Kurz vor Weihnachten hat auch Perola nochmal zwei Rumabfüllungen auf den Markt gebracht: Mit dem Bellamy’s Clarendon 2007 wird die Eigenmarke um die niedliche Eule im Piratenlook erweitert und mit dem Chairman’s Reserve Master’s Selection for Perola füllte man eine kleine Rarität ab. Dazu aber später mehr.

Bellamy’s Clarendon 2007

Der Bellamy’s Reserve Rum wurde auf Melasse-Basis im September 2007 auf einer Pot Still in der Clarendon Distillery auf Jamaika gebrannt. Die Abfüllung erfolgte im November 2022. Der Rum ist also 15 Jahre alt. Von den 15 Jahre reifte er 13 Jahre tropisch und die letzten beiden Jahre kontinental in einem Bourbonfass. Die Abfüllung erfolgte verdünnt auf 52%, jedoch ohne Zugabe von Färbung, Zucker oder sonstigen Additiven in 292 Flaschen mit jeweils 700 ml. Die UVP beträgt 99€.

Der Rum liegt schwer mit einem satten dunkelbraunen Farbton im Glas. Man sieht eindeutig die tropische Reifung. In der Nase strömen mir erstmal ausgeprägte Klebstoffnoten und Menthol entgegen, die nach einiger Zeit in Noten von überreifen tropischen Früchten wie Mango und Ananas übergehen. Daneben finde ich würzige Aromen, Holz und etwas Vanille. Der Rum riecht schon sehr trocken.

Am Gaumen finde ich zunächst wieder diese ausgeprägte Note von Kampfer und Menthol, aber auch geröstetes Fass, würzigen Zimt, Tabaknoten, Holzpolitur und reife Birnen und tropische Früchte. Der Abgang ist holzig-ledrig mit recht ausgeprägten Tanninen und etwas Politur, könnte aber gerne etwas länger sein.

Die Aromatik ist insgesamt sehr frisch und holzig, das muss man natürlich mögen. Mir gefällt es aber. Erstaunlicherweise ist der Bellamy’s trotz der Verdünnung sehr kräftig und ölig, einzig in der Länge des Abgangs könnte sich die leichte Verdünnung etwas bemerkbar machen. Wahrscheinlich wären die Bittertöne aber in Fassstärke auch noch deutlich intensiver gewesen.

-82/100-

Chairman’s Reserve Master’s Selection for Perola

Chairman’s wird immer mehr zu einem meiner Lieblingsrums. Einige Sample stehen auch noch zu Hause zur Verkostung bereit, leider fehlte mir bisher die Zeit diesen großen Direktvergleich zu starten. Nun hat sich Perola ein Fass der Brennerei aus St. Lucia gesichert. Nicht irgendein Fass, sondern eines der wenigen Fässer das ausschließlich aus Rum besteht, der auf der Coffey Columnstill destilliert wurde. Also ich musste ich diesen Rum natürlich unbedingt haben. Soweit ich neulich gelesen habe hat auch Rum & Co ein Fass aus der Coffeystill abgefüllt, den habe ich aber nicht gekostet.

Der Rum lagerte die vollen 16 Jahre in seiner tropischen Heimat. Davon 13 Jahre in einem ehemaligen Bourbonfass und dann weitere 3 Jahre in einem ehemaligen Portweinfass. Die Abfüllung erfolgte in Fassstärke mit 60,1% und ebenso ohne Zugabe von irgendwelchen Additiven. Die UVP beträgt 149 Euro für eine 700-ml-Flasche im bekannten Chairman’s Design. 257 Flaschen sind davon auf den Markt gekommen.

Auch dieser Rum liegt dunkel, aber leicht rötlich und ölig im Glas. Das Portweinfass hat optisch auf jeden Fall seine Spuren hinterlassen. Die Nase ist sehr kräftig und voll. Viel dunkle Schokolade, Pflaumen, Kaffee, geröstete Kokoschips, Portwein und kolonnentypischer Klebstoff schlagen mir entgegen. Daneben noch ein Strauß Kräuter und etwas Tabak. Nach einiger Zeit habe ich noch das Gefühl geröstete Walnuss zu riechen. Der Alkohol wirkt sehr gut eingebunden.

Am Gaumen dann auch wieder viel Schokolade, kräftiger Kaffee, Pflaumen, Kokoschips, gebrannter Zucker und ordentlich Portwein. Nicht falsch verstehen, der Rum ist keinefalls süß und schmeckt nur nach Portwein, aber man spürt ihn auf jeden Fall deutlich. Auch die Würzigkeit lässt sich wieder finden. Dazu eine leichte Beerennote und Minze. Der Abgang ist sehr lange und ein Mix aus Fassaromen, Walnuss, Früchten und Zimt mit sehr gut eingebunden Bitternoten, die niemals zu dominant sind.

Dieser Chairman’s zeigt, was ein sehr guter Column-Still-Rum können kann. Er gefällt mir sehr gut und ist unglaublich lecker. Aromatisch werden bei mir Erinnerungen an den New Yarmouth von Tara Spirits wach. Neben dem KFM die beste Abfüllung, die Perola meiner Meinung nach in jüngster Zeit auf den Markt gebracht hat.

-88/100-

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