Wer sich in Deutschland ernsthaft mit Rum beschäftigt, stößt über kurz oder lang auf seinen Namen: Stefan Marzoll. Stefan lebt in Berlin und arbeitet als Area Sales Manager und Rum Ambassador bei Kirsch Whisky. Er betreut namhafte Marken wie Hampden, Clairin, Equiano, Velier, Flensburg Rum Company und Rhum J.M. Wir haben mit Stefan ein wenig über seine Arbeit in Zeiten der Pandemie, Rum-Geheimtipps und seine Vorliebe für Pina Coladas gesprochen.

Stefan, die Bars hatten wegen der Corona-Pandemie sieben Monate am Stück geschlossen. Wie viele Online-Tastings hast du in dieser Zeit gemacht und was war dein kuriosestes Erlebnis?

Puh, die habe ich nicht mitgezählt. 30, vielleicht sogar mehr? Der kurioseste Moment war auf jeden Fall, als ein Tasting vorbei war, aber niemand aus dem Zoom-Call wollte. Aber das war irgendwie auch typisch für diese zweite Phase der Pandemie: Im Fernsehen lief nur Mist, Netflix hatte man alles durch, man durfte keine Leute treffen, überall gab es Ausgangssperren, alles war zu. Und dann hockt man halt bis nachts halb zwei mit Dutzenden Fremden vor der Webcam. Der einzige Vorteil: Man muss nach dem Trinken nicht mehr nach Hause kommen, haha.

Werden Online-Tastings nach dieser Pandemie bleiben?

Die Begegnung in echten Bars ist schon ein anderes Level. Aber ich muss zugeben: Ich liebe Online-Tastings mittlerweile und habe mich daran gewöhnt, dabei bin eigentlich nicht so ein Techie. Da bildet sich ein harter Kern, eine richtige Community. Ich habe die gleichen Leute einmal erst bei der “Ambassador bring a bottle Party” gesehen und kurz darauf in einem virtuellen Pub-Tasting.

Kommen wir zu dem Thema, über das wir am liebsten reden: Rum. Die meisten Menschen sind froh, wenn sie eine Caroni-Flasche besitzen. Von dir existiert sogar eine Flasche mit deinem Gesicht drauf. Wie kam es dazu?

Es gibt sogar zwei!

Na klar …

Das war eine lustige Nummer. Als Markenbotschafter für Rum bei Kirsch Whisky bekommen wir ja regelmäßig Samples von Marken zugeschickt, mit denen wir zusammenarbeiten. Dabei war eine Abfüllung von That Boutique-y Rum Company. Normalerweise sind da ja Comicbilder drauf. Eine Abfüllung war sehr untypisch, die andere war ein dreckiger Caroni, wie man ihn kennt, alles kontinental gereift natürlich. Und eines Tages bin ich zu meinem Chef gegangen und habe gesagt: “Sag mal, wenn wir den schon aussuchen, können wir dann nicht ein geiles Comicbild von uns Kirsch-Leuten draufpacken?” Und er fand die Idee super.

Was für Bilder habt ihr ausgewählt?

Eines zeigt mich, wie ich ein Fass umarme und daran rieche.

Das bist du? Ich dachte immer, das wäre ein Mönch.

Viele denken, ich trage auf dem Bild eine Mönchskappe. Dabei ist das mein Haaransatz, meine Helikopterlandeplatte. Das andere Bild zeigt mich gemeinsam mit Jürgen Wiese und Christoph Henkel als Dreierkombi. Da tragen wir witzigerweise Clairin-Hemden, das ist aber irgendwie niemanden so richtig aufgefallen. Als die ersten Rohzeichnungen ankamen, waren wir superstolz!

Stell dir vor, es klingelt morgen an der Tür und du bekommst ein Überraschungspaket. Welche längst vergriffene Flasche müsste drin sein, damit du ausflippst vor Freude?

