Die schottische Destillerie Ardbeg ist für ihre ungewöhnlichen Abfüllungen bekannt. Demnächst erwartet Fans jedoch ein ganz besonderer Single Malt: Er hört auf den Namen Fermutation, ein Kofferwort aus Fermentation und Mutation. Daher stammt auch das coole Etiketten-Design, das mich ein wenig an Alien-B-Movies der 70er und 80er erinnert. Was es mit dem Ardbeg Fermutation auf sich hat und wie diese limitierte Abfüllung schmeckt, lest ihr in diesem Testbericht.

Die Geschichte des Ardbeg Fermutation

Wie kam es überhaupt zu der neuen, ungewöhnlichen Abfüllung namens Fermutation? Alles nahm seinen Anfang im November 2007. Ein Boiler in der Ardbeg-Destillerie war defekt und stellte das Team vor eine große Herausforderung: Sechs Washbacks – das sind riesige Bottiche, in der die Fermentation unter Zugabe von Hefe stattfindet – drohten in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Diverse Versuche, den Heizkessel wieder in Gang zu bringen, blieben erfolglos.

Aus der Not eine Tugend machen – dieses Sprichwort schien sich Bill Lumsden, Ardbegs Director of Distilling and Whisky Creation, zu Herzen zu nehmen. Er ließ die Deckel der riesigen Gärbottiche öffnen, woraufhin der zuckrige Inhalt mit der salzigen Islay-Luft reagierte. Und so begann eines der spektakulärsten Experimente: Die Gärung erstreckte sich über ganze drei Wochen, die längste in der Geschichte der Ardbeg-Distillery. Denn normalerweise dauert die Fermentation – der Vorgang, bei dem der Zucker im Malz aufgebrochen wird und eine bierähnliche Flüssigkeit (wash) mit 6 bis 8% Alkohol entsteht – um die 72 Stunden.

Ardbeg Fermutation Flasche

Irgendwann schien der Boiler wieder fachmännisch repariert worden zu sein, schließlich wurde die Flüssigkeit destilliert und für 13 Jahre in First-Fill- und Refill-Bourbonfässern gelagert. Abgefüllt wurde der Single Malt Whisky am Ende mit einem Alkoholgehalt von 49,4 Prozent, laut Hersteller ohne Kältefiltration und ohne Farbstoff.

Zugegeben: Die Geschichte klingt ein wenig, als wäre sie in der Marketing-Abteilung entstanden. Doch im Grunde kann es uns auch egal sein, ob es sich beim Ardbeg Fermutation um einen vielversprechenden Zufall oder ein bewusst gewähltes Experiment handelt. Spannend ist das Ergebnis so oder so.

So schmeckt der Ardbeg Fermutation

Wir haben dankenswerterweise vor dem Release ein Probier-Sample des Ardbeg Fermutation erhalten. Deshalb teilen wir hier direkt unsere Tasting-Eindrücke.

Nase: Ein interessanter Duft, der mir aus dem Nosing-Glas entgegenschlägt. Ich erkenne die Ardbeg-DNA sofort, aber ich rieche auch jede Menge Kräuter – Fenchel, Eukalyptus, Anis – und ein wenig Zitrone. Beides wird von dezentem Rauch umspielt. Deutlich zurückhaltender als andere Abfüllungen.

Mund: Im Mund merkt man auf jeden Fall den Alkohol, aber das ist bei 49,4% auch nicht verwunderlich. Auch hier wieder viel Eukalyptus, der eine ungewohnte Frische in den Whisky bringt. Dazu gesellen sich Lakritz und Zitrusfrüchte. Bitter und dezent süß zugleich. Der Rauch ist auch hier sehr zurückhaltend. Ein interessanter Mix, der allerdings auch schnell wieder aus dem Mund verschwindet. Die mentholige Frische haftet jedoch sehr lang am Gaumen. Ein Erlebnis, das ich bei Whisky nicht sehr oft habe.

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Fazit: Ein Sommer-Whisky

Eines ist sicher: Dieser Ardbeg ist anders als die letzten Abfüllungen, die ich probiert habe. Frischer, wild und doch entgegen der Erwartungen. Bei einer dreiwöchigen Fermentation spekulierte ich auf eine fruchtige Esterbombe, das Ergebnis ist jedoch deutlich subtiler ausgefallen. Ist das schlecht? Auf keinen Fall. Irre aufregend? Auch irgendwie nicht. Ein spannendes Experiment, fraglos, aber ich würde ihn nicht blind empfehlen wie den letzten Ardbeg Traigh Bhan, der für mich neben dem Scorch einer der besten Ardbegs der vergangenen Jahre war. Fans der rauchigen Stinkbomben werden vom Fermutation nicht so richtig abgeholt. Er ist eher ein leichter Whisky für die ersten Sommertage.

Ardbeg Fermutation im Überblick:

  • dreiwöchige Fermentation
  • 13 Jahre Lagerung
  • Alkoholgehalt: 49,4%
  • 180 Euro

Die limitierte Abfüllung ist ab 08. Februar 2022 für alle Mitglieder des Ardbeg Comittees erhältlich. Der Preis des Ardbeg Fermutation wird bei 180 Euro liegen. Nicht bekannt ist die Zahl der Flaschen. Wie immer dürfte die Nachfrage größer sein als das Angebot, es empfiehlt sich also schnell zu sein.

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