 12,95€/18,95€.
Nase
Reife Zwetschge, Zwetschgenschale, feuchter Stein, Bittermandel. Dahinter dunkle Fruchtnoten, ein Hauch Zimt.
Gaumen
Die Frucht wirkt kernbetont und leicht herb, mit Noten von Zwetschge, Steinobstkern, etwas Kakao. Der Alkohol ist präzise eingebunden.
Abgang
Langer Abgang. Bittermandel, dunkle Frucht, ein mineralischer, fast steiniger Nachhall. Bleibt trocken bis zum Schluss.
Fazit
Der Zwetschgenbrand von Feller ist ein konsequenter, kompromissloser Steinobstbrand, der die Zwetschge in ihrer herben, kernigen Form zeigt. Stilistisch ein puristischer Brand.
-8.3 von 10.0-
Feller Quittenbrand
Das besondere an diesem Brand ist seine Herstellung, denn die Quitten aus dem Illertal werden für diesen Brand ganze 6 Monate (!) fermentiert. Der Alkoholgehalt beträgt 40%. Der Preis: 13,95€/21,95€.
Nase
Sehr ausdrucksstark und vielschichtig: frische Quitte, Zitronenschale, Apfelkern, ausgeprägte florale Noten (weiße Blüten), dazu eine feine, fast exotische Komponente. Typisch ist die wachsige, ätherische Note, die sofort an frisch geschnittene Quitte erinnert. An der Grenze zur einsetzenden Seifigkeit.
Gaumen
Deutliche Frucht. Die Quitte zeigt sich süß, mit Noten von Zitrus, grünem Apfel und Quittenkern. Die Textur ist ölig und fett, der Alkohol perfekt eingebunden. Auch am Gaumen ätherische Noten.
Abgang
Lang und frisch, mit anhaltender Quittenaromatik, Zitruszeste und einem feinen, herben Nachklang. Der Nachhall wirkt klar, ohne in Bitterkeit zu kippen.
Fazit
Der Quittenbrand lebt nicht nur von der Fruchtfülle, sondern von Komplexität, Floralität und ätherischen Aromen. Vor allem am Gaumen sehr intensiv. Sollte jeder Quitten-Fan, vor allem für den Preis, probiert haben.
-8.8 von 10.0-
Feller Pfirsischbrand
Auf den Pfirsich waren wir gespannt, denn die meisten Pfirsischbrände die ich bisher im Glas hatte haben mich nicht überzeugt. Die Ausnahme bildet in meinen Augen der gelagerte Pfirsischbrand von Gölles. Natürlich ein unfairer Vergleich, da dieser auch noch in Fassstärke daher kommt. Der Alkoholgehalt beträgt 40%. Preis: 13,50€/21,95€
Nase
Zurückhaltend, aber sehr fein: reifer gelber Pfirsich, weiße Blüten, ein Hauch Aprikose. Dazu eine zarte Kernnote, die an Mandel erinnert. Fast kühl wirkend.
Gaumen
Pfirsichfleisch, dezente Fruchtsüße. Die Textur ist seidig und schlank. Kernwürze bleibt deutlich im Hintergrund, ohne herb zu werden. Der Alkohol ist sehr gut integriert. Man hat aber das Gefühl in aromatisch wahrzunehmen.
Abgang
Mittellang und aromatisch dezent. Pfirsichschale, leichte helle Steinobstnoten, etwas Zitrus, ein Hauch Mandel. Zum Schluss eine dezente Süße.
Fazit
Pfirsich ist laut Werner Huber destillatorisch heikel: schnell flüchtig, leicht parfümiert, extrem von der Qualität der Früchte abhängig. Stilistisch zwischen Marille und Mirabelle angesiedelt, jedoch feiner und deutlich leiser als beide. Werde ich mal im Philadelphia Fish House Punch testen.
-7.5 von 10.0-
Fazit
Über alle Brände hinweg – von Williams, Mirabelle von Nancy, Ringlotte und Zwetschge über Quitte, Johannisbeere, Eberesche und Hagebutte bis hin zu Pfirsich – zeigt sich eine klare Linie.
Selbst aromatisch dominante Rohstoffe wie Williams-Birne oder Mandarine werden nicht aromatisch überzeichnet, sondern sauber eingefangen. Steinobstbrände bleiben kernig und strukturiert, Beeren und Wildobst dürfen herb und kantig sein, einzig die Quitte tanzt hier ein wenig aus der Reihe.
Sensorisch eint die Brände eine außergewöhnlich saubere Alkoholintegration und ein bewusster Verzicht auf Zucker. Wer Obstbrand als ernsthafte Spirituose begreift – als Ausdruck von Frucht, Herkunft und Destillationshandwerk – findet in der Brennerei Feller ein Portfolio mit großer sensorischer Tiefe.
In einem zweiten Teil werden wir noch Blicke auf zwei Geiste und zwei gelagerte Brände werfen.
Cheers!
