10 Cocktails mit Apfelbrand, die jeder Cocktailfan kennen sollte

Inhaltsverzeichnis

Apfelbrand gehört zu den Spirituosen, die in der modernen Barszene erstaunlich selten im Rampenlicht stehen. Dabei blickt kaum eine andere Kategorie auf eine derart lange Cocktailgeschichte zurück. Lange bevor Bourbon oder Rye Whiskey die amerikanische Barkultur prägten, gehörte Apfelbrand zu den wichtigsten Spirituosen Nordamerikas. In den Kolonien war er vielerorts leichter verfügbar als Whisky, da sich Äpfel nahezu überall anbauen ließen und Überschüsse regelmäßig zu haltbarem Branntwein verarbeitet wurden. Vor allem im englischen Teil entwickelte sich Apple Brandy schnell zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens. Zunächst als landwirtschaftliches Erzeugnis, später als Handelsware und schließlich als Cocktailzutat.

Parallel dazu entstand in der französischen Normandie eine ganz eigene Tradition. Aus Cidre gebrannt und oft viele Jahre in Eichenfässern gereift, entwickelte sich Calvados zu einem komplexen Edelbrand mit ausgeprägten Frucht-, Holz- und Gewürznoten. Während amerikanischer Apple Brandy lange Zeit vor allem Robustheit und Kraft verkörperte, stand Calvados für Eleganz, Tiefe und eine feine Balance zwischen frischer Frucht und gereifter Würze.

Auch in Deutschland besitzt Apfelbrand eine lange Tradition. Vor allem in den Streuobstregionen Süddeutschlands sowie entlang der Obstanbaugebiete am Bodensee, im Alten Land oder in Sachsen werden seit Generationen hochwertige Apfelbrände hergestellt. Im Gegensatz zu amerikanischem Apple Brandy oder Calvados wird deutscher Apfelbrand meist nicht im Holzfass gereift, sondern klar abgefüllt, wodurch die sortentypische Frucht und die Feinheit des Destillats im Vordergrund stehen. In den vergangenen Jahren haben jedoch zahlreiche Brennereien begonnen, auch fassgereifte Varianten zu produzieren und damit zu zeigen, welches Potenzial deutscher Apfelbrand als eigenständige Cocktailspirituose besitzt.

Die folgenden zehn Cocktails zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich Apfelbrand eingesetzt werden kann. Manche gehören seit mehr als hundert Jahren zur Barkultur, andere entstanden erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten in einigen der einflussreichsten Cocktailbars der Welt.

Jack Rose

Der Jack Rose gehört zu den Drinks, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Wahrscheinlich entstand er zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der amerikanischen Ostküste. Bereits vor der Prohibition war er fester Bestandteil zahlreicher Barkarten und schaffte es 1930 auch in Harry Craddocks berühmtes The Savoy Cocktail Book.

Rezept

  • 60 ml Apple Brandy
  • 25 ml frischer Zitronensaft
  • 15 ml Grenadine

Zubereitung

Alle Zutaten kräftig auf Eis shaken und doppelt in eine gekühlte Cocktailschale abseihen. Mit Zitronenzeste garnieren.

Newark

Mit dem Newark schuf Jim Meehan gemeinsam mit John Deragon Anfang der 2000er-Jahre einen Cocktail, der heute zu den modernen Klassikern mit Apfelbrand zählt. Bekannt wurde der Drink in der New Yorker Bar Please Don’t Tell (PDT) und später durch das PDT Cocktail Book. Benannt ist er nach der Stadt Newark im US-Bundesstaat New Jersey – der Heimat von Laird & Company. Die Destillerie gilt als ältester lizenzierter Spirituosenhersteller der Vereinigten Staaten und prägt die Geschichte des amerikanischen Apple Brandys bis heute. Auf den ersten Blick erinnert der Newark an einen Manhattan. Tatsächlich entwickelt er jedoch eine völlig eigene Aromatik.

Rezept

Zubereitung

Alle Zutaten mit reichlich Eis kalt rühren und in eine gekühlte Cocktailschale oder ein Nick & Nora-Glas abseihen. Mit einer Zitronenzeste parfümieren und dekorieren.

Conference

Der Conference entstand in den Anfangsjahren der New Yorker Bar Death & Co. und zählt heute zu den bekanntesten modernen Apfelbrand-Cocktails. Entwickelt wurde er von Brian Miller, der sich von klassischen Spirit-forward-Cocktails inspirieren ließ, diese jedoch um mehrere Basisspirituosen ergänzte. Der Name spielt augenzwinkernd auf die Conference-Birne an und verweist damit bereits auf den fruchtigen Charakter des Drinks.

Rezept

  • 30 ml Apple Brandy
  • 30 ml Rye Whiskey
  • 15 ml Cognac
  • 15 ml süßer Wermut
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • 2 Dashes Orange Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten mit Eis kalt rühren und in eine gekühlte Cocktailschale oder Coupette abseihen. Mit einer Zitronenzeste parfümieren und dekorieren.

American Trilogy

Nur wenige moderne Cocktails schaffen es innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil internationaler Barkarten. Die American Trilogy ist einer davon. Entwickelt wurde sie von Richard Boccato in der New Yorker Bar Dutch Kills. Seine Idee war ebenso einfach wie überzeugend: Ein Old Fashioned, der die beiden wohl bedeutendsten historischen Spirituosen der Vereinigten Staaten miteinander verbindet – Rye Whiskey und Apple Brandy. Anstelle von Zucker kommt ein Würfel Demerara-Zucker zum Einsatz, der direkt mit Orangenbitters angerührt wird.

