Im Test: WDC The Mask Series Clarendon

Inhaltsverzeichnis

Unabhängig abgefüllte Clarendons sind in den vergangenen Jahren deutlich häufiger geworden. Das dürfte einerseits daran liegen, dass sich immer mehr Genießer intensiver mit den verschiedenen jamaikanischen Brennereien beschäftigen. Nun hat der Wu Dram Clan einen eigenen Clarendon, mit einer ansehnlich langen tropischen Reifung, in die Flaschen gebracht. Vierzehn Jahre verbrachte das Fass auf Jamaika, anschließend weitere fünf Jahre in Europa. Der Angel’s Share fällt auf Jamaika deutlich höher aus als bei einer kontinentalen Lagerung, gleichzeitig entwickelt sich das Zusammenspiel zwischen Destillat und Fass wesentlich schneller. Das muss nicht zwangsläufig zu einem besseren Rum führen, sorgt aber häufig für eine größere aromatische Tiefe und eine konzentriertere Frucht. Wir werden es heraus finden. Nun ein paar Worte zur Brennerei.

Clarendon – eine Brennerei mit vielen Gesichtern

Die Geschichte der Rumerzeugung in der Clarendon Distillery (auch bekannt als Monymusk), aus dem Süden Jamaikas, geht bis ins Jahr 1794 (Cocktailwonk) zurück. Die letzte große Erneuerung und Vergrößerung der Brennerei fand im Jahr 2009 statt. Für die Destillation werden sowohl moderne Column Stills (Kolonnenbrennblasen) als auch traditionelle Pot Stills (Kesselbrennblasen) mit Retorten eingesetzt. Heute gehört sie zu National Rums of Jamaica und produziert seit Jahrzehnten unterschiedliche Marques. Genau deshalb lassen sich Clarendon-Abfüllungen nur schwer über einen Kamm scheren. Manche zeigen ausgeprägte Esternoten mit Klebstoff, Oliven und überreifen Früchten, andere bringen junge Früchte und mehr Holzwürze mit.

Genau das gefällt mir an älteren Clarendons, allen voran den grandiosen 95er und 97er Abfüllungen. Sie besitzen eine klare jamaikanische Handschrift, ohne sich ausschließlich über möglichst intensive Fermentationsaromen zu definieren. Stattdessen entsteht häufig eine Mischung aus reifen Tropenfrüchten, Gewürzen und einer angenehmen Holzwürze, bei der das Destillat trotzdem erkennbar bleibt.

Hier eine tabellarische Übersicht über die verschiedenen Marque von Clarendon (Cocktailwonk):

MarkDestillationEstergehalt (g/hL AA)Charakter / Verwendung
MGWColumn Still< 2Sehr leichter Rum für Liköre und neutrale Blends.  
MBSColumn Still< 10Sehr leichter Blend-Rum; heute häufig mit MLT/MLL zusammengefasst.  
MLT / MLLColumn Still< 10Leichte Column-Marques mit geringem Estergehalt.  
CRV-MColumn Still< 10Blend-Komponente mit sehr leichter Aromatik.  
MSRColumn Still< 10Leichter Column-Rum, oft mit leichter Bananennote beschrieben.  
MSPLight Pot Still60–70Früher auf dem Sevens Estate produziert; leichter Pot-Still-Stil.  
MBK / AHLight Pot Still60–90Leichter Pot-Still-Rum mit moderatem Esterprofil.  
MTRLight Pot Still95–100Mittlerer Pot-Still-Stil mit zunehmender Fruchtigkeit.  
MPG / CHPLight Pot Still110–125Kräftigerer Pot-Still-Rum; CHP ist eine historische Bezeichnung.  
MDRPot Still145–150Deutlich aromatischer, würziger Stil.  
EMBMedium Pot Still (Plummer)240–250Eine der bekanntesten Clarendon-Marques. Ausgewogene Mischung aus Frucht, Würze und klassischen jamaikanischen Esternoten. Zahlreiche Velier- und Habitation-Velier-Abfüllungen tragen diese Marque.  
MMWMedium Pot Still (Wedderburn)290–300Monymusk Wedderburn. Intensiver als EMB, mit mehr Würze, reifen Früchten und kräftigerem Esterprofil. Sehr häufig bei unabhängigen Abfüllern.  
MLCHeavy Pot Still450–550Die schwerste offiziell dokumentierte Clarendon-Marque. Lange Fermentation, hohe Esterwerte und ausgeprägt fruchtig-würziger Charakter. Vergleichsweise selten.  

