Wer unseren Blog häufiger liest, weiß: Rum aus Guyana spricht mich per se an. Unter den vielen Marque, die in diesem relativ kleinem Land entspringen, gibt es neben den sehr geläufigen Marque wie PM (Port Mourant) oder auch VSG (Versailles Still Guyana) auch einige, die man getrost als selten bezeichnen kann. Dazu gehören zum Beispiel LBI (La Bonne Intention), SWR (Skeldon) und das heute getestete AN/AW (Albion). Als plötzlich und unerwartet diese Abfüllung beim Rumdepot vom unabhängigen Abfüller S.B.S (Single Barrel Selection) zur Verfügung stand habe ich gar nicht lange überlegt und direkt bestellt.

In diesem Test stellen wir euch den SBS Guyana 2012 Albion genauer vor.

Albion Marque (AW+AN)

Die Marque AW und AN entstammen der Brennerei Albion, die von 1802 bis 1968 in der guyanischen Region Berbice bestand. Wie in Guyana üblich wurden alte Brennapparate oder auch nur die Rumstilistik „vererbt“. So ist es auch heute noch möglich diese Stile zu produzieren. Oder zumindest einen ähnlichen. Nach der Schließung der Albion Destillerie wurde der Stil von 1968 – 1994 in Enmore auf der Wooden Coffey Still, also der hölzernen Column Still mit dem ursprünglichen Mark EHP, destilliert, um dann schlussendlich bei der DDL zu landen.

Offensichtlich ist es aber dann im Laufe der Zeit nicht bei der Wooden Coffey Still als erzeugende Stil geblieben, denn es gab bereits bei der El Dorado Rare Cask Abfüllung (mit dem Mark AN) Abweichungen in der Aromatik im Vergleich mit den alten, sehr berühmten Velier-Abfüllungen der Jahre 1983 und 1994, also der Rums die noch in Enmore destilliert wurden.

Die Metal Coffey Still von Blairs gilt für viele als die erzeugende Still dieses Rums. Eine Still, auf der auch das Mark SWR (Skeldon) destilliert wird und sich seit der Schließung der Blair Distillery bei der DDL befindet. Wieder andere benennen die French Savalle Still als erzeugende Still. Das ist aber nicht besonders wahrscheinlich, weil auf der Flasche eine Continuous Coffey Still vermerkt ist. Selbstverständlich kann sich hier auch bei der DDL der Fehlerteufel eingeschlichen haben, davon würde ich jetzt aber bei der hochpreisigsten Range des Unternehmens nicht unbedingt ausgehen.

Nun gilt es noch zu unterscheiden, um welches Mark es sich denn bei dieser Abfüllung handelt, da dieses nicht mit angegeben ist. Hier wird es dann etwas spekulativ. Das Mark AN (Albion und Nigg) beschreibt laut Marco Freyer wahrscheinlich das Mark der ursprünglichen Albion Distillery und wurde bei den Velier-Abfüllungen möglicherweise auf einer hölzernen Coffey Still oder sogar auf der Port Mourant hergestellt, bevor diese nach der Schließung Albions nach Uitvlugt gelangte. Die berühmte 1983er Abfüllung von Velier benennt eine Wooden Continuous Still als Destillierapparat. Diese wurde in Enmore hergestellt, da es Albion zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr gab. Deswegen kann es sich eigentlich nur um die EHP Still handeln, sofern die Angabe auf dem Etikett richtig ist.

Das Mark AW beschreibt einen Stil, der laut Gargano ebenso auf der Wooden Continuous Still in Enmore destilliert wurde. Der unabhängige Abfüller That-Boutique-Y schreibt dem Mark AW wiederum die Port Mourant zu. Alles gar nicht so einfach mit diesen beiden Marque.

Nun verwirrt mich aber tatsächlich die Angabe auf dem Etikett von SBS. Dort ist eine Pot Still angegeben. Auf der Website von 1423.eu ist wiederum die 4-Säulen Savalle Still angegeben. Der Abfüller The Nectar hat zeitglich einen Albion Rum auf den Markt gebracht und das Marque als AW angegeben. Wahrscheinlich wird es sich dann auch um diesen Stil handeln.

Tasting Albion 2012

Von diesem Rum wurden nach 10 Jahren Reifung 231 Flaschen mit jeweils 0,7 Litern abgefüllt. Der Alkoholgehalt beträgt kräftige 64,6%. Der Rum wurde also offensichtlich nicht verdünnt. Die 10-jährige Reifung fand sehr wahrscheinlich kontinental statt, zumindest würde es mich sehr wundern, wenn der Rum nach einer mehrjährigen tropischen Lagerung so hell geblieben wäre. Der Rum wurde nicht gesüßt oder gefärbt. Die Flasche ist ab 95 Euro verfügbar.

In der Nase würzige Noten von Pfeffer, Anis, Kakao, jungem Holz, Röstaromen und einer nicht sonderlich ausgeprägten Fruchtigkeit, die an Birnen und Äpfel erinnert, gepaart mit dezenten pflanzlichen Aromen. Ein paar Tropfen Wasser geben der Fruchtigkeit mehr Raum. Am Gaumen würzige Noten von Pfeffer und Eiche, Birne, Rosinen, Mineralien, einer leichten Säure und Toffee. Im Hintergrund schwingen noch leicht iodisch-salzige Aromen mit.

Der Alkohol ist mittelmäßig gut eingebunden, hier hätte die Lagerzeit sicher noch etwas länger dauern dürfen. Der Abgang ist trocken mit einer leichten Süße und wieder jungem Holz und etwas Toffee.

Ein interessanter Rum, der mich stark an einen jungen PM erinnert. Vor allem die Birnen/Apfel-Note und die leichte Säure bringt mir diesen Stil in Erinnerung. Soll es sich also doch um einen Pot Still Rum aus der Port Mourant handeln? Dann ist das Etikett auf jeden Fall richtig, dafür sind dann die Informationen auf der Webseite nicht korrekt. Wie es auch letztlich sei, hier wäre meiner Meinung nach mit etwas mehr Reifung noch deutlich mehr möglich gewesen. Der Alkohol könnte auch eleganter eingebunden sein. So bleibt es ein junger Guyana-Rum mit interessanten Momenten, der aber unter seinen Möglichkeiten bleibt.

-78 von 100-

Cheers!

Lest auch:

Our Rum & Spirits – Vier Abfüllungen im Test

Rum Artesanal: Rockley 2000, Hampden 1990 und Guyana VSG 1985 im Test

Foursquare mal anders – Nicolas Krögers Fassfinish-Experimente im Test

Pinky Grain

Du willst ein Cocktail-Experte werden?

 

In unserem Newsletter schicken wir dir Artikel, Rezepte und Anregungen für deine Homebar. Kostenlos und ohne Spam.

Klingt super?

 

Dann melde dich direkt für unseren Newsletter an!

 

Viel Spaß beim Lesen!