Rezept

  • 30 ml Rye Whiskey
  • 30 ml Apple Brandy
  • 1 Demerara-Zuckerwürfel
  • 3 Dashes Orange Bitters

Zubereitung

Den Zucker mit den Bitters im Tumbler auflösen. Eis und beide Spirituosen hinzufügen und verrühren. Mit einer Orangenzeste parfümieren und dekorieren.

Apple Cart

Der Apple Cart entstand während der Renaissance klassischer Cocktails und verbindet die Frische eines Daisys mit der Würze gereiften Apfelbrands. Anders als viele historische Apple-Brandy-Drinks wirkt er ausgesprochen leicht und lebendig, wodurch er sich hervorragend als Aperitif eignet.

Rezept

  • 45 ml Apple Brandy
  • 20 ml Holunderblütenlikör
  • 20 ml frischer Zitronensaft

Zubereitung

Alle Zutaten kräftig auf Eis shaken und doppelt in eine gekühlte Cocktailschale abseihen. Mit einer Apfelscheibe dekorieren.

Serendipity

Der Serendipity wurde Anfang der 2000er Jahre für das luxuriöse Spa des Ritz Paris entwickelt. Colin Field wollte einen Drink schaffen, der leichter als ein klassischer Champagnercocktail ist und die Fruchtigkeit des Calvados in den Mittelpunkt stellt. Heute gilt er als einer der elegantesten modernen Calvados-Cocktails überhaupt.  

Rezept

  • 45 ml Calvados (vorzugsweise VSOP)
  • 45 ml naturtrüber Apfelsaft
  • 1 TL feiner Zucker
  • 6–8 frische Minzblätter
  • Champagner zum Auffüllen

Zubereitung

Minzblätter leicht andrücken und zusammen mit Calvados, Apfelsaft und Zucker auf Eis kräftig shaken. Anschließend doppelt in ein gekühltes Champagnerglas abseihen und mit gut gekühltem Champagner auffüllen. Mit einem Minzzweig oder einer dünnen Apfelscheibe garnieren.

Carolina Julep

Der Carolina Julep stammt von Sam Ross, dessen Name untrennbar mit modernen Cocktailklassikern wie dem Penicillin oder dem Paper Plane verbunden ist. Für diesen Drink griff Ross den klassischen Mint Julep auf und ersetzte den Bourbon vollständig durch Apple Brandy.

Rezept

  • 60 ml Apple Brandy
  • 10 ml Zuckersirup
  • 8–10 Minzblätter

Zubereitung

Minze und Zuckersirup vorsichtig im Julep-Becher andrücken. Crushed Ice und Apple Brandy hinzufügen, verrühren und den Becher vollständig mit Crushed Ice auffüllen. Mit einem Minzstrauß dekorieren.

Barnstormer

Der Barnstormer wurde von Erick Castro entwickelt und verbindet klassische amerikanische Zutaten mit modernen Cocktailtechniken. Wie viele seiner Drinks wirkt auch dieser Cocktail zunächst unkompliziert, entwickelt jedoch eine erstaunliche aromatische Tiefe. Die Kombination erinnert entfernt an einen Bee’s Knees, erhält durch den Apfelbrand jedoch deutlich mehr Aroma.

Rezept

  • 60 ml Apple Brandy
  • 20 ml frischer Zitronensaft
  • 20 ml Honigsirup
  • 2 Dashes Aromatic Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten kräftig auf Eis shaken und doppelt in eine gekühlte Cocktailschale abseihen. Mit einer Zitronenzeste parfümieren und dekorieren.

Apfelschuss

Der Apfelschuss wurde von Pia Köfler für die Made in GSA Competition 2023 entwickelt und gewann den Wettbewerb. Anders als viele internationale Drinks setzt er nicht auf amerikanischen Applejack oder gereiften Calvados, sondern auf einen sortenreinen Gravensteiner Apfelbrand. Das Rezept verbindet mehrere Produkte aus dem deutschsprachigen Raum und zeigt eine moderne Interpretation regionaler Obstbrandkultur. 

Rezept

  • 30 ml SI-ON Wermut Seebrise
  • 20 ml Appenzeller Gin 27
  • 10 ml Studer Gravensteiner Apfelbrand
  • 10 ml Chuderboden Bio-Verjus
  • 10 ml Studer Nussknacker Haselnusslikör

Zubereitung

Alle Zutaten in ein Rührglas geben, mit Eis auffüllen und etwa 20 Sekunden kalt rühren. Anschließend doppelt in ein vorgekühltes Glas abseihen. Mit einem Apfelfächer garnieren.

Sloe Scobeyville Sling

Der Sloe Scobeyville Sling entstand in der New Yorker Bar Death & Co. und zählt zu den ungewöhnlichsten modernen Cocktails mit Apple Brandy. Phil Ward kombinierte Apple Brandy mit Sloe Gin und schuf damit einen Drink, der klassische Sling-Elemente mit einer ausgesprochen modernen Aromatik verbindet.

Rezept

  • 45 ml Apple Brandy
  • 30 ml Sloe Gin
  • 22,5 ml Zitronensaft
  • 15 ml Zuckersirup

Zubereitung

Alle Zutaten kräftig auf Eis shaken und in ein mit Eis gefülltes Highball-Glas abseihen. Mit Sodawasser auffüllen. Mit einer Zitronenscheibe garnieren.

Cheers!

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