Die Abfüllung

Mit 19 Jahren gehört der 2007 destillierte Clarendon bereits zu den älteren jamaikanischen Single Casks, die derzeit auf den Markt kommen. Noch interessanter ist allerdings die Aufteilung der Reifezeit. Vierzehn Jahre verbrachte der Rum auf Jamaika, bevor das Fass für weitere fünf Jahre nach Europa gelangte. Diese Kombination findet man inzwischen häufiger als noch vor einigen Jahren. Abgefüllt wurde das First Fill Bourbon Barrel mit 65,9 % Vol. Fassstärke, selbstverständlich weder kühlfiltriert noch gefärbt. Insgesamt entstanden 228 Flaschen mit 700 ml. Die UVP beträgt 169€.

Tasting

Schon beim ersten Riechen wird deutlich, dass die lange tropische Reifung ihre Spuren hinterlassen hat. Die Frucht wirkt ausgesprochen reif und konzentriert: Passionsfrucht und getrocknete, sauere Johannisbeeren stehen zunächst, mit einer Spur Lösungsmittel, im Vordergrund. Daneben Kräuter und “dreckige” Aromen, etwas Diesel und Rauch, aber nicht so ausgeprägt wie in Vendome Abfüllungen aus St. Lucia oder Caroni. Die Früchte dominieren das Geschehen. Mit etwas Zeit im Glas verändert sich das Bild etwas: Die Früchte bleiben erhalten, werden jetzt aber von gerösteten Pekannüssen begleitet. Die “dreckigen Aromen” und die Lösungsmittel gehen in den Hintergrund, etwas Lakritz und Kampher tritt hervor.

Der erste Schluck zeigt dann mehr Holzaromen als es die Nase vermuten lies. Der Rum startet mit würzigen Eichenaromen, bevor nach und nach Vanille und geröstete Nüsse folgen. Neben den tropischen Früchten kommen kandierte Orangenschalen, und Aromen sehr reifer, jedoch keine überreifen Früchte, wie wir sie von Hampden kennen, Olive und eine feine Kräuterwürze hinzu. Gleichzeitig finde ich eine frische Säure. Auch die Textur überzeugt. Der Rum legt sich weich und ölig auf die Zunge. Der Abgang ist lang und trocken. Zunächst zeigen sich noch einmal kurz die Passionsfrucht, anschließend übernehmen trockene Eiche, etwas Salz, ein hauch Kampfer und wieder Kräuter.

-8.8 von 10.0-

Fazit

Clarendon gehört für mich zu den Brennereien, die in den vergangenen Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Diese Abfüllung zeigt sehr gut, warum das so ist. Sie verbindet die typische jamaikanische Fruchtigkeit mit einer Reife, bei der das Fass zwar deutlich präsent ist, den Charakter des Destillats aber nicht wegbügelt. Gerade die lange tropische Reifung macht diese Abfüllung interessant. Vierzehn Jahre unter jamaikanischen Bedingungen findet man bei anderen bekannten jamaikanischen Brennereien so gut wie gar nicht. Schon gar nicht als Single Cask über einen unabhängigen Abfüller.

Wer einen möglichst wilden, übermäßig esterreichen Jamaikaner sucht, wird vermutlich eher bei Hampden oder Long Pond fündig. Wer dagegen sehen möchte, wie ausgewogen und vielschichtig ein lange tropisch gereifter Jamaikaner sein kann, sollte diesem Rum unbedingt eine Chance geben. Vor allem die Kombination aus konzentrierter Frucht, angenehmer Würze und dem Holzeinfluss macht ihn für mich zu einer ausgesprochen gelungenen Abfüllung, die Zeit braucht um seine ganze Stärke auszuspielen. Über das Mark können wir nur spekulieren, weil es keine informationen dazu vom Abfüller gab. Ich persönlich gehe aber davon aus, das es sich um das MMW Marque mit einem Estergehalt mit ungefähr 300 gr/hlaa handelt.

Cheers!

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