Ardbeg Ardcore, so heißt die neue Sonderabfüllung des schottischen Whisky-Herstellers. Toller Name und tolle Aufmachung im Punkrock-Stil. Aber an Mut hat es auf Islay bekanntlich noch nie gemangelt. Die Flasche kam anlässlich des Ardbeg Day 2022 auf den Markt.

Genauer gesagt: die Flaschen, Plural. Denn diesmal gibt es gleich zwei Varianten, einmal eine Limited Edition anlässlich des Ardbeg Day und einmal ein Committee Release. Geschmacklich sollen sie sich gleichen, unterschiedlich ist jedoch die Abfüllstärke. Die Committee Edition hat stolze 50,1 Prozent, das “normale” Release 46 Prozent. Ich bin gespannt, wie sich das auf den Geschmack auswirkt!

Etwas verspätet reiche ich hier unsere Review der beiden neuen Abfüllungen des Ardbeg Ardcore nach.

Ardbeg Ardcore im Tasting

In hellem Goldton liegt der Whisky ruhig im Glas. In der Nase finde ich sofort die süßen Vanillenoten, die man kennt und liebt. Dazwischen liegen Kräuter, Rauch und Zitrusfrüchte. So weit, so bekannt. Erstmals bei Ardbeg wurde der Single Malt Scotch Whisky aus dunkel geröstetem Gerstenmalz destilliert. Ich erwartete deshalb im Vorfeld kräftige Schokolade- und Röstnoten, finde diese in der Nase aber zugegeben nicht. Dieser Ardbeg riecht eher frisch-fruchtig als herbstlich. 

Im Mund sieht das schon etwas anders aus. Natürlich dominiert die fruchtige Lagerfeuerglut, die man von der Marke erwartet. Mein erster Gedanke: Joa, ein Ardbeg eben. Etwas süßer als sonst vielleicht. Doch dann schwingen allmählich Kakao-, Röst- und Kaffeenoten mit. Subtil, aber wahrnehmbar.

Das Finish ist langanhaltend und würzig. Im Mund bleibt noch lange Anis und sogar ein wenig Keksteig. Dieser Whisky kann einige Zeit im Glas vertragen, um sich voll zu entfalten. Dann kommt die Gewürzladung noch besser durch.

  • Ardbeg Arcore 2
  • Ardbeg Ardcore 3

Im direkten Vergleich der beiden Abfüllungen gefällt mir Committee Edition einen Hauch besser. Vielleicht liegt es an den 50,1 Prozent, aber meiner Meinung nach bleibt im Abgang der Whisky etwas länger präsent und das ganze ist etwas ungestümer als in der auf 46 Prozent zurechtgestutzten Version.

Eine Altersangabe gibt es nicht, besonders alt wie etwa der Ardbeg Traigh Bhan dürfte der Whisky allerdings nicht sein.

Fazit: Brav statt Hardcore

Geschmacklich fügt sich beim Ardcore insgesamt alles wunderbar zusammen. Lagerfeuer und Asche, aber zurückhaltend. Kekse und Vanille, ohne aufdringlich zu wirken. Kräuter und Früchte, aber nur so viel, dass es nicht störend wirkt. Und alles umgarnt von einem Hauch Kakao. Böse Zungen könnten sagen: etwas flach. Wer diesen Stil mag, dass alles wunderbar elegant eingebunden ist.

Allerdings habe ich beim Namen Ardcore eher einen Whisky im Kaliber von The Clash oder den Sex Pistols erwartet. Wild, unangepasst, lauter aufgedreht als es vernünftig wäre. Doch dieser Whisky ist kein Rebell und eher geradlinig unterwegs.

Nicht falsch verstehen: Der Ardcore ist ein süffiger Whisky mit speziellem Touch, der seine Liebhaber finden wird. Doch für den Ardbeg Day, noch dazu den ersten auf Islay seit der Corona-Pandemie, hätte es für meinen Geschmack etwas mehr Punch in die Magengrube sein können. Vor allem angesichts des Preises von 125 Euro.

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