Ganz klar, die 1996er Kirsch Caroni-Abfüllung. Der Single Cask war einfach unfassbar.

Du hast bei einigen Flaschen die Finger im Spiel. Auf welche Abfüllung, an der du beteiligt warst, bist du besonders stolz?

Auf alle.

Und auf welche am stolzesten?

Die Caroni Single Cask von That Boutique-y, weil wir da zwei wirklich geile Abfüllungen herausgesucht haben.

Das sagst du jetzt hoffentlich nicht nur, weil dein Gesicht auf dem Etikett ist?

Nein, die sind wirklich super. Ich persönlich würde sogar den 1998er vorziehen, der hat noch so schöne Guyana-Töne. Den 1997er habe ich ausgewählt, weil es ja auch eine Caroni-Crowd gibt, die das Dreckige erwarten. Der 1998er Caroni* ist schon sehr untypisch. Aber das ist ein richtig leckerer Tropfen. Die kontinentalen Caronis sind ein bisschen verschrien, weil die tropisch gelagerten Varianten viel mehr Power mitbringen. Die sind einfach brachialer. Die kontinentalen dagegen sind filigraner. Das heißt aber nicht, dass sie schlechter sind. Der 1998er war eine Bombenabfüllung.

Stell dir vor, du bist auf eine Party eingeladen und der Gastgeber ist leidenschaftlicher Whiskytrinker. Welchen Rum bringst du mit, um seinen Geschmack zu treffen?

Ich würde sofort einen Hampden 8* einpacken, den mit 46 Volumenprozent. Trinkt derjenige gerne Fassstärke-Whisky, würde ich direkt zum Hampden Overproof * greifen. Da machst du bei Scotch-Trinkern nichts falsch.

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Mit welcher Spirituose kann man dich jagen?

Tequila, ich habe wie viele ein Hütchentrauma. Wobei ich zugeben muss, in letzter Zeit auch einige leckere getrunken zu haben.

Die schönste Flasche ist …

Eine die bald kommen wird… Stay tuned.

Hand aufs Herz: Was ist dein Guilty Pleasure in Sachen Drinks und Alkohol?

Gibt es nicht. Wobei: Ich bin bekennender Pina-Colada-Fan.

Mit Sahne oder ohne?

Ohne!

Dann ist das kein Guilty Pleasure, sondern ein vernünftiger Drink.

Hm. Dann vielleicht Saurer Joster. Der war in einer Heimat schwer angesagt.

Stell dir vor du hast 250 Euro und musst sie unbedingt für Rum ausgeben. Wählst du eine limitierte Single-Cask-Abfüllung oder vier bis fünf Blends für 50 bis 60 Euro?

Single Casks sind teilweise ein bisschen überhyped, und es gibt wirklich sehr gute Standardbfüllungen. Tendenziell würde ich um mich fortzubilden fünf Standabfüllungen für 50 Euro kaufen.

Letzte Entweder-oder-Frage: Würdest du in einer Bar lieber den ganzen Abend lang Long Island Ice Tea trinken oder eiskalte Jägermeister-Shots?

Ich würde den Long Island Ice Tea nehmen, dann ist der Abend wenigstens schnell vorbei.

Was erwartet uns in nächster Zeit bei Kirsch Whisky an Geheimtipps?

Der Hampden LROK steht in den Startlöchern. LROK-Abfüllungen gibt es nicht wie Sand am Meer, das macht ihn besonders. Aber wir arbeiten noch an einigen vielversprechenden Neuheiten, aber da darf ich leider noch nichts Genaues sagen.

Lest mehr zum Thema Rum:

Diamond, Enmore und Co – Alles, was ihr über Rum aus Guyana wissen müsst

Mount Gay – die einzelnen Abfüllungen im Vergleichs-Tasting

Der Hidden Champion – Warum ihr unbedingt Rum aus Fiji probieren müsst

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Der La Mancha Roja mit Patron Tequila

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