Wenn ich so durch Instagram oder verschiedene Blogs schlendere sehe ich sehr häufig Whisk(e)ys. Schottischer Whisky, Irischer Whisky, Bourbon. Selbst deutschen und sogar dänischen Whisky sehe ich regelmäßig.

Was ich aber so gut wie nie sehe: Kanadischen Whisky. Und ja, die Kanadier schreiben ihren Whisky ohne „e“.

Auch auf unserem Blog kam ein Whisky aus dem Nachbarland der Vereinigten Staaten bislang noch gar nicht vor. Umso größer war die Neugierde als mir Christoph zu Weihnachten eine Flasche Alberta Premium Cask Strength Rye Whisky schenkte. Ein Whisky der von Jim Murray in seiner Whiskybibel zum „Besten Whisky des Jahres 2021“ gewählt wurde. Bei der ersten Gelegenheit haben wir ihn – als große Fans von Rye Whiskys und Fassstärken – verkostet und waren begeistert, das können wir schon vorweg nehmen.

Alberta Distillers Limited

Die Destille wurde 1946 in Calgary gegründet und Ende der 80er Jahre von Beam Suntory (damals noch Beam Inc.) aufgekauft. ADL ist der führende nordamerikanische Rye-Whisky-Hersteller. Über 450.000 Fässer reifen vor Ort. Destilliert wird sowohl in Pot- als auch Column-Stills. Die sogenannte Mash besteht für die Whiskyproduktion aus 100% lokal angebautem Roggen und ist damit eine der letzten 100% Roggenwhiskyerzeuger in Nordamerika. Auch wenn Rye Whisky in Kanada eine lange Tradition hat, nimmt man es dort mit der Definition nicht so genau. Während zum Beispiel Bourbon in den USA zu mindestens 51% aus Mais bestehen muss, um sich Bourbon nennen zu dürfen, darf der Roggenanteil in kanadischen Rye Whisky auch nur 1% betragen. Das Wasser für die Produktion entstammt der Rocky Mountains.

Als Eigenmarken gibt es zum Beispiel Alberta Premium 100% Rye Whisky, Alberta Springs, Alberta Premium Dark Horse, dazu aus Weizen hergestellter Alberta Pure Vodka und Banff Ice Vodka.

In Deutschland ist Alberta Distillers Limited der breiten Masse wahrscheinlich eher weniger bekannt. Das ändert sich aber, wenn man über die Abfüller spricht, die sich bei den Fässern der Destillerie bedienen. Whistle Pig aus den USA zum Beispiel. Ein absoluter Premium-Whiskey, der es auch auf den deutschen Markt geschafft hat und je nach Alter auch gern mal 200 Euro aufwärts kosten kann. Beim Whistle Pig wandert, je nach Abfüllung, auch noch Whiskey aus der in Indiana ansässigen Midwest Grain Products Distillery (z.B. Remus Whiskey, High West Rye) in den Blend. Der 10 jährige Whistlepig enthält aber ausschließlich Alberta Whisky.

Weiterhin bedient sich der US-Abfüller Masterson’s bei Alberta sowie die mehrfach ausgezeichneten und sehr lang gelagerten Abfüllungen von Lock, Stock and Barrel (warum bekomme ich jetzt Lust auf englische Gangsterkomödien?). Ein Teil der Fässer landet auch in japanischen Blends.

Tasting Alberta Premium Cask Strength Rye Whisky

Der Alberta Premium Cask Strength Rye Whisky kommt mit 66% in die Flasche. Laut Hersteller ist der Whisky weder verdünnt noch gefärbt, obwohl besonders die Färbung in Kanada sehr verbreitet ist. Auf ein Age Statement verzichtet der Hersteller, es soll sich um mindestens 5-jährigen Whisky handeln.

Die auffällige, geriffelte Flasche schlummert in einem schönen und designtechnisch nicht überlagerten Umkarton. Was beim Öffnen der Flasche als Erstes auffällt ist der wirklich billige Deckel. Billigstes Plastik. In Deutschland wurde der ACS über Kirsch Whisky vertrieben. Der Preis beträgt ungefähr 130 Euro für 750 ml.

In der Nase finde ich sofort die typischen Backgewürze – vor allem Zimt -, brotige Aromen, Honig, Vanille und verschiedene Beeren. Holz ist auch da, aber etwas im Hintergrund, hier merkt man das es sich noch um einen jungen Whisky handelt. Ich spüre auch nur kurz den Alkohol, 66% hatte ich auch schon deutlich schärfer im Glas. Man spürt ihn, aber er stört mich kein bisschen. Ein wenig Wasser setzt meiner Meinung nach eine leichte Frische frei, die an Minze erinnert.

Am Gaumen kommt dann dafür der Alkohol kräftig an. Nicht im Sinne einer unangenehmen Sprittigkeit, sondern als potenter Aromenträger. Kräftige Gewürze wie Nelken und wieder Zimt fluten den Mundraum mit Roggen, in braunem Zucker kandierten Orangenschalen, dunklen Beeren und einer leichten Vanillenote. Fassaromen sind da, aber nicht übermäßig ausgeprägt. Der Whisky hat eine extrem schöne, ölige Konsistenz, als würde man ihn kauen können. Im sehr langen holzig-würzigen Abgang finde ich dann auch wieder die Minze, grasige Aromen und eine ganz zarte Bitterkeit, die sich ganz zum Schluss aufbaut.

Cheers!

Lest auch:

Grape of the Art Cutxan 2006 – ein verlorener Stil

Volcan de mi Tierra Tequila im Test – Tanz auf dem Vulkan

Podcast-Tipp: Das Duell zwischen Bacardi und Pernod Ricard

„Sundance Kid“ – Die Geschichte hinter dem Trend-Cocktail 2022

Espresso Martini

Werde ein Drink-Experte

 

Rum, Gin, Whisky und mehr: In unserem Newsletter schicken wir dir Artikel, Rezepte und Geheimtipps für deine Homebar. Kostenlos und ohne Spam.

Dann melde dich direkt an!

Viel Spaß beim Lesen!