Pünktlich zum World Cognac Day am 4. Juni hat Kirsch Import in Zusammenarbeit mit Sebastian Jäger einen fast 100 Jahre alten Cognac aus dem Hause Vallein Tercinier als Hommage an die Cognachersteller in die Flasche gebracht. Die zuletzt abgefüllten und von uns getesteten Vallein Tercinier waren deutlich jünger, aber trotzdem in meinen Augen durchgängig sehr gute Cognacs.

Vallein Tercinier Lot. 35

Der Vallein Tercinier wurde 1935 aus Trauben der Petite Champagne destillert. Um welche Trauben es sich handelt wurde nicht verraten, wahrscheinlich ist das auch gar nicht bekannt. Von 1935 bis 1990 lagerte der Cognac dann in einem typischen Fass aus Französischer Eiche. 1990 zog der Cognac in Glasballons, den sogenannten Demijohns oder auch Matrosenflaschen, um und reifte dort weiter. In diesem Jahr wurde er dann in Fassstärke mit 47% in 80 Flaschen abgefüllt. Eine Flasche kostet 699€.

Tasting

Die Nase eröffnet mit sehr fruchtigen Aromen die an Birnen und Lakritz mit einer Spur Waldhonig erinnern. Aber auch an tropische Früchte und ein Hauch von sehr altem, esterhaltigen Rum. Das Holz wirkt wunderbar eingebunden. Bittere Assoziationen, wie ich sie bei einer solch alten Spirituose erwarten würde schaffen es wenig in meine Nase, vielleicht in Form von bitter – sauren Cranberrys, dafür aber eine subtile Holzwürze. Der Geruch ist wunderschön, unglaublich komplex und läd zum ewigen verweilen ein.

Im Geschmack zunächst auch wieder ein sehr fruchtbetontes, leicht süßes Bild mit Aromen von tropischen Früchten und getrockneten Pflaumen. Dann setzt eine Säure und Schärfe ein, die adstringend wirkt und an den Zähnen zu kleben scheint und mich in diesem Punkt etwas an den Mauxion 1967 erinnert. Auch am Gaumen finden sich Assoziationen an rumartige Fruchtester, auch wenn er natürlich trotzdem als Cognac identifizierbar bleibt. Dann schleichen sich balsamische Noten mit in die Aromatik. Geschmacklich zeigt sich das Holz eindeutig mehr, die Holzwürze der Nase nimmt mehr Raum ein. Zuviel Holz ist aber keinesfalls vorhanden.

Im ewigen Finish verblassen die sauren Noten wieder und kurz ploppen leichte Bitternoten nochmal auf um dann wieder der fruchtige Süße und den tropischen Aromen Platz zu machen, die dann ewig am Gaumen zu verweilen. Und ich meine wirklich ewig! Zusätzlich ist die ausgeprägte Öligkeit zu erwähnen.

Ein von Anfang bis Ende grandioser Cognac. Wie immer gilt aber: Lasst ihm Zeit im Glas, denn nur so werdet ihr alles entdecken können. Er braucht seine Zeit um vorallem am Gaumen richtig aufzumachen.

-96 von 100-

Fazit

Der Villain Tercinier Lot. 35 ist ein ausgezeichneter Cognac. Ich habe ihn zweimal gekostet und mit zwei weiteren Cognacs, dem JDK Trijol und dem GOTA Lheraud, verglichen. Zum Glück hatte ich von beiden noch etwas im Sample. Gegenüber den beiden anderen Cognacs setzt er sich dann doch noch minimal nach vorne ab, so das ich ihm 96 Punkte gegeben habe. Ich weiß nicht ob da am Ende noch mehr geht, an sich finde ich den Vallein Tercinier aber nahezu perfekt. Einzig die intensive Adstringenz gibt ihm eine minimale, fordernde Eigenschaft mit. Kann ich uneingeschränkt empfehlen, auch wenn er natürlich viel Geld kostet. Chapéau Sebastian für diese erneut fulminante Fassauswahl!

Cheers!